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Rückansicht des claro-Werksgebäudes
claro-Werksgebäude in Anif bei Salzburg Bild: claro

Betriebsbesuch bei claro: Von Anif bis Amman

Die claro products GmbH in Anif bei Salzburg produziert Geschirrspültabs, Regeneriersalz, Klarspüler und Waschmittel – so nachhaltig wie eben möglich.

Es ist der Vorzeigeeffekt. Den gesamten Morgen schon hat die 3-Schichten-Presse Geschirrspültabs gepresst und mit wasserlöslicher Folie umwickelt. 800 Stück davon schafft sie in der Minute. Doch ausge­rechnet jetzt steht sie. „Die begleitet mich schon seit 1998. Wir haben sie damals in Frankreich herstellen lassen. Sie wurde extra für uns angefertigt“, erklärt Josef Dygruber fast entschuldigend mit Blick auf die Presse.

Dann ruft er einen Mitarbeiter herbei, der sie binnen weniger Minuten wieder zum Laufen bringt. Einen Halbstock höher schnurrt derweil unbeeindruckt ein neueres, vollautomatisches Abpackband. Knapp 8.000 Packungen Geschirrspültabs entstehen dort pro Schicht täglich, im 2-Schicht-Betrieb. Dazu kommen Rege­neriersalz, Geschirrspülreiniger und Klarspüler.

Bunte Turnschuhe und Laborbesuch

claro-Geschäftsführer Josef Dygruber trägt Jackett und Hemd. In bunten Turnschuhen führt er persönlich durch sein Unternehmen im salzburgischen Anif. Erste Station ist die betriebs­eigene Forschungs- und Ent­wicklungs­abteilung. Hier werden Labor­tische von handelsüblichen Geschirrspülern flan­kiert. Mit ihnen prüfen die ­Chemikerin Melanie Niederreiter und ihre Kollegen die Produkte auf Reinigungs­leis­tung, Glanztrocknung oder Belagsbildung oder testen neue Rezep­turen und Rohstoffe. Weiter geht es in die Produktionshalle. Hier lagern die rund 25 Grund­zutaten der Tabs. Vermischt warten sie als hellgrünes, blassrosa und weißes Pulver in metallenen Bottichen darauf, in Form gepresst zu ­werden. Insgesamt 25 Mitarbeiter sorgen dafür, dass aus Rohstoffen Reinigungs­artikel entstehen.

Verkauf bei Edeka

Der nächste Stopp liegt einen Stock über der Produk­tion. Ein helles Großraumbüro, in dem sich Verwaltung, Marketing und Sales-Abteilung befinden. In Letztgenannter verweist man stolz auf neue Absatzmärkte, etwa Filialen des ­deutschen Handelsunternehmens Edeka. Dort sitzt auch Laura ­Dygruber, die als ­Junior Mar­keting Managerin mitarbeitet und sich damit auch für die Nachfolge in Position bringt.

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Dunkle Stunden

Ihr Vater Josef Dygruber ist 54 Jahre alt und alleiniger Inhaber und Geschäftsführer der claro products GmbH. Im Alter von 27 ­Jahren gründete er sein Unternehmen. Zuvor sammelte er Erfahrungen beim ­Unternehmen Reckitt Benckiser (damals nur Benckiser), das die Marke „Finish“ vertreibt. ­Begriffe wie „Brand Awareness“ kommen dem Unternehmer flüssig über die Lippen. Auch das Wort „Turnaround“ fällt, wenn Dygruber über das dunkelste Kapitel der Unternehmensgeschichte spricht. „Im Jahr 2013 habe ich mein Unternehmen fast verloren“, sagt er. Und erzählt davon, dass er damals den Hauptumsatz mit dem ­Pressen von Diskont-Produkten großer Handels­ketten erwirtschaftete. Das Preisniveau sank, der Druck stieg und in der Firmen­bilanz prangte trotz hoher Umsätze ein rotes Minus. Dygruber wusste: Er muss Mitarbeiter entlassen und sich auf die ­eigene Marke claro fokussieren. „Heute habe ich ein gesundes Unternehmen mit einer Eigen­kapitalquote von 60 Prozent“, erzählt er. Für das Jahr 2022 rechnet man mit einem Jahresumsatz von 23 Mil­lionen Euro.

Hohe Exportquote

Die „Homebase“ des Unternehmens, wie Josef Dygruber es formuliert, ist Österreich. Dennoch hat man mit 60 Prozent auch eine hohe Exportquote. Wichtigster Exportmarkt für das österreichische Unternehmen ist Deutschland. Das liegt nahe. Die öster­reichisch-bayrische Grenze in Freilassing ist nicht einmal 20 Kilometer entfernt. Doch in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung entdeckt man auch claro-Kartons, auf denen hebräische Schriftzeichen prangen. Israel ist neben dem Iran und Jordanien ein weiterer, kleinerer Absatzmarkt.

Nachhaltige Veränderung

Wenn Josef Dygruber durch den Betrieb führt, weist er bei jeder Station auf nach­haltige Veränderungen hin. Manche davon sind klein: So verwendet man seit Kurzem geschredderte alte Kartons, um die von Hand kommissionierten Bestellungen zu schützen. Die großen Kartons, in denen die Produkte für den Weg in den Handel verpackt werden, verklebt man nun mit Papier- statt mit Plastikfolie. Anderes summiert sich: So werden die Geschirrspültab-Abfälle wieder verwendet; das Geschirrspülsalz wird nicht von weit her importiert, sondern stammt aus dem Salzkammergut. Weitere Neuerungen können sich sehen lassen: etwa die elf Elektroautos, die vor der Halle, in der das Unternehmen eingemietet ist, für die Mitarbeiter bereitstehen. Wieder andere Veränderungen sind noch ausständig. So soll auf dem Hallendach bald eine Photovoltaikanlage installiert werden.

25 verschiedene Rohstoffe

All diese Initiativen zeigen: Nachhaltigkeit ist hier ein Anliegen. Dennoch stellt das Unternehmen chemische Reinigungsmittel her – und die kommen nicht ohne chemische Inhaltstoffe aus. Ein claro-Geschirrspültab besteht aus rund 25 verschiedenen Rohstoffen – etwa Tensiden, Duftstoffen und Enthärtern, die die Umwelt belasten können. Um die Umweltfolgen so gering wie möglich zu halten, hat man im Unternehmen Maßnahmen getroffen. Schon seit 2008, lange bevor der Gesetzgeber dies vorschrieb, sind sämtliche Produkte frei von Chlor und Phosphaten. In der haus­eigenen Entwicklungsabteilung entstand ein biologischer Silberschutz, der z.B. Silber­besteck sauber hält.

Umweltzeichen zertifiziert

Die Kombination von Reinigungskraft und guten Umwelteigenschaften machte die Classic-Geschirrspülstabs 2020 zum KONSUMENT-Testsieger. Neben zwei weiteren claro-Produkten tragen die Tabs das Österreichische Umweltzeichen. Produkte, die damit zertifiziert sind, müssen gut abbaubar sein, dürfen Wasserorganismen nicht gefährden und weder Chlor noch Mikroplastik enthalten. „Auf die Kontrolle umweltgefährdender Inhaltstoffe wie Duftstoffe, Enthärter oder Tenside wird bei der Zertifizierung besonderer Wert gelegt. Wir betrachten die Rohstoffe, deren Dosierung und deren Wirkung – auf den Menschen und im Abwasser. Ein Parameter ist, wie viel Wasser zur Verdünnung im Abwasser benötigt wird, um die Inhaltstoffe harmlos zu machen“, erklärt Susanne Stark. Die Chemikerin ist VKI-Expertin für Wasch- und Reinigungsmittel. Sie betreute auch die claro-Zertifizierung mit dem Österreichischen Umweltzeichen. Die Prüfung dieses staatlichen Siegels übernehmen unabhängige Institute, der VKI kontrolliert nach. Damit Tenside wirken können, kamen und kommen in manchen Reinigungsprodukten Palmtenside zum Einsatz. Die Basis gewisser claro-Produkte bildet nun ein biobasiertes Tensid. Zudem, so wirbt man, ist eine Art von Tabs vollkommen biologisch abbaubar. „Das bedeutet konkret, dass Bakterien und Mikroorganismen die organischen Bestandteile abbauen können“, erklärt VKI-Expertin Stark.

Ist die Verpackung recycelbar?

Ein weiteres Vergabekriterium des Umweltzeichens ist, ob die Verpackungsmateria­lien recycelbar sind. Hier schneidet claro gut ab. So besteht die Verpackung der ­Klarspüler aus 100 % Recycling-PET, die Kartons der Tabs sind zu 95 % Recycling- Karton. Seit Kurzem hat man ein neues Produkt, dessen Verpackung auch mit Gras von heimischen ökologischen Ausgleichsflächen hergestellt wird. Vertrieben wird es ausschließlich in Bio-Geschäften. Damit hat man sich eine weitere Nische erobert.

Sponsor im Sport

Für deren Entdeckung hat Josef Dygruber schon früh Gespür bewiesen. Auch Talente entdeckte er früh. Etwa die Skirennläuferin Anna Veith, ehemals Fenninger, deren Karriere das Unternehmen seit dem Jahr 2007 – und somit schon vor deren erfolg­reicher Karriere – sponsert. Heute prangt das claro-Logo auf den Trikots von drei Alpinsportlern. Dass Sportmarketing funktioniert, sah Dygruber am Beispiel seines Vorbildes Dietrich Mateschitz.

Luft nach oben

Doch nicht nur Sportler sponsert claro. Das Unternehmen engagiert sich auch im Verein zur Förderung einer enkeltauglichen Umwelt in Österreich, der sich für den ­Erhalt heimischer Ökosysteme und den Schutz vor Pestiziden einsetzt. Nachhaltigkeit sei ihm schon ein Anliegen gewesen, bevor das Wort „Corporate Responsibility“ zum Schlagwort wurde, sagt Josef Dygruber. Seit seiner frühen Kindheit im nahen Adnet sei die Natur ein Ort der Regenera­tion für ihn. Die Heimatverbundenheit zeigt sich auch anderswo: So übernimmt das Abfüllen des Geschirrspülsalzes ein sozialökonomischer Betrieb in Hallein, der Menschen mit psychischen Problemen einen befristeten Arbeitsplatz bietet. Und der CO2-Abdruck, der durch den Import der Rohstoffe, durch Herstellung, Produktion und Lieferung der Produkte entsteht? Den habe er noch nicht erfassen lassen, wendet Josef Dygruber ein. Bekannte würden immer wieder an ihn herantragen, er solle eine Gemeinwohl-­Bilanz seines Unternehmens erstellen. Es wäre ein weiterer Schritt, claro zu einem noch nachhaltigeren Unternehmen zu entwickeln. Einer, über den Josef Dygruber auch nachdenkt.

Reportagen

In unserer Reihe „Zu Besuch bei“ blicken wir hinter die Kulissen von Produktions­betrieben. Wir wahren dabei hohe journalistische Standards, bleiben objektiv und lassen uns nicht vereinnahmen – damit wir unser wichtiges Gut, unsere Glaubwürdigkeit, nicht beschä­digen. Zuletzt hatten wir Betten Reiter einen Besuch abgestattet (KONSUMENT 12/21; konsument.at/betten-reiter).

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