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Leere Flaschen, von oben fotografiert
Nur etwas mehr als 20 Prozent aller Getränke im Handel werden in Mehrwegflaschen verkauft. Bild: Take-Photo

Getränkeflaschen: Kommt die Mehrweg-Renaissance?

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Getränke in Mehrwegflaschen, das war noch in den 1990ern akzeptierte Normalität. Inzwischen wird lediglich jedes fünfte Getränk im Handel als Mehrwegflasche verkauft. Eine gesetzliche Quote wird gefordert. Die Regierung steht sich selbst im Wort. 

Auf Seite 142 des Regierungsprogramms steht es geschrieben: „Verbindliche gesetzliche Rahmenbedingungen inklusive konkreter Ziele für den Ausbau von Mehrwegsystemen, insbesondere auch für Getränkeverpackungen."

Papier ist geduldig, dachte sich Greenpeace. Damit die Regierung nicht darauf vergisst, hat die Umwelt-NGO kurzerhand eine Studie in Auftrag gegeben, die der Koalition ein wenig helfen soll. Einerseits dabei, ihre selbstdefinierten Ziele nicht zu vergessen (Greenpeace fordert: klare gesetzliche Regelungen noch heuer!). Und andererseits, wie man so ein Mehrwegsystem implementieren könnte. 

Nun gut. Es ist ja nicht so, dass Mehrweg komplett weg ist. Es dümpelt halt so vor sich hin. Nur etwas mehr als 20 Prozent aller Getränke im Handel werden in Mehrwegflaschen verkauft. Noch vor 20 Jahren waren es 85 Prozent bei Bier und 65 Prozent bei Mineralwasser. Geht man noch weiter zurück, steigen diese Zahlen gen 100 Prozent an. In meiner Kindheit in den 80ern gab’s nix anderes als Mineralwasser in der Mehrweg-Glasflasche. Punkt. Dann kam der Plastikhype der 90er. Und Aludosen bekamen Flügel.

Für Nostalgiker hier eine Werbung, die Erinnerungen weckt. Damals waren Glasmineralwasserflaschen alternativlos. Und es war OK so.

„Ja aber was ist mit Recycling?“, wird manch einer jetzt sagen, „ich recycle doch meine Flaschen immer anstandslos“. Für Studienautor Gerhard Vogel, ehemaliger Leiter des Institutes für Technologie und nachhaltiges Produktmanagement an der WU Wien, ist Recycling immer nur die zweitbeste Lösung: „Jede recycelte Plastikflasche muss energieintensiv neu geformt werden und bei diesem Prozess gehen jedes Mal rund vierzig Prozent des Materials verloren. Nach sechs Durchgängen bleibt von einer Einweg-Plastikflasche weniger als ein Prozent für die Wiederverwertung übrig. Mehrweg ist daher ökologisch der unbestrittene Spitzenreiter.” Und Einweg-Glasflaschen? Da benötige man 1600 Grad Celsius, um die Scherben wieder zu verflüssigen. Wie ökologisch das ist, kann sich jeder wohl selber denken.

Eigenintitiative und Quote

Erste erfreuliche Eigeninitiativen aus der Wirtschaft heraus sind jedenfalls bereits in der Zielgeraden. Im März bringt Radlberger eine Limo im 1l-Glas-Mehrweggebinde auf den Markt. Die Radlberger-Mutter Egger hat laut Eigenangaben 25 Millionen Euro in eine neue Glasfüllanlage sowie den Gebinde-Pool investiert. Zudem startet Molkerei-Marktführer Berglandmilch (mit Schärdinger und Tirol-Milch) Ende Februar mit Milch-Mehrwegflaschen: das erste Mehrwegsystem bei Milchflaschen seit rund 20 Jahren in Österreich. Abgefüllt wird in Aschbach bei Amstetten und in Wörgl. Rund acht Millionen Euro nimmt Berglandmilch laut Eigenangaben dafür in die Hand. Auch Spar und Rewe (Billa, Merkur, Adeg und Sutterlüty) nutzen alsbald diese Infrastruktur und bieten Eigenmarken-Biomilch ab Anfang März in Mehrwegflaschen an. Der Pfand wird je nach Anbieter etwas variieren, aber um die 20 Cent pro Flasche betragen. Im Herbst soll übrigens Ja-Natürlich-Joghurt im Mehrwegglas im Handel erhältlich sein. 

In der Greenpeace-Studie wird ein 10-Punkte-Plan zum Ausbau von Mehrweg-Getränkeverpackungen präsentiert. Gefordert wird u.a. die Einführung einer gesetzlichen Mehrwegquote von 50 Prozent bis 2030, die Kennzeichnungspflicht und Standardisierung von Mehrwegflaschen, ein Bonus-Malus-Systems für den Handel, sowie die Einführung eines Pfandsystems für Einwegverpackungen.

Die vollständige Studie ist hier downloadbar.

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