Wie grün sind Öko-Fonds wirklich?
ÖKO.LOGISCH
Die Richtung stimmt: Eine aktuelle Analyse zeigt, dass nachhaltige Fonds aus Österreich inzwischen mehrheitlich das halten, was sie versprechen.
Im KONSUMENT-Magazin und -Blog schreibe ich über Themen im weiten Feld der Nachhaltigkeit. Die Kolumne nennt sich ÖKO.LOGISCH.
Markus Stingl, Redakteur
Auch in puncto Geldanlage bin ich darauf bedacht, möglichst „öko“ zu agieren. Nicht sklavisch, sondern punktuell dort, wo es meiner Meinung nach sinnvoll ist – und auch die Renditeaussichten gut sind.
Denn bei aller grünen Liebe bin ich nicht Feind meines eigenen Geldes. Auch bei nachhaltigen Fonds achte ich deshalb z. B. auf die (laufenden) Kosten, die, sofern zu hoch, die Nettorendite gehörig schmälern können.
Was ich hier auf keinen Fall reproduzieren möchte, ist die Mär, dass grüne Geldanlage per se weniger Rendite bedeutet. Zahlreiche Untersuchungen haben bereits widerlegt, dass nachhaltiges Anlegen und ansprechende Rendite ein Widerspruch sind. Natürlich gibt es z. B. grüne Fonds, die nicht so gut performen. Wiewohl es auch klassische Fonds gibt, die vor sich hindümpeln.
Wie korrekt ist die Branche unterwegs?
Was mir hingegen schon immer Falten auf die Anleger-Stirn gezeichnet hat, ist die Frage, ob grüne Fonds wirklich das halten, 43was sie versprechen: Den Fokus auf nachhaltiges, ethisch korrektes Investieren zu setzen. Zwar müssen Fonds mit Nachhaltigkeitsbezug seit einigen Jahren gekennzeichnet sein. Unklare Vorgaben ließen aber doch Spielraum für Greenwashing.
Seit Mai 2025 müssen Fonds nun zumindest 80 Prozent des Fondsvermögens in nachhaltige Anlagen investieren, sofern sie sich mit grünen Attributen schmücken – also im Namen Begriffe führen wie „nachhaltig“, „green“ oder „ESG“ (steht für Umwelt, Soziales, Unternehmensführung). Diese Regelung gilt europaweit.
Neue Untersuchung
Beschwingt stimmte mich das Ergebnis einer Untersuchung des österreichischen Fondsmarktes, die die Arbeiterkammer Oberösterreich in Auftrag gegeben hat (siehe cleanvest.org). Die klaren Vorgaben der EU zeigen offenbar Wirkung:
Fonds mit ESG-Bezug im Namen seien „messbar nachhaltiger geworden und verzichten mittlerweile vollständig auf Investitionen in Kohle, Öl & Gas oder Rüstung“, heißt es in einer Aussendung der AK. Insgesamt wurden 256 Fonds bewertet.
Wie auswählen?
Laut der sogenannten EU-Offenlegungsverordnung gibt es grob drei Gruppen von Finanzprodukten:
- Dunkelgrüne: Sie tragen eine sogenannte Artikel-9-Klassifizierung und müssen explizit Nachhaltigkeitsziele verfolgen.
- Hellgrüne: Das sind Fonds gemäß Artikel 8. Diese berücksichtigen und werben zwar mit Nachhaltigkeitsaspekten, obligatorisch ist das Anstreben von Öko-Investitionen aber nicht.
- Sonstige: „Normale“ Fonds, nach Artikel 6 klassifiziert. Legen keinen (offiziellen) Wert auf Nachhaltigkeit.
Heißt übersetzt, dass man mit der Wahl eines Artikel-9-Fonds in puncto Nachhaltigkeit am besten fährt? Nicht zwingend, wie die AK-Analyse zeigt. Auch viele Artikel-8-Fonds sind sehr grün unterwegs.
Kann man sich dann auf den vermeintlich guten Namen des Finanzinstituts verlassen, das die Fonds aufgelegt hat? Laut Untersuchung: Nein, es gibt keine durchwegs „guten“ Namen. Unterschiedliche Öko-Fonds, aufgelegt von z. B. ein und derselben Bank, können sich ganz vorne im Nachhaltigkeitsranking und auch ganz hinten wiederfinden.
Achten Sie aufs Umweltzeichen
Schaut man sich das Ranking der untersuchten Fonds an, ergibt sich auf dem recht verworrenen Weg zum richtigen Öko-Fonds aber eine probate Abkürzung. Sie heißt Österreichisches Umweltzeichen.
Unter den Top 50 sind 43 mit dem Umweltzeichen zertifiziert. Die Top 5 tragen allesamt eine Zertifizierung des im VKI angesiedelten Umweltzeichens.
Der Transparenz halber sei klar erwähnt: Das Ranking bezieht sich nur auf Nachhaltigkeitsaspekte. Die Renditeaussichten bzw. Kostenstruktur der Fonds wurden nicht bewertet.

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