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Stapel von gebrauchten Smartphones
Bild: Karen/stock.adobe

Cleverbuy: Warnung - Warten aufs Geld

Viele Beschwerden über Cleverbuy: Kund:innen warten lange auf ihr Geld, sind mit gelöschten Chats und nachteiligen Klauseln konfrontiert.

Cleverbuy ist eine deutsche Online-Plattform mit Sitz in Krefeld. Geschäftsführer ist Karl-Heinz Joschko. Cleverbuy kauft und verkauft gebrauchte Smartphones und Tablets, aber auch andere Multimediageräte. Nutzer können Modelle einschicken, um sie zu verkaufen, oder sie können aufbereitete Technik sowie Neuware zu reduzierten Preisen erwerben. Der Werbeslogan lautet: „Clever Technik kaufen und verkaufen. Für deinen Geldbeutel und die Umwelt.“

Startseite von Cleverbuy
Nutzer können Modelle einschicken, um sie zu verkaufen, oder sie können aufbereitete Technik sowie Neuware zu reduzierten Preisen kaufen Bild: Screenshot/2026-03-23

Wartezeiten, Ausreden, Funkstille

Seit Anfang 2025 steigt bei uns die Zahl der Beschwerden über CleverbuyKund:innen berichten regelmäßig, dass das Unternehmen

  • ihr Gerät annimmt und bestätigt,
  • vereinbarte Fristen überschreitet,
  • kein Geld auszahlt,
  • oder erst nach massivem Nachhaken zahlt.

Auch auf Trustpilot und Reddit finden sich Beschwerden.

Chat gelöscht

Ein Fall aus dem Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ): Ein Konsument verkauft sein Smartphone um 155 Euro. Cleverbuy bestätigt am 2. Oktober 2025 den Erhalt. Die Auszahlung soll in acht bis zwölf Tagen erfolgen. Nach Ablauf der Frist zeigt sich:

  • Geld kommt sehr lange nicht,
  • Support vertröstet mehrmals („noch in Prüfung“, „bitte Geduld“),
  • Nachfrist ignoriert,
  • Chatverlauf gelöscht.

Der Kunde bittet uns um Hilfe. Mag.Maria Semrad ist Juristin im Europäischen Verbraucherzentrum und betreut den Fall. Wir kontaktieren über unser Partnernetzwerk das EVZ-Deutschland. Die Kolleg:innen intervenieren in Krefeld aber Cleverbuy antwortet nicht. Erst nach einer scharfen Intervention, kommt Bewegung in die Sache. Cleverbuy zahlt endlich, reduziert aber den Betrag auf 119 Euro - ohne Erklärung. Auf Nachfrage erfahren wir, dass das Gerät angeblich weniger wert gewesen sei. Als Beleg schickt Cleverbuy Fotos von einem zerkratzten Kameradisplay. Nun hat der Konsument vor dem Absenden Fotos von diesem Mobilgerät gemacht. Das Display ist einwandfrei.

Freundliche Chatnachricht von Cleverbuy an den Kunden
"In fünf Tagen wirst Du das Geld auf Deinem Konto haben ..." Bild: Screenshot

Cleverbuy reduziert nachträglich Auszahlung

Zusätzlich behauptet die Firma, dass sie ein Mail mit dem verringerten Angebot geschickt habe. Der Konsument hat kein E-Mail erhalten. Cleverbuy interpretiert das angebliche Schweigen des Kunden als „Zustimmung“. Dabei beruft sich Cleverbuy - und das ist besonders problematisch - auf eine Klausel im Kleingedruckten (Allgemeine Geschäftsbedingungen, AGB). Semrad: „Wenn ein E-Mail zur Preisänderung nie zugestellt wird, dann kann das Schweigen der Konsument:innen keine Zustimmung sein. - Auf unsere Intervention hat Cleverbuy dann den vollen Betrag ausgezahlt.“

Auszahlung gerichtlich einfordern

Rechtlich ist Cleverbuy in Verzug, wenn sie nicht auszahlen. Daher können Kund:innen die Einhaltung des Vertrages, also die Auszahlung, gerichtlich einfordern (Klage mittels Rechtschutz oder Antrag bei Gericht). Semrad rät: „Dokumentieren sie den Zustand der Geräte gut, bevor sie sie es absenden.“

Aufs eigene Wallet

Das Unternehmen bewirbt die Auszahlung des Ankaufspreises auf ein eigenes Wallet, also eine digitale Brieftasche, und verspricht dafür Boni. Verwenden Verbraucher dieses Guthaben, um Waren beim Unternehmen zu kaufen und treten sie dann aber vom Vertrag zurück, zahlt Cleverbuy das Guthaben nicht aus und schreibt es auch nicht dem Wallet gut, so berichten uns Konsumenten. Die Firma hat sich in den uns geschilderten Fällen nicht gemeldet. Das Geld ist faktisch weg.

Reklamation und Gewährleistung

Hat ein Gerät einen Mangel, kann es schwierig werden. Cleverbuy verkauft nämlich auch bei Ebay, Kaufland und Refurbed. In einem uns vorliegenden Fall lehnt Cleverbuy bei einer berechtigten Reklamation die gesetzliche Gewährleistung ab und verweist fälschlicherweise an Refurbed – also die Vermittlerplattform.

In einem Telefonat mit uns erklärte der Cleverbuy-Geschäftsführer zu diesem Einzelfall: „Wir würden gern eine Lösung anbieten.“ - Wünschenswert und am effektivsten für alle betroffenen Verbraucher wäre ein kooperativer Kundenservice und für besondere Problemfälle die Kooperation mit dem EVZ-Deutschland.

Verkauf an Cleverbuy derzeit riskant

Im Netzwerk der Europäischen Verbraucherzentren liegen uns über 300 Beschwerden vor. In Deutschland hat der Bundesverband der Verbraucherzentralen (Vzbv) von 2024 bis 2025 über 900 Beschwerden gezählt. Sowohl die Cleverbuy-Fälle in Deutschland als auch bei uns zeigen ein Muster:

  • Zeit: Cleverbuy verzögert Auszahlungen stark oder zahlt gar nicht,
  • Kontakt:  Cleverbuy kommuniziert mangelhafte oder löscht die Kommunikation,
  • Geld: Cleverbuy reduziert unberechtigterweise nachträglich den versprochenen Preis,
  • Recht: Cleverbuy beruft sich auf unseres Erachtens rechtlich problematische Klauseln in den AGB - zu Lasten der Verbraucher:innen

Die Plattform nennt dafür „Systemumstellungen“ und „Umstrukturierungen“ als Gründe. Wir sagen: 

  • Beim Verkauf: Das Risiko ist hoch, dass man kein oder weniger Geld bekommt.
  • Beim Kauf: Das Risiko ist hoch, dass sich Cleverbuy bei Mängeln nicht zuständig fühlt.

Warnmeldung ist draußen

Der vermutete Schaden ist hoch. Semrad: „Daher haben wir eine CPC-Warnmeldung veröffentlicht. CPC steht für Consumer Protection Cooperation. Dahinter steht eine EU-weite Kooperation der Verbraucherbehörden. Der grenzüberschreitende Konsumentenschutz hat damit schärfere Zähne bekommen. Die beißen auch zu und es tut – wie man am Beispiel Copecart sieht – auch richtig weh.“

Das können Betroffene tun

LINKS

EU Flagge, darunter steht "Mitfinanziert durch die Europäische Union"
Bild: ECC-net

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