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Blauer Bademantel am Kleiderbügel, am Etikett steht Vossen und vegan
Ein veganer Bademantel? Warum wird gerade aus diesem Vegan-Attribut der zentrale Kaufanreiz gemacht? Bild: VKI

Vossen im Greenwashing-Check: Ein Bademantel, weich – und vegan?

Der Frottierwaren-Hersteller Vossen bewirbt seine Produkte als vegan. „Was kann an einem Bademantel denn nicht vegan sein?“, fragt ein Konsument. Wir haben den Check gemacht.

Was uns stutzig gemacht hat

Im Jänner 2026 kaufte ein Konsument einen Vossen-Bademantel – und staunte nicht schlecht, dass dieser als „vegan“ angepriesen wurde. Er stellte sich bzw. uns die Frage: „Was kann an einem 100-%-Baumwoll-Bade­mantel denn bitte schön nicht vegan sein?“ 

Wir wollen das sachlich klären.

Der Check

Wenn jemand streng vegan lebt, betrifft das nicht nur die Ernährung. Viele Alltagsprodukte enthalten mehr oder weniger versteckte tierische Be­standteile. Da immer mehr Menschen vegan leben, entsteht so ein wachsender Markt, der von der Wirtschaft immer stär­ker beackert wird. 

Bei manchen Produkten liegt es auf der Hand, dass sie nicht vegan sein können. Etwa bei Lederschuhen oder -mänteln, bei Imkereiprodukten oder Kleidungsstücken aus Wolle (Schaf, Alpaka etc.). Auch bei Reinigungs- oder Kosmetikprodukten kann man mit etwas Nachgrübeln schon auf die Idee kommen, dass dort tierische Produkte zum Einsatz kommen (können). 

Aber bei einem Bademantel aus Baumwolle? Da steckt die Antwort tief im Detail. Der Rohstoff Baumwolle ist zwar immer vegan. Traditionell aber kommen in der Textilindustrie, so auch bei der Herstel­lung von Frottierprodukten, tierische Hilfsstoffe zum Einsatz. Beispielsweise Stärkemittel, die im Webprozess verwen­det werden, um die Garne zu festigen. Und auch Farbstoffe können tierische Bestand­teile enthalten.

Was sagt Vossen dazu?

Die Linz-Textil-Tochter Vossen beschäftigt am (einzigen) Produktionsstandort im burgenländi­schen Jennersdorf rund 250 Mitarbeiter und ist laut Eigenangaben Marktführer für Frottierwaren in Europa. 

Schon allein der heimische Produktionsstandort, wo Textilien unter sehr strengen gesetzlichen Umwelt- und Sozialstandards hergestellt würden, sei ein „wichtiger Beitrag zu ver­antwortungsvoller Produktion“, schreibt Vossen in seiner Stellungnahme. Dem wollen wir nicht widersprechen. 

Die Stellungnahme im Wortlaut finden Sie hier zum Download. 

Fazit

Dass ein Bademantel streng ge­nommen nicht vegan ist, wissen wir nun – zumindest, wenn er mit traditionellen Produktionsmethoden hergestellt wurde. Dennoch bleibt die Frage: Warum wird gerade aus diesem Vegan-Attribut der zentrale Kaufanreiz gemacht? Verwirrt das nicht mehr, als dass es werblich Sinn stiftet? 

Laut Vossen spiele das Thema Veganismus für viele Kund:innen eine zunehmende Rolle, solche Produkte würden gezielt gesucht. „Aus diesem Grund infor­mieren wir transparent über unsere ent­sprechenden Produktionsschritte und kennzeichnen diese Produkte entspre­chend.“ Zumindest da müssen wir wider­sprechen. Denn dem Etikett des Bademantels ist bezüglich der Produktions­schritte nichts zu entnehmen (auch kein Verweis auf die Homepage). Verwirrt blieb folglich auch der eingangs erwähnte Kon­sument im Geschäft zurück. 

Rückseite Vossen-Vegan-Etikett
Bild: VKI

Rückseite des Etiketts

Ferner betont Vossen auf der Rückseite des Etiketts: „Der Bademantel aus hoch­wertiger Baumwolle ist 100 % vegan und damit unser Beitrag für eine bessere Welt.“ 

Ohne den Verzicht auf tierische Hilfsmittel in der Produktion negieren zu wollen: Wäre es nicht ein weitaus größerer Beitrag für eine bessere Welt, wenn Vossen auf Bio-Baumwolle setzen würde? Da winkt das Unternehmen ab. Mit zum Teil fadenscheinigen Argumenten, allen voran: „Bio-Baumwolle [wird] häufig auch für kurzlebige Fast-Fashion-Produkte eingesetzt, wodurch der ökologische Vorteil relati­viert werden kann.“  

Was das eine mit dem anderen zu tun hat, erschließt sich uns nicht. Faktum ist vielmehr, dass bei der Bio-Baumwollproduktion auf chemische Dünger, Pestizide und Entlaubungsmittel verzichtet wird. Dadurch sinkt nicht nur die CO2-Bilanz, sondern auch die Gesundheitsprobleme der Landwirte. Zudem wird der Wasserverbrauch, der in den ohnedies sehr trockenen Anbaugebieten oft ein massives Problem darstellt, deutlich reduziert. Das verbessert langfristig die Qualität der Böden und deren Fruchtbarkeit. 

Vielleicht ändert Vossen diesbezüglich seinen Zugang. Es würde dem Unternehmen, das sonst viele sinnvolle und nachvollziehbare Schritte in Richtung Nachhaltigkeit setzt, gut zu Gesicht stehen.

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