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Bildschirm am Smartphone zeigt: Amazon seller - select your Marketplace
Kaufe ich direkt bei Amazon oder auf Amazon-Marketplace? Für Kund:innen kann der Unterschied groß sein Bild: PixieMe/stock.adobe

Amazon-Marketplace oder Amazon: Wo kauf ich ein?

Immer mehr Nicht-EU-Händler verkaufen ihre Produkte auf Amazon-Marketplace. Das ist für Kund:innen oft schwer zu erkennen und hat Nachteile.

Herr K. berichtet uns: „Ich habe ein TV-Gerät von Amazon.de gekauft. Der Karton ist beschädigt angekommen, das Panel hat Sprünge. Unbrauchbar. Normalerweise druckt man dann ein Amazon-Etikett aus, geht zur Post und fertig - keine Kosten, kein großer Aufwand. Aber nicht so bei Paketen die offenbar aus dem Ausland kommen.“ Mit „Ausland“ meint er Händler, die über Amazon-Marketplace anbieten und aus Nicht-EU-Staaten liefern. Der Rückgabeprozess, so kritisiert er, würde nicht klar genug beim Kauf angegeben. „Ich hoffe, man kann das zumindest für zukünftige Käufer verbessern bzw. davor warnen.“

Wer ist der Verkäufer?

Herr K. hat recht; wir warnen. Für das Service und Konsument:innenrechte ganz wichtig ist: Wer ist der Verkäufer?

  • Amazon:  Amazon verkauft selbst und ist Ansprechpartner.
  • Amazon-Marketplace:  Verkäufer ist ein anderer Anbieter. Amazon stellt gegen eine Gebühr seine Plattform bereit, ist aber nur eine Drehscheibe. 

Marktplatz für Drittanbieter

Amazon ist heute überwiegend ein Marktplatz für sogenannte Drittanbieter. Etwa ein Viertel des Gesamtumsatzes von Amazon stammt (2024) aus Marketplace-Dienstleistungen (siehe Screenshot unten). Rund sechs von zehn verkauften Produkten stammen von Marketplace-Händlern. Das kann – siehe oben – ein Problem sein. 

Im Mai 2026 hat der deutsche Bundesverband Verbraucherzentralen (Vzbv) eine Studie veröffentlicht: Online-Marktplätze – und Amazon-Marketplace ist einer der ganz Großen – verkaufen Produkte, die nicht den europäischen Regeln entsprechen oder die sogar nachweislich gefährlich sind. Innerhalb von 30 Tagen, so der Vzbv, haben fünf große Plattformen fast 30 Millionen unsichere oder verbotene Produkte gelöscht. Ali-Express, so berichtet orf.at, ist auch so ein Marktplatz und hat wegen illegaler Produkte eine 550-Millionen-Strafe ausgefasst.

Screenshot zeigt ein Fachmedium. Es signalisiert, dass Amazon mit Marketplace-Einkünften immer mehr Geld verdient
2025: Amazon steuert mit seinen Einnahmen aus Gebühren von Marketplace-Verkäufern auf ein All-Zeit-Hoch ("Amazon Steers Third-Party Seller Share To All-Time High" Bild: Screenshot/marketplacepulse.com

Von Amazon oder vom Marketplace?

Zurück zu Amazon und Amazon-Marketplace. „Kompliziert wird es“, so erklärt Reinhold Schranz, Leiter des Europäischen Verbraucherzentrums (EVZ), „wenn für die Kundschaft nicht mehr erkennbar ist, ob das Produkt von Amazon selbst oder von Dritten stammt.“ Bei einem steht „Versand durch Amazon“, bei einem anderen scheint das Amazon-Logo im Shop des Anbieters auf oder es mischen sich Prime- und Marketplace-Angebote im Warenkorb. Kein Wunder, dass Kund:innen nicht durchblicken. 

Amazon ist aus dem Schneider

Wichtig: Amazon haftet nicht für die Pflichten Dritter auf seiner Plattform. Angenommen, Sie bestellen bei einem amerikanischen oder chinesischen Marketplace-Händler und dieser verweigert den Rücktritt. Dann können Sie von Amazon weder die Rücknahme der Ware noch die Rückzahlung des Kaufpreises fordern. Auch bei der Gewährleistung, wenn die Ware des Anbieters defekt ist, muss Amazon nicht dafür geradestehen.

Amazon A-bis-Z-Garantie

Amazon weiß, dass das Vertrauen in Drittland-Händler gering ist. Also fängt der Konzern das Problem nicht über die gesetzliche Haftung, sondern über die Amazon A-bis-Z-Garantie ab. Garantie ist ein vertragliches Versprechen. Die absolute Mehrheit aller Angebote auf Amazon Marketplace hat diese Garantie und die Marketplace Händler können sie nicht eigenmächtig ausschalten. Käufe von Software, E-Books, Gutscheinen, Geschenkkarten, Handwerksdienstleistungen u.ä, sind ausgenommen. Nur unseriöse Drittanbieter versuchen Kundschaft von Amazon wegzulocken, um angebliche Supportwünsche zu erfüllen, um sie dann abseits der Schutzmechanismen abzuzocken. Darauf sollten Sie sich nie einlassen!

Rücksendung (Widerruf)

Amazon als Verkäufer bietet für viele Artikel eine Rückgabemöglichkeit von mindestens 30 Tagen. Die Sendung erfolgt über das Amazon-Rücksendezentrum. Sie ist meist standardisiert und wenig kompliziert.

Auch manche Marketplace-Händler bieten ein 30-Tage-Rückgaberecht. Der Artikel muss häufig direkt an diesen Händler zurückgeschickt werden. Das kann je nach Anbieter stark variieren und besonders bei Händlern außerhalb der EU frustrierend werden.

Externe Verkäufer auf Amazon sind oft schwer zu erkennen. Der Hinweis "Verkäufer" ist sehr klein
Externe Verkäufer auf Amazon sind oft schwer zu erkennen. Der Hinweis "Verkäufer" ist sehr klein - siehe grüner Pfeil Bild: Screenshot Amazon.dt/Amazon-Marketplace (7/2026)

Gewährleistung bei Mängeln

Bei Mängeln kurz nach dem Kauf ist Gewährleistung ein gesetzliches Recht. Es besteht unabhängig davon, ob man bei Amazon oder einem Marketplace-Händler kauft. Mehr zum Thema: konsument.at/gewaehrleistung 

Tabelle: Vergleich Amazon und Amazon-Marketplace

Tabelle vergleicht Amazon und Amazon-Marketplace
Die Tabelle vergleicht die Leistungen von Amazon und Amazon-Markertplace aus Konsument:innensicht. Amazon schneidet hier besser ab. Bild: ScrSh VKI/2026-07-31

Reklamationen und Kundenservice

Bei Käufen über Marketplace müssen Kund:innen den Verkäufer kontaktieren. Sitzt der in Hongkong … Bei Amazon sind Versandkosten sind gut erkennbar. Ist das Prime-Logo vorhanden, gibt es die Lieferung für Prime-Mitglieder normalerweise ohne zusätzliche Versandkosten. Fehlt es, können Versandkosten anfallen – auch wenn man Prime-Kunde ist. Anders bei Marketplace: Versandkosten, Lieferzeiten und Versandorte können sich je nach Händler oder Land stark unterscheiden. Achten Sie vordem Kauf immer auf „Verkäufer“, „Verkauft von“ und „Versand durch“.

Lieferung

„Versand durch Amazon“ (FBA - also Fulfillment by Amazon) bietet meist schnelle Lieferung und standardisierte Logistik. Bei Käufen über Marketplace mit Eigenversand hängen Lieferzeit und Service stark vom Händler ab.

Chancen und Risiken

Amazon

  • geringer Verwaltungsaufwand
  • einheitliche Prozesse
  • schnelle Rückzahlung
  • in einigen Fällen: Ware gratis zurückschicken

Marketplace

  • oft niedrige Preise oder seltene Produkte
  • Verkäufer sitzen oft im EU-Ausland
  • Qualität des Supports schwankt
  • Rücksendungen können aufwendig und teuer sein
  • illegale oder gefährliche Produkte

Faustregel:

  • Amazon: Mehr Komfort und einfachere Durchsetzung von Ansprüchen.
  • Marketplace: Oft günstiger, größere Auswahl, mehr Frust bei Problemen, viele problematische Produkte.

LINKS

EU Flagge, darunter steht "Mitfinanziert durch die Europäische Union"
Bild: ECC-net

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