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Schwarze Mokka-Tasse mit Kaffee
Wie groß ist der Einfluss der Zubereitung auf die ökologische Gesamtbilanz? Bild: amenic181/Shutterstock

Umweltbilanz von Kaffee: Mokka, Maschine oder Instant?

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Wie groß ist der Einfluss der Zubereitungsart auf die ökologische Gesamtbilanz einer Tasse Kaffee? Sind Alu-Kapselsysteme womöglich besser als ihr Ruf? Brühwarme Antworten auf einige heiße Kaffee-Fragen.

Freunde von mir haben einen High-End-­Kaffeevollautomaten in der Küche stehen, der mehr Staubfänger als Gebrauchsgegenstand ist. Er wird nur angeworfen, wenn Gäste zu Besuch kommen. Der alltägliche Kaffee wird mit der Mokkakanne gebrüht. Warum? „Weil das umweltfreundlicher ist“, höre ich zur Begründung. In meinem Kopf beginnt es zu rattern. Stimmt das? Auf ­welche Weise gebrüht ist ein Kaffee wohl am umweltfreundlichsten? Die Antwort ­darauf zu finden ist, wie so oft bei Öko-­Themen, ganz schön verzwickt. Der Versuch einer Annäherung.

Faktor Stromverbrauch

Welche Art der Kaffeezubereitung zieht am wenigsten Strom? Der Antwort auf diese Frage kann man sich nur unter einer Voraussetzung ­nähern: Man muss die jeweils energieeffi­zientesten am Markt erhältlichen Produkte miteinander vergleichen. Dann würde die Reihung bezüglich des CO2-Fußabdrucks je Zubereitungsart (in etwa) so aussehen:

  • Instantkaffee
  • Kaffeevollautomat ex aequo mit Espressomaschine (mit hohem Druck) sowie Kapselmaschine
  • Filterkaffee

Der Mokka von der Herdplatte kommt an zweiter oder dritter Stelle zu liegen, je nachdem, wie genau er zubereitet wird. ­Eine kleine Induktionsplatte (siehe Test auf Seite 17) ist dabei ­wesentlich effizienter als z.B. eine Mini-­Kanne auf einer großen Ceran- oder Guss­platte mit viel Wärmeverlust. Instantkaffee schneidet insbesondere dann gut ab, wenn nur so viel Wasser erhitzt wird, wie man gerade benötigt. Am effizientesten gelingt das mit einem Wasserkocher. Es lässt sich natürlich darüber streiten, ob Instantkaffee überhaupt als Kaffee durchgeht oder nicht ...

Faktor Kaffeeproduktion

Die Rah­menbedingungen bei der Kaffeeproduktion haben einen maßgeblichen Einfluss auf die Gesamtumweltbilanz einer Tasse Kaffee. Unter der Prämisse, einen konventionell produzierten „Durchschnittskaffee“ zu verwenden, gehen rund 50 Prozent der Umweltbelastung auf die Rohkaffeebereit­stellung zurück. Laut einer Studie der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt aus 2011 können es auch bis zu 70 Prozent sein – dann, wenn überdurchschnittlich viel Wasser verbraucht wird, Pestizide zum Einsatz kommen, überbordend gedüngt wird und auf den Plan­tagen viele alte, mit Diesel betriebene ­Maschinen eingesetzt werden.

Faktor Kaffeemenge

Es steigen ­jene Systeme besser aus, die Kaffeepulver sparen. Maschinen haben einen gewissen Vorteil. Sie bemessen die Kaffeemenge (den gewählten Einstellungen folgend) immer gleich. Beim Mokka und v.a. beim Filter­kaffee neigen wir Menschen hingegen dazu, gern mal falsch zu dosieren. Also eher noch den Extra-Löffel Kaffee dazuzugeben – man will ja kein Gschloder.

Der Impact der Kaffeemenge (natürlich ­gepaart mit der Kaffeeproduktion) ist sogar so groß, dass Alu-Kapselsysteme in der ­Gesamtumweltbilanz nicht per se den Kürzeren ziehen – sofern die Geräte effizient sind und die Kapseln nach dem Gebrauch rezykliert werden, im besten Fall sogar ­bereits einen hohen Anteil Sekundäraluminium enthalten. Denn der Kaffee in den Kapseln ist in Relation zwar schmerzhaft teuer, aber aus Umweltsicht erfreulich sparsam bemessen.

Faktor Verpackungsmaterial

Bei Kaffee­verpackungen wird leider sehr oft Verbundmaterial verwendet, meist eine Mischung aus Kunststoffen und Aluminium. Die Verpackungen sind so de facto kaum noch recycelbar. Das hat natürlich einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Gesamtumweltbilanz von Kaffee. Die Faktoren Kaffeeproduktion und -menge wiegen in der Regel aber schwerer. Wünschenswert aus ökologischer Sicht wäre es natürlich, wenn Konsumenten zu Kaffee greifen würden, der in Verpackungen versiegelt ist, die hauptsächlich aus Papier bestehen und insbesondere auf Aluminium im Verbundmaterial verzichten. Kaffee gekauft in Unverpackt-Läden ist eine weitere Optimierungsmöglichkeit.

Fazit: Es kommt auf die Details an

Eine pauschale Aussage zu treffen, welche Zubereitungsart aus Umweltsicht am besten abschneidet, ist nicht möglich. Es spielen zu viele Faktoren und Details eine Rolle. Aber wir Konsumenten haben jedenfalls Optionen, den Umwelt-Impact beim Kaffeetrinken so klein wie möglich zu halten. In erster Linie geht es darum, Kaffee als wertvolles Genussmittel mit Blick auf die Umwelt und auch auf die eigene Gesundheit in Maßen zu konsumieren. Eine bewusste Entscheidung für fair gehandelten Bio-­Kaffee ist auf jeden Fall ein grüner Tipp, der bei allen Zubereitungsarten Gültigkeit hat.

Erfreulich: In unserem Kaffee-Test in KONSUMENT 1/2022 hatten die Bio-Produkte die Nase vorn.

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