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Detailaufnahme eines geschmückten Weihnachtsbaumes
Möglichst ökologisch Feiern: Das beginnt schon bei der Wahl des Christbaums. Bild: Redfox1980/Shutterstock

Weihnachtsbaum kaufen: bio oder lebend?

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ÖKO.LOGISCH

Welcher Christbaum ist wohl nachhaltiger: Ein lebender im Topf oder ein Biobäumchen? 

Ein Klassiker auf der Bucket-List: Einen Baum pflanzen. Das ist auch aus ökologischer Sicht durchaus sinnvoll. Ich persönlich kann das abhaken, schon lange. Fragen Sie mich nicht, wie viele Bäumchen ich tatsächlich schon gepflanzt habe, es waren aber hunderte. In einem kleinen Wäldchen, das meine Familie schon über ein paar Generationen in Kärnten betreuet.

Konventionell, nein danke

Positiver Nebeneffekt: Wir haben immer Weihnachtsbäume bei der Hand. Regional und bio, was willst du mehr. Heuer werde ich Weihnachten in Wien feiern. Einen Baum von Kärnten in die Bundeshauptstadt zu transportieren wäre zwar immer noch ökologischer als z. B. einen aus der Tannenbaum-Export-Nation Dänemark zu kaufen. Aber ich habe da schon ein wenig höhere Ansprüche. Deshalb werde ich mich in Wien und Umgebung nach einem Weihnachtsbaum umschauen. Ein konventioneller kommt nicht infrage. Bei deren Kultivierung dürfen Insektizide, Herbizide, Kunstdünger & Co verwendet werden. Außerdem werden die meisten in intensiven Monokulturen hochgezogen. Ein No-Go.

Verkaufsstellen von Bioweihnachtsbäumen

Also ein zertifizierter Biobaum, bei dessen Aufzucht keine Unkrautvernichtungsmittel, chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel oder klimaschädliche Kunstdünger verwendet wurden. „Die Umweltberatung“ hat erfreulicherweise eine Liste an Bezugsquellen für Biochristbäume zusammengestellt.  Auch auf der Homepage von Bio Austria kann gestöbert werden.

Weihnachtsbaum aussuchen
Ein Biochristbaum belastet die Umwelt weniger als ein konventionell kultiviertes Bäumchen. Bild: David-Tran-Photo/Shutterstock

Christbaum im Topf

Aber gibt’s nicht eine Möglichkeit, noch einen Schritt weiter zu gehen? Einen Christbaum zu verwenden, der das Weihnachtsfest überdauert? Ja, die gibt es: Ein lebender Christbaum! Diverse Produzenten bieten Christbäume im Topf feil, wie eine simple Google-Recherche zeigt. Ich möchte allerdings hier keine Anbieter nennen, da mir die konkreten Erfahrungen fehlen.

Das Problem mit den lebenden Christbäumen ist, dass diese häufig auch nicht überleben, weil Anbieter bisweilen Bäume verkaufen, die kurz vor Weihachten ausgegraben werden und beschädigte Wurzeln haben. Wenn, dann sollte es ein Baum sein, der bereits längere Zeit im Topf kultiviert wurde. Außerdem ist der Wechsel von draußen ins warme Wohnzimmer und wieder retour für die Bäume ein massiver Stress, den sie häufig nicht überleben. Man muss sehr vorsichtig vorgehen, die Bäume möglichst schrittweise ins Warme holen und sie nur kurz, vier bis fünf Tage, in der (möglichst wenig) geheizten Wohnung lassen. Auch beim Retourweg nach draußen sollte der Baum schrittweise an die kälteren Temperaturen gewöhnt werden. Und aus Nachhaltigkeitsperspektive sollte es auch bei einem Lebendbaum ein biologisch kultivierter sein.

Was ist nun nachhaltiger?

Bio oder lebend? Diese Frage ist nicht pauschal zu beantworten, da es so viele verschiedene Faktoren gibt, die einen Einfluss haben können. 

Weihnachtsbaum im Topf
Weihnachtsbäume im Topf sind sehr sensibel, es gilt einiges zu beachten. Bild: nadtochiy/Shutterstock

Künstlicher Weihnachtsbaum, echt jetzt?

Wenn Bio- und Lebendbäume schon vergriffen sind, dann ist ein regionaler Baum ein vertretbarer Kompromiss. Je regionaler, desto besser – erkennbar an den unterschiedlichen Herkunftsschleifen je Bundesland.

Oder man hält es wie meine Kollegin Daniela Decker. Die hat sich vergangenes Jahr ein kleines Bäumchen aus Plastik gekauft – und beteuert, dass sie niemals einen anderen Baum kaufen wird. Wenn sie diesen Vorsatz wirklich einhält, dann kann sie wohl auch ihren Plastik-Weihnachtsbaum als „nachhaltig“ bezeichnen.

Die Schweizer Umweltberatungsfirma ESU-services hat sich dem Thema via Ökobilanzierung angenommen – und durchaus interessante Ergebnisse veröffentlicht, insbesondere zum Thema Plastikchristbaum.

P.S.: Aus Ökobilanzierungs-Sicht wiegt die Autofahrt hin zur Christbaumverkaufsstelle so schwer, dass auch das ökologischste Bäumchen schnell schlecht dasteht. 

P.P.S: Auch das, was unterm Baum liegt, hat sehr schnell einen größeren Öko-Fußabdruck als der Weihnachtsbaum selbst. 

Markus Stingl - Nachhaltigkeitsredakteur
Bild: VKI

Im KONSUMENT-Magazin und -Blog schreibe ich über Themen im weiten Feld der Nachhaltigkeit. Die Kolumne nennt sich ÖKO.LOGISCH.

Markus Stingl, Redakteur

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