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Booking.com-Logo auf dem Smartphone
Bild: Aleksei/Stock.adobe

Booking.com: Hotel überbucht - 60 Euro als Angebot

Booking.com überbucht ein Hotel. Der Kunde muss sich ein anderes Quartier suchen und das wird deutlich teurer. Wir können helfen.

20.12.2025 bis 3.1.2026: Ein paar Tage Urlaub über Weihnachten und Silvester - fort von Punschgeruch und Lametta, weg von winterlichem Grau und staubigem Rollsplit. Hinein in die Sonne und die warmen Wellen von Kap Verde. Herr Reumann bucht rechtzeitig über Booking.com ein Hotel auf der Inselgruppe vor Westafrika. Er zahlt 1055 Euro und bekommt eine Bestätigungsnummer. Passt. 

Es ist nichts mehr frei

Passt? Nein - passt nicht. Booking.com teilt dem überraschten Kunden Ende Oktober mit, dass das Hotel ihn nicht mehr unterbringen könne. Grund: Überbuchung. Es sei nichts mehr frei. Das ist kühn und knapp ist es auch. Herr Reumanns Stresspegel steigt. Die Reisevorbereitungen kippen ins Hektische. Dabei ist er mit dem Frust nicht allein.

Überbuchung hat System

Schätzungen sagen, dass etwa zehn Prozent aller Hotelbuchungen von Überbuchung betroffen sind. Rund 25 Prozent der auf Booking.com gelisteten Unterkünfte haben innerhalb eines Jahres mindestens eine Überbuchung. Es dürfte eine verbreitete Praxis in der Branche sein. 

Einnahmen erhöhen

Absichtliche Doppelbuchungen, um Leerstände zu verringern und die Einnahmen zu erhöhen sei eine Strategie des Managements. Das berichtet die Branchenwebsite prostay.com. Im Original: „Overbooking represents an intentional revenue management strategy used by approximately 90% of major hotel chains worldwide“.

Resort und Strand auf Cape-Verde
Was nützt es wenn man rechtzeitig bucht? Die großen Hotelketten und Plattformen wie Booking.com setzen Doppelbuchungen und Stornos inzwischen gezielt ein. Die Kund:innen sind die Dummen Bild: Alicja Wójcik/stock.adobe

Auf mehreren Plattformen gleichzeitig

Ein anderer Grund für Überbuchungen ist technischer Natur. Anbieter präsentieren eine Unterkunft auf mehreren Plattformen. Wenn die Synchronisation zwischen ihnen zu langsam ist, scheint das Zimmer auf der einen als frei und buchbar auf, während es über die andere schon vergeben ist. - Eine Überbuchung zu Lasten der Kund:innen: Lesen Sie auf Wikipedia die Kriminalgeschichte von Booking.com. Sie ist reichhaltig und spannend.

60 Euro als Angebot

Zurück zur Kap-Verde-Buchung. Eine Ersatzunterkunft auf der Insel kostet für diesen Zeitraum wesentlich mehr. Es ist Hochsaison und es gibt nur mehr wenige freie Quartiere. Soll der Urlauber den teureren Tarif akzeptieren? Sonst hat er zwar einen Strand, aber kein Bett. „Rest in beach“ heißt es mehrdeutig in einem Werbevideo von Booking.com.

Was tun?

Herr Reumann bucht also über Expedia ein anderes Hotel. Die Gesamtkosten der neuen Buchung belaufen sich für ihn auf über 2.200 Euro. Das sind Mehrkosten von etwa 1.100 Euro. Im Gegensatz zur ersten Buchung ist in der neuen das Frühstück (15 Euro pro Tag, knapp 200 Euro für den Aufenthalt) nicht inbegriffen.

Kunde fordert 1.276,53 Euro

Er fordert also den vollständigen Ersatz der zusätzlichen Kosten. Das sind 1.276,53 Euro. Booking.com bietet eine Entschädigung von 60 Euro. Der Kunde nimmt nicht an.

Booking.com ist gekränkt

Dann das Übliche: Mails gehen an Booking, hin und her, … Die Plattform ist nicht kooperativ. 

Irgendwann ist Herrn Reumanns Geduld erschöpft; er teilt der Buchungsplattform mit, dass er die Sache an eine Verbraucherorganisation weiterleite. Da ist Booking.com gekränkt und redet nicht mehr mit ihm. 

Schadenersatz wegen Vertragsverletzung

Mag.ª Ruth Haas - Juristin: Rechtsberatung nationale und europäische Agenden
Mag.ª Ruth Haas – Juristin: Rechtsberatung nationale und europäische Agenden
Bild: VKI

Bei uns hat Mag. Ruth Haas den Fall betreut. Haas: „Booking.com muss den vollen Schaden ersetzen. Eine Stornierung wegen Überbuchung stellt einen vertragswidrigen Leistungsabbruch dar. Es geht da um Schadenersatz wegen Vertragsverletzung. Dazu gehören sämtliche Mehrkosten für eine gleichwertige Ersatzunterkunft, also auch die rund 1.276 Euro, nicht bloß 60 Euro."

Erfolgreiche Intervention

Es handelt sich um ein grenzüberschreitendes Konsumenten-Problem. Daher intervenieren wir über das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) Niederlande. Dort ist die Zentrale von Booking. Nach dem Schreiben unserer Kolleg:innen bietet Booking.com eine Entschädigung von 1270 Euro. Herr Reumann akzeptiert.

Beratung

Sollten Sie mit ähnlichen Problemen konfrontiert sein, können sie unsere Beratung kontaktieren:
vki.at/beratung

LINKS

EU Flagge, darunter steht "Mitfinanziert durch die Europäische Union"
Bild: ECC-net

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