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Auf Fehlersuche im Repair Café
Bruno vom Repair Team und ich auf Fehlersuche. Ich habe dabei eine tragende Rolle. Bild: VKI

Zu Gast im Repair Café

BLOG

ÖKO.LOGISCH

Reportage. Kaputte Elektronikgeräte zu reparieren ist in vielerlei Hinsicht sinnvoll. Wer das nicht selbst hinbekommt, kann sich in sogenannten Repair Cafés Hilfe holen. Ich habe beim „Repair Team“ in Wien vorbeigeschaut.  

Markus Stingl - Redakteur: Nachhaltigkeit, Finanzthemen
Markus Stingl, Bakk. phil. | Redakteur: Nachhaltigkeit, Finanzthemen Bild: VKI

Im KONSUMENT-Magazin und -Blog schreibe ich über Themen im weiten Feld der Nachhaltigkeit. Die Kolumne nennt sich ÖKO.LOGISCH.

Markus Stingl, Redakteur

„Wem gehört der CD-Player? Ich würde mir den jetzt als Nächstes vornehmen.“ Ich hebe die Hand und geselle mich neben Bruno, einen der heute ehrenamtlich wer­kenden Fachkräfte vom Repair Team. 

Und schon geht’s los. Noch während ich erkläre, an was das rund 25 Jahre alte Teil krankt – die Schublade klemmt und der Laser dürfte wohl defekt sein –, wird der CD-Player auseinandergeschraubt. Ich assistiere – so gut es eben geht. 

Und siehe da. Keine 30 Minuten später läuft das Harman/Kardon-Gerät wieder. Gemein­sam mit Bruno musste ich dafür nur einen unscheinbaren Zahnriemen von der Größe eines Gummiringerls austauschen und die Linse des Lasers säubern. Mehr nicht. 

Hohe Erfolgsquote 

Statt Elektroschrott halte ich ein funktions­tüchtiges neues altes Gerät in Händen. Und fühle mich gut, nahezu feierlich. So oder so ähnlich geht es wohl vielen ande­ren Menschen, die beim Repair-Team vor­beischauen. 

Die Erfolgsquote liegt bei beachtlichen 60 bis 70 Prozent, erzählt mir Paul Srna, ein weiterer Reparatur-Profi im Team. Srna ist ein „alter Bekann­ter“, bis 2016 war er als Technik-Experte unverzichtbarer Teil der VKI-Untersuchungsabteilung. 

Föhn, Mixer, Kaffeemaschine & Co 

Repariert wird so ziemlich alles: Staub­sauger, Bügeleisen, Föhns, elektrische Zahnbürsten, Mixer, Toaster, Kopfhörer, Lampen. Und auch Kaffeemaschinen. 

Eine defekte De’Longhi-Kaffeemaschine hat Joti Bomrah mit im Gepäck. Joti hat mich ins Repair Café begleitet und ist, kleines Detail am Rande, im VKI die Nachfolgerin von Paul Srna als Technik-Expertin. 

Das Problem der De’Longhi: Das Wasser tropft aus dem Siebträger, sobald die Maschine eingeschaltet ist, oft während der Aufheizphase. Auch diese Aufgabe meistert das Repair-Team mit Bravour. 

Wieder ist es nur eine unscheinbare Kom­ponente, die ausgetauscht werden muss: Eine kleine Silikonkugel im Cremaventil des Siebträgers. 

Und wieder heißt es: Nicht verschwenden, wiederverwenden! 

Schnappschüsse aus dem Repair Café

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Aufgeschraubter CD-Player
Bild: VKI
Auf Spurensuche mit Hilfe eines Schaltplans
Bild: VKI
Das Repair Cafe in der Totale
Bild: VKI
Individuell bedruckte T-Shirts, die die Repair-Team-Mitglieder im Einsatz tragen
Bild: VKI
Innenleben einer Kaffeemaschine
Bild: VKI
Ist der Dichtungsring noch in Ordnung?
Bild: VKI
Ist dieser Akku noch zu retten?
Bild: VKI
Aufgeschraubter CD-Player
Bild: VKI
Auf Spurensuche mit Hilfe eines Schaltplans
Bild: VKI
Das Repair Cafe in der Totale
Bild: VKI
Individuell bedruckte T-Shirts, die die Repair-Team-Mitglieder im Einsatz tragen
Bild: VKI
Innenleben einer Kaffeemaschine
Bild: VKI
Ist der Dichtungsring noch in Ordnung?
Bild: VKI
Ist dieser Akku noch zu retten?
Bild: VKI

Hilfe zur Selbsthilfe

Das erste Repair Café startete 2009 in den Niederlanden. Die Idee fand schnell An­klang und verbreitete sich – auch in Öster­reich. Hierzulande listet die Homepage repaircafes.at rund 100 Initiativen. 

Die Grundidee von Repair Cafés ist im Regelfall immer dieselbe: Hilfe zur Selbst­hilfe. Unter Anleitung von ehrenamtlichem Fachpersonal können Menschen „wie du und ich“ dort defekte Alltagsgegenstände reparieren (lassen) – und das (von allfälli­gen Ersatzteilkosten abgesehen) gratis. Spenden sind freilich willkommen. 

Man verstehe sich nicht als Konkurrenz zu Fachwerkstätten, sondern als Ergänzung, erklärt Srna. Das Repair-Team nehme sich auch Geräten an, deren Reparatur bei Fachwerkstätten nicht (mehr) durch­geführt würden. Generell nicht repariert werden vom Repair-Team TV-Geräte, Lap­tops, Tablets, Smartphones, medizinische Geräte und Geräte unter Garantie. 

Mannigfacher Nutzen 

Der Nutzen von Repair Cafés liegt auf der Hand. Ressourcen werden geschont, Müll wird vermieden, die Umwelt profitiert, der Geldbeutel detto. 

Und nicht zu vergessen, etwas pathetisch ausgedrückt, auch die Seele. Zum einen von Menschen, die zum Teil über Jahre verwendete und dabei liebgewonnene Geräte wieder in Schuss bringen wollen. 

Und zum anderen spürt man auch bei den Reparateuren, häufig Männer mit Technik-Hintergrund im Ruhestand, eine tolle, positive Energie. Dann, wenn sie sich in die unterschied­lichsten Problemstellungen hineinfuch­sen. Und natürlich auch dann, wenn die Reparatur glückt. 

Der Schmäh rennt ebenfalls. Das merkt man schon an den individuell bedruckten T-Shirts, die die Repair-Team-Mitglieder im Einsatz tragen. Auf der Rückseite ste­hen dann so vielsagende Zuschreibungen wie „Chef-Zerleger“, „HiFi-Chirug“ oder „Experte für eh fast alles“. 

Ein Tipp to Go 

Letzteres kann ich nur bestätigen. Beim Smalltalk kurz bevor ich mich verabschiede, klage ich mein Leid über meine HiFi-Anlage. Aus den Kunststoffteilen des Plattenspielers kriechen nämlich klebrige Weichmacher. Sie kennen dieses pickige Ärgernis bestimmt von unterschiedlichsten Gebrauchsgegenständen wie Schirmgriffen, Fernbedienungen, Compu­ter-Mäusen oder Taschenlampen. Ich bekomme diese fast schon harzige Schicht am Plattenspielergehäuse nicht gebän­digt, egal welches Mittel ich auch auspro­biere. 

Paul Srna muss nicht lange über­legen: „Versuch’s mal mit Bremsenreini­ger.“ Ich schaue ungläubig. „Ja, den für Autobremsen.“ Ganz überzeugt bin ich zwar nicht, aber beim nächsten Besuch im Baumarkt lege ich auch eine Dose Bremsenreiniger ins Einkaufswagerl. 

Und was soll ich sagen: Es hat funktioniert. Der Plattenspieler schaut aus wie neu.

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