Zum Inhalt
Greenwashing Schild durchgestrichen mit EU-Flagge im Hintergrund
Wir haben den EU-Behörden irreführende Werbeaussagen gemeldet, die große Energiekonzerne verbreiten. Bild: hkama/stock.adobe.com

EU-weite Aktion gegen Greenwashing im Energiesektor

Strom, Gas, Heizöl: Energieunternehmen stellen ihre Produkte oft als „grün“, „nachhaltig“ oder „klimaneutral“ dar. In Wirklichkeit setzen die Firmen weiter stark auf fossile Energien. Dem wollen wir einen Riegel vorschieben.

Heute haben wir den EU-Behörden irreführende Werbeaussagen gemeldet, die große Energiekonzerne wie ShellTotal Energies oder Eni verbreiten. Für den österreichischen Markt wurde exemplarisch auch der Energieanbieter Max Energy untersucht.  

Unsere Forderung: Untersuchung einleiten!

Wir, das ist der VKI gemeinsam mit zehn weiteren europäischen Konsumentenschutzorganisationen unter der Federführung unseres Dachverbandes BEUC. Nach unserer Analyse verstoßen die Greenwashing-Praktiken der Energiebranche vermutlich gegen EU-Verbraucherschutzrecht,  insbesondere gegen die Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken. 

 Deshalb sagen wir: Schluss mit dem grünen Etikettenschwindel!  

Die BEUC hat heute Beschwerde bei der Europäischen Kommission und dem Netzwerk für Zusammenarbeit im Verbraucherschutz (CPC – mehr dazu weiter unten) eingereicht und sie aufgefordert, eine Untersuchung einzuleiten.  

Die Behörden müssen dafür sorgen, dass Konzerne Verbraucher:innen nicht länger mit solchen grünen Behauptungen an der Nase herumführen. Verstöße sollen konsequent sanktioniert werden.  

Rauchende Schlote grün angemalt, Slogan Switching off Greenwashing
Bild: BEUC

Warum ist diese Aktion wichtig?

„Nachhaltig“, „klimaneutral“, „grüne Energie“ – kaum ein Bereich wird aktuell so intensiv als umweltfreundlich beworben wie der Energiemarkt. Doch hinter vielen dieser Versprechen steckt weit weniger Substanz als suggeriert wird.  

Wir haben über ein Jahr hinweg Werbebotschaften von Energiekonzernen analysiert, die grüne Versprechen bzw. Aussagen beinhalteten. Unsere Analyse zeigt: Greenwashing ist kein Einzelfall, sondern hat in der Branche System. Verbraucher:innen werden mit irreführenden Umwelt- und Klimawerbung getäuscht. 

200 Millionen Haushalte in der EU 

Rund ein Viertel des Gesamtenergieverbrauchs der EU entfällt auf die rund 200 Millionen Haushalte in Europa. Ihre Entscheidungen sind mit Blick auf die Energiewende zentral wichtig.  

Und tatsächlich wollen viele Verbraucher:innen möglichst nachhaltig konsumieren. Leicht ist das im Alltag nicht, die Menschen suchen nach Orientierung. Stichwörter wie „nachhaltig“ oder „klimaneutral“ springen ins Auge. Das perfide daran: Diese vermeintlich grünen Werbebotschaften suggerieren Orientierung, erschweren den Konsument:innen aber in Wahrheit, wirklich nachhaltige Entscheidungen zu treffen.  

Irreführende „grüne“ Claims führen dazu, dass Konsument:innen: 

  • falsche Produkte wählen 
  • zu viel für vermeintlich „grüne“ Angebote zahlen 
  • weniger auf tatsächlich nachhaltige Lösungen umsteigen. 

 Diesen Praktiken ist ein Riegel vorzuschieben – deshalb haben wir diese Aktion gestartet.  

Diese Greenwashing-Muster haben wir gefunden

Vage „grüne“ Aussagen 

Begriffe wie „nachhaltig“, „umweltfreundlich“ oder „grüne Energie“ werden breit eingesetzt – oft ohne klare Definition oder belegbare Grundlagen. Besonders problematisch: Sie werden auch für Produkte verwendet, die weiterhin zentral auf fossiler Energie basieren. Zum Beispiel das „Shell Heizöl Eco“. Der Zusatz „Eco“ suggeriert Umweltfreundlichkeit, obwohl es sich weiterhin um fossiles Heizöl handelt.  

CO₂-Kompensation als Feigenblatt 

Gas oder Heizöl werden z.B. als „klimaneutral“ beworben, weil Emissionen angeblich durch Klimaschutzprojekte ausgeglichen werden. Doch diese Praxis ist umstritten und vermittelt Konsument:innen ein falsches Verständnis der tatsächlichen Klimawirkung. Ein Beispiel findet sich bei Max Energy („Plant for the Planet“): Fossile Emissionen („Klimaneutrales Erdgas“) werden als kompensiert dargestellt, obwohl sie real entstehen und nicht tatsächlich neutralisiert werden. 

Der „Heiligenschein-Effekt“ 

Einzelne nachhaltige Aspekte werden hervorgehoben, der Gesamtzusammenhang aber verschwiegen. Auch hier bietet sich zur Veranschaulichung das Shell Heizöl Eco an. Ein kleiner Umweltvorteil (schwefelarm) lässt das gesamte fossile Produkt nachhaltiger erscheinen, als es real ist. Ein anderes Beispiel: Ein Gasprodukt mit geringem Biogas-Anteil wird als „grün“ vermarktet – obwohl der Großteil weiterhin fossil ist.  

Zukunftsversprechen ohne Substanz 

Viele Unternehmen, beispielsweise Shell, werben mit Zielen wie „Netto-Null-CO₂-Emissionen bis 2050“. Gleichzeitig investieren sie weiterhin massiv in Öl- und Gasförderung. Wie geht das zusammen? Für Konsument:innen ist das kaum einschätzbar. Nicht zuletzt, weil bisweilen klare, wissenschaftlich fundierte Umsetzungspläne fehlen.  

Beschönigende Vergleiche 

Fossiles Gas wird z. B. als sauberer im Vergleich zu Kohle dargestellt.  Dabei werden wichtige Faktoren wie Methanemissionen ausgeblendet. Der Eindruck, der entsteht: Gas ist eine gute Klimawahl.  

Grüne Bilder statt Fakten 

Naturbilder, grüne Farbwelten und Symbole verstärken den Eindruck von Nachhaltigkeit – auch dort, wo sie nicht gerechtfertigt ist. 

Grüner Stromstecker mit grauem Kabel
Greenwashing: Hinten fossile Energie rein, vorne "grüne" Energie raus. Bild: 3d-brained/stock.adobe.com

CPC-Netz: Was ist das?

Beim CPC-Netz (Consumer Protection Cooperation) handelt es sich um ein Kooperationsnetzwerk der Verbraucherschutzbehörden aller Länder des Europäischen Wirtschaftsraumes. Diese können gemeinsam gegen (grenzüberschreitende) Verstöße im Bereich des Verbraucherschutzes vorgehen.  

Das CPC-Netz besteht seit rund 20 Jahren. Rechtliche Basis bildet seit 2017 die EU-Verordnung 2017/2394 über die Zusammenarbeit zwischen den für die Durchsetzung der Verbraucherschutzgesetze zuständigen nationalen Behörden. 

5 Jahre VKI-Greenwashing-Check

Seit mehr als fünf Jahren prüft der VKI potenzielles Greenwashing. Die oben genannten Greenwashing-Strategien sind uns entsprechend nicht fremd. Auch einige der genannten Firmen nicht. Shell ist so ein Beispiel. Der Öl-Multi ist uns schon doppelt negativ aufgefallen. 2021 mit dem Versuch, Autofahrern mittels CO2-Kompensation einen grünen Freibrief auszustellen. Und indirekt im Jahr darauf, als das oben erwähnte Shell Heizöl Eco vom Energieanbieter Energie Direct so beworben wurde, als ob es klimaneutral hergestellt werde.  

Helfen Sie mit! 

Was wir nach 5 Jahren und mehr als 250 geprüften Greenwashing-Meldungen jedenfalls sagen können: Die Firmen und Organisationen ändern ihre Greenwashing-Strategien, passen sie (mehr oder weniger subtil) an die geltenden Regularien und gesellschaftlichen Strömungen an. Entsprechend bleiben wir dran am Thema. Und zwar mit Ihrer Hilfe: Melden Sie Greenwashing! 

Diesen Beitrag teilen

Facebook Twitter Drucken E-Mail

This could also be of interest:

Das könnte auch interessant sein:

Mehrwegflasche: "Der Wein geht mit der Zeit"

Mehrwegflasche: "Der Wein geht mit der Zeit"

Seit April gibt es die erste bepfandete Mehrwegflasche für Wein in Österreich. Auch wenn der ökologische Nutzen unbestritten ist, wird eine flächendenkende Verfügbarkeit wohl noch einige Jahrgänge auf sich warten lassen.

Cleverbuy: Warnung - Warten aufs Geld

Cleverbuy: Warnung - Warten aufs Geld

Viele Beschwerden über Cleverbuy: Kund:innen warteten lange auf ihr Geld, waren mit gelöschten Chats und nachteiligen Klauseln konfrontiert.

Staubsauger: Reparatur

Staubsauger: Reparatur

Defekte Staubsauger landen oft unnötig im Müll. Welche die häufigsten Schäden sind, wann eine Reparatur wirtschaftlich ist und worauf man schon beim Kauf achten kann.

Waschmaschinen: Reparatur und Lebensdauer

Waschmaschinen: Reparatur und Lebensdauer

Erstmals in unserer langen Geschichte von Tests haben wir die Reparatur-Freundlichkeit von Waschmaschinen geprüft. Wir haben uns beim Reparaturnetzwerk Eseco nach den häufigsten Störungen erkundigt: Welche Reparaturen lohnen sich?

Kommentieren

Sie können den Text nach dem Abschicken nicht nachträglich bearbeiten, Länge: maximal 3000 Zeichen. Bitte beachten Sie auch unsere Netiquette-Regeln.

Neue Kommentare können nur von angemeldeten Benutzern veröffentlicht werden.

Anmelden

0 Kommentare

Keine Kommentare verfügbar.

Gefördert aus Mitteln des Sozialministeriums 

Sozialministerium

Zum Seitenanfang