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Eine Person sitzt am PC und bewertet die Erfahrung, die sie eben gemacht hat negativ.
Finanzdienstleister: Systemrelevant, verantwortlich oder kapitalistisch? Bild: Watchara Newman/Shutterstock

Finanzdienstleister: Wie Banken mit ihren Kunden umgehen

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Finanzdienstleister und insbesondere Banken sind seit einigen Jahren in den Schlagzeilen. Wie bzw. was sind sie und handeln sie danach? Hat der Verbraucher Möglichkeiten seine Position zu stärken und wer kann insgesamt etwas bewegen.

Seit der Finanzkrise 2008 wissen wir, dass Banken systemrelevant sind. Nicht nur höchste Politiker und Wirtschaftler führten das an, auch dass einige dieser Institute „to big to fail“ seien. Enorme Anstrengungen wurden und werden unternommen, diese Unternehmen vor einem Scheitern zu bewahren.
Unbestritten haben Finanzdienstleister inzwischen eine bedeutende Rolle in unserem Leben. Reserven und Vermögen ansammeln, Geldflüsse für unsere täglichen Geschäfte, Ausgleich unserer Liquiditätsengpässe. Dass ohne Zugang zu Finanzdienstleistungsprodukten eine echte Teilnahme an unserem wirtschaftlichen Leben nicht mehr möglich ist hat die Europäische Union unter anderem durch ihre Richtlinie 2014/92/EU, die zum Beispiel zu unserem Verbraucherzahlungskontogesetz vom 18.09.2016 geführt hat, bestätigt. Die Nutzung eines Girokontos ist ein grundlegendes Recht, das jedem zugestanden werden muss. Hier haben die Finanzdienstleister allerdings quasi ein Angebotsmonopol.

Damit nehmen Banken und Finanzdienstleister eine Rolle ein als Anbieter eines für jeden Verbraucher grundlegend wichtigen Produktes. Allerdings geht meines Erachtens durch diese Oberhoheit über ein grundlegendes Produkt des täglichen Bedarfs auch eine gesellschaftliche Verantwortung einher. Und hier sei mir die Frage gestattet, wie Banken mit dieser Verantwortung umgehen.

Dies soll auch eine Art genereller roter Faden sein, der sich durch diesen Blog zieht. Dabei freuen wir uns auch auf Reaktionen der Leser und deren Sichtweisen.

Heute in diesem Sinne ein Blick auf das Thema Girokonto

Sollzinsen

Die gesetzlichen Regelungen (s. oben) zur Thematik Girokonto untermauern, dass in diesem Bereich durch die Banken eine relevante gesellschaftliche Verantwortung zu leisten ist. Sehen wir uns beispielhaft an, wie damit umgegangen wird.

Wir haben untersucht, wie sich die Sollzinsen auf Girokonten seit 2008 entwickelt haben. Und man kann über einige Anbieter hier schon enttäuscht sein. So wird zwar aktuell durch die BAWAG P.S.K mit der Bequemlichkeit einer Einkaufsreserve für das Weihnachtsshopping geworben, dies lässt man sich aber auch gut verzinsen und bezahlen. Allerdings gibt es immer mehr Menschen, die am Ende des Monats nicht mehr über genügend Reserven verfügen und immer wieder einige Zeit so einen Rahmen - nicht aus Bequemlichkeit - nutzen müssen. Und hier werden wirtschaftlich schwächere Verbraucher mit zum Teil 2-stelligen Zinssätzen bestraft. Sieht so die Wahrnehmung einer gesellschaftlichen Verantwortung aus? Andere Institute wie die Erste Bank schafften es sogar in diesem Zeitraum Sollzinsen anzuheben. Man könnte es für eine erzieherische Maßnahme für die Konsumenten ansehen, oder man könnte es als Maßnahme interpretieren, Geld von sowieso schon wirtschaftlich schwächeren Menschen einzusammeln. Denn bei anderen Krediten spürt man die Niedrigzinsphase, wohl aufgrund des Wettbewerbs, schon deutlich.

Sortimentsbereinigung

Ohne Konto geht es nicht. Also wird es für einzelne Institute wohl Zeit, für sie ungünstige Verträge loszuwerden. Wieder fällt dabei der Name BAWAG P.S.K. Tausende von alten Verträgen werden rechtskonform gekündigt. Das nennt man Sortimentsbereinigung. Es werden optisch günstige Konten angeboten, um den Umstieg zu versüßen. Aber die Leistungen des neuen Paketes unterscheiden sich erheblich.

Screenshot von einem Textabsatz der BAWAG P.S.K
Auszug aus dem BAWAG P.S.K Internetauftritt, 04.12.2016 Bild: Screenshot BAWAG P.S.K

Ich will hier nicht auf die rechtliche Situation und die formale Richtigkeit eingehen. Für mich ist die Art und Weise wie mit dem Verbraucher umgegangen wird der Fokus. Man bietet ihm eine Box an. Alleine das Wort Box (Schachtel, Paket) impliziert eher keine Einzelverrechnung. Dass diese Konten auch als Pauschalverrechnungskonten in der gesetzlichen Vergleichsdatenbank (Stand. November 2016) auftauchen, nicht aber als Einzelverrechnungskonto ist vielleicht nur ein Einmeldefehler.

Gebühren kreativ definiert

Auch einen Blick wert ist die Aussage, keine Bankomatgebühren einzuführen. Nein - wir verlangen einfach eine Automaten-Transaktionsgebühr. Fällt zwar auch ab der 2. Bankomatbehebung im Monat an, ist aber etwas ganz anderes. Zahlen muss sie der Kunde aber trotzdem.

Screenshot der BAWAG P.S.K Entgelte und Konditionen vom Dezember 2016.
Entgelte und Konditionen der BAWAG P.S.K vom 04.12.2016 Bild: Screenshot BAWAG P.S.K

Am Ende bleibt für den Verbraucher: er zahlt dafür. Wie die Gebühr genannt wird, halte ich dabei für eher nebensächlich und soll nur die Optik verbessern. Zumindest dass diese Gebühr nicht neu ist stimmt tatsächlich. Diese Automaten-Gebühr wurde bereits vor einigen Monaten in die Einzelverrechnungs-Box eingeführt.

Schlucken oder handeln?

Für mich stellt sich hier die Frage, ob das der verantwortungsvolle Umgang von Anbietern mit Ihren Kunden ist, den man sich aufgrund der Stellung der Finanzdienstleister als systemrelevant vorstellt. Zum Glück hat der Verbraucher noch Alternativen. In diesem Fall nachzuverhandeln oder noch besser, einem Anbieter zu zeigen, dass man mit Kunden nicht alles machen kann und zu wechseln.

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