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Benzin-Einfüllstutzen an der Zapfsäule
Volltanken, Klima schützen? Echte Nachhaltigkeit sieht anders aus Bild: Lutsenko Oleksandr/Shutterstock

Greenwashing: Shell - volltanken, Klima schützen

Der Versuch, Autofahrern mittels CO2-Kompensation einen grünen Freibrief auszustellen, ist plump. Echte Bemühungen in Richtung Nachhaltigkeit sind kaum in Sicht.

Video: Shell und Greenwashing

Was uns stutzig gemacht hat

Etliche Konsumentinnen und Konsumenten meldeten sich in der Gewissheit bei uns, dass Shell unverblümt Greenwashing betreibe. Stein des Anstoßes ist die Kampagne „Kleiner Beitrag, große Wirkung: Jetzt gemeinsam CO2 ausgleichen“. Die darin transportierte Botschaft: Autofahren ist mit reinem Gewissen möglich. Dafür müsse man pro Liter Sprit ­lediglich 1 Cent mehr berappen. Mit diesem Cent werde Wald aufgeforstet und so CO2 kompensiert. „Ich musste lauthals lachen“, beschrieb eine Konsumentin ihre Gefühls­lage, als sie auf die Kampagne aufmerksam wurde. Ein Lachen, das einem schnell im Halse stecken bleiben kann, wenn man sich den Einfluss vor Augen führt, den der Weltkonzern Shell auf die Umwelt hat.

Der Check

Shell ist in jeder Hinsicht riesig. Der niederländisch-britische Konzern setzte zuletzt rund 180 Milliarden US-Dollar (ca. 156 Mrd. €) um (zum Vergleich die OMV, auch nicht gerade klein: 19 Milliarden Euro). Mit 86.000 Mitarbeitern sucht und findet Shell in 45 Ländern dieser Welt Öl und Gas, bereitet es auf und verkauft es weiter. Und das macht der Konzern schon sehr, sehr ­lange: Shell ist laut einer Studie aus dem Jahr 2019 zusammen mit Chevron, Exxon und BP verantwortlich für 10 % der seit 1965 weltweit insgesamt ausgestoßenen Treibhausgase. 

OMV baut um, Shell macht weiter

Der Konzern steht, wie die gesamte Branche, unter steigendem Druck. Während die OMV nun immerhin beginnt, ihr Geschäftsmodell mit Fokus auf Petrochemie umzubauen, denkt Shell offensichtlich nicht einmal daran, weniger Öl und Gas zu fördern. Solange die Nachfrage da ist, wird sie befriedigt, lautet die Marschrichtung von Shell-Boss Ben van Beurden. Hier offenbart sich die Kommunikationsstrategie von Shell. Nicht der Konzern trage die Verantwortung für Umwelt- und Klimasünden. Nein, man sei nur Mittel zum Zweck. Wenn überhaupt jemand schuld sei, dann die Verbraucherinnen und Verbraucher, die Shell die Produkte abkaufen. Aber mit CO2-Kompensation können selbst die sich nun ein grünes Gewissen erkaufen. Unsere Meinung zur CO2-Kompensation ist aufmerksamen Userinnen und Usern schon bekannt: Das riecht oft nach Greenwashing.

1 Cent mehr reicht nicht

Im konkreten Fall versucht Shell immerhin, möglichst transparent zu kommunizieren. Etwa, dass es mit dem einen Cent mehr pro Liter nicht getan sei. Dass man auch „eigenes“ Geld nachschieße, um Aufforstungs- und Waldschutzprojekte zu finanzieren. Und dass es Shell klar sei, dass das auch nicht die Ultima Ratio im Wettlauf gegen die tickende Klima-Uhr ist. „Aber hey, besser, als nichts zu tun, oder?“, schwingt im Subtext mit. Denn, und jetzt sind wir beim O-Ton von Shell: „Dort, wo Emissionen nicht vermieden werden können, ist der CO2-Ausgleich ein richtiger Schritt.“

Lassen wir uns Zeit

Nicht vermeiden bedeutet so viel wie: Lassen wir uns mit dem Umbau des Individualverkehrs weg von fossiler Energie ruhig noch Zeit. Aus Sicht des Kerngeschäfts von Shell ist das absolut nachvollziehbar. Aus Klimasicht ­verheerend. Zurück zur Transparenz: Ohne klare Substanz in Richtung Nachhaltigkeit ist sie wertlos.

Was sagt Shell dazu?

Wir haben Shell neun kritische Fragen mit der Bitte um Stellungnahme zugeschickt. Der Konzern hat die Fragen wortreich beantwortet. Mit dem Fazit: Verantwortung besteht für Shell ­darin, Emissionen auszugleichen, die Kundinnen und Kunden mit ihren Produkten verursachen. Der Umbau des Kerngeschäfts erfolgt hingegen langsam und langfristig.

Die Stellungnahme umfasst insgesamt sechs Seiten und ist unten als Download verfügbar.

Fazit: Hält das grüne Versprechen?

Nein. Denn so einfach, wie Shell saubere Mobilität darstellt, ist sie ganz sicher nicht zu erreichen. Das durch den Verkehr aus­gestoßene CO2 kann nie und nimmer durch neue Wälder aufgenommen werden. So viel Fläche für Aufforstungsprojekte steht gar nicht zur Verfügung. Das Bedauerliche ist, dass kein echtes Problembewusstsein zu erkennen ist. Shell will nicht umdenken, sondern das große Geld weiterhin mit fossiler Energie machen. „Erneuerbare“ Energien finden sich zwar auch im Portfolio, aber im Vergleich lächerlich unterrepräsentiert. Sie dienen wohl nur als grünes Feigenblatt.

Millionen gegen Klimaziele

Shell gibt laut investigativen Recherchen des Thinktanks InfluenceMap jedes Jahr Millionen für Lobbying-Arbeit gegen die globalen Klimaziele aus – gleichzeitig aber auch Millionen für Werbekampagnen, in denen der Konzern die Klimaziele unterstützt. Worte und Taten passen nicht zusammen, in der Öffentlichkeit wird offensichtlich ­anderes kommuniziert als in den Hinter­zimmern der Macht besprochen.

Werbung beschränken

Auch zeigt sich am Kompensations-Beispiel, wie absurd es ist, dass Unternehmen mit überwiegend fossilem Kerngeschäft mit einem Beitrag zum Klimaschutz werben (dürfen). Hier ist die Diskrepanz zwischen Kerngeschäft und Nachhaltigkeitsversprechen zwar so offensichtlich, dass es vielen Kundinnen und Kunden auffällt. Aber immer ist das nicht der Fall. Deshalb wäre eine Reglementierung solcher Werbemaßnahmen wünschenswert.

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Grünes Mascherl, nichts dahinter? Melden Sie es uns!
Grünes Mascherl, nichts dahinter? Melden Sie es uns! Bild: Seyser/VKI

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