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Ein Fläschchen des AstraZeneca-Impfstoffs neben einer Impfspritze.
Wie funktioniert die Booster-Impfung bei allen, die zuvor mit dem AstraZeneca-Impfstoff geimpft wurden? Bild: Marc Bruxelle/Shutterstock.com

Booster-Impfung für AstraZeneca-Geimpfte

Für einen anhaltenden Corona-Schutz scheinen drei Impfungen notwendig zu sein. Wie funktioniert die Booster-Impfung für Personen, die zuvor zweimal mit dem Impfstoff von AstraZeneca geimpft wurden?

Unsere Kooperationspartner vom medizin-transparent.at haben sich Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit der Booster-Impfung für AstraZeneca-Geimpfte angesehen.

Impfempfehlungen

Alle, die bereits zwei Impfungen mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca (Vaxzevria) erhalten haben, sollten sich ein drittes Mal impfen lassen (Booster-Impfung). So lautet die Empfehlung der zuständigen Impfkommissionen – in Österreich bereits vier Monate nach der zweiten Impfung, in Deutschland schon drei Monate danach. Begründet wird die Empfehlung damit, dass der Impfschutz nach der zweiten Teilimpfung mit der Zeit nachlässt. Zwei Impfungen mit AstraZeneca scheinen zudem nicht auszureichen, um vor einer Erkrankung durch die Omikron-Variante zu schützen.

Mit welchem Impfstoff boostern?

Das Nationale Impfgremium (NIG) in Österreich und die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland empfehlen AstraZeneca-Geimpften für die Booster-Impfung einen mRNA-Impfstoff (Moderna oder Biontech/Pfizer). Eine Ausnahme gilt für Personen unter 30 Jahren. Diese sollen bei der dritten Impfung nicht den Moderna-Impfstoff erhalten, sondern jenen von Biontech/Pfizer. Dasselbe gilt für Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, weil für den Biontech/Pfizer-Impfstoff die Unbedenklichkeit in der Schwangerschaft am besten abgeklärt ist.

Die Behörden begründen diese Empfehlung damit, dass Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen in der Altersgruppe der unter 30-Jährigen häufiger nach der Moderna-Impfung vorkamen als nach der Biontech/Pfizer-Impfung. Die Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung ist eine sehr seltene Nebenwirkung der beiden mRNA-Impfstoffe (sehen Sie hierzu konsument.at/corona-impfstoff-moderna-042021 bzw. konsument.at/corona-impfstoff-comirnaty-von-biontech-pfizer-042021).

Schutz vor der Omikron-Variante

Eine Beobachtungsstudie aus England zeigt, dass ohne Booster-Impfung vier bis fünf Wochen nach der Zweitimpfung mit AstraZeneca kein Schutz vor der Omikron-Variante besteht. An der Studie nahmen rund 93.000 Personen teil – darunter Personen ohne Impfung, mit zweifacher AstraZeneca-Impfung sowie mit zusätzlicher Booster-Impfung von Biontech/Pfizer. Mit einer Booster-Impfung liegt die Schutzwirkung vor einer Omikron-Covid-19-Erkrankung bei 71 Prozent. Das bedeutet, dass eine Booster-Impfung mit dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer 71 Prozent der Omikron-Covid-19-Erkrankungen verhindert, die ohne Impfung auftreten würden. Diese Ergebnisse sind jedoch nicht gut abgesichert, die Schwankungsbreite ist hoch. Denn für genaue Ergebnisse gab es unter den Teilnehmenden zu wenige Omikron-Covid-19-Erkrankungen. Zudem ist noch nicht untersucht, wie gut die Booster-Impfung vor einem schweren Covid-19-Verlauf schützt. Zukünftige Studien werden wohl präzisiere Daten liefern.

Schutzwirkung sinkt

Bei den vor Omikron verbreiteten Varianten des Coronavirus betrug die Schutzwirkung vor einer Covid-19-Erkrankung im Anschluss an die zweite AstraZeneca-Impfung 60 Prozent oder mehr. Das bedeutet, dass die Impfung über 60 Prozent der Covid-19-Erkrankungen verhinderte, die ohne Impfung aufgetreten wären. Zwei Studien kommen zu dem Ergebnis, dass die Schutzwirkung mehr als sechs Monate nach der Impfung auf 32 bzw. 42 Prozent absinkt. In der oben erwähnten englischen Beobachtungsstudie wurde auch die Schutzwirkung zur Delta-Variante des Coronavirus untersucht.

Booster-Impfung steigert Schutz

Ohne Booster-Impfung beträgt die Schutzwirkung sechs Monate nach der Zweitimpfung mit AstraZeneca noch 42 Prozent. Zwei Wochen nach einer Booster-Impfung mit dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer beträgt die Schutzwirkung 94 Prozent. Zu einer Booster-Impfung mit dem Impfstoff von Moderna konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von medizin-transparent.at keine Studien finden, die die Schutzwirkung vor einer Covid-19-Erkrankung beziffern könnten. Anfang des Jahres lagen lediglich zwei Antikörper-Studien vor. Beide kommen zu einem sehr ähnlichen Ergebnis: Nach einer Booster-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff (Biontech/Pfizer oder Moderna) steigt die Menge der Antikörper gegen das Coronavirus im Blut der Geimpften deutlich an. Das weist darauf hin, dass die Booster-Impfung den nachlassenden Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung wieder erhöht. Wie hoch dieser ist, lässt sich anhand der Antikörperwerte jedoch nicht sagen.

Müde nach Moderna-Booster

Nebenwirkungen wie Fieber oder Schmerzen im geimpften Arm wurden nach der Booster-Impfung etwa gleich häufig registriert wie nach den ersten beiden Impfungen. Nach der dritten Impfung mit dem Moderna-Impfstoff gaben in einer Studie mehr Geimpfte an, sehr müde zu sein. Diese hatten allerdings nicht die empfohlene halbe Moderna-Dosis, sondern eine volle Dosis des Impfstoffs erhalten. Wie häufig welche Nebenwirkungen auftreten, finden Sie in unseren Beiträgen zu den Impfstoffen von BioNTech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca.

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medizin-transparent.at prüft medizinische Medienberichte Bild: Medizin transparent

Stimmt das, was die schreiben? medizin-transparent beantwortet Anfragen von Konsumenten zur wissenschaftlichen Beweislage medizinischer Medienberichte. Ein Projekt von Cochrane Österreich; gefördert durch die Bundesgesundheitsagentur.

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