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Sharing Economy, Innovation und zukünftiges Geschäftstechnologiekonzept auf virtuellem Bildschirm
Bild: Wright Studio / Shutterstock

Sharing Economy: Tauschen statt kaufen

Immer mehr Initiativen setzen sich für das Tauschen und Teilen von Alltagsprodukten ein. Auf diese Weise werden Ressourcen geschont und Menschen vernetzt.

Mann schlägt einem Räuber einen Tausch vor: Karotten gegen alten Hut (Cartoon)
So sieht unser Karikaturist Rosch das Thema Sharing Economy Bild: Rosch (Robert Scheifler)/VKI

Tauschen und Teilen ist wieder angesagt.

Beim Verein Diversoviel im 2. Wiener Gemeindebezirk herrscht reges Kommen und Gehen. Stefanie Maczijewski gibt am Eingang Kärtchen mit Nummern aus, die die Anzahl der ­mitgebrachten Kleidungsstücke anzeigen. „Genauso viele Stücke, wie abgegeben wurden, dürfen auch wieder mitgenommen werden“, erklärt sie.

Im Hinterzimmer sind die Kleidungsstücke nach ­Hosen, ­Röcken usw. geordnet, im Eingangsbereich gibt es Kaffee und Kekse. Auch ­einen ­kleinen, abgetrennten Bereich zum Anprobieren der Kleidung gibt es.

Kleidertauschbörsen

„Bei ­Diversoviel setzen wir uns für Vielfalt und Begegnung ein“, erklärt Stefanie Maczijewski. Veranstaltungen wie Kleidertausch, Näh- oder Sprachentreffs finden regel­mäßig statt.

Auch in der Wiedner Hauptstraße in Wien werden Kleider getauscht, veranstaltet von der Agenda Margareten gemeinsam mit den Bökos, einer Studierendengruppe, die sich für ein sauberes Margareten einsetzt. Was an Kleidern übrigbleibt, wird an Carla Läden der Caritas Wien gespendet. „Ich mag Kleidertauschbörsen, weil ich Dinge, die ich nicht mehr brauche, gegen etwas Neues eintauschen kann und dabei auch noch Geld spare“, sagt Amelie W. Auffällig ist, dass fast nur Frauen bei diesen Events anzutreffen sind.

Alternativen zum Shoppen

Tauschen statt kaufen, teilen statt besitzen - so lautet das Credo der Sharing-Bewegung, die sich wachsender Beliebtheit ­erfreut. Sie bildet einen Gegenpol zum ­unbedachten Shoppen, das angesichts des Zustandes unseres Planeten immer mehr in Verruf gerät. Denn die Ressourcen des Planeten werden gnadenlos ausgebeutet - durch ein Wirtschaftssystem, das ständig neue Waren produziert, und von Konsumenten, die unkritisch einkaufen.

Gerade bei Kleidung sind die Auswirkungen der Massenproduktion enorm, Stichwort Fast Fashion. Große Textilunternehmen ­bringen jedes Jahr bis zu 24 Kollektionen auf den Markt. Um die Mode möglichst ­billig produzieren zu können, werden Arbeiter und Näherinnen in den Hersteller­ländern wie China, Bangladesch oder Indien aus­gebeutet. Dazu kommen ökologische ­Probleme z.B. beim Anbau konventioneller Baumwolle.

Bücher zum Mitnehmen

Zu den ältesten Beispielen für ein erfolg­reiches Sharing-Modell zählen Bibliotheken und Büchereien. Auch offene Bücherschränke, oft in ehemaligen Telefonzellen, werden immer beliebter, hier können Leser nach Lust und Laune geben und nehmen. Wer den Weg eines geteilten Buches nachverfolgen möchte, findet Gleichgesinnte bei Bookcrossing. Bei dieser weltweiten Initiative werden Bücher an andere Mit­glieder weitergegeben, die sich in Foren auch über Inhalte austauschen können.

Hinter all diesen Sharing-Modellen steht der Gedanke, dass nicht alles, was man braucht, gekauft werden muss. Unter Nachbarn werden gerne Bohrmaschinen oder sonstige Haushaltsgeräte geteilt; ebenfalls bewährt sind Waschsalons oder -küchen, wie es sie in vielen städtischen (Neu-)Bauten gibt.

Ein Auto für viele

Während viele Sharing-Modelle auf großen Online-Plattformen zu finden sind, wächst auch die Zahl der privaten Initiativen: Britta S. teilt sich mit zwei anderen Frauen ein Auto. „Ich hätte sicher kein eigenes Auto, wenn es diese Vereinbarung nicht gäbe“, sagt die Wienerin. Koordiniert wird das private ­Sharing-Konzept über die App „WeeShare“.

„Wenn sich jemand von uns einträgt, sind diese Termine blockiert. Jede tankt das Auto voll, bevor sie es zurückgibt.“ Laufende ­Kosten wie Versicherung werden gedrittelt, alles andere wird anhand der gefahrenen Kilometer prozentuell aufgeteilt. Und mög­liche Unfälle? „Es ist noch kein Unfall passiert, aber wir haben uns überlegt, dass wir die anfallenden Kosten dritteln würden“, sagt Britta S. „Denn es kann jeder von uns passieren.“

Online-Plattformen

Bei Plattformen wie Getaround oder GoMore können Autos gemietet oder auch vermietet werden. „Unsere Städte sind ­voller geparkter Autos“, heißt es auf der Homepage von GoMore. „96 Prozent der Zeit stehen sie nutzlos herum – und falls sie mal benutzt werden, dann sitzt man meist alleine drin.“

Julia S. vermietet ihr Auto über beide Plattformen und ist zufrieden damit: „Ich brauche mein Auto nur an kalten Winter- oder Regentagen, sonst fahre ich mit dem Fahrrad.“ Über die Einnahmen aus der Vermietung erhält sich das Auto selbst. Dass das Modell beliebt ist, zeigt die Dichte der Autos im Bezirk der Wienerin. „Allein in meiner näheren Umgebung gibt es fünf ­Autos, die auf Getaround registriert sind“, so Julia S., die in fünf Jahren Vermietung nur gute Erfahrungen gemacht hat.

Die Lebensmittelretter

Lebensmittelverschwendung ist in Zusammenhang mit Ressourcenschonung eines der größten Probleme weltweit. Laut einem WWF-Report aus dem Jahr 2021 werden 40 Prozent aller produzierten Nahrungsmittel nie gegessen. In Österreich entsteht etwa die Hälfte der vermeidbaren Lebensmittelabfälle zuhause; jährlich landen ­dadurch mehr als 500.000 Tonnen an genießbaren Lebensmitteln im Mist.

Die Initiative foodsharing setzt sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln und ein nachhaltiges Ernährungs­system ein. Dabei steht das Ziel, die Verschwendung von Lebensmitteln zu beenden, an erster Stelle. Ehrenamtliche Foodsaver arbeiten mit Supermärkten oder Restaurants zusammen, um nicht verwendete ­Lebensmittel vor der Entsorgung zu retten.

Diese werden an Vereine, Tafeln und Suppenküchen weitergegeben oder über das food­sharing-Netzwerk und Fair-Teiler (öffent­liche Regale zum Austausch von Lebens­mitteln) geteilt. Wer privat nicht gebrauchte Lebensmittel weitergeben möchte, kann dies über die Foodsharing-Plattform in Form von „Essenskörben“ tun. Dabei gilt grundsätzlich: Nichts an andere weitergeben, was man selbst nicht mehr essen würde.

Zusammen ist man nicht allein

In Kärnten setzt sich der Verein Together für den Erhalt von Lebensmitteln und anderen Dingen ein. „Bevor etwas in der Mülltonne landet, retten wir es und geben es weiter - egal ob Lebensmittel, Bücher, Kleidungs­stücke oder Haushaltsgeräte“, sagt Julia Petschnig, die in Ledenitzen, einem kleinen Ort nahe des Faaker Sees, den Verein gegründet hat.

Together arbeitet mit Super- und Großmärkten zusammen, um nicht verkaufte Lebensmittel abzuholen. Die Weitergabe findet in sogenannten Together-Points statt, in angemieteten Räumen oder Lokalen. „Wichtig ist uns, dass jeder zu uns ­kommen kann, es gibt keine ,Bedürftigkeitsgrenze‘ wie bei anderen Organisationen“, so Petschnig.

Dennoch, eine wachsende Zahl an Menschen komme nicht nur aus ideologischen, sondern auch aus finanziellen Gründen. „Im ersten Corona-Lockdown, als alle anderen zugesperrt haben, haben wir innerhalb von sechs Wochen über 1.000 Sozial­pakete ausgeliefert.“ 400 ehrenamtliche Helfer und Helferinnen arbeiten im Verein mit, 15 Mitarbeiter sind angestellt.

Zeit statt Geld

In sogenannten Talente-Tauschkreisen werden nicht nur Dinge, sondern auch Dienstleistungen getauscht. Zum Beispiel ein nicht mehr gebrauchtes Haushaltsgerät gegen einen Haarschnitt. Die offizielle Währung der Tauschkreise ist die „Talentestunde“, Waren oder Dienstleistungen werden gegen ein Zeitguthaben getauscht.

Der virtuelle Marktplatz Cyclos ermöglicht die Kontaktaufnahme mit Anbietern und Nachfragern. Tauschkreise gibt es in allen Bundesländern, die Philosophie dahinter, beispielsweise nachzulesen beim Talente Tauschkreis Salzburg: „Immer steht beim Tauschen der Mensch im Mittelpunkt. Mit seinen Talenten, Begabungen und Fähigkeiten gilt es wirkliche Werte zu schöpfen.“

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