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Allergiegeplagte Kinder Mann putzt Kind die Nase Bäume im Hintergrund
Triefende Nase, tränende Augen, juckende Haut – bereits jedes fünfte Kind leidet unter einer Allergie. Bild: Dusan Petkovic / Shutterstock.com

Allergiegeplagte Kinder: Allergikerkarrieren

Nahrungsmittelallergie, Heuschnupfen, Asthma. So verläuft die typische Allergikerkarriere im Kindesalter. Vorbeugen hilft.

Allergische Erkrankungen bei Kindern immer häufiger

Allergische Erkrankungen haben in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Besonders bei Kindern treten sie immer häufiger auf. Ihr Immunsystem bekämpft harmlose Feinde, denn Blütenpollen, Tierhaare und Nussfrüchte lösen keine Infektionskrankheiten aus.

Dennoch kann ein Patient, und sei er noch so jung, nach dem Allergenkontakt an einer plötzlich eintretenden, heftigen Abwehrreaktion sterben. Glücklicherweise kommt dieser Extremfall des anaphylaktischen Schocks nur sehr selten vor. Aber auch die herkömmlichen Symptome an den Augen, den Atmungsorganen und der Haut beeinträchtigen die Lebensqualität bisweilen stark.

Erbliche Veranlagung

Ob ein Neugeborenes oder ein Säugling eine Allergie entwickeln wird, kann man nicht sicher voraussagen. Die erbliche Veranlagung spielt jedoch eine wesentliche Rolle.

Forscher haben bisher einige genetische Risikovarianten nachgewiesen, die mit der Vererbung von Allergien gekoppelt sind. Vererbt werden die Neigung zu allergischen Erkrankungen (Atopie), die Beteiligung bestimmter Organe und der Grad der Ausprägung.

Nach gegenwärtigem Erkenntnisstand liegt bei Kindern gesunder Eltern das Allergierisiko bei 5 bis 15 Prozent. Ist ein Elternteil Allergiker, steigt die Erkrankungshäufigkeit auf 20 bis 40 Prozent. Sind beide Eltern betroffen, ergibt sich gar ein Risiko von 60 bis 80 Prozent.

Vorbeugen von Anfang an

Bei solchen stark allergiegefährdeten Kindern – immer dann, wenn auch andere Familienmitglieder unter atopischer Dermatitis (Neurodermitis), Heuschnupfen oder Asthma leiden – sind präventive Maßnahmen wichtig.

Bereits in der 20. Schwangerschaftswoche ist das Immunsystem des Fötus so weit herangereift, dass es sich mit Umweltstoffen auseinandersetzen kann, die über Nabelschnur und Plazenta in das ungeborene Kind gelangen. Ab diesem Zeitpunkt ist die Bildung von spezifischen Antikörpern möglich – eine Sensibilisierung beziehungsweise Allergie kann sich also schon im Mutterleib ausbilden.

Wirkungsvolle Prävention beginnt deshalb bereits in der Schwangerschaft. Allen voran stehen dabei der Verzicht aufs Rauchen und der Aufenthalt in einer nikotinfreien Umgebung. Außerdem schädlich wirken Chemikalien, die aus Wandanstrichen, Teppichen, Möbeln und Klebstoffen in die Atemluft ausdünsten. Renovieren werdende Eltern das künftige Kinderzimmer in den Wochen vor der Geburt, könnten sie damit möglicherweise ebenfalls Allergien bei ihrem Sprössling begünstigen.

Wenn möglich: stillen

Dagegen kommt dem Stillen eine starke Schutzfunktion zu: Kinder mit einer erblichen Disposition für Allergien erkranken während der ersten beiden Lebensjahre seltener an Bronchitis, atopischer Dermatitis und Nahrungsmittelallergien, wenn sie – idealerweise volle vier Monate – ausschließlich mit Muttermilch ernährt werden.

Beikost sollte das Baby frühestens ab dem fünften Monat Schritt für Schritt erhalten, wobei es irrelevant ist, ob die ersten Nahrungsmittel typische Allergene sind oder nicht. Für die allmähliche Ausweitung des Speiseplans allergiegefährdeter Säuglinge gelten prinzipiell dieselben Richtlinien wie für Kinder ohne Allergierisiko.

Nahrungsmittelallergien: Kuhmilch und Hühnerei

Eine typische Allergikerkarriere beginnt im Säuglings- oder Kindergartenalter mit Reaktionen auf Kuhmilch oder Hühnerei, die sich als Hautprobleme oder Magen-Darm-Beschwerden zeigen. Oft werden die Symptome als Koliken missdeutet. Kommt es immer wieder zu Erbrechen und Durchfällen, können sich das Größenwachstum und die Gewichtszunahme des Babys verzögern.

Die meisten Kinder entwachsen ihrer Nahrungsmittelallergie, wenn sie älter werden. Mit fünf oder sechs Jahren können sie das entsprechende Lebensmittel wieder essen. Diese sogenannte klinische Toleranz hängt jedoch vom Allergen ab: Während 80 Prozent der kleinen Kuhmilchallergiker etwa um ihren Schuleintritt Milchprodukte wieder vertragen, werden nur 20 Prozent der Kinder mit Erdnussallergie tolerant.

Hausstaubmilben

Da jedoch viele betroffene Kinder eine erbliche Veranlagung für allergische Erkrankungen in sich tragen, kommt es in der Folge oft zu neuen Sensibilisierungen auf Innenraum- oder Pollenallergene und zur Ausbildung von Heuschnupfen oder Asthma.

Insbesondere von Bedeutung sind dabei jene Substanzen, die in großer Zahl vorhanden sind. Bedenkt man, dass Kinder fast die Hälfte des Tages schlafend in ihren Betten verbringen, wird klar, dass Hausstaubmilben zu den häufigsten Auslösern zählen.

Hohe Relevanz besitzen auch Schimmelpilz- und Katzenallergene. Bei Jugendlichen überwiegt die Sensibilisierung auf die verschiedenen Pollensorten.

Asthma und Kreuzallergien

Auf keinen Fall sollten Eltern den allergischen Schnupfen ihrer Kinder bagatellisieren, denn in immerhin 25 Prozent der Fälle dehnen die Beschwerden sich früher oder später von der Nasenschleimhaut auf die Lunge aus.

Doch nicht nur Asthma ist eine typische Folgeerkrankung des allergischen Schnupfens, auch eine akute oder chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen, eine Sinusitis, kann sich entwickeln. Häufig sind auch zusätzliche bakterielle Infektionen wie etwa Mittelohrentzündungen zu beobachten. Weiters besteht die Gefahr der Ausbildung von pollenassoziierten Nahrungsmittelallergien, beispielsweise Kreuzreaktionen zwischen Birkenpollen und Äpfeln oder Gräserpollen und Soja sowie Erdnuss.

Die Lebensqualität eines allergischen Kindes lässt sich jedenfalls durch systematische Allergenkarenz deutlich verbessern. Im Klartext heißt das: hausstaubmilbenarmes und schimmelpilzfreies Wohnklima schaffen, Kinder vor dem Passivrauchen schützen und gegebenenfalls auf ein Haustier verzichten.

Um die im individuellen Fall richtigen Vorkehrungen zu treffen, muss die exakte Diagnose durch einen allergologisch geschulten Facharzt erfolgen. Bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie kann ein Ernährungsprotokoll zur Diagnosestellung hilfreich sein. Dabei notiert man mehrere Wochen lang alles, was das Kind gegessen und getrunken hat, sowie allfällige Beschwerden. Diese Aufzeichnung bildet eine gute Basis für die gezielte Suche nach einem möglichen auslösenden Allergen.

Keine Angst vor Kortison

In der Behandlung von allergiekranken Kindern gilt dasselbe Prinzip wie in der Diagnostik: Je jünger der Patient, desto weniger aggressiv sollte die therapeutische Vorgehensweise sein. Gerade bei Asthma ist aber eine Verdammung von Glukokortikoiden (Medikamenten mit Kortison) nicht angebracht.

Die frühzeitige Anwendung von Asthmasprays mit kortisonähnlichen Wirkstoffen beeinflusst den Krankheitsverlauf positiv: Ausreichend behandelte Kinder zeigen ein besseres Wachstum, haben eine kräftigere Lungenfunktion und glänzen durch weniger Fehlzeiten in der Schule.

Umgekehrt erfordert gerade bei kleineren Kindern die Gabe von Antibiotika (Medikamente, die das Bakterienwachstum hemmen) besondere Umsicht. Wie mehrere Studien gezeigt haben, verdoppelt sich bei Kindern, die in den ersten sechs Lebensmonaten mit Antibiotika behandelt werden, das Risiko, an Asthma zu erkranken. Mit jeder weiteren Antibiotika-Therapie steigt die Gefahr noch stärker an.

Antibiotika sollten deshalb bei Kleinkindern nur in begründeten Fällen angewandt werden. Bei einer Erkältung oder Grippe sollte ihr Einsatz jedenfalls unterbleiben, da die Mittel gegen Virusinfektionen ohnehin wirkungslos sind.

Allergenspezifische Immuntherapie

Die Allergenpezifische Immuntherapie (AIT; siehe auch Mit Allergien leben 10/2022), bei der durch wiederholte Gabe des die Überempfindlichkeitsreaktion auslösenden Allergens Toleranz auf diesen Stoff entwickelt werden soll, wirkt am besten, wenn eine Allergie noch nicht lange besteht und nur durch wenige Substanzen ausgelöst wird.

Insofern sollte sie gerade im Kindes- und Jugendalter bevorzugt angewendet werden. Dem entgegen stehen die Vorbehalte vieler Eltern, ihre Kinder wöchentlich mit einer „Allergiespritze“ quälen zu lassen. Hier kann die Sublinguale Immuntherapie eine mögliche, ebenso wirksame Alternative darstellen.

Hilfreich sind unterstützende Maßnahmen wie die Inhalations- und Klimatherapie. So kann ein Aufenthalt an der Meeresküste oder im Hochgebirge große Erleichterung bringen.

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Buch: Mit Allergien leben Bild: VKI

 

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