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Illustration eins Mannes im Anzug auf einem Boot mit Fernglas
Bild: inamar/stock.adobe.com

Wohnbaukredit, Sparen & Co: Wohin geht die Zins-Reise?

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Wie geht’s mit den Leitzinsen der EZB weiter? Und wie entwickeln sich Kredit- und Sparzinsen? Wir wagen einen vorsichtigen Blick in die Kristallkugel.

Fast neun Prozent Jahresinflation 2022. Im darauffolgenden Jahr immer noch nahezu acht Prozent. Ein wahrgewordener, galop­pierender Teuerungs-Albtraum. Diese Zei­ten scheinen zum Glück vorbei zu sein. Wenngleich sich in Österreich die Inflation doch nicht so recht beruhigen will. Immer noch stehen wir mit 3,5 Prozent (Juli 2025) recht deutlich über dem von der Europäi­schen Zentralbank (EZB) angepeilten Wert. 

Ein, wenn nicht das wichtigste Ziel der EZB lautet: eine stabile Inflation von 2,0 Pro­zent. Darauf richten die Zentralbanker ihr größtes Augenmerk. Wobei die EZB den Durchschnittswert aller Euroländer im Blick hat. Da schaut es deutlich besser aus, im Juni 2025 stand man genau bei den an­gepeilten 2,0 Prozent. 

Eines der wichtigsten Instrumente der EZB, die Inflationsraten zu beeinflussen, sind die Leitzinsen. Sind sie niedrig, leihen sich die Banken gerne viel Geld von der EZB und geben es an Unternehmen und Private weiter. Viel Geld im Umlauf bedeutet in der Regel einen brummenden Wirtschaftsmotor, eine gute Konjunktur. Billiges Geld bedeutet aber auch steigende Inflation. 

Lesen Sie im Folgenden, welche Strategie die EZB verfolgt und welche Auswirkungen das auf die Zinsentwicklung von Wohnbaukrediten und Sparprodukten hat. 

EZB legte Zinssenkungs-Pause ein

Um die galoppierenden Inflationsraten einzufangen, erhöhte die EZB die Leitzin­sen schrittweise auf 4,5 Prozent. Im Juni 2024 war dann Schluss mit den Erhöhun­gen, es folgten sieben Senkungen in Folge auf 2,15 Prozent. Dort steht der Leitzins noch immer, denn im Juli 2025, bei ihrem letzten Treffen, legten die Zentralbanker eine Zinssenkungs-Pause ein. 

Die EZB treffen ihre Zinsentscheidung im sogenannten EZB-Rat zu vorher festge­legten Terminen. Die nächsten Termine heuer sind 11. September, 30. Oktober und 18. Dezember. 

Tipp: Es lohnt sich, diese im Auge zu behalten – vor allem dann, wenn bei Ihnen Entscheidungen im Bereich Kre­dit oder Geldanlage anstehen. Expert:in­nen gehen jedenfalls davon aus, dass es, je nach geopolitischer Entwicklung, heuer noch zu der einen oder anderen Zinssenkung kommen könnte. 

Die Auswirkungen auf Privatpersonen

Aber welche Auswirkungen hat der EZB-Leitzins überhaupt auf Privatpersonen? Dessen Entwick­lung gilt (indirekt) als die Basis für die Höhe der Zinsen von Sparprodukten und Krediten. 

Bisweilen noch wichtiger ist aber ein Blick auf andere Indi­katoren, insbesondere den sogenannten Euribor. Das ist der Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander kurzfristig Geld leihen. Er gilt als Referenzzinssatz für Anlageprodukte und Kredite. Der Euribor nimmt EZB-Zinsent­scheidungen häufig schon vorweg und sinkt bzw. steigt bereits ein, zwei Monate vor derartigen Entscheidungen. 

EZB-Tower, dahinter Illustrationen von Münzen, Prozentzeichen und roter Pfeil der nach unten zeigt
Wohin geht die Zinsentwicklung in Europa? Bild: Cheer-J-ane, Westlight / Shutterstock.com; Montage: VKI

Wohnbaukredite: nicht mehr invers

Wenden wir uns den Wohnbaukrediten zu. Sie erinnern sich, vor zwei Jahren spielten die, salopp gesprochen, verrückt. Insbe­sondere bei variabel verzinsten Krediten ging es drunter und drüber. 

Damals wag­ten wir den Blick in die Kristallkugel und zeigten drei „Kredit-Zinsentwicklungs- Szenarien“ auf. Am realistischsten schätzten wir jene ein, bei denen wir von steigenden Zinsen bis 2024 bzw. 2025 und einer anschließenden kontinuierlichen Abfla­chung ausgegangen sind. So kam es dann im Wesentlichen auch. In diesen Szenarien lohnte sich ein Umstieg auf eine Fixzinsvereinbarung von damals 4 Prozent (aktuell 3,5 Prozent) nicht mehr. Das hat auch weiterhin seine Gültigkeit. 

Und wie sieht es im Neukundengeschäft aus? 

Dort war die Situation einige Monate lang „invers“. Fixzinssätze für Wohnbau­darlehen lagen zum Teil deutlich unter jenen von variablen Zinsen – weil Banken davon ausgingen, dass die Leitzinsen wei­ter sinken werden. 

Nun dreht (oder normalisiert) sich die Situation zunehmend, der Zinsvorteil langfristiger Fixzinsbindungen besteht nicht mehr. Langfristige Fixzinsbindungen haben wieder einen kleinen Risikoauf­schlag, sind aber weiterhin attraktiv. Es gibt derzeit Fixzinssätze für Wohnbaudar­lehen mit 30 bis 35 Jahren Laufzeit im Bereich von 3,5 Prozent (bei sehr guter Bonität). Variabel bewegen sich diese im Optimalfall bei 3,0 Prozent und darüber (beste Bonität). Die Zinssätze für mittel­fristige Fixzinsbindungen im Neugeschäft sind derzeit nahezu auf gleichem Niveau wie für variable Finanzierungen. 

Wer auf Nummer sicher gehen will

... be­kommt derzeit Fixzinssätze für zehn Jah­re, die nur leicht höher liegen als variable Zinssätze. Um sich auf sehr lange Zeit, also 30 bis zu 35 Jahre, Effektivzinssätze unter 3,75 Prozent zu sichern, ist jeden­falls eine sehr gute Bonität erforderlich. 

Wohin die Zinsreise gehen wird, hängt von vielen verschiedenen volkswirtschaftli­chen und wirtschaftspolitischen Faktoren ab. Und nein, leider wissen wir nicht, wohin sich die Welt geopolitisch entwickeln wird. 

Was Bestand hat, ist unser Rat, sich selbst ein Bild über die Marktlage zu machen, für sich selbst Annahmen zu treffen und diese Szenarien von der (Haus-)Bank oder unab­hängigen Berater:innen durchrechnen zu lassen. Die Letztentscheidung in Geldangelegenheiten kann (und sollte) einem niemand abnehmen. 

Entwicklung von Sparzinsen, Wohnbauzinsen, Inflation und EZB-Leitzins ab 2000
Bild: Grafik: VKI

Sparzinsen: ein Trauerspiel

Kreditnehmer:innen freut’s natürlich, wenn EZB-Leitzins bzw. Euribor fallen. Mit den ohnehin mauen Sparzinsen geht’s dadurch aber freilich ebenfalls (noch) weiter nach unten. 

Laut Oesterreichischer National­bank bekommt man derzeit (Stichtag 06.08.2025) täglich fällige Online-Sparzinsen von höchstens 1,6 Prozent, der Durchschnitt liegt bei unter 0,5 Prozent. Wenn man in den Bankfilialen vorstellig wird, bekommt man noch weniger. 

Wie viel bringt ein Prozent mehr an Zinsen wirklich?

Aber vielleicht hilft Ihnen diese kleine Überlegung ein wenig über die Trauer ob der mickrigen Zinsen hinweg: Sparer:in­nen neigen dazu, sich einen sprichwörtlichen Haxen auszufreuen, wenn sie ein Prozent mehr Zinsen am Sparbuch (oder auf der Sparcard oder sonst wo) bekom­men. Aber was bedeutet das konkret? 

2,0 Prozent bringen bei einem Jahr Lauf­zeit und 10.000 angelegten Euro gerade mal 75 Euro mehr als 1,0 Prozent Zinsen. 

„Wer den Groschen nicht ehrt...“, werden manche von Ihnen jetzt denken. Natürlich, allerdings sollte das Hauptziel einer langfristigen Geldanlage immer sein, der Geldentwertung entgegenzuwirken, in anderen Worten, die Inflation zu schlagen. Und die liegt momentan eben nicht bei einem oder zwei, sondern bei rund drei Prozent. 

Tipp für langfristige Geldanlage

Deshalb ist unser Tipp für eine ertragreiche, langfristige Geldanlage nach wie vor ein breit gestreutes Aktienportfolio. Am unkompliziertesten und günstigsten funktioniert das mit Fonds, die in einer provi­sionsfreien, fondsgebundenen Lebensver­sicherungs-Polizze aufbewahrt werden. 

Lesen Sie hier unsere umfangreichen Tipps für den langfristigen Vermögensaufbau. 

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