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Screenshot Blaguss-Homepage 2026-01-21
Screenshot der Blaguss-Homepage vom 21.01.2026. Diese Unterseite wurde inzwischen offline genommen. Bild: Screenshot Blaguss-Homepage 2026-01-21

Greenwashing-Check: Blaguss kehrt Biosprit den Rücken

Ist der Slogan „Wir fahren mit Treibstoff aus 100 Prozent nachwachsenden Rohstoffen – 90 Prozent weniger CO2“ Greenwashing? Wir haben den Check gemacht. 

Was uns stutzig gemacht hat

Roter Blaguss-Bus von hinten auf der Autobahn fotografiert
Foto ist mit einem Klick vergrößerbar. Bild: Beigestellt

Einem Leser ist Ende vergangenen Jahres eine Werbung des Busunternehmens Blaguss ins Auge gestochen – und zwar prominent positioniert auf dem Heck eines Autobusses, den der Leser auf der Autobahn überholen wollte. 

Bei dieser Gelegenheit ist auch der Schnappschuss entstanden, den Sie hier sehen können (ob der Leser das Foto selbst geschossen hat, ist uns nicht bekannt; wir hoffen natürlich, dass er das jemand anderem überlassen hat, Stichwort #drivesafe).

Der Leser ortet Greenwashing
„Wie kann ein Busunternehmen behaupten, mit ‚grünem‘ Treibstoff zu fahren? Die Busse sind nicht nur rund um den Firmensitz, wo sie womöglich tatsächlich Biodiesel tanken, unterwegs, sondern auch auf Fernstraßen europaweit. Ich meine, dass die Verfügbarkeit von Biodiesel außerhalb des Aktionsradius des Firmensitzes gegen null geht.“ 

Wir wollen diese Fragen gerne sachlich klären.

Der Check

In der Kürze liegt die Würze, heißt es ja. In Sachen grüner Werbebot­schaften geht so eine Strategie aber gerne mal nach hinten los. So auch hier, war unser erstes Bauchgefühl. 

Wir konfron­tierten Blaguss mit den Bedenken des Lesers und baten um Stellungnahme. 

Was sagt Blaguss dazu?

Das Unternehmen mit Sitz in Wien beantwortete unsere Fragen ausführlich und fristgerecht. Das half uns, ein entsprechendes Fazit zu ziehen. 

Die Stellungnahme im Wortlaut finden Sie hier zum Download. 

Das Fazit

Blaguss teilte uns mit, dass sich der besagte Slogan nur auf jenen Bussen befinde, die „gezielt und überwiegend“ mit dem Bio-Treibstoff HVO100 betankt wer­den. Konkret seien das 50 von insgesamt 281 Fahrzeugen. 

Insofern bestätigt sich der Verdacht, dass hier unsauber grün kommuniziert wird – weil für Verbraucher:innen unklar bleibt, ob sich der Werbeslogan nur auf den jeweils beklebten Bus bezieht oder auf das gesamte Unternehmen – das Blaguss-Firmenlogo prangt ja direkt neben dem Slogan. Eine Formulierung wie „Dieser Bus fährt mit Treibstoff …“ anstelle von „Wir fahren mit Treibstoff …“ wäre klarer gewesen. 

Dass der Claim per se seine Richtigkeit hat, zumindest wenn man alle Hintergründe kennt, konnte uns Blaguss in der Stellungnahme glaubhaft vermitteln. Er beruht auf nachvollziehbaren und über­prüfbaren Daten.

Kein HVO100-Biosprit mehr seit Ende Jänner

Was jedenfalls ein wenig merkwürdig anmutet ist, dass Blaguss just nach unse­rer kritischen Anfrage rund um das Thema HVO100 einen Rückzieher macht. In der Stellungnahme vom 27.01. 2026 schreibt Blaguss: 

„Vor dem Hintergrund der aktuell geltenden regulatorischen Rahmen­bedingungen sowie der damit verbun­denen wirtschaftlichen Untragbarkeit ist jedoch festzuhalten, dass der Ein­satz von HVO100 mit Ende Jänner 2026 eingestellt wird. Ab diesem Zeitpunkt werden sämtliche Busse wieder ohne HVO100 betrieben.“ 

Im Mai 2023 hatte das Unternehmen noch groß angekündigt, sich das Ziel ge­setzt zu haben, seine „Busflotte auf den 100 Prozent fossilfreien Treibstoff HVO100 umzustellen“

HVO100 sei stets als „zeitlich begrenzte Brückentechnologie“ gesehen worden, versucht Blaguss nun in der Stellungnahme an uns zu argumentieren. Immerhin – am selbstgesteckten Ziel, die Flotte so umzurüsten, dass man bis 2035 klimaneutral unterwegs sei, hält Blaguss fest.

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Greenwashing? Grünes Mascherl, nichts dahinter? Melden Sie es uns! Bild: VKI

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