Laut Anleitung ist die Sache ganz einfach. Man installiere den CryptoTab-Browser. Das sei ein besonderer Webbrowser. Er verspricht: Wenn man mit diesem Browser surft, kann man Bitcoins schürfen (Fachausdruck: „mining“). Bitcoins sind die wichtigste neue rein digitale Kryptowährung. Bitcoins sind unabhängig von Staaten und Notenbanken und lassen sich in normales Geld wechseln. Ihre Herstellung benötigt enorm viel Rechenaufwand und Energie. Der CryptoTab-Browser helfe bei diesem Mining, behaupten die Anbieter.
CryptoTab-Browser: Geld verdienen, Kosten, Erfahrungen
Mit einem Browser neuer Art könne man im Handumdrehen Kryptowährung erzeugen und Geld verdienen, behaupten die Anbieter. Betroffene warnen.
Selbst Geld drucken
Übersetzt man das Angebot des CryptoTab-Browsers in alte Sprache und altes Denken: Es ist, als würde man selbst Geld drucken durch das Ansehen von Auslagen. - Kein Wunder, dass sich um das Erzeugen von Bitcoins eine unübersichtliche Szene gebildet hat. Sie reicht von spannender Innovation über Spekulation bis hin zu Betrug. Letzteres immer mehr.
Plötzlich Schluss mit der Auszahlung
Anlass für die Recherche war das Schreiben eines Konsumenten. „Ich habe“, berichtet Herr Hofbauer, „den CryptoTab-Browser installiert, ein Bezahlabo abgeschlossen und dann in verschiedenen Tranchen kleine Bitcoin-Auszahlungen auf mein externes Wallet erhalten.“ „Wallet“ ist eine Art virtuelle Geldbörse. Das funktioniert bis September 2024. Dann ist plötzlich Schluss mit der Auszahlung. Stattdessen erhält Herr Hofbauer immer neue Vertröstungen. Die Firma CryptoCompany OÜ – sie steht hinter dem CryptoTab-Browser – behauptet, dass technische Probleme zu Verzögerungen führten und das Team bereits an einer Lösung arbeite. Die Situation verbessert sich nicht.
CryptoCompany OÜ sitzt in Estland
Herr Hofbauer ist mit seinem Ärger nicht allein. Auf Trustpilot etwa berichten viele Nutzer Ähnliches. Da CryptoCompany OÜ in Tartu (Estland) sitzt, haben wir über unser Netzwerk der Europäischen Verbraucherzentren die estnischen Kolleg:innen kontaktiert. Diese fordern die Auszahlung aller offenen Transaktionen für den Kunden. Herr Hofbauer erhält seinen fehlenden Bitcoinanteil im Wert von ca. 600 Euro auf sein Wallet ausgezahlt. Aber: „Es war dennoch ein Verlustgeschäft; bestenfalls ein Nullsummenspiel“, berichtete er uns.
Die Sache ist relativ neu
Der Cryptobrowser selbst scheint zwar zu Beginn zu funktionieren. Berichte einschlägiger Nutzer:innen (etwa auf Trustpilot) deuten darauf hin, dass dieser Browser als unseriös bzw. potenziell betrügerisch wahrgenommen wird. Insbesondere, wenn es um das Verdienen bzw. vor allem um das Auszahlen von Bitcoins geht.
Wieder offline?
Nach Abschluss dieses Berichtes haben wir festgestellt, dass die Website cryptobrowser.site, auf die sich dieser Artikel bezieht, zeitweise ganz oder teilweise nicht aufrufbar ist. Gleichzeitig gibt es etwa auch die Website cryptotab.net/de/ mit identem Aufbau. Im diesem Umfeld gibt es weitere ähnliche Dienste. Ob sie vom selben Betreiber kommen oder es sich um Betrug handelt, ist unklar; sie haben kein Impressum.
Da wären u.a.:
- CryptoTab Farm (ein Mining-Dienst – “Verwandeln Sie Computer in digitales Gold“)
- NC Wallet (ein Krypto-Konto – „wechseln und bewahren Sie Ihr Geld auf, mit der Möglichkeit, es ohne Provision auszuzahlen“)
- CryptoTab Coin CTC („die offizielle Kryptowährung von CryptoTab“)
- CryptoTab Start (eine Browser-Erweiterung – „Machen Sie Ihren Browser superpraktisch!“).
Lesen Sie auch ...
... das Interview mit Elias Ulrich, LL.M. (WU). Ulrich arbeitet beim Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) und hat bei uns den Fall betreut: Interview: CryptoTab-Browser: "Besser, Sie lassen die Finger davon"

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