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E-Geräte: Elektroschrott im Jahr 2021 - So schwer wie die Chinesische Mauer

Elektroschrott so schwer wie die Chinesische Mauer? Ein Müllberg dieser Dimension hat sich allein 2021 angesammelt. Was können wir tun, damit er nicht weiter so rasant anwächst? Ich habe die 5 wichtigsten Punkte zusammengefasst.

Was haben Smartphones, Saugroboter und Elektrorasierer gemeinsam? Am Ende ihrer Lebenszeit werden sie zu Elektroschrott. Und davon gibt es leider viel zu viel. Rund um den Internationalen Tag des Elektroschrotts wurden schwindelerregende Zahlen und Vergleiche präsentiert: Heuer wird mit weltweit rund 57 Millionen Tonnen anfallendem Elektroschrott ein neuer Rekord erzielt. Zum x-ten Mal.

Dieser Müllberg wiegt mehr als das schwerste Bauwerk der Welt, die Chinesische Mauer. Wird die Entwicklung fortgeschrieben, sind am Ende des Jahrzehnts gar 74 Millionen Tonnen zu erwarten. Die Augen vor dieser unangenehmen Realität zu verschließen, ist für uns Österreicherinnen und Österreicher nicht argumentierbar. Pro Kopf gehören wir zu den größten Elektroschrott-Verursachern der Welt, die Auswirkungen unseres Lebensstils sind ökologisch wie ökonomisch nicht zukunftsfähig. Aber was können wir konkret tun, damit der Elektroschrottberg nicht weiter so rasant anwächst? Ich habe die aus meiner Sicht wichtigsten 5 Punkte zusammengefasst.

1. Hinterfragen

Brauche ich tatsächlich alle zwei, drei Jahre ein neues Handy? Tut es der alte Staubsauger nicht doch noch? Kurzum: Hinterfragen Sie Ihre Bedürfnisse. Und wenn Sie zu dem Schluss kommen, dass es tatsächlich etwas Neues sein muss, dann nutzen Sie die Ergebnisse unserer unabhängigen Tests. Wir thematisieren bei Elektrogeräten in der Regel Haltbarkeitsbzw. Langlebigkeitsaspekte.

2. Achtsam sein

Wenn Sie ein neues Produkt kaufen, dann gehen Sie achtsam und pfleglich damit um. Warten Sie es regelmäßig, den Herstellervorgaben entsprechend. Dann halten die Dinger in der Regel auch länger.

3. Verkaufen

Nicht mehr benötigte, aber funktionstüchtige Geräte können auf Flohmärkten oder auf Verkaufs-Plattformen wie Willhaben oder Shpock im Internet verkauft werden. So verlängert sich die Nutzungsdauer der Geräte. Das ist in der gesamtheitlichen Betrachtung ganz zentral. Der größte ökologische Schaden ist bei vielen Produkten bereits damit angerichtet, dass sie überhaupt produziert wurden.

4. Reparieren

Wenn dann tatsächlich mal etwas kaputt wird: Versuchen Sie, es zu reparieren oder reparieren zu lassen. Es ist ratsam, sich bereits vor dem Kauf beim Händler zu erkundigen, wie es z.B. um die Ersatzteilverfügbarkeit bestellt ist. Fix verbaute Akkus sind ein Hinweis, dass das Produkt wohl prinzipiell so designt wurde, dass es dem Kunden nicht einfach gemacht wird, es zu reparieren.

Seit März 2021 werden den Herstellern von z.B. Fernsehgeräten, Geschirrspülern, Waschmaschinen und Kühlschränken (Handys und Computer leider noch nicht) erstmals gewisse Anforderungen an die Reparierbarkeit ihrer Produkte gestellt.

Im Wesentlichen geht es um das Vorrätighalten von Ersatzteilen und Reparaturanleitungen – immerhin ein erster Schritt in die richtige Richtung (Stichwort Kreislaufwirtschaft bzw. Recht auf Reparatur). Im 1. Quartal 2022 wird laut Informationen aus dem Klimaschutzministerium ein bundesweiter Reparaturbonus aufgelegt. Reparaturen sollen mit bis zu 50 Prozent der Kosten gefördert werden (maximal 200 Euro). Auf Landesebene gibt es solche Boni bereits – erkundigen Sie sich.

5. Recyceln

Global betrachtet gelangt weniger als ein Fünftel der nicht mehr benötigten Elektroaltgeräte in den Recyclingkreislauf. In Österreich liegt die Sammelquote bei 62 Prozent. Rund 136.000 Tonnen Elektroschrott wurden 2021 gesammelt. Warum geht da nicht mehr? Illegale Müllexporte (Größenordnung: 15.000 bis 20.000 Tonnen pro Jahr) sind ein veritables Problem.

Oftmals hapert es aber schlichtweg bei der korrekten Entsorgung: Alte Geräte landen im Restmüll und werden somit höchstwahrscheinlich verbrannt. Oder, noch schlimmer, sie werden im Wald deponiert. Oder sie fristen ihr Dasein in den hintersten Winkeln von Schubladen, Schränken, Kellern. So oder so: Ein riesiges Recycling- Potenzial geht verloren. Aus Altgeräten lassen sich immense Rohstoff-Schätze heben.

Rohstoffe, die nicht neu geschürft werden müssen – unter zum Teil widrigsten Bedingungen für Mensch und Natur. In einer Tonne ausrangierter Smartphones findet man mehr Gold als in einer Tonne an geschürftem Golderz. In einer Million Handys stecken 24 kg Gold, 16.000 kg Kupfer, 350 kg Silber und 14 kg Palladium. Geben Sie deshalb Ihre Elektroaltgeräte bei offiziellen Sammelstellen ab. Auch Händler müssen, wenn Sie ein vergleichbares Neugerät kaufen, das Altgerät unentgeltlich zurücknehmen.

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Gut gemeint

Sie haben in dem Artikel 5 gut gemeinte Beispiele angeführt, wie man helfen könnte, diese Müllberge zu verkleinern. Nun wissen wir ja alle: Gut gemeint ist nicht unbedingt gut.

Zum Punkt Hinterfragen: Nein, ich brauche nicht alle 2 bis 3 Jahre ein neues Handy. Solange die Hardware in Ordnung ist, kann ich das Handy auch 10 Jahre oder länger verwenden. Aber halt nur theoretisch. Denn es geht hier ja nicht um die Hardware, sondern um die Software. Die Industrie bringt schneller als alle 3 Jahre neue Geräte auf den Markt. Und die sind halt immer so konzipiert, dass dann die alten mit keinem anderen Gerät mehr kompatibel sind. Computer sind ja meistens schon „alt“, wenn sie das Geschäft mit dem Kunden verlassen. Ich bin kein technisches Genie und bin immer froh, wenn ich die Bedienung eines Gerätes beherrsche. Aber wenn der Computer jedes Mal 3 bis 5 Minuten braucht, bis er in Fahrt kommt, dann braucht man halt ein neues Gerät, ob es einem gefällt oder nicht.

Zum Punkt Reparieren: Auch das sagt sich so leicht. Aber es gibt ja kaum noch Shops, die diese Geräte reparieren, und wenn, dann zu einem horrenden Preis. Schön, dass man jetzt die Firmen verpflichtet, genügend Ersatzteile und eine Gebrauchsanweisung für eine eventuelle Reparatur vorrätig zu haben. Aber nicht für mich. Ich könnte Ihnen neue Tänze beibringen, aber Geräte reparieren kann ich nicht, auch nicht mit entsprechender Anweisung. Es gibt zwar ab und zu ein Repair-Café, aber man erfährt oft nur zufällig davon.

Grundsätzlich bin eine akribische Mülltrennerin, Geräte kommen bei mir nicht auf den Müll. Auch nicht verwendete Tabletten gebe ich zur fachgerechten Entsorgung in der Apotheke ab. Es ist halt wieder einmal so, dass der Konsument in die Pflicht genommen wird und nicht der Verursacher. Wozu muss die Industrie jedes Jahr Geräte mit einer neuen Software auf den Markt bringen? Das wäre die Stelle, wo man mal massiv ansetzen sollte, und nicht beim Konsumenten. Wieder einmal werden die Falschen „bestraft“.

Es hat ja auch immer geheißen, die Konsumenten sollten kein verpackungsaufwendiges Zeug kaufen. Leichter gesagt als getan, denn da könnte man neben dem vollen Regal verhungern. Ich kann ja z.B. Kekse und Bonbons nicht aus der Schachtel herausnehmen und einzeln heimtragen, nur damit ich die Verpackung im Geschäft lassen kann.

Elfriede Jäkel
Innsbruck
(aus KONSUMENT 3/2022)

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