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Handy und Kreditkarte in der Hand
Es wäre wünschenswert, wenn Onlineshops nicht nur die funktionellen Vorzüge ihrer Produkte anpreisen, sondern auch in puncto Nachhaltigkeit Aufklärungsarbeit betreiben würden. Bild: Natee Meepian/stock.adobe.com

Greenwashing im Warenkorb

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ÖKO.LOGISCH

Internetplattformen übertreiben bei Öko-Versprechen oder sparen das Thema Nachhaltigkeit ganz aus. Gibt es Aussicht auf Besserung? 

Markus Stingl - Redakteur: Nachhaltigkeit, Finanzthemen
Markus Stingl, Bakk. phil. | Redakteur: Nachhaltigkeit, Finanzthemen Bild: VKI

Im KONSUMENT-Magazin und -Blog schreibe ich über Themen im weiten Feld der Nachhaltigkeit. Die Kolumne nennt sich ÖKO.LOGISCH.

Markus Stingl, Redakteur

Onlineshopping ist ein Thema, bei dem ich kein kundiger Kenner bin. Ich behaupte jetzt nicht, dass ich das nie mache. Natür­lich kaufe ich im Netz ein. In dieser Be­schleunigung von einer Epoche, in der wir leben, in der Zeit verdichtet wird, in der es um immer mehr Output geht (natürlich bei gleichbleibenden Zeitressourcen), in der wir alle gefühlt immer nur hinterherhecheln, ist es fast unmöglich geworden, nicht diese Abkürzung zu nehmen. 

Trotzdem achte ich darauf, regelmäßig „in echt“ einzukaufen. Also ganz altmodisch in Geschäfte zu gehen – und damit meine ich nicht nur die Lebensmittelhändler. Amazon-Account habe ich nie einen be­sessen, auf den Seiten von Temu oder Shein war ich höchstens mal aus berufli­chem Interesse. 

Es tut sich wenig

Wir alle kaufen im Internet ein. Der eine mehr, die andere vielleicht etwas weniger. Insofern wäre es wünschenswert, wenn Onlineshops nicht nur die funktionellen Vorzüge ihrer Pro­dukte anpreisen, sondern auch in puncto Nachhaltigkeit Aufklärungsarbeit betrei­ben würden. Aber da tut sich leider wenig. 

Obwohl Nachhaltigkeitsbewusstsein vor­handen sei, bestimmen Preis, Komfort und schnelle Verfügbarkeit die Kaufentschei­dungen, schreibt das deutsche Umwelt­bundesamt im Fazit einer aktuellen Unter­suchung zum Thema. Wer online einkaufe, finde meist das billigste Produkt, aber zu selten das nachhaltigste. 

Die Forderung: Internetplattformen sollen Nachhaltig­keitsaspekte stärker einbeziehen. „Algo­rithmische Empfehlungssysteme sollten z. B. Nachhaltigkeitskriterien systema­tisch berücksichtigen. Eine solche Vorga­be könnte die Politik über die EU-KI-Ver­ordnung machen.“ Auch entsprechende Filtermöglichkeiten hinsichtlich Material­herkunft, Energieeffizienz oder Reparier­barkeit sollten implementiert werden – und zwar basierend auf rechtssicheren Standards.

Klare Regeln

Das kann ich nur unterstrei­chen. Insbesondere den letzten Halbsatz. Denn was Plattformen bisweilen schon machen: Irgendwelche Öko-Standards selbst festlegen und sie dann als Nach­haltigkeits-Kaufhilfe anpreisen. Das ist Greenwashing. 

Wir haben 2021 im Zuge des VKI-Green­washing-Checks zwei Konzern-eigene Öko-Gütesiegel von Amazon durchleuch­tet. Insbesondere das Label „Climate Pledge Friendly“ sei ein irreführendes Fake-Label, urteilten wir damals. Produkte wurden unter dieser Dachmarke undifferenziert als klimafreundlich ange­priesen (ob Amazon das Label inzwischen optimiert hat, schauen wir uns im Laufe des Jahres in einem Re-Check an). 

Was ich sagen will: Wenn „mehr Nachhal­tigkeit im Onlinehandel“, dann staatlich reglementiert. Sonst ist Greenwashing Tür und Tor geöffnet. Insofern hoffe ich sehr auf eine scharfe Umsetzung der sogenannten EmpCo-Richtlinie der EU (Stärkung der Verbraucher:innen für den ökologischen Wandel), die im Herbst in Kraft treten und sich u. a. dieser Proble­matik entgegenstellen soll. 

Soziale Nachhaltigkeit: Essensboten

Essenbote mit rosarotem Rucksack
Am Tag liefern sie Essen aus. In der Nacht hausen sie in Bruchbuden, berichtet der Falter. Bild: photoopus/stock.adobe.com

Noch ein Gedanke zur so­zialen Nachhaltigkeit. Der „Falter“ hat un­längst die Lebensumstände von Essens­boten (in Wien) thematisiert. Und aufge­zeigt, unter welch menschenunwürdigen Bedingungen sie zum Teil hausen und zu welch ausbeuterischen Bedingungen sie arbeiten müssen. Auch in KONSUMENT haben wir bereits 2018 die prekäre Welt der (damals noch) Fahrradboten bean­standet.

Insofern: Vielleicht denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal Ihr bei Foodora, Lieferando oder Wolt bestelltes Essen entgegennehmen – und geben dem Boten zumindest ein anständiges Trinkgeld.

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