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Altmaterialien ordentlich sortiert: Altmetall, Glas, Pappe
"100% recycelbar": ein korrekter Begriff, aber Greenwashing vom Feinsten. Recyceln kann man nur, was man sortenrein sammelt. Bild: Rawpixel, D.Seyser/Shutterstock

Greenwashing: BIC-Kugelschreiber - Werbung und Wirklichkeit

100 % recycelbar – mit dieser oder ähnlich lautenden Werbeaussagen gehen Unternehmen immer öfter auf Kundenfang. So auch BIC bei einem Kugelschreiber. Lesen Sie, was wir BIC ins Greenwashing- Stammbuch schreiben.

Was uns stutzig gemacht hat

Jeder hat schon einmal einen in der Hand gehabt, vielleicht sogar etwas Wichtiges damit ­unterfertigt oder einen emotionalen Brief geschrieben: die Rede ist vom BIC-Kugelschreiber. Neuerdings bewirbt das franzö­sische Unternehmen einen seiner Kulis mit dem Slogan „100 % recycelbar“. Auch das Drei- Pfeile-Recyclinglogo ist am „BIC ­Media Clic Bguard Antimicrobial Ecolutions“ abgedruckt. Eine Konsumentin wandte sich an uns: „Werden wir da nicht getäuscht?“

Der Check

Zu Beginn ein Abstecher in die Welt der Normen. Der Begriff Recycling­fähigkeit (so lautet der korrekte Fachbegriff) ist in der ISO-Norm 14021 geregelt. Aus dieser geht hervor, dass nur dann mit Recycling­fähigkeit (oder dem Drei-Pfeile-Logo) geworben werden darf, wenn es für das beworbene Produkt entweder Sammelsysteme gibt – oder zumindest darauf hingewiesen wird, dass es diese nicht gibt. Die Norm ist allerdings sanktionslos, weil rechtlich nicht bindend.

Wir kontaktierten Abfallentsorger bzw. auf Recycling spezialisierte Firmen und fragten nach, wie sie mit einem Produkt wie dem besagten Kugelschreiber umgehen bzw. ob dieser wirklich recyclingfähig ist. Das Fazit aus den Rückmeldungen: Wenn, dann könne sich die BIC-Werbung allenfalls auf eine theoretische Recyclingfähigkeit be­ziehen.

Technisch schaut es schon anders aus. Die darauf ausgerichteten Sortier- und Verwertungssysteme gibt es in Österreich nicht. Warum auch, es gibt ja nicht einmal ein vorgelagertes Sammelsystem (wie z.B. den gelben Sack für Kunststoffe). Ohne ein solches geht so und so gar nichts in puncto Kreislaufwirtschaft. Anspruch (oder besser gesagt Werbung) und Wirklichkeit klaffen somit weit auseinander.

5 BIC-Kugelschreiber, die das Recycling-Logo tragen
BIC bezeichnet diese Kugelschreiber als "recyelbar"; aber niemand tut es. Sie landen im Restmüll. Bild: BIC/bodegon

Theoretisch ja, praktisch nein

Um es noch einmal zu veranschaulichen: Theoretisch können die Komponenten ­eines Kugelschreibers stofflich verwertet werden. Ja, Kunststoff, Metall und Tinte, das kann recycelt werden. Aber wie ­gelangt der Kuli zum Entsorgungsunternehmen? Im gelben Sack hat er nichts ­verloren, da wird er als Fehlwurf wieder aussortiert und landet im Restmüll. Persönlich zu einem Recycling-Unternehmen bringen? Keine probate Lösung. Recycelt wird dort allenfalls, was in Großmengen angeliefert wird. Und zwar kontinuierlich. Nur das macht ­betriebswirtschaftlich Sinn. Ergo landet der Kugelschreiber letztlich im Restmüll und wird thermisch verwertet. In anderen Worten: verbrannt.

So schaut „100 % recycelbar“ in der Realität leider sehr oft aus.

Was sagt BIC dazu? Nichts

Gerne würden wir Ihnen die Sichtweise von BIC darlegen, aber leider hat das Unternehmen auf unsere Bitte um Stellungnahme nicht reagiert, ­unsere Fragen unbeantwortet gelassen.

Fazit: Hält das grüne Versprechen?

Ein klares Nein.

Green­washing

BIC versucht, sich mit einem grünen Versprechen von der Konkurrenz abzuheben. Dieses Versprechen hält einer genaueren Prüfung nicht stand: Green­washing!

Neben der grundsätzlichen Voraussetzung eines adäquaten Produktdesigns ist ein Sammelsystem der zentrale ­Ansatzpunkt und Hebel, um Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen. Entsprechend sieht auch die Normierung vor, dass mit „recycelfähig“ (bzw. allen Formulierungs-Derivaten) nur dann geworben werden darf, wenn es ein Sammelsystem für das Produkt gibt. Leider ist die Norm rechtlich nicht bindend. Insofern können Unternehmen wie BIC ihre Produkte mit „100 % recycelbar“ vermarkten – sanktionslos. Wenn kritisch nachgefragt wird, können sich BIC & Co immer noch auf die Position zurückziehen, dass ja eh nur die theoretische Recycling­fähigkeit gemeint war. Oder man ­äußert sich gar nicht, so wie BIC auf unsere Nachfragen.

Ein absolutes No-Go

Aus Konsumentensicht ist das jedenfalls ein absolutes No-Go. Verlassen kann man sich so auf nichts. Was ist mit „100 % recycelbar“ gemeint? Es ist nicht zumutbar, dass Konsumenten sich durch Stapel von Normungsbüchern oder Fachzeitschriften arbeiten müssen, um Klarheit zu bekommen. Der Gesetzgeber hat dringenden Handlungs­bedarf. Wenn ein Hersteller mit Recyclingfähigkeit wirbt, dann muss klar sein, dass das beworbene Produkt auch wirklich ­rezykliert wird.

TerraCycle-Programm in Bayern

Wie wir herausgefunden haben, das sei der Vollständigkeit halber erwähnt, beteiligt sich BIC an einem Recyclingprogramm für Stifte, dem sogenannten TerraCycle- Programm. Leider müsste man bis nach Bayern fahren, um alte Kulis im Sinne der Kreislaufwirtschaft richtig zu entsorgen. Das Recyclingprogramm ist in Österreich nämlich nicht ausgerollt.

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Grünes Mascherl, nichts dahinter? Melden Sie es uns!
Grünes Mascherl, nichts dahinter? Melden Sie es uns! Bild: Seyser/VKI

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