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Passivhäuser - Wohnen ohne Heizen

Es klingt wie eine Utopie, funktioniert aber schon in der Praxis: Häuser können so gebaut werden, dass sie keine Heizung brauchen.

Ohne Heizung warm

Im Passivhaus ist es auch ohne Heizung warm. Der Energieverlust wird weitgehend reduziert, alle noch so kleinen Wärmequellen werden genützt, sodass eine Heizlast von maximal 10 Watt pro Quadratmeter ausreicht, um auch bei einer Außentemperatur von minus 12 Grad Celsius eine behagliche Raumtemperatur (20 Grad) zu halten.

Heizleistung von 10 Teelichter oder 300 Watt

Das bedeutet: Für die „Beheizung“ eines 30 m2-Wohnraums genügt schon die Heizleistung von 10 Teelichtern; oder (etwas mehr als) drei 100-Watt-Glühbirnen. Die „passive“ Nutzung der vorhandenen Wärme reicht also aus, daher kann man im Passivhaus getrost auf Öfen oder ein anderes Heizsystem verzichten. Dadurch fallen nicht nur beim Bau wesentliche Investitionskosten weg, sondern auch die laufenden Kosten für Energieträger – und diese Kosten verschlingen in jedem Haushalt einen wesentlichen Teil des jährlichen Budgets.

Bis zu 90 Prozent weniger Energie

Das hat nicht nur positive Auswirkungen auf die eigene Brieftasche, es ist auch ein wichtiger Beitrag zur Reduktion der Treibhausgas-Emissionen. Der durchschnittliche CO2-Ausstoß eines modernen Einfamilienhauses beträgt jährlich 4000 Kilogramm. Ein Passivhaus verbraucht im Idealfall um 90 Prozent weniger Energie und damit auch entsprechend weniger CO2. Und private Haushalte zeichnen immerhin für 39 Prozent des gesamten Energieverbrauchs verantwortlich.

Förderungen

Folgenden Stellen geben Auskunft über Subventionen und geförderte Darlehen.

Amt der burgenländischen Landesregierung www.bgld.gv.at

Abteilung 6 – Hauptreferat Wohnbau- und Sportförderung, Europaplatz 1, 7001 Eisenstadt
Tel. 0 26 82/600-2433, Fax 0 26 82/600-2060,

Amt der Kärntner Landesregierung www.ktn.gv.at

Abteilung 8W, Mießtaler Straße 1, 9021 Klagenfurt, Tel. 0 46 3/536-30861 bis 30863 und 30867, 

Amt der niederösterreichischen Landesregierung www.noel.gv.at/service

Abt. F2-A, Landhausplatz 1, Haus 7A, 3109 St. Pölten, Tel. 0 27 42/9005-14036 oder 15605
Fax 0 27 42/9005-15800, post.f2auskunft@noel.gv.at

Amt der oberösterreichischen Landesregierung

Abteilung Wohnungs- und Siedlungswesen, Harrachstraße 16, 4010 Linz, Tel. 0 73 2/77 20-4151, Fax 0 73 2/7720-4395, E-Mail: wo.post@ooe.gv.at

Amt der Salzburger Landesregierung www.land-sbg.gv.at/wohnbaufoerderung/

Abteilung 10 – Wohnbauförderung, Fanny-von-Lehnert-Straße 1, 5020 Salzburg, Tel. 0 66 2/80 42-0

Amt der steiermärkischen Landesregierung

Rechtsabteilung 7 u. 14, Dietrichsteinplatz 15, 8010 Graz, Tel. 0 31 6/877-3713 od. 3955

Amt der Tiroler Landesregierung www.tirol.gv.at/wohnbaufoerderung

Abteilung Wohnbauförderung, Neues Landhaus; 6010 Innsbruck, Tel. 0 51 2/508-0, E-Mail: wohnbaufoerderung@tirol.gv.at

Amt der Vorarlberger Landesregierung

Abteilung Wohnbauförderung, Römer Straße 15, 6900 Bregenz, Tel. 0 55 74/511-23420

Vorausplanen. Zunächst sollten die geografischen und klimatischen Möglichkeiten des Grundstücks (Sonneneinstrahlung, Südausrichtung) auf Passivhaus-Tauglichkeit überprüft werden.

Ziel Passivhaus. Orientieren Sie sich am Ideal. Wenn nötig, müssen Sie Abstriche machen, aber ein Niedrigenergiehaus lässt sich fast immer realisieren.

Qualität. Für die Konkretisierung sollten Sie professionelles Know-how nutzen. Die IG Passivhaus kann Sie dabei beraten (www.igpassivhaus.at).

Erstberatung bietet die VKI-Beratungshotline Bauen, Wohnen, Finanzieren: 
Tel: 0900 940 024 (€ 0,91 bis € 1,09 je Minute).

Körperwärme zum Heizen

Erreicht wird das Ziel des heizungsfreien Wohnens durch mehrere Faktoren: Das Haus muss so konstruiert sein, dass keine Wärmebrücken entstehen können, es muss optimal isoliert sein und soll eine möglichst kleine Oberfläche haben (ideal ist ein einfacher Quader ohne Erker). Und es muss alle Wärmequellen ausnützen. Für die bestmögliche Nutzung der Sonnenenergie soll es nach Süden orientiert sein und ein Pultdach haben. Als Wärmequellen im Haus genügen die menschliche Körperwärme sowie die Wärme von Lichtquellen und Elektrogeräten: 80 Watt beträgt etwa die Wärmeabstrahlung eines Erwachsenen. Keine Raumwärme wird ungenutzt abgegeben.

Lüftungssystem sorgt für frische Luft

Passivhäuser werden über ein Komfortlüftungssystem ständig mit frischer Luft versorgt, wobei die Zuluft mittels Luft-Luft-Wärmetauscher durch die Abluft erwärmt wird. Zuvor wird die Zuluft noch durch Erd-Wärmetauscher vorgewärmt. Ein positiver Nebeneffekt ist eine ständige, gefilterte Frischluftzufuhr ohne Lüften.

Start in den 90er Jahren

Die ersten Passivhäuser wurden in den 90er-Jahren gebaut – es ist also eine noch sehr junge Technologie. Um diese Bauweise weiterzuentwickeln, wurde das CEPHEUS-Projekt (Cost Efficient Passive Houses as EUropean Standards) mit finanzieller Unterstützung der EU ins Leben gerufen. Dessen Ziel war es, das Funktionieren des Passivhaus-Konzepts anhand von 14 Gebäuden mit 221 Wohnungen in fünf Ländern zu überprüfen. In Österreich gibt es mittlerweile schon mehrere hundert Passivhäuser, sowohl Einfamilienhäuser als auch mehrgeschoßige Wohnbauten. Davon sind 6 Ein- und Mehrfamilienhäuser im Rahmen des CEPHEUS-Projekts wissenschaftlich bewertet worden (siehe dazu: Tabellen - "Passivhäuser").

Nur eines von 6 ist echt

Streng genommen ist nur eines der 6 Häuser ein Passivhaus, da die anderen über Notheizsysteme verfügen und damit einem Niedrigenergiehaus entsprechen (zur Definition der beiden Begriffe siehe: "Was ist der Unterschied?"). Bei den von CEPHEUS betreuten und überprüften Projekten lagen die Baukosten mit rund 1400 Euro/m2 durchaus im Rahmen konventionell gebauter Häuser. Im Schnitt erforderte die Weiterentwicklung eines Hauses von der gesetzlichen Mindestausführung zur Passivhausqualität zusätzliche Kosten von 14 Prozent.

Höhere Baukosten, Einsparung bei der Nutzung 

Dies ist auf die umfassende und sorgfältige Planung, die höhere Bauqualität, die penible Bauausführung und die akribischen Kontrollschritte zurückzuführen. Den Mehrkosten für die Investition müssen allerdings die Ersparnisse während der Nutzung gegenübergestellt werden: der geringere Energieverbrauch und der potenziell niedrigere Reparatur- und Sanierungsaufwand – dank der hohen Qualitätsanforderungen sind Bauschäden oder Schimmelbildung fast auszuschließen.

Bauordnung als Hemmschuh

Obwohl es Förderungen für den Neubau von Passivhäusern gibt, stehen der Verwirklichung in manchen Gebieten die Bestimmungen der Bauordnung entgegen. So kann ein Notkamin vorgeschrieben sein, der als Kältebrücke die wärmebrückenfreie Konstruktion zerstört. Häufig können auch „ästhetische Gründe“ dagegen sprechen, also der bisherigen Baukultur verpflichtete Ortsbildvorstellungen: etwa wegen der ungewohnten Form von Passivhäusern oder der erforderlichen konsequenten Südausrichtung.

Wer trägt die Haftung

Wie fast überall ist die Frage der Haftung der große Streitpunkt, wenn das Passivhaus nicht so funktioniert wie es sollte. Denn Planer oder ausführende Firmen könnten versuchen, den Bewohnern die Schuld dafür zu geben; beispielsweise wegen nicht Passivhaus-gerechtem Nutzungsverhalten (also etwa zu langem Offenhalten der Fenster). Die Hausbesitzer wiederum müssten ihr Nutzungsverhalten dokumentieren, um die Fehler bei Planung oder Ausführung nachzuweisen.

Verzeichnis von erfahrenen Firmen

Vor diesem oft aussichtslosen Rechtsstreit kann vor Planung und Bau die Kontaktaufnahme mit der Interessengemeinschaft Passivhaus schützen. Dort gibt es ein Verzeichnis von Mitgliedsfirmen mit Befähigungsnachweis, das nötige Planungs-Know-how und ein Qualitätssicherungsmanagement, das eine laufende Überprüfung aller Planungs- und Ausführungsstufen sicherstellt.

Entscheidung auf Lebenszeit

Der Bau oder der Umbau eines Hauses ist eine Entscheidung auf Lebenszeit. Daher sollte man auch ausreichend Zeit (und Geld) in die Planung investieren, um Baumängel zu vermeiden, die mit dem Wohngefühl auch die Lebensqualität massiv beeinträchtigen können.

Passivhaus als Vorbild

Es ist zu empfehlen, sich bei der Planung am Ideal (dem Passivhaus) zu orientieren, aber nicht starr daran festzuhalten. Wenn sich diese Art von Haus nicht verwirklichen lässt – weil die Lage nicht optimal ist, die finanziellen Mittel beschränkt sind oder baubehördliche Auflagen dem entgegenstehen –, kann man meist immer noch den Standard eines Niedrigenergiehauses erreichen. Wobei es einen wichtigen Punkt bei den Kalkulationen gibt: Bis knapp vor dem Erreichen des Passivhaus-Niveaus steigen die Baukosten unverhältnismäßig an, sinken aber mit dem Bau eines echten Passivhauses durch den Wegfall der Kosten des Heizungseinbaus wieder ab.

Keine Heizung ...

Das Passivhaus kommt ohne Heizsystem aus. Der Heizenergieverbrauch muss unter 15 kWh pro Quadratmeter (um eine Raumtemperatur von 20 Grad Celsius zu halten) liegen. Die Heizleistung, um bei –12 bis –14 Grad Außentemperatur die Raumtemperatur auf 20 Grad zu halten, beträgt nicht mehr als 10 W pro Quadratmeter.

... oder 200kWh beim unsanierten Altbau

Beim Niedrigenergiehaus ist zumindest ein Notheizsystem erforderlich. Der Heizenergieverbrauch darf zwischen 15 und 40 kWh pro Quadratmeter Wohnnutzfläche liegen. Beim geförderten Wohnbau gilt dies mittlerweile bereits als Standard. Bei unsanierten Altbauten kann der Verbrauch bei 200 kWh und mehr liegen.

Mietwohnhaus mit 6 Wohnungen in Gnigl (Salzburg). Die Südseite ist komplett verglast.

Auf den anderen Seiten wird der Bau von einer hinterlüfteten Holzkonstruktion umschlossen – mit geringstmöglichen Fenster- und Türöffnungen.

 

Hörbranz: Die Reihenhausanlage in Massivbauweise bleibt als einziges Haus im CEPHEUS-Projekt unter der 15 kWh-Schwelle.

 

Einfamilienhaus in Horn: Für die großflächigen Verglasungen dienen Balkon sowie Holzlamelle (im Obergeschoß) als Sonnenschutz.

Empfehlenswerte Bücher

  • Günter Lang, Mathias Lang: „Das Passivhaus, Planungs-, Bau- und Kalkulationsgrundlagen“, Herausgeber: Lang consulting, Linzerstr. 280 / 6, 1140 Wien, wissenschaftliche Abhandlung im Rahmen einer Diplomarbeit
  • Krapmeier, Drössler: „Cepheus, Wohnkomfort ohne Heizung“, Verlag: Springer – Wien, NewYork, detaillierte Berichte und offizielles Schlussdokument des Projektes CEPHEUS Austria 1998 - 2001 (zu bestellen über: Fa. Performance, Steinebach 3, A - 6850 Dornbirn)

Websites

UNABHÄNGIGE BERATUNGSSTELLEN

Die Beratung versucht Sinn (und Unsinn) eines Passivhauses und dessen Machbarkeit zu klären.

Verein für Konsumenteninformation:  www.konsument.at

Mariahilfer-Straße 81, A - 1060 Wien
Persönlicher Beratungstermin: Tel.  01 / 588 77 – 0,
Hotline Bauen & Wohnen: Tel. 0 900 940 024 (kostenpflichtig) 

Die Umweltberatung: www.umweltberatung.at 

Wien: Speisinger Straße 19, A - 1130 Wien, Tel. 803 32 32,
NÖ: Schießstattring 25, A - 3100 St. Pölten,  Tel. 02742 718 29

Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie: www.aee.at

NÖ: Bahngasse 46, A - 2700 Wiener Neustadt, Tel.:02622/21389 Fax: -5
Wien: Erdbergstraße 30/2, A - 1030 Wien, Tel. 01/710 75 23
Stmk: AEE INTEC, Feldgasse 19, A - 8200 Gleisdorf, Tel: 03112/5886,  office@aee.at   
Kärnten, Salzburg: Unterer Heidenweg 7, A - 9500 Villach, Tel: 04242/23224

ENERGIEAGENTUREN DER LÄNDER

Amt der Salzburger Landesregierung www.land-sbg.gv.at/wirtschaft/energie.htm

Abteilung 15, Tel. 0662 8042 DW 3788
Fanny-von-Lehnert-Straße 1, A - 5020 Salzburg

Energie Tirol www.tirol.com/energie-tirol/

Adamgasse 4, A - 6020 Innsbruck, Tel.: 0512 / 589913-0

Energieinstitut Vorarlberg www.energieinstitut.at

Stadtstraße 33/CCD, A - 6850 Dornbirn, Tel.:05572 / 31202 DW 65, krapmeier.energieinstitut@ccd.vol.at

Oberösterreich Energiesparverband www.esv.or.at/esv/

Landstraße 45, A - 4020 Linz, Tel.: 0800 205 206, 0732 6584 DW 4381,

Landesenergieverein Steiermark

Burggasse 9/II, A - 8020 Graz, Tel.: 0316 / 8773 389

Amt der niederösterreichischen Landesregierung www.noel.gv.at/service

Landhausplatz 1 / 13, A - 3109 St. Pölten, Tel. 0 27 42/9005-15656 ,

Klagenfurter Energieagentur

Messeplatz 1, A - 9020 Klagenfurt, T.: 0463 / 511 603, Fax: 511 603-8, e-mail: klagenfurter@energieagentur.at

 Professionelles Know-how

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