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Zwei Iglo Tierfkühprodukte. Beide haben einen unterschiedlichen Nutri-Score.
2 ähnliche Produkte, 2 unterschiedliche Nutri-Score-Werte. Bild: VKI

Nutri-Score: die gescheiteste Nährwertkennzeichnung derzeit

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Der Nutri-Score identifiziert Fett- und Zuckerbomben mit einer einfachen farblichen Codierung in Ampelfarben. Trotz Schwächen ist er meiner Meinung nach derzeit das einzig sinnvolle System für eine vereinfachte Nährwertkennzeichnung.

Einen ausführlichen Bericht über den Nutri-Score findet ihr in der Jänner-Ausgabe des KONSUMENT. Kurz zusammengefasst handelt es sich um ein Nährwertbewertungssystem, das ihr auf der Vorderseite von verpackten Lebensmitteln findet. Für die Berechnung werden eine Reihe von positiven Nährstoffen wie Ballaststoffe oder ein hoher Obst- und Gemüseanteil sowie negative Nährstoffe wie Zucker und gesättigte Fettsäuren berücksichtigt. Das Ergebnis der Berechnung ist  eine fünfstufige Farbskala, die von Dunkelgrün (A = günstigste Nährstoffzusammensetzung) bis Rot (E = ungünstigste Nährstoffzusammensetzung) reicht.

So könnte der Nutri-Score auf Produktverpackungen aussehen

Ich habe willkürlich ein paar Beispiele aus dem Supermarkt eingekauft und den Nutri-Score berechnet. Anhand der Bilder sieht man schön die Unterschiede - die Lebensmittel für den täglichen Bedarf (A und B) und jene, die nur selten gegessen werden sollten (D und E).

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Eine vereinfachte Nährwertkennzeichnung ist aufgrund des massiven Übergewichtsproblems und der Fehlernährung (zu viel Fett, Salz, Zucker, zu wenige Ballaststoffe, Obst und Gemüse) in Österreich und der EU dringend notwendig. Laut Studien hilft der Nutri-Score bei der Auswahl gesünderer Lebensmittel und kann so einen Teil zur Lösung des Übergewichtsproblems beitragen. Interessant an einer Studie war, dass er besonders benachteiligten Verbrauchern hilft, eine gesündere Wahl zu treffen.

Schwächen des Nutri-Scores

Ja, der Nutri-Score hat auch Schwächen. Er vereinfacht möglicherweise zu stark, berücksichtigt wichtige Inhaltsstoffe wie Vitamine nicht, ebenso wenig wie Zusatzstoffe oder Süßungsmittel. Solange er freiwillig ist, wird ein Vergleich von allen Produkten nicht möglich sein. Trotzdem hat er sich in wissenschaftlichen Studien als das derzeit sinnvollste System herausgestellt. Der Nutri-Score ist verständlich und hilft Verbrauchern, eine gesündere Wahl zu treffen.

Für eine zügige und verpflichtende Einführung

Und gerade deshalb sollten wir jetzt keine Zeit mehr verlieren, sondern ihn zügig in der EU verpflichtend einführen. In einem zweiten Schritt kann man ihn von wissenschaftlicher Seite her evaluieren und verbessern. Aber jetzt ist einfach der Zeitpunkt gekommen, wo wir eine für Verbraucher verständliche Nährwertkennzeichnung brauchen!

Bitte unterschreiben!

Von mehreren europäischen Verbraucherorganisationen und der BEUC, unserer Vertretung auf europäischer Ebene, gibt es eine europäische Bürgerinitiative für die verpflichtende Einführung des Nutri-Scores auf EU-Ebene. Die Bürgerinitiative läuft bis 8.5.2020 und kann ganz einfach online unter Bekanntgabe von Reisepass- oder Personalausweisnummer, Name und Anschrift unterstützt werden. Erfolgreich ist eine europäische Bürgerinitiative immer dann, wenn sie von mindestens 1.000.000 EU-Bürgern unterstützt wird und wenn in sieben EU-Staaten eine Mindestanzahl an Unterzeichnern erreicht wird. Für Österreich liegt diese Schwelle bei 13.500 Unterschriften, derzeit gibt es erst 237 Unterstützer (Stand 8.1.2020). Frankreich, wo der Nutri-Score zuerst eingeführt wurde und von staatlicher Seite unterstützt wird, hat die Mindestanzahl an Unterstützungserklärungen bereits im Dezember 2019 erreicht.

Vereinfachte Nährwertkennzeichnung in anderen Ländern

Auch in anderen Ländern gibt es seit Jahren Initiativen für eine vereinfachte Nährwertkennzeichnung. Das bekannteste europäische Beispiel ist die britische Ampel. In Südamerika gibt es Warnungen vor zuviel Zucker oder Salz, das bekannteste Beispiel kommt aus Chile. Sterne dagegen werden in Australien vergeben. Mit dem Health Star Rating (HSR) hat sich meine Kollegin intensiv auf ihrer Australienreise auseinandergesetzt und in dem Beitrag Sternebewertung für Lebensmittel darüber berichtet.

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