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Interview: CryptoTab-Browser - "Besser, Sie lassen die Finger davon"

Den CryptoTab-Browser installieren und Bitcoins verdienen? Schön wär´s. Interview mit Elias Ulrich. Er hat einem Betroffenen zu seinem ausständigen Geld verholfen. 

Mit einem Browser neuer Art könne man im Handumdrehen Kryptowährung erzeugen und Geld verdienen, versprechen die Anbieter. 

Interview

Portrait von VKI-Mitarbeiter Elias Ulrich
Elias Ulrich, LLM (WU) ist Jurist, arbeitet beim Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) und setzt sich für Geschädigte ein. Bild: VKI

KONSUMENT: Ein Betroffener, Herr Hofbauer, wollte sich mit dem CryptoTab-Browser ein Nebeneinkommen erarbeiten. Aber die Betreiber haben dann aufgehört auszuzahlen - siehe Artikel "CryptoTab-Browser: Geld verdienen, Kosten, Erfahrungen". Ist er ein Einzelfall?

Ulrich: Einzelfall? Nein. Zwar ist es die erste beim EVZ-Österreich eingegangene Beschwerde; tatsächlich dürfte es aber regelmäßig zu Problemen mit der Auszahlung kommen. Zu Beginn funktioniert das „Mining“ und auch die Auszahlung klappt. Sobald man aber einen etwas größeren Betrag erwirtschaftet hat, werden keine Beträge mehr ausgezahlt. Die Auszahlung ist dauerhaft „pending“, also „in Bearbeitung“. Sucht man in Trustpilot nach cryptobrowser.site sind davon viele Menschen betroffen.

Passives Einkommen durch „Mining“ von Bitcoins

Konsument: Was läuft da wirklich?

Ulrich: Es klingt natürlich super. Man surft im Internet und bezieht dabei ein passives Einkommen durch „Mining“ von Bitcoins. Ganz so einfach kann es aber nicht funktionieren.

Woran hakt es?

Ulrich: Das „Mining“ von Bitcoins benötigt viel mehr Rechenleistung, viel, viel mehr. Es ist kaum vorstellbar, dass ein herkömmlicher Laptop oder gar ein Smartphone hierfür ausreichen würden. In jedem Fall ist es aber ein Verlustgeschäft. Einerseits bezahlen die meisten Menschen für eine schnellere Nutzung –  so auch Herr Hofbauer –  und andererseits übersteigen die Energiekosten den finanziellen Ertrag.

Verlustgeschäft für den User

D.h. Sie denken nicht, dass hier tatsächlich Kryptowährungen generiert werden? Wie funktioniert es denn sonst?

Ulrich: Doch, doch, das denke ich schon. Mit dem Cryptotab-Browser werden aber keine Bitcoins, sondern sogenannte Moneros geschürft. Die Abkürzung ist XMR. Die Moneros werden wiederum in Bitcoins umgewandelt. Lediglich die Auszahlung auf das Wallet der Nutzer erfolgt in Bitcoins. Ein Hinweis darauf findet sich recht versteckt in den FAQ auf der Webseite. Auch wenn die benötigte Rechenleistung für diese Kryptowährung geringer ist: Es bleibt ein Verlustgeschäft für den User.

Wird der Browser von vielen Menschen genutzt?

Ulrich: Das lässt sich schwer abschätzen. Es kommt da nämlich ein weiterer Aspekt hinzu: das sogenannte CryptoTab-Affiliateprogramm. Es wirbt damit, dass Nutzer „ihr eigenes Mining-Netzwerk“ aufbauen können. Auf der Webseite heißt es: „Überzeugen Sie andere davon, CryptoTab zu nutzen, und erhalten Sie eine Weiterempfehlungsprovision, die sich aus ihrem Mining, dem Mining ihrer Freunde und so weiter bis zur 10. Stufe speist.“

Multi-Level-Marketing, Schneeballsystem?

Über solche Systeme haben wir mehrfach berichtet …

Ulrich: Das Unternehmen schafft einen finanziellen Anreiz für die Nutzer, den Browser zu bewerben und weitere Nutzer anzuwerben. Die sollen dann ebenfalls Geld in die Nutzung stecken, und so weiter ... Nachdem hier hierarchisch und stufenweise an dem eigens aufgebauten Netzwerk verdient wird, handelt es sich um sogenanntes Multi-Level-Marketing. Der Grat zum illegalen Schneeball- oder Pyramidensystem ist schmal. Deshalb sind solche Modelle zumeist starker Kritik ausgesetzt, so auch Cryptotab-Browser.

Ist der Browser seriös?

Ulrich: Seriös? Nein, die unzähligen negativen Berichte und Bewertungen der Nutzer:innen zeichnen ein anderes Bild: Ohne selbst Geld in die Hand zu nehmen dürfte keine annähernd brauchbare Mining-Geschwindigkeit erreicht werden. Wenn man dann einmal einen etwas höheren Betrag in Bitcoin erreicht hat, wird dieser – wie im Fall Hofbauer – nicht ausgezahlt. Wendet man sich mit seinem Anliegen an den Kundensupport, bekommt man entweder gar keine oder nur eine Standardantwort. Impressum gibt es auch keines. Seriös ist für mich etwas anderes.

Sind die allein am Markt?

Ulrich: Es gibt namentlich verwandte Domains, die zu optisch sehr ähnlichen oder ident wirkenden Webseiten führen. Auch wenn dieselben Namen und Logos verwendet werden: Das heißt nicht zwangsläufig, dass dahinter dieselbe estnische Gesellschaft steckt. Hier sind Tür und Tor geöffnet für Betrug. 

Besser, Sie lassen die Finger davon.

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Lesen Sie hier den Fall von Herrn Hofbauer: CryptoTab-Browser: Geld verdienen, Kosten, Erfahrungen

EU-Logo mit Schrift finanziell unterstützt durch die Europäische Union
Bild: ECC-net

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