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Just Veg! Gemüse-Taschen: Packung mit buntem Produktfoto
Just Veg! Gemüse-Taschen: Die Gemüsetaschen stecken in einem Überkarton und sind zusätzlich einzeln in Kunststoffbeuteln verschweißt. Bild: A. Konstantinoudi/VKI

Just Veg! Gemüse-Taschen: Warum einzeln verpackt?

Irritierend, aber einleuchtend: Just Veg! Gemüse-Taschen in der Kartonverpackung sind einzeln in extra Kunststoffbeutel eingeschweißt. HOFER will Verbundmaterialien vermeiden und setzt auf einfacheres Recycling. Die Portioniermöglichkeit soll die Lebensmittelverschwendung vermindern. Bitte auch vermeiden: Palmöl im Blätterteig und zugesetztes Aroma!

Diesmal im Lebensmittel-Check: Just Veg! Gemüse-Taschen stören mit extra Kunststoffverpackungen das nachhaltige Image des vegetarischen Fertiggerichts. Dahinter steckt die „HOFER Verpackungsmission“ für einfacheres Recycling.Geht der Plan auf?

Das ist das Problem

Das steht drauf: Just Veg! Gemüse-Taschen

Gekauft bei: bei HOFER erhältlich

Vegetarische Gerichte punkten zumeist auch im Sinne des Umwelt- und Klimaschutzes gegenüber Fleischspeisen, die einen größeren ökologischen Fußabdruck erzeugen. Doch bei den Just Veg! Gemüse-Taschen hatte eine Konsumentin Zweifel: „Da kauft man ein ‚nachhaltiges‘ Veggie-Produkt und dann ist jede Gemüse-Tasche einzeln verpackt!“, ärgerte sie sich über extra Kunststofffolien, die jeweils die Blätterteigtaschen umhüllen; vier pro Verpackungskarton.

Just Veg! Nachhaltig?

Just Veg! Gemüse-Taschen: in Kunststofffolie eingeschweißte Teigtäschchen
Just Veg! Gemüse-Taschen: Die Gemüsetäschchen sind einzeln in Folie verpackt. Bild: A. Konstantinoudi/VKI

Just Veg! Gemüse-Taschen sind bei HOFER in der Tiefkühlabteilung erhältlich. Der Verpackungskarton, gestaltet mit grüner Blattstruktur und der Abbildung einer Blätterteigtasche mit viel Gemüse als fleischlose Alternative, lässt ein gesundes und nachhaltiges Produkt vermuten. Was ist dran? Jedenfalls viel Kunststofffolie, doch dafür hat der Hersteller eine durchaus einleuchtende Erklärung.

Ziel: bessere Recyclingrate

HOFER zeigte sich auf unsere Nachfrage sehr bemüht und bereits am Weg, Verpackungen ökologischer zu gestalten oder generell einzusparen. Hofer weist darauf hin, dass Verbundstoffe, also Verpackungsmaterial mit mehreren Komponenten (zum Beispiel Karton mit Kunststoffschicht), nur schwer recycelbar seien. Außerdem stecke hinter der Verpackungsvariante Karton plus Kunststoffbeutel die Überlegung, alle Einzelteile wiederverwerten zu können. Das klingt nachvollziehbar.

Theorie gut, Praxis hinkt nach

Der Karton ohne direkten Kontakt mit dem Lebensmittel lässt sich als Altpapier recyceln. Und wie schaut es mit den Polypropylen-Kunststofffolien aus? Man könnte annehmen, dass sie beispielsweise in Wien am besten in der gelben Tonne (Container für Plastikflaschen, Getränkekartons und Dosen) entsorgt werden. Dem ist aber nicht so: Kleine Folien gehören laut Homepage der Stadt Wien in den Restmüll. Kunststoffbeutel wie jene der Just Veg! Gemüsetaschen kommen also nicht in den Recyclingkreislauf, selbst wenn es vom Material her möglich ist?

Wir haben auf Nachfrage bei der Stadt Wien erfahren, dass bei diesen Kunststoffarten aktuell noch Recyclingmöglichkeiten in Österreich bzw. Europa fehlen. Derzeit werden z.B. Kunststofffolien thermisch verwertet, und zwar in der Wiener Müllverbrennungsanlage, wodurch Strom und Fernwärme gewonnen werden. Es gibt jedoch einen Lichtblick: Ab 2023 ist es aufgrund von Fortschritten in der Sortiertechnologie möglich, österreichweit und damit auch in Wien sämtliche Kunststoffverpackungen gemeinsam zu sammeln.

Was steckt drin?

Natürlich haben wir uns auch die Zutatenliste der Just Veg! Gemüse-Taschen angeschaut: Erfreulich ist der tatsächlich hohe Gemüseanteil. Das Produkt besteht zu 42,5 Prozent aus Gemüse, unter anderem aus Erbsen, Sellerie, Karotten und Broccoli.

Weniger erfreulich, aber auch nicht überraschend: Wegen der im Blätterteig verwendeten Margarine enthält das Gemüsegericht Palmfett. Schon unser Blätterteig-Test (Konsument 09/2018) zeigte, dass so gut wie jedem fertigen Blätterteig Palmöl beigemengt ist. Das vermutlich künstliche Aroma in der verwendeten Béchamelsauce kommt bestimmt auch nicht bei jeder Kundin und jedem Kunden gut an.

Fazit: Aktuell ist es noch nicht möglich, die Verpackung der Teigtaschen vollständig zu recyceln. In jedem Fall hätten wir die Gemüsetaschen gern „Just palmfettfrei“ und „Just ohne Aromazusatz“.

Reaktion von HOFER

Die „HOFER Verpackungsmission“ für weniger und nachhaltigere Verpackungen

„Bei den JustVeg! Gemüse-Taschen hat sich unser Lieferant aus verschiedenen Gründen für mehrere Verpackungskomponenten entschieden. Kartonagen für Tiefkühlprodukte haben in der Regel eine Kunststoffschicht, um das Produkt vor Feuchtigkeit und Sauerstoff zu schützen. Eine beschichtete Papierverpackung lässt sich jedoch schwerer recyceln. Die Verwendung von Karton und Folie hat den Vorteil, dass die Materialien getrennt anfallen und somit ihrer jeweiligen Verwertung zugeführt werden können.

Die eingesetzte Folie weist die notwendigen Barriereeigenschaften auf, um das Produkt optimal zu schützen. Der verwendete Kunststoff Polypropylen ist gut recyclingfähig. Dies sorgt dafür, dass Sekundärmaterial gewonnen werden kann, welches Neuware ersetzt. Gleiches gilt für den Karton. Wird dieser im Altpapier entsorgt, lässt sich Recyclingmaterial gewinnen. Da der Karton aufgrund der in Folie verpackten Gemüsetaschen keinen direkten Lebensmittelkontakt hat, konnte hier 75 % recyceltes Material verwendet werden. Dies wirkt sich positiv auf den ökologischen Fußabdruck der Verpackung aus. Durch das Abpacken einzelner Gemüsetaschen wird des Weiteren gewährleistet, dass diese sich gut portionieren lassen, was Lebensmittelverschwendung entgegenwirkt.

Im Rahmen der ‚HOFER Verpackungsmission‘ arbeiten wir daran, Verpackungsmaterial zu vermeiden, zu reduzieren oder durch nachhaltigere und recyclingfähigere Alternativen zu ersetzen. Insgesamt soll bis Ende 2025 der Materialeinsatz der Eigenmarken-Verpackungen unseres Sortiments um 30 Prozent reduziert werden. Bis Ende 2022 sollen zudem 100 Prozent der Eigenmarken-Verpackungen unseres Standardsortiments recyclingfähig sein. Unser Ziel, 50 Prozent unseres Obst- und Gemüsesortiments unverpackt oder nachhaltiger verpackt anzubieten, haben wir mit Ende 2020 bereits erreicht. Als nächstes streben wir an, bis 2025 100 Prozent unseres Obst- und Gemüsesortiments nachhaltiger verpackt oder unverpackt zu verkaufen. Mit dieser Selbstverpflichtung fördert HOFER den wichtigen Ausbau der Kreislaufwirtschaft in Österreich und unterstützt die Pläne, die die EU-Kommission mit der Kunststoffstrategie vorgelegt hat.

Das Thema Verpackungen ist sehr vielfältig und es müssen verschiedene Interessen und Zielkonflikte berücksichtigt werden. Ein wichtiger Aspekt ist das Thema Lebensmittelverschwendung und Produktschutz: Es muss sichergestellt werden, dass durch das Weglassen von Verpackungen oder durch die Umstellung auf alternative Verpackungsmaterialien Lebensmittel nicht beschädigt werden oder weniger lange haltbar sind. Optimierungsmaßnahmen werden daher nur dauerhaft umgesetzt, wenn die geänderte Verpackung nicht zu einem höheren Verderb der Ware führt.

Je nach Produkt und dessen jeweiligen (Schutz-)Ansprüchen werden verschiedene Materialien wie beispielsweise Karton, Kunststoff oder Verbundmaterialien eingesetzt. Gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und Partnerinnen und Partnern wollen wir Verpackungen schrittweise optimieren und nachhaltiger gestalten. Gleichzeitig müssen aber die Kernfunktionen von Verpackungen, die u. a. den Produktschutz und die Haltbarkeit gewährleisten, erhalten bleiben. In diesem Spannungsfeld bewegt sich auch unsere ‚HOFER Verpackungsmission’.“

HOFER KG
21.2.2022

Wir meinen

Portionspackungen sind oft mit reichlich Verpackungsmaterial ausgestattet. Um den Plan zu mehr Nachhaltigkeit umzusetzen, kommt es hier auf die richtige Entsorgung und das tatsächliche Recycling der Materialien an.

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