Zum Inhalt
Screenshot der Craveless-Startseite - zeigt eine schlanke junge Frau
Abofalle Norwegian Lab/Craveless: „Reduzieren Sie Ihren Heißhunger“ Bild: Screenshot Craveless-Startseite

Norwegian Lab/Craveless: Abofalle - „Reduzieren Sie Ihren Heißhunger“

„30 Tage testen“ und „Gesamt 7,90“. - Wer nicht genau hinschaut zahlt 49,50 Euro pro Monat und hat schnell das Inkassobüro am Hals.

Craveless: „Entwickelt, um ihr Wohlbefinden und ihre Figur zu unterstützen. Reduzieren Sie Ihren Heißhunger und den Drang zum Naschen.“ Klingt gut und das super-extraschlanke Fotomodell überzeugt zusätzlich. Aber der Schein trügt. Wir haben viele Beschwerden zum Produkt „Craveless“ (craveless.at) erhalten.

„30 Tage testen“ und Kosten von „Gesamt 7,90“

Der Anbieter verspricht groß „30 Tage testen“ und Kosten von „Gesamt 7,90“. Wer nicht ganz genau schaut, handelt sich ein Abo ein und Kosten von knapp 50 Euro pro Monat. Herstellerin des Produktes ist die uns bereits bekannte Firma Norwegian Lab – Firmensitz laut Impressum in Oslo bzw. Halle/Saale. 

Der Screenshot zeigt die irreführende Preisangabe und das Kleingedruckte
Die irreführende Preisangabe von 7,90 Euro und das schlecht lesbare Kleingedruckte Bild: Screenshot von Craveless vom 28.11.2025

Viele Nahrungsergänzungsmittel

Auf der Website vertreibt Norwegian Lab folgende Nahrungsergänzungsmittel.

  • Craveless (Zuckerverlangen)
  • Collagen Vital (“Muscles & Joints/Collagen”)
  • Melatonin/Metatonin Vital (Schlaf, Regeneration)
  • Hair & Skin (Haut & Haar)
  • Mory (Stoffwechsel/Appetit)
  • T-Complex (Testosteron/männliche Gesundheit)
  • MemRy (vermutlich für Gehirn/Gedächtnis)
  • Sleepmore (Schlaf)

Widerruf nicht anerkannt

Konsument:innen berichten uns: Ein Widerruf nach mehr als 14 Tagen wird von dem Unternehmen nicht anerkannt. Frau Milica Luboje ist eine der Betroffenen und hat sich an uns gewandt: „Ich habe einmal Tabletten bestellt und bezahlt. Leider haben sie mir beim Abnehmen nicht geholfen. Deshalb habe ich die restlichen Tabletten zurückgeschickt.“ Norwegian Lab beruft sich auf seine Vertragsbedingungen, wonach „für die von Ihnen zurückgesandten Pakete kein Rückgaberecht besteht.“ Das ist falsch.

Widerrufsformular für Rücktritt mitsenden

Portrait von Mag. Maria Semrad
Mag. Maria Semrad, Juristin im Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ), hat den Craveless-Fall betreut Bild: U.Romdorfer/VKI

Mag. Maria Semrad, Juristin im Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ), hat den Fall betreut: „Das Unternehmen müsste mit der Bestellbestätigung ein Widerrufsformular für den Rücktritt mitsenden. Das war in den unseren Fällen nicht der Fall. Damit verlängert sich die Zeit für den Widerruf auf ein Jahr und 14 Tage.“ Semrad weiter: „Schaut man auf das schlecht lesbare Kleingedruckte unter dem Button „Bezahlen“, findet man die Info, dass man einen Vertrag abschließt. Der sieht eine Lieferung alle 4 Monate vor und kostet monatlich 49,50 Euro. - Die Information ist vorhanden, Aufmachung und Bewerbung sind irreführend.“ 

Zahlreiche Beschwerden und Warnmeldung

Die Vorgangsweise von Norwegian Lab/Craveless hat System. 2025 hatten wir 16 Beschwerden im EVZ-Österreich. Seit 2020 gibt es EU-weit 1398 Beschwerden im Netzwerk der Europäischen Verbraucherzentren. Trustpilot zeigt (Stand 12/2025) - 693 organische Bewertungen (also Bewertungen ohne Beeinflussung durch die Firma), die zu 95 Prozent nur einen Stern haben. 

Wir geben an die Kooperation der EU-Verbraucherbehörden eine Warnmeldung ab. Die Watchlist Internet warnt „vor dieser unseriösen Plattform!“ Und die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ist gegen das Unternehmen bereits erfolgreich vorgegangen. 

Mit Klarna zahlen verschlimmert die Sache

Viele Kund:innen zahlen mit Klarna; das verschlimmert die Sache zusätzlich (lesen Sie: konsument.at/klarna-probleme-mahnung-trotz-zahlung/66335  Widerrufen Kund:innen gegenüber der Firma müsste dies auch Klarna berücksichtigen. Aber nein. Craveless/Norwegian Lab bucht nicht aus. Klarna fordert rechtswidrig weiter und übergibt die Forderungen schließlich an das Inkassobüro Coeo Group AT (in manchen Fällen auch an EOS ÖID Inkasso-Dienst). Auch diese Inkassobüros prüfen nicht, ob eine Forderung berechtigt ist.

Forderung wächst rasch 

Die unberechtigte Forderung wächst dann von rund 200 Euro rasch auf über 300 und in einigen Fällen auf noch höhere Beträge. Semrad: „Konsumenten müssten nur zahlen, wenn das Testabo kostenpflichtig ist (z.B. 7,90 Euro) und sie die unbestellten Waren nicht zurückschicken.“ Aufgrund unserer Intervention für Frau Luboje stellt Coeo Inkasso die Forderung ein.

Sollten Sie ...

... ähnliche Probleme haben, dann wenden Sie sich an vki.at/beratung

LINKS

EU Flagge, darunter steht "Mitfinanziert durch die Europäische Union"
Bild: ECC-net

Diesen Beitrag teilen

Facebook Twitter Drucken E-Mail

Das könnte auch interessant sein:

Klarna-Probleme: Mahnung trotz Zahlung

Klarna-Probleme: Mahnung trotz Zahlung

Wir haben sehr viele Beschwerden zu Klarna. Die Arbeiterkammer hat den Zahlungsdienstleister erfolgreich geklagt. Enttäuschte Kund:innen schäumen in Onlinekommentaren.

High Protein: Wie gesund sind proteinreiche Lebensmittel? premium

High Protein: Wie gesund sind proteinreiche Lebensmittel?

Lebensmittel, die als besonders proteinreich vermarktet werden, liegen im Trend. Doch wie sind derartige Produkte einzuschätzen und benötigt der Körper überhaupt zusätzliches Protein? Wir haben recherchiert.

Kommentieren

Sie können den Text nach dem Abschicken nicht nachträglich bearbeiten, Länge: maximal 3000 Zeichen. Bitte beachten Sie auch unsere Netiquette-Regeln.

Neue Kommentare können nur von angemeldeten Benutzern veröffentlicht werden.

Anmelden

0 Kommentare

Keine Kommentare verfügbar.

Gefördert aus Mitteln des Sozialministeriums 

Sozialministerium

Zum Seitenanfang