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Auf dem Bild ist ein kleines Baby zu sehen, das in den Armen einer erwachsenen Person liegt. Die erwachsene Person hält dem Baby eine Babyflasche mit Milch oder Säuglingsnahrung hin. Das Baby greift mit einer Hand nach der Flasche. Die Szene wirkt ruhig und fürsorglich, mit hellem, weichem Licht und einem unscharfen Hintergrund, der den Fokus auf das Baby und die Fütterungssituation legt.
Bild: stock.adobe.com/Robert Kneschke

Rückruf von Babynahrung: Foodwatch klagt

Die europäische Verbraucherorganisation Foodwatch hat in Frankreich Klage eingereicht – im Namen von Familien, deren Babys nach dem Verzehr von Säuglingsnahrung erkrankt sind. Grund ist ein groß angelegter Rückruf verschiedener Babymilchprodukte, die mit dem Giftstoff Cereulid verunreinigt gewesen sein sollen.

Was bisher bekannt ist

Laut Recherchen von Foodwatch wurden mehrere Hersteller – darunter Nestlé, Danone, Lactalis, Vitagermine, La marque en moins, Granarolo und Hochdorf – aktiv. Sie mussten internationale Rückrufe starten, weil ihre Säuglingsnahrung möglicherweise verunreinigt war. Auch wir haben Anfang Jänner über den Rückruf informiert. Die Produkte wurden weltweit verkauft, auch für Babys unter sechs Monaten und für Frühgeborene.

Besonders schwerwiegend: Laut Foodwatch wusste Nestlé bereits Anfang Dezember 2025 von der Verunreinigung. Dennoch sollen groß angelegte öffentliche Rückrufe erst Wochen später erfolgt sein.

Warum die Klage?

Die nun in Paris eingereichte Klage richtet sich gegen:

  • mögliche Verstöße gegen die Lebensmittelsicherheit,
  • das Inverkehrbringen möglicherweise schädlicher Produkte,
  • verspätete oder fehlende Rückrufe,
  • mangelhafte Information von Behörden und Konsument:innen.

Acht Familien haben sich der Klage bereits angeschlossen, weitere bereiten sich vor.

Schwere Symptome bei Säuglingen

Mehrere betroffene Eltern berichten übereinstimmend von:

  • starkem und wiederholtem Erbrechen,
  • anhaltendem Durchfall,
  • Fieber,
  • Bauchschmerzen.

Einige Babys mussten sogar ins Krankenhaus eingeliefert werden – zum Teil noch bevor die Rückrufe offiziell bekannt wurden. In einem Fall wurde das Bakterium Bacillus cereus nachgewiesen, das den Giftstoff Cereulid produzieren kann. Viele Eltern schildern Wochen voller Angst und Unsicherheit.

Warnung an Eltern: Verpackungen nicht wegwerfen

Foodwatch rät ausdrücklich davon ab, Verpackungen oder verbliebene Milchpulverreste zu entsorgen. Sie können als Beweismittel oder für weitere Labortests wichtig sein. Einige Händler und Marken hätten Verbraucher:innen jedoch aufgefordert, Verpackungen zu zerstören oder zurückzusenden. Davor warnen die Konsumentenschützer dringend.

Verdacht auf “stille Rückrufe”

Foodwatch zufolge liegen Hinweise vor, dass in mehreren Ländern – darunter auch Österreich – stille Rückrufe stattgefunden haben könnten. Das bedeutet: Produkte wurden möglicherweise aus dem Handel genommen, ohne die Öffentlichkeit zu informieren. In Frankreich seien betroffene Chargen offenbar über viele Monate hinweg weiterverkauft worden.

Um welchen Inhaltsstoff geht es?

Im Zentrum der Untersuchungen steht der Zusatzstoff ARA (Arachidonsäure), eine Omega‑6‑Fettsäure. Sie wurde von einem chinesischen Unternehmen geliefert. Trotzdem tragen die europäischen Hersteller laut Foodwatch die volle Verantwortung für:

  • Produktsicherheit
  • Rückverfolgbarkeit
  • rechtzeitige Information der Behörden und der Öffentlichkeit

Was bedeutet das für mich?

Personen, die Babynahrung der genannten Marken zu Hause haben, sollten:

  • Produkte überprüfen (Marke, Mindesthaltbarkeitsdatum, Charge)
  • Rückrufmeldungen beachten
  • keine geöffneten oder ungeöffneten Produkte wegwerfen
  • bei Symptomen sofort ärztlichen Rat einholen
  • verdächtiges Pulver sicher aufbewahren – nicht zurücksenden

Allgemein gilt für einen guten Überblick über Produktrückrufe:

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