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Balkon mit zwei Solarmodulen
Ökostrom vom Balkon: mit Kleinst-PV-Anlagen bis max. 800 Watt. Bild: Mariana Serdynska/Shutterstock

Solaranlagen zum Einstecken: Kleines Kraftwerk am Balkon

, aktualisiert am

Ökostrom selbst zu produzieren liegt im Trend. Auch am eigenen Balkon ist das mit Plug-in-Photovoltaikanlagen möglich. Wir geben Auskunft über die technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen. 

Solarstrom ist ein wesentlicher Bestandteil der Energiewende. Für Hausbesitzer ist die Installation einer eigenen Photovoltaikanlage (PV) ohne große Stolpersteine möglich. Aber auch in einer Wohnung hat man mit Kleinst-PV-Anlagen die Möglichkeit, seinen Teil zur Energiewende beizutragen.

Anlagen bis 800 Watt

Seit ca. sechs Jahren dürfen in Österreich sogenannte „Plug-in-Anlagen“ (auch Plug & Play- oder steckerfertige PV-Anlagen genannt) betrieben werden. Die Maximalleistung beträgt 800 Watt. Diese Kleinst-PV-Anlagen können recht unkompliziert z.B. auf Balkonen installiert werden. Da in der Regel keine baulichen Veränderungen am Objekt (Gebäudehülle) vorgenommen werden, muss man den Vermieter bzw. die Eigentümergemeinschaft nicht informieren. Allerdings kommt es durch das Anbringen der Paneele zu einer Änderung des Erscheinungsbildes des Hauses, was wiederum bewilligungspflichtig ist.

Einspeisung via Steckdose

Wie funktionieren diese kleinen Kraftwerke? Prinzipiell wie ihre großen Solaranlagen-Geschwister. Nur sind sie weitaus einfacher zu installieren. Wie der Name schon sagt, verbindet man Plug-in-Anlagen via Schuko-Stecker mit dem hauseigenen Stromnetz. Wichtig: Die Einspeisung muss direkt in eine Wandsteckdose erfolgen, nicht mit Verlängerungskabeln oder über eine Steckdosenleiste (weiterführende Hinweise siehe „Tipps für den Kauf“ weiter unten).

Strom für Eigenverbrauch

Der eingebaute Wechselrichter wandelt die vom Solarmodul erzeugte Gleichspannung in netzkonforme Wechselspannung (230 V/50 Hz) um. Und da Strom sich rein physikalisch immer den direkten Weg sucht, kann dieser selbst erzeugte Strom dann unmittelbar dafür genutzt werden, z.B. die Klimaanlage in der Wohnung mit Ökostrom zu versorgen; oder auch die Waschmaschine, den Toaster oder den WLAN-Router – je nachdem, welches elektronische Gerät gerade Energie benötigt. Überschüssiger Strom wird ins allgemeine Netz eingespeist. Deshalb ist auch ein Stromzählertausch auf ein digitales Messgerät vorgeschrieben (Meldung an den Netzbetreiber zwei Wochen vor der geplanten Inbetriebnahme). Eine Vergütung des Überschussstromes gibt es nicht. 

Amortisationszeit 

Einmal abgesehen davon, dass die Lieferzeiten dieser Kleinst-Module momentan sehr lange sind: Wirklich große Energie-Sprünge macht man mit so einer kleinen Anlage nicht. Um ein Gefühl für die erzeugte Strommenge zu bekommen: Übers Jahr gerechnet kann ein Kühlschrank und eine Waschmaschine damit betrieben werden. In den Sommermonaten kann die Grundlast unter Tags (wenn man außer Haus ist) aber gut damit abgedeckt werden.

Die Amortisationszeit hat sich durch die zuletzt immer höher werdenden Strompreise verkürzt. Bei Anschaffungskosten im Bereich von 500 bis 700 Euro (pro ca. 300 Watt) können sich diese Anlagen je nach Haushaltsgröße, Sonneneinstrahlung und Stromverbrauch in 4 bis 5 Jahren rechnen. 

Rechtlicher Graubereich

Ob diese Plug-In-PV-Anlagen allerdings zulässig sind, darüber scheiden sich die Geister. Es gibt eine Reihe von Vorschriften, Gesetzen, Verordnungen und Regeln, die relevant sind. Für den Einzelnen eigentlich nicht überschaubar. Es existiert jedenfalls eine elektrotechnische Norm (OVE E 8101), die den direkten Anschluss via Schuko-Stecker nicht billigt. Auch solche Kleinstanlagen müssen von einem Elektriker fachgerecht verdrahtet werden, heißt es dort sinngemäß. Diese Norm, die sozusagen den Stand der Technik definiert, ist allerdings rechtlich nicht bindend. In der Elektrotechnikverordnung, mit der der Gesetzgeber Regelungen betreffend Sicherheitsmaßnahmen auf dem Gebiet der Elektrotechnik festschreiben kann, ist besagte Norm zwar enthalten. Aber sie firmiert dort als kundgemachte, und eben nicht als verbindliche Norm. Resultat: Wer sich nicht an so eine Norm hält, muss eine Risikobeurteilung machen. Dies erledigt aber in der Regel ohnedies der Hersteller der Module bzw. Wechselrichter. Bei No-Name-Produkten, die z.B. auf Amazon feilgeboten werden, kann man sich dessen aber nicht so sicher sein. Wer auf Nummer sicher gehen will, lässt die gesamte Betriebssituation vor Ort von einem Fachmann prüfen (siehe Tipps weiter unten). 

Die Position der Bundesinnung für Elektrotechnik: "Stromerzeugungseinrichtungen dürfen nicht mittels eines Steckers und einer Steckdose mit dem Endstromkreis verbunden werden." In einer Stellungnahme uns gegenüber spricht die Innung gar von einer "Gefahr für Leib und Leben". 

Eine Studie des Frauenhofer-Institutes im Auftrag der Regulierungsbehörde E-Control kam zu den Schluss, dass kein nennenswertes Risiko von 800 Watt ausgeht. 

Aus der Praxis ist abzuleiten, dass die Anlagen wohl sicher sind - vorausgesetzt, man beherzigt die grundlegenden Tipps und entsprechenden Vorgaben (siehe auch "Tipps für den Kauf" weiter unten). Der Deutschen Verbraucherzentrale ist kein Fall bekannt, bei dem es zu Sachschäden oder verletzten Personen gekommen wäre. Auch für Österreich ist uns kein derartiger Fall bekannt. Die Elektrotechnik-Innung kann ebenfalls keine konkreten Zahlen nennen. Mit dem Gefahren-Hinweis wolle man zur Vermeidung von Elektrounfällen und Sachschäden beitragen, die aus Sicht der Innung beim Gebrauch möglich erscheinen.

Aus Konsumentensicht ist dieser normungsrechtliche Graubereich jedenfalls mehr als ärgerlich. Es wäre wünschenswert, wenn der Gesetzgeber hier Fakten schaffen würde. Und zwar ohne Interpretationsspielraum. 

"Anlagen sind legal"

Wer z.B. von seinem Netzbetreiber oder von einem Elektriker die Rückmeldung bekommt, dass Plug-In-PV-Anlagen nicht zulässig sind, der sollte sich nicht verunsichern lassen. "Diese Anlagen sind legal", konstatiert E-Control-Vorstand Alfons Haber im Gespräch mit KONSUMENT. Anfang September hat die E-Control einige FAQ rund um das Thema Mini-PV-Anlagen veröffentlicht

Zusammenfassend ist zu sagen, dass es sich bei einer Mini-PV-Anlage um ein Produkt handelt, mit dem auch Mieter ihren Teil zur Energiewende beitragen können. Nicht zu trivialisieren ist aber, dass diese Balkonkraftwerke Strom produzieren und daher im Umgang mit ihnen die nötige Sorgfalt und Achtsamkeit an den Tag gelegt werden sollte. Markenprodukten mit entsprechenden Zertifizierungen sollte gegenüber No-Name-Produkten der Vorzug gegeben werden. 

Tipps für den Kauf

  • Vor dem Kauf: Check der elektrischen Hausinstallation durch einen Fachmann. Insbesondere in Altbauten unerlässlich! Dort entsprechen die Elektroinstallationen bisweilen nicht mehr den aktuellen Normen bzw. Sicherheitsstandards (eine derartige Überprüfung ist in Altbauten generell ratsam)
  • Kauf beim Elektriker Ihres Vertrauens, in Elektrofachmärkten, direkt beim Hersteller oder auf gemeinhin bekannten Online-Plattformen; auf Zertifizierungsdokumente unabhängiger Prüfinstitute achten (z.B. TÜV, VDE, IEC). Wichtig ist das Vorhandensein einer "Selbsttätig wirkenden Freischaltstelle/Netzentkupplung", die die Einspeisung sofort stoppt, wenn der Strom ausfällt. Der Netzbetreiber kann einen entsprechenden Konformitätsnachweis einfordern. 
  • Meldung an den Netzbetreiber zwei Wochen vor der geplanten Inbetriebnahme.
  • Installation: Die größte Stromausbeute gibt es bei Südausrichung und 30 Grad Anstellwinkel. Es funktioniert aber auch gen Osten oder Westen ausgerichtet bzw. mit steilerem Anstellwinkel (auch senkrecht möglich).
  • Die Einspeisung muss direkt in eine Wandsteckdose erfolgen; nicht mit Verlängerungskabeln oder Steckdosenleisten hantieren.
  • Bei Installation von mehreren Systemen (mit mehreren Wechselrichtern) sollten diese über getrennte Schaltkreise angesteckt werden bzw. an Steckdosen in unterschiedlichen Räumen, die getrennt abgesichert sind. 800 Watt dürfen nicht überschritten werden.
  • Gegebenenfalls Versicherungsschutz (Haushalt/Eigenheim) prüfen. Setzen Sie sich mit Ihrem Versicherer in Verbindung und fragen Sie nach, ob die Anlage in den bestehenden Vertrag integriert werden kann. 

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