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Auf einen Handy-Disply das Logo von Epic Games, dahinter bekannte Figuren aus dem Spiel Fortnite
Epic Games hat Fortnite-Nutzern mit betrügerischen Darstellungen geschadet: 520 Mio Dollar Zahlung Bild: DANIEL CONSTANTE/Shutterstock

Fortnite: Epic Games - 520 Mio. Dollar Straf- und Rückzahlung

Böse Tricks. Der US-Videospielhersteller Epic Games hat sich zur Zahlung von 520 Millionen Dollar (420 Mio. Euro) bereit erklärt. 275 Mio. Dollar sind eine Strafe und 245 Mio. sollen in die Entschädigung von Spielerinnen und Spielern gehen, die zu unerwünschten Ausgaben verleitet wurden.

Treibende Kraft war die US-Konsumentenbehörde FTC. In beiden Fällen handelt es sich um die höchsten Bußgelder, die die FTC je verhängt hat. Stein des Anstoßes war das Gratis-Spiel Fortnite, das über Mikrotransaktionen für enorm hohe Einnahmen sorgte. Zum Vergleich: Fortnite machte 2020 5,1 Milliarden Dollar Umsatz.

Die Entschuldigung von Epic Games: „Festlegungen, die vor Jahrzehnten geschrieben worden sind, können nicht klären, wie heutige Gaming-Systeme arbeiten sollen. Die Gesetze haben sich nicht geändert, aber deren Anwendung hat sich weiterentwickelt – und langjährige Branchen-Praktiken passen nicht mehr.“

Datenschutz, Tricks, Manipulation

Die langjährigen Praktiken von Epic Games im Detail:

Datenschutz: Fortnite von Epic Games hatte massiv gegen den Datenschutz verstoßen und persönliche Daten von Kindern unter 13 Jahren gesammelt – ohne elterliche Zustimmung oder Benachrichtigung.

Chats: Fortnite hatte standardmäßig Sprach- und Textchats aktiviert – auch für Kinder und Jugendliche. Mit dem Ergebnis, dass Fremde Kinder und Teens über diesen Kanal bedrohen, belästigen, beleidigen und beunruhigen konnten (auch mit Themen wie Sexualität und Selbstmord).

Dark Patterns: Mit sogenannten Dark Patterns (etwa irreführenden und verwirrenden Buttons) manipulierte das Unternehmen die Kundinnen und Kunden und verrechnete für fehlgeleitete Klicks üppige Gebühren. Das brachte, so die FTC, der Firma Hunderte Millionen Dollar an Einnahmen, die von den Eltern nicht genehmigt waren. („Fortnite's setup was so confusing that millions of players were charged for items they didn't want.“)

So mussten Spieler beispielsweise zahlen, wenn sie versuchten, das Spiel aus dem Schlafmodus aufzuwecken, während sich das Spiel in einem Ladebildschirm befand, oder wenn sie eine benachbarte Taste drückten, während sie versuchten, einen Gegenstand in der Vorschau anzuzeigen.

Kauf ohne Zustimmung der Eltern

Die Bezahl-Funktion war so geschmeidig eingestellt, dass User im späteren Verlauf quasi unbemerkt kaufen konnten (ohne extra Bestätigung) und einen Klick nicht als Kauf wahrnahmen. Kinder konnten über das Instrument des sogenannten Fortnite's-V-Bucks Gutpunkte verdienen oder – ohne Zustimmung der Eltern – Leistungen kaufen. Sobald aber Eltern sich beschwerten oder über die Kreditkartenfirma die Zahlung stoppten, sperrte Epic Games die Spielerkonten. Einzahlen ja, spielen nein („blocked access to purchased content“). Das sei, so die Epic-Games-Begründung, eine übliche Vorgangsweise um Betrug zu verhindern.

Warnung ignoriert, Buttons versteckt

Verschärfend kommt hinzu, dass Epic-Mitarbeiter schon 2017 darauf gedrängt hatten, den Sprach- und Text-Chat umzustellen. – Weg vom voreingestellten verpflichtenden Einsatz des Chats für alle hin zu einer Einstellung, die man ausdrücklich auswählen musste (Opt-in). Epic änderte diese Chat-Einstellungen nur zögerlich, obwohl schon damals Berichte vorlagen, wonach Kinder beim Spielen belästigt wurden. Als Epic endlich eine Schaltfläche zum Deaktivieren des Sprachchats hinzufügte, war diese laut FTC schwer zu finden.

Mehr als eine Mio. Beschwerden

Laut der FTC habe Epic Games mehr als eine Million Beschwerden über unrechtmäßige Gebühren ignoriert. Gleichzeitig erschwerte es das Unternehmen Kundinnen und Kunden, die Stornierungs- und Rückerzahlungsfunktionen zu finden.

Daten löschen, Funktionen verbessern

Epic Games muss nicht nur die harte Geldstrafe bezahlen. Es muss auch die illegal gesammelten persönlichen Daten von Kindern löschen und kundenfreundlichere Abläufe einbauen. In einer Stellungnahme verspricht Epic Games 13 – teilweise schon umgesetzte – Verbesserungen, darunter:

  • Ein tägliches Ausgaben-Limit für Kinder unter 13
  • Verbesserte Rückzahlfunktionen („updated chargeback policy“)
  • Verbesserte Datenschutzoptionen für den Chat
  • Gesicherte Accounts für Kinder

Alle Verbesserungen beziehen sich auf Fortnite. Offen ist, wie weit Epic Games sie auch auf andere Spiele anwendet.

US-Kunden sollen entschädigt werden

Die 275 Mio. Dollar Strafe wegen Verletzung des Datenschutzes bei Kindern fließen ins Budget des Justizministeriums. Die 245 Millionen Dollar, die Epic u. a. für die illegalen Bezahlmethoden („the company's unlawful billing practices“) zahlt, werden für die Entschädigung der Kundinnen und Kunden verwendet. Die FTC organisiert in einer Sammelaktion die Rückzahlung.

Wir fragten die Behörde, ob auch europäische Fortnite-Gamer von der Rückzahlung profitieren können. Antwort: Derzeit nein („we are limiting refunds to people in the United States“).

Mehr zum Thema

Eine ausführliche Darstellung betrügerischer Tricks in der Videospiel-Branche lesen Sie in Lootboxen in Videospielen

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