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Joghurt im Mehrweg-Glas von Schärdinger
Kein Greenwashing Bild: Schärdinger/Bergland

Greenwashing? Schärdinger: Mehrweg-Pfandflasche

Seit 2019 gibt es Schärdinger-Milch in der Mehrweg- Pfandflasche, seit 2021 auch Joghurt im Mehrweg-Gebinde. Ein Konsument wittert dennoch Greenwashing. Zu Recht?

Was uns stutzig gemacht hat

„Kurz bevor ein Pfand auf Gebinde gesetzlich ­vorgeschrieben wird, versucht Schärdinger mit Joghurt im Glas zu werben. Sie sug­gerieren, dass es ihre eigene Idee war.“ Ein Konsument meldete sich bei uns mit der Vermutung, dass die Schärdinger-­Muttergesellschaft Berglandmilch Greenwashing betreibt. Ist der Vorwurf gerechtfertigt?

Der Check

Schärdinger-Joghurt ist seit November 2021 auch im Mehrweg-Pfandglas erhältlich. Die Schärdinger-Mutter ­Berglandmilch ist damit de facto der zweite Anbieter, der Joghurt großflächig im heimischen Lebensmitteleinzelhandel im Mehrweg-Gebinde feilbietet. Vorreiter war hier die deutsch-holländische Molkerei Land­liebe. Die auf den Weg geschickten gesetzlichen Vorgaben rund um verpflichtende Mehrwegquoten sind aber nicht die Treiber dieser Initiativen. Denn die Quoten, die ab 2024 schrittweise vom Handel umgesetzt werden müssen, beziehen Joghurt gar nicht mit ein.

Bier, Limonade, Milch

Betroffen sind sämtliche Getränkekategorien, vom Bier über die Limo bis zur Milch. Bei dieser ist Berglandmilch tatsächlich Mehrweg-Vorreiter am heimischen Markt. Die größte Molkerei Österreichs füllt bereits seit 2020 Milch im ­Mehrweg- Pfandglas ab – wir haben Berglandmilch auch einen Besuch abgestattet, um einen Eindruck von den Produktions­abläufen zu bekommen (siehe KONSUMENT 8/2020 bzw. konsument.at/milch082020).

Was sagt Berglandmilch dazu?

Berglandmilch hat rasch, konkret und umfassend auf unsere Nachfragen geantwortet. Den vollständigen Wortlaut finden Sie unten im Download.

Hält das grüne Versprechen?

Selbst wenn wir sehr kritisch sind (was wir ja sind), können wir Berglandmilch kein Greenwashing nachsagen. Der Vorwurf, das Unternehmen wolle Nachhaltigkeitspunkte sammeln, bevor Mehrweg ohnedies gesetzlich vorgeschrieben ist, geht ins Leere.

Natürlich: Noch besser geht immer. Die Mehrweg-Joghurts von Schär­dinger werden beworben mit: „nachhaltiger Genuss mit noch besserem Gewissen“. Angesichts der Tatsache, dass es sich dabei um keine Bio-Produkte handelt, ist diese Formulierung wohl um ein paar Dezibel zu marktschreierisch.

Bio-Joghurt in Mehrweg-Gebinden

Aber für Eigenmarken ihrer Handels­partner Rewe und Spar füllt Berglandmilch ­inzwischen auch Bio-Joghurt in Mehrweg-Gebinden ab. Vielleicht geht Berglandmilch künftig diesen Schritt und bietet, im Sinne umfassender Nachhaltigkeit, auch bei ihren eigenen Marken, wie z.B. Schärdinger oder Tirol-Milch, Bio-­Milchprodukte im Mehrweg-Gebinde an.

Sehr begrüßenswert

Die Mehrweg-Initiative von Berglandmilch ist jedenfalls, das möchten wir dezidiert hervorstreichen, sehr begrüßenswert. Es gibt keine andere Molkerei in Österreich, weder NÖM noch SalzburgMilch noch Gmundner, die bisher nachgezogen hat. Dass mit Mehrweg aktiv Klima- und Umweltschutz betrieben wird, bestätigen zahlreiche Studien.

Milchflaschen: bis zu 15 Umläufe

Bei Berglandmilch schaffen die Milchflaschen bis zu 15 Umläufe, es werden also 15 Einwegflaschen ersetzt – das ist mehr als die Richtlinie des Österreichischen Umweltzeichens für Mehrwegsysteme fordert. Die Rücklaufquote liege bei 90 Prozent. Auch bei Jog­hurt-Gläsern geht das Unternehmen von ähnlichen Zahlen aus. Um belastbare Aussagen zu treffen, müsse man aber noch ein paar weitere Monate abwarten und dann analysieren.

Kurze Transportwege

Je kürzer die Transportwege, desto posi­tiver wirken Mehrwegsysteme. In einem verhältnismäßig kleinen Land wie Österreich ist das ohnedies recht einfach ­umsetzbar. Natürlich auch, weil die Kon­sumenten die Mehrweg-Produkte gut annehmen, baut Berglandmilch das System weiter aus. Neben Aschbach in Nieder­österreich und Wörgl in Tirol wird seit Juli auch in Voitsberg in der Steiermark in Mehrweg-Gebinden abgefüllt. Das ­verkürzt die Transportwege noch weiter. „Durch die Inbetriebnahme eines dritten Standortes ist die Entfernung zu jedem ­Lager unserer Handelspartner deutlich ­unter 250 Kilometer.“ Im Durchschnitt seien es unter 200 Kilometer.

Melden Sie uns Greenwashing!

Grünes Mascherl, nichts dahinter? Melden Sie es uns!
Grünes Mascherl, nichts dahinter? Melden Sie es uns! Bild: Seyser/VKI

Sie sind unlängst über ein besonders dreistes grünes Werbeversprechen gestolpert? Melden Sie sich bei uns und helfen Sie mit bei unserer Offensive gegen Greenwashing! Auf konsument.at/greenwashing bzw. vki.at/greenwashing-meldeformular finden Sie dafür ein entsprechendes Formular.

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