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Detox Wort aus Holzwürfeln gebildet weißer Hintergrund
Entschlacken, reinigen, entgiften: Diese Schlagwörter kennt man aus dem Detox-Trend. Bild: Kunst Bilder / Shutterstock.com

Detox-Blutwäsche

Kann die „Inuspherese“ Erkrankungen vorbeugen? Bringt sie Vorteile für die Gesundheit, auch wenn keine Krankheit vorliegt?

Wissenschaftliche Belege fehlen. Unter dem Namen „Inuspherese“ („Umweltapherese“) wird eine Art der Blutwäsche beworben, die das Blut von schädlichen Stoffen reinigen soll. Auch gesunde Menschen sollen davon profitieren. Doch weder für die Inuspherese noch für andere Blutwäschen ist das wissenschaftlich belegt. Sicher ist, dass diese Verfahren mit Risiken verbunden sind.

„Entgiften“ oder „Detox“ im Trend

Das zeigt schon ein Blick ins Internet. Seit einiger Zeit wird dazu auch die direkte Reinigung des Blutes beworben. Bewerkstelligen soll dies ein Verfahren, das unter den Markennamen „Inuspherese“ oder „Umweltapherese“ angeboten wird. Damit sollen schädliche Stoffe aus der Umwelt, Schwermetalle und kleinste Partikel aus dem Blut gefiltert werden. Auch Menschen mit Long Covid, chronischer Erschöpfung oder Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis sollen davon profitieren.

Im Internet heißt es, die Blutreinigung würde „jung und gesund halten“ und den Körper „von gefährlichem Ballast entschlacken“. Die Versprechen richten sich also auch an vollkommen gesunde Menschen. Angeboten wird die Inuspherese in Zentren in Österreich, Deutschland und der Schweiz, eine Behandlung kostet rund 3.000 Euro.

Kein Beleg für Wirksamkeit der Inuspherese

Die Wissenschafter:innen von medizin-transparent.at haben nach Belegen für die Wirksamkeit der Inuspherese gesucht. Ohne Erfolg. In zwei Studien, in denen das Verfahren zum Einsatz kam, wurde die Wirkung auf die Gesundheit nicht untersucht. Eine Anfrage nach möglichen unveröffentlichten Studien an die Entwicklerfirma der Inuspherese-Geräte blieb unbeantwortet.

Belegt ist, dass eine Blutwäsche Risiken mit sich bringt. Da dem Kreislauf Flüssigkeit entnommen wird, kann es vorübergehend zu niedrigem Blutdruck, Brustschmerzen und Schwindel kommen. Auch ein höheres Risiko für Blutungen und Störungen des Salzhaushaltes sowie Infektionen ist möglich. In der Medizin wird die Blutreinigung nur als Behandlung bei potenziell lebensbedrohlichen Erkrankungen, etwa schweren Autoimmunerkrankungen oder Vergiftungen, eingesetzt, aber nicht zur Vorbeugung.

Bei Gesunden überhaupt sinnvoll?

Entschlacken, reinigen, entgiften: Diese Schlagwörter kennt man aus dem Detox-Trend. Unklar ist, ob sich im Blut von Gesunden überhaupt schädliche Stoffe befinden, die entfernt werden sollten. Wissenschaftlich untersucht wurde das bisher bei einer Person. Dabei fanden die Forschenden geringe Mengen an Schwermetallen und unbekannte Partikel im Blut. Ob diese in der gefundenen Menge gesundheitsschädlich sind, bleibt fraglich.

Mehr Studien gibt es zu Silber-Nanopartikel. Die können im Körper auf Dauer Schäden verursachen. Deshalb sollte man kein kolloidales Silber trinken (siehe auch Kolloidales Silber 2/2023).

Kooperation mit medizin-transparent.at

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Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt.

"Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Medizin Transparent ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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