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Weiterbildung im Alter: ältere Dame im Absolventenoutfit vor Universität
Weiterbildung im Alter: An Universitäten oder auch in Lehrberufen ist ein Neuanfang in der Pension überlegenswert. Bild: Krakenimages/Shutterstock.com

Weiterbildung im Alter: Den Horizont erweitern

Mit 70 Jahren noch studieren? Die Universitäten locken mit speziellen Programmen. Auch in anderen Bereichen ist es für einen Neuanfang nicht zu spät.

Mit Mitte 50 beginnen nicht wenige Menschen, ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Bald, sagen sie sich, wird es mit der Erwerbsarbeit vorbei sein. Dann wird mich kein Wecker mehr am Morgen aus dem Schlaf reißen, dann werde ich den Tag so gestalten können, wie ich will. Die Pension – für viele die große Verheißung. Nicht jedoch für Heinz Haller. Er sah eine Zeit der Entbehrung und Einschränkung auf sich zukommen. Nicht einmal 1.000 Euro würde seine Pension betragen – so viel, wie er Miete zahlen muss. Sollte er sich also schnellstens nach einer billigeren Wohnung umschauen? Nicht, dass Heinz Haller ein Leben auf großem Fuß gewohnt wäre. Mal hatte er mehr, mal weniger Geld, so wie das bei selbstständigen Grafikern üblich ist. Doch einen gewissen Lebensstandard, den hatte er sich erarbeitet, und von dem wollte er nur ungern abgehen.

Ein Neubeginn

Was also tun? Als Grafiker bis 80 weiter­arbeiten? Das war für Heinz Haller keine Option, zumal es in Zukunft nicht leichter werden würde. Jüngere rückten ja ständig nach, frisch von der Hochschule und vertraut mit den neuesten Computerprogrammen. Blieb also nur, umzusteigen, etwas Neues zu beginnen. Schon immer hatte Haller gern im Garten gearbeitet – wieso nicht die private Leidenschaft zum Beruf machen? Sprich: sich zum Landschafts­gärtner ausbilden lassen. Gesagt, getan. Bald hatte er eine Lehrstelle gefunden.

Lehre ohne Limit

Es ist gewiss ungewöhnlich, als Mittfünf­ziger noch einmal eine Ausbildung zu beginnen, unmöglich ist es aber nicht. Für die Lehre besteht kein Alterslimit. Allerdings müssen der Wille und die Bereitschaft da sein, noch einmal die Schulbank zu drücken, und das mit Mitschülern, die mehrheitlich deutlich jünger sind – und nicht nur die Mitschüler, sondern oft auch die Lehrer.

Heinz Haller machte die Ausbildung Spaß. Nach so vielen Jahren sitzender Tätigkeit vor dem Computer arbeitete er gern draußen, im Garten, mit den Händen. Beim Lehrabschluss ließ er es nicht bewenden. Gleich darauf machte er außerdem die Meisterprüfung. Denn weiterarbeiten würde er müssen, schon aus finanziellen Gründen. Ruhestand war noch nicht angesagt. Er gründete seinen eigenen Betrieb, und heute hat er mehrere Angestellte.

Die Zeit des Nachholens

Bei Heinz Haller kam beides zusammen, die Not und die Lust. Die drohende Geldknappheit und das starke Interesse an ­einem Umstieg. Andere können es sich leisten und fangen in der sogenannten zweiten Lebenshälfte einfach zum Spaß mit etwas Neuem an. Mit dem Klavierspielen etwa. Oder mit Tomatenanbau. Nun holen sie nach, was sie schon immer machen wollten, wozu ihnen aber in ihrem Berufsleben die Zeit fehlte.

Cartoon: Oma und Opa gehen auf die Uni

Cartoon zeigt Schulbuben. Er fotografiert Opa und Oma vor der Universität (sie haben je eine Schultüte in der Hand)
Weiterbildung endet auch im Alter nicht Bild: Leszek Wisniewski/VKI

Der Hörsaal ruft

So wie eine Lehre kann man im höheren ­Alter auch ein Studium beginnen. Die Universität kennt genauso wenig eine Alters­beschränkung, sie verlangt nur die Matura oder eine Studienberechtigungsprüfung. Bei einigen Studienrichtungen kommen Auf­nahme- und Eignungstests dazu. Manche der älteren Studenten sind vom Ehrgeiz gepackt, sie streben nach einem akade­mischen Titel. Wie ihre jüngeren Kommili­tonen haben sie das übliche Programm zu absolvieren, mit Vorlesungen, Seminaren, Prüfungen, ECTS-Punkten. Für andere steht der Spaß im Vordergrund. Die Freude am Lernen. Sie wollen ihren Horizont erweitern, sich weiterentwickeln. Lernen um des Lernens willen – sie brauchen niemandem mehr etwas zu beweisen, außer vielleicht sich selbst. Beliebt sind bei diesen älteren Studenten vor allem geisteswissenschaft­liche Fächer. In philosophischen Seminaren erkunden sie den Sinn des Lebens, in kunsthistorischen lernen sie die alten Meister der Renaissance kennen.

"Seniorstudium Libe­rale" und ...

Just für diese Senioren, die nicht an einem regulären Studium interessiert sind, bieten Universitäten bestimmte Formate an, die unter „Weiterbildung“ firmieren. Klagenfurt machte den Anfang. Seit 2008 bietet die dortige Universität das „Seniorstudium Libe­rale“ an. Gegen eine Gebühr von 100 Euro (plus 20,70 Euro Hochschülerschaftsbeitrag) können sich ältere Menschen als „außer­ordentliche Hörer“ einschreiben lassen und so an Lehrveranstaltungen teilnehmen. Weitere formale Bedingungen bestehen nicht, nicht einmal Matura ist erforderlich. Ein Studium ganz ohne Prüfungszwang ist so möglich, freilich auch ohne formalen Abschluss.

"Uni 55-PLUS" als außerordentliche Hörer und Hörerinnen, ohne Prüfungszwang oder ...

Ganz ähnlich ist das Angebot für Senioren in Salzburg aufgebaut. Dort heißt es „Uni 55-PLUS“. Heuer feiert es sein 10-jähriges Jubiläum (und die Universität Salzburg gleichzeitig ihr 400-jähriges Bestehen). Erst in jüngerer Zeit und mit anderem Konzept ist die Universität Wien nachgezogen.

... "Studium Generale" mit akademischem Abschluss

Aus dem einfachen Grund, dass in der Millionenstadt die Lehrveranstaltungen heillos überlaufen wären, würde man sie wie in Klagenfurt oder Salzburg für „außerordentliche Hörer“ öffnen. 2019 wurde in Wien speziell für Ältere das „Studium Generale“ eingeführt, mit Lehrveranstaltungen, in denen die ­Seniorinnen und Senioren unter sich sind. Wählen können sie zwischen einzelnen ­Modulen und einem kompletten Studiengang, der vier Semester dauert und mit dem Titel „Akademische(r) Absolvent(in)“ abgeschlossen werden kann. Dieser Studiengang kostet aktuell 6.400 Euro.

Nicht nur Hänschen, auch Hans ist lernfähig

Geht das im höheren Alter überhaupt noch, das Lernen, das Aneignen von neuem Wissensstoff? Lange hieß es: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Ein ­Irrtum, wie wir heute wissen. Die Bildung von Neuronen und neuen Neuronenverbindungen – die Grundlage unserer geistigen Tätigkeit – kommt entgegen früheren Vermutungen nie zum Stillstand. Freilich ist der ältere Mensch nicht mehr so fit im Kopf wie in jüngeren Jahren. Dafür verfügt er jedoch über größere Lebenserfahrung. Und in der Regel auch über mehr Zeit und mehr Ruhe zum Lernen. Damit wiegen sich die Vor- und Nachteile wieder auf.

Lebenserfahrung und Gelassenheit

Weisheit, jenes schwer fassbare Geistesvermögen, das sich einerseits auf große Lebenserfahrung gründet und andererseits auf eine gewisse Seelenruhe, scheint ein Privileg des höheren Alters zu sein. Besonders knifflige Fragen vermögen erfahrungsgemäß nur weise Menschen zu lösen. ­Menschen, die qua ihres Alters über einen enormen Erfahrungsschatz verfügen. Um nicht missverstanden zu werden: Nicht jeder ältere Mensch erlangt automatisch Weisheit. Doch hohes Alter ist offenbar eine Bedingung für Weisheit.

Ältere Menschen als Vortragende an Volkshochschulen

Oft werden alte Menschen als Bürde der Gesellschaft betrachtet, als Personen, die der Allgemeinheit nur auf der Tasche liegen. Doch sie besitzen auch Potenzial. Ein Potenzial an Erfahrung eben. Die Wiener Volkshochschulen sind gerade dabei, es gezielt nutzen zu wollen. In diesem Jahr haben sie mit einem neuen Lehrgang gestartet, der „VHS Silver Trainer Ausbildung“. Einem Lehrgang, der sich speziell an aktive Seniorinnen und Senioren richtet. Dort lernen sie, wie sie das im Lauf ihres Lebens gesammelte Wissen an die jüngere Generation weiter­geben können. Es geht in der Ausbildung um Methodik und Didaktik, um Lerntheo­rien und Präsentationstechniken.

Zusatzverdienst

Die Wiener Volkshochschulen bilden Menschen im sogenannten nachberuflichen Alter also zu Lehrpersonen aus. So etwa Journalisten, die künftig eine Schreibwerkstatt leiten wollen. Oder frühere Personalmanagerinnen, die vorhaben, davon zu berichten, was alles bei einem Bewerbungsgespräch zu beachten ist. Die Wiener Volkshochschulen eröffnen den künftigen Lehrpersonen damit auch die Perspektive eines Zusatzverdienstes. Denn das Problem Altersarmut kennt nicht nur Heinz Haller, das kennen viele Menschen, insbesondere Frauen, in der Pension.

Buchtipp: Pension. Was nun?

Pension. Was nun?
Bild: VKI

Die Babyboomer-Generation geht in Pension – eine Herausforderung für die Pensionskasse, aber auch für die Betroffenen. Eine neue Lebens­phase beginnt, verschiedene Möglich­keiten tun sich auf. Wir stellen sie vor und ­zeigen Chancen und Herausforderungen, die sich im letzten Lebensabschnitt eröffnen.

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