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Hühnerhaltung ist entscheidend für die Fleischqualität
Hühnerhaltung ist entscheidend für die Fleischqualität Bild: Montage: VKI; Bilder: Moonborne, David Tadevosian/Shutterstock.com

Geflügelskandal in Italien

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AIA, der größte Hühnermastbetrieb in Italien, ist in einem Tierschutzskandal involviert, den deutsche und italienische Tierschützer aufgedeckt haben. Tote Tiere im Stall, Kannibalismus der lebenden Tiere und viele weitere verstörende Bilder, die einem die Lust auf Hendlfleisch vergehen lassen. Da stellt sich schnell die Frage: „Darf man Geflügelfleisch noch essen? Und wenn ja, welches?“

Die ARD zeigt diese Bilder im Rahmen der Tagesschau Investigativ - schockierende Bilder und gleichzeitig doch üblich in Mastbetrieben auf der ganzen Welt.

AIA in Österreich

Fleischregel im Supermarkt mit AIA-Geflügel-Produkten.
AIA-Geflügel-Produkte im Supermarkt Bild: VKI

Fleisch von AIA liegt auch in Österreichs in den Regalen der Supermärkte. Bei einer Marktübersicht Anfang März haben wir es bei Spar Gourmet und Interspar in Wien gefunden. Außerdem gibt es AIA Hühnerfleisch bei MPreis im Onlineshop und im Großhandel bei Transgourmet zu kaufen. 

Darf man Fleisch noch essen?

Ob mein Fleisch noch essen darf, ist eine ethische Frage, die jeder selbst für sich beantworten muss. Wissenschaftlich eindeutig ist, dass wir nicht mehr so viel Fleisch essen sollten, wie wir derzeit essen. Wir essen rund drei Mal so viel, wie uns aus Gesundheitsgründen guttut. Auch in Sachen Klimaschutz sollten wir dringend unseren Fleischkonsum reduzieren, und zwar auf maximal 300 Gramm pro Woche. Vorzugsweise weißes Fleisch wie Huhn oder Pute, nur sehr reduziert rotes Fleisch und im Idealfall keine verarbeiteten Fleischprodukte wie Wurst, Schinken oder Speck. Im Rahmen des EAT Lancet Reports werden im Rahmen der Planetary Health Diet beispielsweise 29 Gramm Geflügelfleisch pro Tag aus Klima- und Gesundheitsgründen für in Ordnung befunden. Das entspricht einer Wochenration von 200 Gramm Geflügelfleisch. Zusätzlich dürfen 100 Gramm rotes Fleisch gegessen werden.

Gibt es „besseres“ und „schlechteres“ Hühnerfleisch?

Laut WWF stammt „besseres“ Hühnerfleisch aus biologischer Landwirtschaft sowohl aus Österreich als auch aus der EU. Bei Biofleisch werden nur Futtermittel aus biologischem Anbau verwendet und die Tiere haben im Vergleich zur konventionellen Haltung sowohl mehr Platz zur Verfügung als auch verpflichtenden Auslauf. Der Einsatz von Antibiotika ist streng reguliert. Danach kommt Hühnerfleisch mit dem AMA-Gütesiegel. Hier ist die Fütterung mit gentechnikfreiem Soja verpflichtend. In Österreich haben die Hühner mehr Platz als in den Nachbarländern. Nicht kaufen sollte man laut WWF Hühnerfleisch aus Deutschland, Polen, Ungarn und Brasilien.

Welches Hühnerfleisch ist ok?

Grafik einer Landkarte mit farblich markierten Feldern, wo man Geflügel in Maßen verzehren kann.
Aus welchen Regionen stammendes Geflügel kann man in Maßen verzehren? Bild: SurfsUp, Andrei Minsk/Shutterstock, Montage/VKI

Liste des WWF:

  • Bio aus Österreich - in Maßen
  • Bio aus der EU - in Maßen
  • Österreich - Lieber wenig
  • Deutschland - Finger weg
  • Ungarn & Polen - Finger weg
  • Brasilien - Finger weg

Ein KONSUMENT-Test von Hühnerfleisch aus dem letzten Jahr zeigte zudem Mängel in der Qualität und in der Mikrobiologie. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Herstellerbefragung in Hinblick auf die Fütterung der Hühner, den Platz im Stall, Beschäftigungsmöglichkeiten und vieles mehr.

Ausländisches Geflügel in fast allen Supermärkten

Brasilianisches Hendlfleisch findet man in verarbeiteter Ware wie Hühner Nuggets. Als Frischfleisch ist es mir noch nie aufgefallen. Allerdings hat mein Kollege kürzlich unter der Eigenmarke von Metro verarbeitete tiefgekühlte Hühnerbrust aus Thailand entdeckt. Ökologisch gesehen ist das meiner Meinung nach ein Wahnsinn.

In den Regalen von Billa und Billa plus habe ich kein ausländisches Geflügelfleisch gefunden. Alle anderen Ketten (Penny, Hofer, Lidl, Spar) bieten ausländisches Frischgeflügelfleisch aus unterschiedlichen Ländern an. Gesehen habe ich neben italienischer Ware Fleisch aus Deutschland, Ungarn und Slowenien.

Fleisch in der Gastronomie

Die Gastronomie ist durch die fehlende Kennzeichnung nach wie vor eine Blackbox, man erfährt nicht, woher das Fleisch auf dem Teller stammt. Und da dürfte genug ausländische Ware dabei sein, wenn man sich bei den Gastrozulieferanten wie Metro oder Transgourmet umschaut.

Verarbeitete Hühnerprodukte

Auch hier erfährt der Konsument nicht, wo die verarbeiteten Tiere geboren, gemästet und geschlachtet wurden. Mein letzter Test von Hühnernuggets ergab eine Vielzahl an möglichen Herkunftsländern.

Meine Tipps für den Genuss von Hendlfleisch

  • Maximal 200 g Geflügelfleisch pro Woche essen.
  • Vorzugsweise Fleisch aus biologischer Haltung kaufen.
  • Zweite Wahl ist Fleisch aus Österreich.
  • Finger weg von Ware aus dem Ausland – häufig kommt gentechnisch verändertes Soja als Futtermittel zum Einsatz. Die Tiere haben wenig Platz und keinen Auslauf.
  • Aufpassen in der Gastronomie, in der Kantine und in der Gemeinschaftsverpflegung. Ausländisches Geflügelfleisch landet oft dort.
  • Keine verarbeiteten Hühnerprodukte wie Hühner Nuggets kaufen. Das Fleisch dafür ist häufig weit gereist, und es gibt keine verpflichtende Herkunftskennzeichnung.

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