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PET-Getränkeflaschen zu Ballen gebündelt
Im PET to PET-Werk werden jährlich bis zu 30.000 Tonnen PET-Flaschen recycelt. Bild: Andi Bruckner / www.andibruckner.com

Zu Besuch bei PET to PET: Plastikflaschen recyceln

Wissen Sie, was mit Plastikflaschen passiert, die Sie in die gelbe Tonne werfen oder im gelben Sack sammeln? Nein? Dann kommen Sie mit auf die Reise der PET-Flaschen.

Kreislaufwirtschaft

Bis zur Unkenntlichkeit zusammengepresst und in große quaderförmige Ballen verpackt, landen die gebrauchten PET-Getränkeflaschen auf der Lagerfläche des burgenländischen Recyclingwerks PET to PET in Müllendorf. Fast 90 Tonnen oder 3,6 Millionen PET-Flaschen pro Tag laden Lkw dort ab.

Ordentlich in grüne und weiße Flaschen ­sortiert wurden sie zuvor in den regionalen Sortieranlagen, der ersten Station, in der die gesammelten PET-Flaschen landen. Aus ganz Österreich und sogar aus Ungarn, Ita­lien oder Slowenien werden die alten Kunststoffflaschen ins burgenländische Müllendorf transportiert. Im dortigen Recycling-Werk geht der Kreislauf weiter.

Nochmaliges Aussortieren

Und zwar mit nochmaligem Aussortieren. „Wir müssen sicherstellen, dass nur Getränkeflaschen recycelt werden, keinesfalls zum Bei­spiel Spülmittel-Behälter“, erklärt PET-to-PET-Geschäftsführer Christian Strasser. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hat hierzu sehr strenge Vorgaben.

Dann geht das Material in die erste Sortier- und Verarbeitungsanlage. Ohrenbetäubend laut rattern die Maschinen, die die Kunststoffballen wieder auflösen, die Flaschen also vereinzeln, und auf Förderbändern zur Sortieranlage bringen, wo noch etwaige Metallteile, die an Flaschen anhaften, und sonstige grobe Verunreinigungen ausgeschieden werden. Um ganz sicherzugehen, dass nur Getränkeflaschen wiederverwertet werden, überwachen bis zu vier Beschäf­tigte das Förderband und sortieren notfalls nach.

Das war es dann mit der Flaschenform. Denn nun wird zerstückelt und zerkleinert. Zwei Schneidmühlen machen aus den PET-Flaschen Mini-Teilchen von der Größe eines halben Fingernagels. Noch sind aber die Flaschenverschlüsse und Etiketten bei dem Kleinplastik dabei.

Trennen und reinigen

Nun muss erneut eine Reinigungsphase ­gestartet werden. Wieder brummt und knattert es laut im Maschinenraum. Jetzt werden die Etiketten in Trockenreinigung durch Reibung gelöst, anschließend wird das gesamte Plastik-Etiketten-Gemisch durch ein Zickzackrohr geblasen und in ­Gegenrichtung strömende Luft scheidet die im Vergleich zu den Kunststoffteilchen leichten Etikettenstückerln aus. Nochmals wird gewaschen, gespült und getrocknet.

Aber noch immer besteht das Plastik­gemisch nicht nur aus PET-Kunststoff, sondern auch aus den Verschlüssen, die anderer chemischer Zusammensetzung sind. Also wieder trennen. Das funktioniert ganz einfach: PET ist schwerer als Wasser und sinkt im Trennbad zu Boden, die Verschlussteilchen schwimmen oben auf und werden abgesaugt.

Die Plastikflocken sind in diesem Produktionsstadium bereits für viele Anwendungen einsetzbar: entweder in der Textilindustrie oder für die Erzeugung von Folien - nicht aber für Lebensmittel. Daher wird im PET-to-PET-Werk weiter gereinigt.

Heiß wie im Hochsommer

In der nächsten Halle, in die die PET-Flocken transportiert werden, geht es im wahrsten Sinne des Wortes heiß her. Mindestens 30 Grad hat es in der Halle. Kein Wunder bei den Temperaturen, mit denen hier gearbeitet wird. In einem 26 Meter langen und auf 200 Grad aufgeheizten Drehrohrofen werden die Kunststoffflocken, die zuvor mit Natronlauge gemischt wurden, ganz langsam durchbefördert. Dabei lösen sich die letzten Ver­unreinigungen an den Flocken und etwaige Aromastoffe diffundieren aus. Und wieder wird getrocknet und gesiebt, bevor der letzte Waschgang startet.

Aber nicht nur die Reinheit, auch die Farbe muss stimmen, sollen die Flocken zur Produktion neuer PET-Flaschen verwendet werden. Jede farbliche Abweichung könnte dazu führen, dass die Flaschen nicht völlig transparent sind oder das Grün ins Braune abweicht. Also werden die Kunststoffflocken noch durch Farbzeilenkameras geschickt, die alle Teilchen hinausschießen, die nicht der definierten Farbeigenschaft entsprechen.

Endlich fertig: Die Flocken werden nach einer letzten Prüfung in Big Bags abgefüllt und sind bereit zur Auslieferung an die PET-Flaschen-Erzeuger im In- und Ausland. Alternativ zu den Flocken werden die alten Plastikflaschen im PET-to-PET-Werk auch zu Granulat geschmolzen, zentrifugiert und die entstehenden Plastikkügelchen an die Flaschenproduzenten geliefert.

Keine großen Sprünge

So wünschenswert das Kunststoffrecycling aus Umwelt- und Klimasicht auch ist, die Betreiber können damit keine großen Sprünge machen. „Über die vergangenen 15 Jahre gerechnet, konnten sich Gewinne und Verluste in etwa die Waage halten“, sagt PET-to-PET-Geschäftsführer Strasser. Die Zeit der Corona-Pandemie war zudem besonders schwierig. Das Angebot an gebrauchten ­Getränkeflaschen sank, die Preise stiegen also, und die Kunststoffflaschenerzeuger begannen zu sparen.

Die Preise, die für Recy­cling-Kunststoffe verlangt werden mussten, lagen weit über jenen Plastikgranulat- oder Flockenpreisen, die die chemische Industrie ansetzte. Viele Produzenten, die zuvor Re­cycling-Material verwendet hatten, stiegen wieder auf die Produkte der chemischen ­Industrie um. Vor allem die Textilindustrie wollte sich das teurere Recycling-Plastik nicht mehr leisten.

Hoffen auf Einwegpfand

Mit dem Pfand auf Plastikflaschen sollte ­zumindest das Angebot für die Recycling-Betriebe wieder steigen, hofft Strasser. Ab 2025 wird in Österreich ein 25-Cent-Pfand auf alle Einweggetränkeflaschen und Dosen zwischen 0,1 und 3 Liter eingehoben (für Milch gibt es eine Ausnahme).

Im langjäh­rigen Durchschnitt liegt Österreich bei der Sammlung von PET-Flaschen gar nicht so schlecht. Etwa 75 Prozent aller PET-Flaschen landen in Österreich in Sammelcontainern oder im gelben Sack. Die EU schreibt in der Single Use Plastic Richtlinie vor, dass 2029 90 Prozent aller Plastikgetränkeflaschen ­gesammelt werden müssen.

Jede gekaufte Kunststoffgetränkeflasche besteht im Durchschnitt zu etwa 30 Prozent aus recyceltem Plastik. Auch Kunststoff­flaschen, die zu 100 Prozent aus Rezyklat bestehen, gibt es. Diese kommen aber nur in wenigen Getränkesegmenten vor, wie PET- to-PET-Geschäftsführer Strasser erklärt. Es wäre nicht sinnvoll, den gesamten Getränkeflaschenmarkt durch Recycling-Kunst­stoff­flaschen zu ersetzen. Das könnte sich - genauso wie bei (Alt-)Papier - negativ auf die Qualität auswirken.

Das Unternehmen PET to PET

  • Die Gründer: Die PET to PET Recycling Österreich GmbH mit Sitz in Müllendorf im Burgenland wurde 2006 von den Getränkeherstellern Coca-Cola Austria, Egger Getränke, Rauch Frucht­säfte, Spitz und Vöslauer gegründet.
  • Die Produktion: Seit 2007 werden in dem Werk jährlich bis zu 30.000 Tonnen PET-Flaschen recycelt. Das entspricht etwa 1,2 Milliarden Flaschen pro Jahr. Seit Produktionsstart wurden in Müllendorf 325.000 Tonnen PET-Getränkeflaschen recycelt.
  • Mitarbeiter: 75 Beschäftigte arbeiten in den 3.300 Quadratmeter großen Produktionshallen und auf den 200 Quadratmetern Büroflächen.
  • Energie: Die aktuell hohen Preise bereiten große Sorgen. Gas soll daher durch eine neue Photovoltaikanlage zumindest teilweise ersetzt werden. Das soll bis zu einem Viertel des Verbrauchs decken, der große Rest bleibt Strom aus herkömmlichen Quellen.

Aus Erdöl wird PET

Hinter der Abkürzung PET versteckt sich die chemische Verbindung Polyethylenter­e­phthalat. Hergestellt wird PET aus Erdöl. In einer 75 Milliliter PET-Flasche stecken etwa 0,3 Liter Erdöl. Chemisch betrachtet ist PET ein Kunststoff, der zur Familie der Polyester zählt.

Etwa sechs Prozent der weltweit produzierten Kunststoffe sind aus PET her­gestellt. Dieser Kunststoff ist für Getränkeverpackungen besonders gut geeignet, da er leicht und beständig gegen schwache Säuren, Fette oder Öle ist. Rund ein Viertel aller produzierten PET-Kunststoffe wird für Getränkeflaschen verwendet, 40 Prozent gehen in die Textilindustrie zur Erzeugung von Polyesterfasern. Aus 20 Prozent des ­produzierten PET werden Folien hergestellt, und aus dem Rest unter anderem Kunststoffbänder für Verpackungen.

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Reportagen

In unserer Reihe „Zu Besuch bei“ blicken wir hinter die Kulissen von Produktions­betrieben. Wir wahren dabei hohe journalistische Standards, bleiben objektiv und lassen uns nicht vereinnahmen – damit wir unser wichtiges Gut, unsere Glaubwürdigkeit, nicht beschädigen.

Zuletzt haben wir Claro in Salzburg einen Besuch abge­stattet (siehe Betriebsbesuch bei claro: Von Anif bis Amman 08/2022).

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