Wunsch und Urlaubs-Wirklichkeit
ÖKO.LOGISCH
Viele wollen, kaum jemand macht’s – beim Urlaub auch die Nachhaltigkeit im Blick haben. Sichtbarstes Indiz: Die Passagierzahlen im Flugverkehr gehen durch die Decke.
Ich hätte da einen verrückten Vorschlag.
Im KONSUMENT-Magazin und -Blog schreibe ich über Themen im weiten Feld der Nachhaltigkeit. Die Kolumne nennt sich ÖKO.LOGISCH.
Markus Stingl, Redakteur
Während ich diese Zeilen schreibe, schaue ich, wenn ich meinen Blick weg vom Bildschirm hin zum Fenster wandern lasse, in ziemlich dichtes Schneetreiben. Ein Anblick, der mir definitiv taugt.
Dennoch, oder gerade deshalb, beschäftige ich mich aktuell gedanklich auch mit dem Familien-Sommerurlaub. Und damit wären wir, wie aufmerksame Leser:innen bereits erahnen werden, mittendrin in einem meiner Lieblingsthemen, nämlich dem Reisen.
Ich sag’s, wie’s ist: Einmal Meer pro Jahr, das gönn’ ich mir. Das brauche ich. Aber es muss nicht das karibische Meer oder der indische Ozean sein. Ich bin mehr als happy mit der (oberen) Adria.
Ich habe vor sechs Jahren Schluss gemacht mit Flugreisen. Und entsprechend ordentlich CO2 „eingespart“. Ich werde nicht müde zu betonen, dass man als Konsument:in beim Thema Reisen, neben der Ernährung, mit den größten Hebel an der Hand hat, wie man klima- und umweltbewusster leben kann.
Nachhaltig Reisen? Na klar, aber ...
Und offenbar bin ich mit dem Wunsch nicht allein. Mit dem Wunsch, ökologisch verträglicher zu reisen. Einer Studie des Deutschen Umweltbundesamtes zufolge möchte die Mehrheit der Deutschen nachhaltiger reisen – tut es aber nicht. Besonders beim Fliegen zeige sich ein deutlicher Widerspruch.
Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass ihnen ökologische und soziale Nachhaltigkeit beim Reisen wichtig ist. Wenn’s dann aber hart auf hart geht, die Reisebuchung eingetütet wird, dann können sich plötzlich nur noch fünf Prozent an diese grüne Maxime erinnern.
Fliegen: Ein Passagierrekord jagd den nächsten
Da wir Österreicher:innen unseren Nachbar:innen in vielerlei Hinsicht ähnlicher sind, als wir zugeben wollen, bin ich so dreist und lege dieses Umfrageergebnis kurzerhand auf die Alpenrepublik um.
So abwegig ist das, mit Blick auf die heimischen Flugbewegungen, nicht. Nach einem Rekord 2024 wurden 2025 noch einmal mehr Passagiere in Schwechat abgefertigt: 32 Millionen waren es insgesamt. Die Pandemie-Delle ist vollends ausgemerzt – auch global gesehen. Weltweit sind wir nicht mehr weit von der 10-Milliarden-Passagiermarke p.a. entfernt.
Irre.
Lösungen vs Denkanstöße
Ein Leser gab mir unlängst das Feedback, dass meine Kolumne zwar Denkanstöße biete und flüssig zu lesen sei. Aber Lösungsansätze? Fehlanzeige. „Lösungen und die Entscheidungen dahinter sind ja das Schwierigste“, meinte er.
Ich dankte ihm recht herzlich für seine Kritik – musste aber gleichzeitig auch klarstellen, dass das nie der Markenkern von Öko.Logisch war. Denkanstöße, ja. Aber die für jede:n passende Lösung für die komplexen Probleme im Feld der Nachhaltigkeit, nein.
Nur zu oft versuche ich an dieser Stelle die Verantwortung zur Weltrettung ohnedies vom Individuum wegzulenken. Auch das Fazit der zuvor erwähnten deutschen Studie geht in diese Richtung:
„Eine grundlegende Veränderung des Reiseverhaltens hin zu mehr Nachhaltigkeit ist nicht allein Aufgabe der Kundinnen und Kunden. Die Tourismusbranche hat die Chance, mit attraktiven Angeboten und klarer Kommunikation die Weichen zu stellen – hin zu einem Reisen, das unsere natürlichen Lebensgrundlagen schützt.“
Vorschlag: Flugreisen verbieten?
Insofern muss ich ...
- einmal mehr eine Lanze für das Österreichische Umweltzeichen und sein breites Angebot brechen.
Auch in puncto Tourismus gibt es eine Vielzahl an Ideen auf umweltzeichen.at zu finden.
eine meiner verrücktesten Ideen wiederholen: Wie wäre es, Werbung für Flugreisen zu verbieten? Analog zur Raucher- und Alkoholwerbung? Analog zur Junkfood-Werbung in Großbritannien?
Denn Werbung wirkt. Und die Verbote selbiger eben auch.

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