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Manner Original Neapolitaner Schnitten: Packerl Mannerschnitten, rosa Umhüllung mit 2 Schnitten und Haselnüssen drauf
Manner Original Neapolitaner Schnitten: Die Bezeichnung "original" bezieht sich auf das gleichgebliebene Verhältnis von Zutaten und Schnitten, nicht aber auf die Bestandteile. Bild: A. Konstantinoudi/VKI

Manner Original Neapolitaner Schnitten

Mag man eben nicht: Kokos- und Palmfett überraschen in „österreichischer Originalrezeptur“. Das „Original“ in der Bezeichnung der Manner Original Neapolitaner Schnitten bezieht sich nur auf das seit dem 19. Jahrhundert gleichgebliebene Verhältnis von Zutaten und Schnittenformat, aber nicht auf die Bestandteile!

Was alles versprochen und dann nicht gehalten wird. Diesmal im Lebensmittel-Check: Manner Original Neapolitaner Schnitten geben sich als „österreichische Originalrezeptur“ von 1898 aus, enthalten aber Kokos- und Palmfett.

Das ist das Problem

Das steht drauf: Manner Original Neapolitaner Schnitten

Gekauft bei: in vielen Geschäften erhältlich

"Manner wirbt auf der Verpackung mit 130-jähriger Originalrezeptur! Inhaltsstoffe sind aber die pflanzlichen Fette Kokos und Palm. Diese wurden aber wahrscheinlich, das behaupte ich jetzt, vor mehr als 100 Jahren noch nicht für die Manner-Schnitten in der sogenannten Originalrezeptur verwendet.“, entrüstet sich Frau L. und beschließt aufgrund des enthaltenen Kokos- und Palmöls keine Manner-Produkte mehr zu kaufen. „Schade drum!“, fügt sie noch bedauernd hinzu.

Palmöl und UTZ-zertifiziert?

Auch Herrn P. stört die Verwendung dieser mehrfach in Kritik geratenen Fette, während Manner mit „verantwortungsbewusst UTZ-zertifiziert vegan, vegetarisch“ wirbt. Das UTZ-Certified-Siegel ist auf vielen Lebensmitteln wie Kaffee oder Schokolade zu finden und verdeutlicht die Einhaltung bestimmter Mindeststandards bei der Produktion der Rohstoffe (Kaffee, Kakao etc). In Zukunft wird es durch das Rainforest-Alliance­Label abgelöst. Die Rainforest Alliance fordert zwar soziale und ökologische Standards ein, dabei handelt es sich aber weder um ein Siegel für fairen Handel noch für ökologischen Anbau. Über unzureichende Kennzeichnung von Lebensmitteln haben wir auch in unserem Test: Kaffee-Bio, fair, konventionell 1/2022 berichtet.

„Ein sündteures Markenprodukt und dann muss Manner noch immer Palmöl verwenden und darf dennoch UTZ draufschreiben, weil der Kakao "gut" ist.“, schreibt uns Herr P. und fragt sich verärgert, warum namhafte Hersteller von Süßwaren Palmöl verwenden: „Diskonter Eigenmarken sind dagegen schon oft palmölfrei. Ein Zeichen der Gier und nicht der Kosten!“, ist seine bittere Vermutung.

Original aber mit anderen Zutaten als früher

Manner Original Neapolitaner Schnitten: Zutatenliste, blaue Schrift auf rosa Hintergrund
Manner Original Neapolitaner Schnitten: Unveränderte Hauptrohstoffe, Kokos und Palmöl kamen mit der Zeit hinzu. Bild: A. Konstantinoudi/VKI

Wir haben bei der Josef Manner & Comp. AG nachgefragt. Für den Hersteller der Original Neapolitaner bedeutet Original-Rezeptur laut Stellungnahme, dass die gleichen Anteile der Zutaten zum Einsatz kommen wie bei Josef Manner I. 1898. Das bedeutet, die gleiche Menge Fett, Mehl usw. Die Hauptrohstoffe wie Kakao und Haselnuss seien unverändert. Die Art der Zutaten habe man im Laufe der Zeit an den technologischen Fortschritt und rechtliche Vorgaben angepasst. Original ist also demnach etwas, das sich mit der Zeit doch verändert?

Original? Egal? Mag man eben?

Je nachdem wie weit man ausholt, unterliegt alles einem permanenten Wandel: Panta rhei (altgriechisch: alles fließt), sagte schon der Philosoph Heraklit. Aber üblicherweise denken wir bei einem ausdrücklich als „original“ bezeichnetem Rezept doch an die ursprünglich verwendeten Zutaten und nicht nur an deren Anteile in auswechselbarer Art und Qualität.

Immerhin wirbt Manner auf der Packung prominent mit „original“ und „Warum man Manner mag … österreichische Originalrezepturen nach strengen Qualitätskriterien“. Auch auf der Homepage der Josef Manner & Comp. AG ist zu lesen: „Die Manner Original Neapolitaner Schnitte wurde im Jahr 1898 von Firmengründer Josef Manner I. erfunden. Das Format und die Grundrezeptur blieben bis heute unverändert.“ Durch diese Produktaufmachung erwarten Konsumentinnen und Konsumenten, die Schnitten enthielten lediglich Ingredienzien, die seit langem zum Backen verwendet würden. Eine Rezeptur aus dem 19. Jahrhundert kann schließlich keine exotischen Pflanzenfette und Emulgatoren auf Soja-Basis enthalten.

Nicht gehaltene Werbeversprechen mag man eben nicht

Es geht nicht darum, dass ein Hersteller eine einst erfundene Rezeptur nicht verändern sollte. Gehärtetes Pflanzenfett beispielsweise durch hochwertigeres zu ersetzen ist grundsätzlich eine Verbesserung. Es geht um das Werbeversprechen, das mit der Auslobung „original“ einen besonderen Wert vermittelt: An der ursprünglichen Art, Herstellungsweise und Form hat sich nichts verändert, darauf könnten Konsumentinnen und Konsumenten vertrauen. Umso empfindlicher reagieren sie, wenn das Vertrauen mit nicht deklarierten Veränderungen unterlaufen wird.

Das schätzen Konsumentinnen und Konsumenten eben nicht: Während mittlerweile viele Hersteller ihre Rezepturen auf palmölfrei umgestellt haben, bekommen Konsumentinnen und Konsumenten ausgerechnet bei den seit 1898 „originalen“ Mannerschnitten Palmöl untergejubelt? Viele Konsumentinnen und Konsumenten stehen der weltweiten Massenproduktion von Palmöl zurecht heute sehr kritisch gegenüber.

Auch nicht sonderlich original: Lecithin und Aroma

Wissenswertes nun zum Emulgator Lecithin (hier aus Soja gewonnen): der verwendete Emulgator ermöglicht, dass sich Fett- und Wasser-Phasen eines Lebensmittels nicht trennen. Als Mehlbehandlungsmittel verbessert Lecithin die Knet- und Formeigenschaften von Teigen und verlangsamt den Prozess das Austrocknen von Gebäck.

Lecithin gilt zwar als unbedenklich, kann aber auch aus gentechnisch veränderten Organismen hergestellt werden. Natürliches Aroma, das sich ebenso in der Zutatenliste findet, ist ein Aromastoff, der aus einem natürlichen Ausgangsstoff gewonnen wird. Dieser kann, muss aber kein Lebensmittel sein.

Zuckergehalt traditionell hoch

Ob nun traditionell original oder doch nicht, die süßen Schnitten tragen das Nutri-Score Ergebnis E, haben also innerhalb dieser Produktkategorie keinen günstigen Nährwert. Das ist nicht verwunderlich, schlussendlich handelt es sich um eine Nascherei, die man nur selten und in Maßen genießen sollte

Reaktion der Josef Manner & Comp. AG

Der Produzent bezieht sich mit „original“ auf das gleich gebliebene Verhältnis der Zutaten.

„Wir verstehen Ihr Anliegen und haben gerne einige Hintergrundinformationen zusammengestellt. Die Grundrezeptur der Original Neapolitaner bedeutet, dass wir in der Herstellung die gleichen Anteile der Zutaten verwenden wie Josef Manner I. 1898, also die gleiche Menge Fett, Mehl usw. Hauptrohstoffe wie Kakao und Haselnuss sind unverändert. Die Art der Zutaten wurde im Laufe der Zeit an den technologischen Fortschritt und rechtliche Vorgaben angepasst.
Die Original-Rezeptur der Neapolitaner Schnitten enthielt damals wie heute Pflanzenfett.

Da die vor dem Palmöl eingesetzten Fette gehärtet werden mussten und gehärtete Fette in der medialen Diskussion wegen möglicher nachteiliger gesundheitlicher Auswirkungen negativ dargestellt wurden, haben wir vor Jahren entschieden, diese nicht mehr einzusetzen. Wir kaufen das Palmöl dafür zu 100% über RSPO zertifiziert, um den nachhaltigen Anbau weiter zu forcieren. (RSPO: Roundtable on Sustainable Palm Oil. ) Als Alternative zu Palmöl wird in der Süßwarenindustrie oft auf Kokos- oder Rapsöl zurückgegriffen. Beide Öle brauchen in der Herstellung jedoch ein Vielfaches der Anbaufläche, da der Ertrag der Pflanzen viel geringer ist als bei Ölpalmen.

Manner wird selbstverständlich auch weiterhin die Entwicklungen auf diesem Gebiet verfolgen, um sicherzustellen, dass das Unternehmen stets in Einklang mit seiner sozialen und ökologischen Verantwortung handelt. Die Umstellung auf 100% zertifiziert nachhaltigen Fairtrade Kakao bei Manner Waffel- und Schnittenprodukten oder die Nutzung der Back-Abwärme im Fernwärmenetz rund um unsere Fabrik in Wien sind nur zwei unserer vielfältigen Aktivitäten, die daraus entstanden sind.“

Josef Manner & Comp. AG 
18.5.2022

Wir empfehlen

Lesen Sie die Zutatenliste auch bei lange bekannten Markenprodukten. Nur so vermeiden Sie unerwünschte Zutaten wie Palmöl oder unvermutete Zusatzstoffe.

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