Smartphone mit vielen Funktionen Mehr Durchblick im Tarifdschungel Bild: Billion Photos/Shutterstock

Mobilfunkanbieter: Durchblick im Tarifdschungel 1/2022

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Wie Sie am besten vorgehen, um angesichts des kaum überschaubaren Angebots den passenden Mobilfunktarif zu finden.

Die Situation auf dem Markt für Mobilfunkverträge ist für Laien schwer durchschaubar; jedenfalls dann, wenn man keine Zeit oder Lust hat, sich stundenlang auf diversen Homepages der Anbieter durchzuwühlen.

38 Anbieter auf dem Markt

Aktuell befinden sich 38 Anbieter auf dem Markt, davon 25 bis 30 für Privatkunden. Die drei Netzbetreiber A1, Magenta und Drei dominieren den Markt, ihre Markt­anteile summieren sich auf fast 88 Prozent. Dazu halten sie sich noch Nebenmarken, die als Diskonter auftreten: bob und yesss für A1 sowie eety für Drei. Eine Reihe weiterer Anbieter sind sogenannte Branded ­Reseller – das sind Unternehmen, die mit einem der Netzbetreiber kooperieren. Netz und Service wird ihnen zur Verfügung gestellt, der Markt­auftritt erfolgt jedoch unter dem Namen des Kooperationspartners.

Red Bull, Kurier oder S-Budget

Beispiele dafür sind Red Bull, Kurier oder S-Budget. Eine dritte Möglichkeit ist, dass sich Anbieter in einem der Netze einmieten, aber selbstständig agieren. Diese werden als virtuelle Anbieter bezeichnet (exakt: MVNO – Mobile Virtual Network Operator); darunter befinden sich die bekannten Diskonter HoT und spusu, aber auch der Fußballverein Rapid tritt als virtueller Anbieter auf.

Tarife mit Handy sind teuer

Wie kämpft man sich am besten durch den Tarifdschungel? Zuallererst muss man entscheiden, ob man sich ein neues Handy über einen Mobilfunkanbieter besorgen will. Kommt das Handy dann wirklich billiger? In der KONSUMENT-Ausgabe 5/2021 haben wir einen Vergleich veröffentlicht: In 11 von 12 Fällen waren die Vertragshandys teurer als im Handel, teilweise sogar eklatant – um mehrere Hundert Euro. Es lohnt sich also, sich nicht von Werbe-Angeboten ­leiten zu lassen. Wie wir bei unserem Beratungstest in der letzten Ausgabe (KONSUMENT 12/2021) feststellen konnten, scheint auch bei den Mobilfunkanbietern das Interesse an Kooperationen mit den Handyherstellern nicht mehr sehr ausgeprägt zu sein. Tarife mit Handy wurden von den Beratern so gut wie nie empfohlen, der Trend geht zu SIM-only-Tarifen ohne inkludiertes Gerät.

Prepaid oder Vertrag

Eine grundsätzliche Entscheidung ist die zwischen Prepaid- und Vertragstarif. ­Wobei Prepaid auch SIM-only-Tarife sowie die klassische Wertkarte mit mindestens ­einmal jährlicher Aufladung inkludiert, die aber stark an Bedeutung verloren hat.

Vorteile

Im Großen und Ganzen liegt der Unterschied zwischen Prepaid- und Vertragstarifen heute in der Zahlungsweise. Ein Prepaid- Vertrag wird im Vorhinein mit einem Guthaben aufgeladen. Beim klassischen Handyvertrag wird die Rechnung im Nachhinein beglichen (auch wenn regelmäßig nur ein Pauschalbetrag abgebucht wird, weil die inkludierten Freiminuten bzw. das Datenvolumen nicht überschritten wurden). Die Vorteile sind (neben der zeitver­zögerten Bezahlung) mögliche Vergünstigungen durch weitere Verträge (z.B. Internet) sowie die Tatsache, dass Roaming fast immer möglich ist.

Nachteile

Nachteile sind: Man ­bekommt den Vertrag möglicherweise nur bei guter Zahlungsfähigkeit (Bonität). Die Kosten können überzogen werden, man hat also keine Kontrolle darüber. Und: Man ist für einige Zeit an den Vertrag gebunden. Allerdings wird heute meist nur mehr dann eine (Zweijahres-)Bindung verlangt, wenn ein Tarif mit Handy gewählt wird (das Gerät muss ja abgezahlt werden). Prepaid-Tarife haben umgekehrt den Vorteil der besseren Kostenkontrolle, man bekommt sie auch bei schlechterer ­Bonität, und man hat keine bzw. nur eine sehr kurze Bindung, kann ­also jederzeit den Anbieter wechseln. Roaming ist nicht in ­jedem Fall möglich.

Minuten, SMS, Datenvolumen

Bleibt das Nutzungsverhalten. Die meisten Tarife beinhalten monatliche Freieinheiten für verbrauchte Gesprächsminuten, für die Anzahl an SMS und für das Datenvolumen. Dafür zahlt man eine Grundgebühr. Erst wenn eine der drei Freieinheiten überschritten wird, fallen zusätzliche Gebühren an. Werden die Freieinheiten nicht verbraucht, verfallen sie in der Regel. Es gibt aber auch eine Menge Tarife mit „Datenmitnahme“, da kann also das nicht verbrauchte Daten­volumen in die Folgemonate mitgenommen werden, wobei es eine Obergrenze gibt. ­Übrigens: Auch bei Prepaid-Tarifen hat man manchmal die Möglichkeit der Datenmit­nahme – dafür muss allerdings das Guthaben ausreichend sein, damit eine Abrechnung möglich ist.

Telefongewohnheiten ändern sich sehr langsam

Das Problem dabei: Meistens wird die eigene Nutzungsintensität stark unterschätzt, und selten wird man Aufzeichnungen über seine Telefongespräche oder über die Internet­nutzung führen. Am besten ist es daher, die letzten drei bis vier Telefonrechnungen ­heranzuziehen und gegebenenfalls auch ­­Einzelgesprächsnachweise anzufordern. Wer zuletzt regelmäßig 900 bis 1.000 Minuten vertelefoniert hat, sollte dies als Mindest­höhe ansetzen. Gute Vorsätze, dass man künftig weniger telefonieren wird, halten meist nicht lang. Telefongewohnheiten ändern sich – wenn überhaupt – nur sehr langsam.

Im oder ins Ausland

Wer häufig ins Ausland telefoniert, sollte das bei der Tarifsuche berücksichtigen. ­Häufig kommt es hier zu Missverständnissen. Telefonieren ins Ausland ist nicht dasselbe wie telefonieren im Ausland. Letzteres ist die typische Situation im Urlaub. Man ruft aus dem Ausland wie gewohnt seine Freunde daheim an (oder auch Familienmitglieder, die sich im selben Urlaubsland aufhalten). Da fallen normalerweise Roaminggebühren an. Allerdings gibt es innerhalb der EU keine Roaminggebühren mehr, man kann daher zu (nahezu) gleichen Konditionen in der gesamten EU telefonieren. Daran hat man sich schon gewöhnt.

Vom Heimatnetz nach Italien

Übersehen wird dabei aber oft, dass beim Telefonieren von zu Hause INS Ausland (das nennt man nicht Roaming, sondern Auslandstelefonie) unverändert Gebühren verrechnet werden – auch innerhalb der EU. Wer also von seinem Heimatnetz nach Italien telefoniert, zahlt sehr wohl Extra-Gebühren, auch wenn die Freiminuten noch lange nicht aufgebraucht sind. Um zu vermeiden, dass in ­einem unbedachten Moment hohe Kosten anfallen, kann man Roaming und Auslandstelefonie sperren. Das ist bei den meisten Anbietern über Apps oder die Hotline möglich. Ausweichen kann man über Instant Messaging wie WhatsApp oder Skype. Dabei wird nicht aufs Gesprächsguthaben zurückgegriffen, sondern auf das Datenvolumen – das ist ungleich billiger.

Gängige Vergleichsrechner

Wer keine Lust hat, auf den Webseiten von rund 30 Anbietern nach dem individuell passenden Tarif zu suchen, der sollte einen ­Tarifvergleichsrechner zu Rate ziehen. Wir haben uns drei der bekanntesten näher angesehen:

  • durchblicker.at: Vergleichsportal mit 28 Vergleichsrechnern, darunter eben auch für Handytarife
  • handy.arbeiterkammer.at: Tarifkalkulator der Arbeiterkammer
  • tarife.at: Tochtergesellschaft von Geizhals.at

Alle drei sind gut für die Tarifsuche geeignet. Die wesentlichen Faktoren des Nutzerverhaltens werden abgefragt und sie kommen dementsprechend zu mehr oder weniger identen Ergebnissen. Tarife.at bietet die meisten Filter- und Auswahlmöglichkeiten (z.B. Auslandstelefonie, Sozialtarife oder Onlinetarife). Bei allen aber gilt: Zuvor muss man selbst wissen, was man will und wie intensiv man das Handy nutzen möchte.

Interview: Maximilian Schirmer, tarif.at

Maximilian Schirmer Geschäftsführer von tarife.at Maximilian Schirmer, Geschäftsführer von tarife.at Bild: Harald Lachner

Mehrere Vergleichsportale kontaktieren

Wir fragten DI Maximilian Schirmer, Geschäftsführer des laut Eigen­angaben größten österreichischen Mobilfunk-Vergleichsportals tarife.at, was er Kunden raten würde.

KONSUMENT: Wie findet man sich im Handytarif-Dschungel am besten zurecht?

Schirmer: Als Erstes sollte man sich überlegen, was man tatsächlich braucht und was die Werbung nur suggeriert. Hier können alte Handyrechnungen helfen, auf denen die verbrauchten Einheiten abgedruckt sind. Diese in ein Vergleichsportal eintragen, oder in mehrere, um eine Gegen­kontrolle zu erhalten.

Worauf sollte man beim Tarifwechsel bzw. bei der Tarifauswahl besonders achten?

Ein paar Minuten Zeit nehmen und sich alle Einstellungsmöglichkeiten von Vergleichsportalen anschauen – es lohnt sich. Dann muss man keine Sorgen haben, ob der gewählte Tarif den eigenen Wünschen auch entspricht. Wenn man bei einem Betreiber unsicher ist, lieber einen Tarif ohne Bindung abschließen.

SIM-only oder Handy inklusive – welche Option würden Sie präferieren?

Statistisch ist die Trennung zwischen Gerät und Tarif in über 70 % der Vergleiche die günstigere Wahl, da dadurch deutlich mehr mögliche Tarife zur Verfügung stehen. Es gibt aber immer wieder Smartphones, die ausgesprochen stark subventioniert werden. Wir berücksichtigen deshalb die Möglichkeit, beide Optionen direkt miteinander zu vergleichen.

Mehr zum Thema

Im ersten Teil unserer Kurzserie haben wir die Beratungsqualität von Mobilfunkanbietern getestet (KONSUMENT 12/2021). Demnächst werden wir prüfen, wie es um die Servicequalität der Mobilfunkanbieter bestellt ist.

LINKS

TEST: Tarifberatung bei Mobilfunkanbietern 12/2021
https://konsument.at/test-tarifberatung-mobilfunkanbieter-122021

Fotos mit dem Smartphone: besser, schöner 12/2021
https://konsument.at/fotos-mit-dem-smartphone-besser-schoener-122021

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