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junger Mann schwebt in der virtuellen Welt
Wie weit sind Videospiele und speziell Lootboxen reguliert? Bild: 3D Gear FOTO Shutterstock

Sind Lootboxen Glücksspiel? - Versuche der Regulierung

Es ist schwierig Lootboxen zu regulieren. Doch es gibt erste Ansätze.

Prof. Tilman Becker, Glücksspielforscher, meint in einem Interview, dass Lootboxen der systematische Versuch seien, aus Spielern Glücksspieler zu machen („turn gamers into gamblers“).

Video: Why loot boxes should be regulated

Die norwegische Konsumenten-Organisation Norwegian Consumer Council (NCC) kritisiert an Lootboxen manipulatives Design, aggressives Marketing und irreführende Wahrscheinlichkeiten. Im Video fordert Finn Lützow-Holm Myrstad (Direktor des Bereiches Digital Policy im NCC)  Regulierungen.

Glückspiel für Kinder?

Nun hat die EU keine Kompetenz Glücksspiel zu regulieren. Diese Rechte liegen bei den einzelnen Mitgliedsstaaten. Die wiederum müssen klären, ob Lootboxen als Glückspiel zu klassifizieren wären. Und da haben die Länder unterschiedliche Rechtssysteme, Kriterien und Geschwindigkeiten.

Nur in Belgien, den Niederlanden und der Slowakei sind Lootboxen als Glücksspiel klassifiziert und für Kinder verboten. In Belgien hat das Verbot aber nicht viel genützt, wie eine wissenschaftliche Untersuchung vom Juli 2022 ("Breaking Ban") zeigt: „Bezahlte Lootboxen”, so schreibt der Studienautor Leon Y. Xiao, “blieben in Belgien unter den 100 umsatzstärksten iPhone-Spielen immer noch leicht zugänglich („widely available amongst the 100 highest-grossing iPhone games in Belgium”). Es hapert an der Durchsetzung. Auch in den anderen Ländern können Kinder weiterhin ihre Spiele mit Omas Geld nachrüsten („They still play and pay“).

Die BEUC, der Dachverband der europäischen Konsumentenorganisationen, ist gegen eine Einstufung als Glücksspiel und für eine Regulierung auf gesamteuropäischer Ebene.

Rechtslage in Österreich

„Schwebend unwirksam“

Ein minderjähriger Schüler ist durch Ausgaben von Tausenden Euro in seinem Unterhalt gefährdet, dieses Geschäft daher, so der Fachbegriff, „schwebend unwirksam“. Ohne Zustimmung der Erziehungsberechtigten sind solche Käufe ungültig. Das österreichische Recht ist da sehr streng. Wir vom VKI konnten daher in mehreren Fällen diese Gelder für die Betroffenen zurückholen. Aber viele Betroffene schweigen aus Scham, nutzen ihre Rechte nicht und das Geld bleibt bei den Firmen.

Österreich: "sind zuversichtlich"

2021 wurde bekannt, dass die österreichische Regierung eine Glücksspielbehörde schaffen möchte. Es gelte (Stichwort Corona) die steigende Spielsucht einzudämmen. In dem Zusammenhang wurden auch die Loot Boxen als „Einstiegsdroge“ genannt. Nun wies uns ein KONSUMENT-Leser auf das neue Spiel "Diablo Immortal" hin. Er fragt: „Warum werden solche Spiele in Österreich nicht verboten? Welche(s) Behörde/Ministerium wäre dafür verantwortlich?“ Die Antwort des zuständigen Bundesministerium (Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport) vom Sommer 2022 bleibt schwammig:

Es handle „sich um eine komplexe Gesetzesmaterie, die mit größter Sorgfalt behandelt werden muss. Der Spielerschutz hat oberste Priorität (…) – wir sind aktuell in konstruktiven Gesprächen über gemeinsame Positionen und sind nach wie vor zuversichtlich, dass es in den kommenden Verhandlungsrunden gelingt eine Einigung zu finden.“

Digital Service Act - verwässert

Doch es ist Bewegung in die Sache gekommen. Google Play und Apples App Store haben ihre Instrumente verbessert, mit denen etwa Eltern unerwünschte Zahlungen zurückholen können. Das Finanzministerium hat 2018 im Gaming Regulator European Forum zugestimmt "to focus on loot boxes".

Mehr Fairness, weniger Wild-West

Parallel haben sich sowohl EU-Parlament als auch EU-Kommission mit den Gefahren von Lootboxen und miesen Tricks beschäftigt und versuchen sie zu regulieren. Seit dem Frühjahr 2022 steht das Grundgerüst des sogenannten Digital Market Act (DMA) und des Digital Service Acts (DSA). Letzteres ein EU-Regelwerk, das den Konsumenten im digitalen Raum mehr Fairness verschaffen und Wild-West-Methoden beschränken soll. Wie gut das das funktionieren wird, ist noch offen. Die Situation ist derzeit unübersichtlich.

Einerseits zielt der DSA in der Darstellung des Bundeskanzleramtes u.a. auf: "Verbot irreführender Praktiken und bestimmter Arten gezielter Werbung, etwa Werbung für Kinder oder Werbung auf der Grundlage sensibler Daten. Verboten werden auch die sogenannten "Dark Patterns" und irreführende Praktiken, die Betrügerinnen beziehungsweise Betrügern dazu dienen, Entscheidungen der Nutzerinnen und Nutzer zu manipulieren." Auffällig: Es fehlt in dem Text das Wort "Lootboxen". Das DSA muss, Stand 9/2022, erst in österreichisches Recht integriert werden. So etwas kann die Regierung - je nach politischer Wetterlage - scharf oder zurückhaltend angehen. Die Umsetzung ist für Herbst/Winter 2022/23 geplant.

Hartes Geld, weiche Regeln

Andererseits freut sich die Gaming-Industrie, dass die Lootboxen nicht so deutlich beschränkt sind. Wörtlich heißt es auf gamesindustry.biz: "Moreover, the EU's Digital Services Act, (...) doesn't contain anything about loot boxes or gambling-like game mechanisms. (...) It's not clear how serious the threat of these games being legislated at an EU level ever was, but avoiding such legislation being enacted in the Digital Services Act probably means it's off the table for the time being." Auf Deutsch: Der DSA enthalte nichts über Lootboxen oder Glücksspiel-ähnliche Mechanismen und sei im Moment vom Tisch. Also weitermachen wie bisher.

Verbraucherzentralen enttäuscht

Der Dachverband der deutschen Verbraucherzentralen vzbv zeigt sich enttäuscht . Die Vorschläge des EU-Parlaments seien zum Nachteil der Verbraucherinnen und Verbraucher nur in abgeschwächter Form übernommen worden. Der EU-Rat, also die Regierungschefs der einzelnen Mitgliedsländer, hatte die konkrete Liste der zu verbietenden Praktiken wieder wegverhandelt.

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