Greenwashing-Check: Im Siegel-Dschungel von Amazon
Schon vor fünf Jahren checkten wir die konzerneigenen Öko-Gütesiegel von Amazon und beurteilten sie mit gebührender Strenge. Hat Amazon nachgebessert? Ein Re-Check.
In KONSUMENT 4/2026 widmete sich Kollege Markus Stingl in seiner Öko.Logisch-Kolumne dem Thema Onlineshopping. Konkret der Frage, wie es um die Nachhaltigkeitsversprechen diverser Internetplattformen bestellt ist. Das deutsche Umweltbundesamt hatte eine Studie veröffentlicht, die kein gutes Licht auf die Branche warf.
In puncto echter Nachhaltigkeit tue sich bei Amazon, Zalando & Co wenig. Der potenzielle Öko-Hebel allerdings sei groß. Ein „jeder kocht in Sachen Nachhaltigkeit sein eigenes Süppchen“ ist keine Option.
Wenn, so das Umweltbundesamt, dann müssen staatlich reglementierte Standards eingezogen werden, die klar vorgeben, wie Konsument:innen über die Nachhaltigkeit der auf den Plattformen angebotenen Produkte informiert werden.
Eine Forderung, der wir nur beipflichten können.
Hat Amazon nachgebessert?
In der Kolumne wurde auch ein Re-Check von Amazon in Aussicht gestellt. Dem kommen wir nun nach. Der US-amerikanische Platzhirsch mit einem Jahresumsatz, der das Bruttoinlandsprodukt von Österreich deutlich übersteigt, hatte vor einigen Jahren damit begonnen, zwei konzerneigene Nachhaltigkeits-Gütesiegel auf seiner Website einzubauen.
In KONSUMENT 08/2021 haben wir das im Zuge eines Greenwashing-Checks beleuchtet. Insbesondere das Label Climate Pledge Friendly (CPF) sei ein irreführendes Fake-Label, urteilten wir damals. Produkte wurden unter dieser Dachmarke undifferenziert als klimafreundlich angepriesen.
Hat Amazon unsere Kritik aufgegriffen und nachgebessert? Wir haben recherchiert und auch bei Amazon selbst nachgefragt.
Das ernüchternde Fazit
Im Grunde ist fast alles beim Alten geblieben. Sobald ein Produkt es schafft, nur ein einziges Nachhaltigkeitsmerkmal zu erfüllen (z. B. Energieeffizienz, Bio-Inhaltsstoff, recycelte Materialien), wird es nach wie vor mit dem CPF-Siegel beworben. Eine wahrlich niedrige Einstiegshürde.
CPF suggeriert Klimafreundlichkeit, steht aber oft nur für einzelne, marginale Nachhaltigkeitsaspekte. Das beworbene Produkt kann hinsichtlich seiner CO2-Gesamtbilanz noch so problematisch sein – es reicht schon, wenn der Verpackung, salopp gesprochen, ein bisschen recyceltes Material zugesetzt wird, und schon erstrahlt das Produkt als „grünes“ Vorzeigeobjekt.
Willkürlicher Siegel-Mix
Hinzu kommt der immer noch vorherrschende willkürliche Siegel-Mix. Beim CPF bündelt Amazon sehr unterschiedliche externe Labels, von streng bis umstritten, ohne klare Gewichtung oder Qualitätsmaßstab. Niemand, außer vielleicht ausgewiesene Nachhaltigkeits-Profis, kann die aktuell mehr als 50 angeführten Labels in ihren Anspruchsniveaus und ihrer Glaubwürdigkeit bewerten.
Und noch ein eigenes Amazon-Siegel
Ferner kommt noch ein zweites konzerneigenes Siegel hinzu, genannt Compact by Design. Auch hier ist alles beim Alten.
Mit Compact by Design werden Produkte gekennzeichnet, die laut Amazons Bewerbung, „obwohl sie vielleicht nur unwesentlich anders aussehen, ein effizienteres Design aufweisen“. Die Auslobungskriterien waren und sind intransparent und hinterfragenswert.
Immerhin wurde bei der konkreten Online-Darstellung von CPF eine kleine Adaptierung vorgenommen. Anstatt eines grünen Engels und einem Mouseover, das erst im zweiten Schritt die konkrete Zertifizierung zeigt, wird im Shop nun neben einem grünen Blatt auch textlich angezeigt, um welches Nachhaltigkeitsmerkmal es sich grob handelt, z. B. „Verpackungseffizienz“ oder „Sichere Chemikalien“. Optimal ist das Ganze aus unserer Sicht immer noch nicht gelöst – und wird den Möglichkeiten des umsatzstärksten Unternehmens der Welt (!) sicher nicht gerecht.
Was sagt Amazon dazu?
Auch diesmal gaben wir Amazon selbstverständlich die Möglichkeit, eine Stellungnahme auf unsere konkreten Fragen abzugeben. Die ausweichende Antwort können Sie im Wortlaut unten anbei downloaden.
Unterm Strich...
... bleibt unsere Kritik unverändert aufrecht: Das Amazon-Ökosiegel-System erleichtert fundierte „grüne“ Kaufentscheidungen nicht, wie Amazon in seiner Stellungnahme meint, sondern es stiftet mehr Verwirrung als echte Orientierung.
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