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Wohnmobil parkt am See
Wohnmobile: Chancen und Risiken eines populären Trends. Bild: Andrey-Armyagov / Shutterstock.com

Wohnmobile: Ein Heim auf Rädern

Freiheit und Unabhängigkeit lautet das große Versprechen. Wie sieht es damit in der Realität aus? Über Chancen und Risiken eines populären Trends.

Am Anfang war der VW-Bus mit der geteilten Frontscheibe. Mit dem Bulli – das Wort ist eine Verschmelzung aus Bus und Lieferwagen – ging es in den 1960er-Jahren nach Indien oder zumindest nach Griechenland. Oft war dieses Fahrzeug, das auch als Schlafstätte diente, bunt angemalt, mitsamt einem Peace-Zeichen am Blech. Der Bulli war Mittel und Symbol einer Genera­tion im Aufbruch.

Pensionisten statt Hippies

Heute, ein halbes Jahrhundert später: Die Wohnung auf vier Rädern ist mitten in der Gesellschaft angekommen. Zum Bulli, der in manchen Kreisen Kultstatus genießt, sind mittlerweile Wohnmobile (auch: Reisemobile) der luxuriöseren Art dazugekommen. Hinter deren Steuer sieht man nur selten einen Hippie, viel öfter ältere ­Herrschaften. Pensionisten, die Zeit und Geld haben.

Endlich können sie sich im ­Ruhestand einen lang gehegten Wunsch ­erfüllen: einfach wegfahren, ohne großen Plan, fremde Länder und Menschen erkunden. Zum Lebensglück, hat der amerikanische Autor Edgar Allan Poe einmal in seinem Tagebuch notiert, gehörten vor allem vier Dinge: Liebe, Kreativität, kein Ehrgeiz und – an vorderster Stelle – Reisen.

Flexibilität und Spontaneität

Man fährt los und bleibt stehen, wo einen die Laune hinführt. Am nächsten Morgen geht es dann weiter. Jeder Tag ein Abenteuer. Seine Heimstatt führt man immer mit sich, was höchste Flexibilität und Spontaneität möglich macht. Freiheit auf vier Rädern – so lautet das Versprechen, dem immer mehr Menschen erliegen. Die Lust an der Unabhängigkeit des Seins. Die Statistik ­Austria verzeichnet für die Wohnmobilbranche von Jahr zu Jahr Zuwachsraten von über 70 Prozent. Selbst Corona konnte diesen Trend nicht stoppen; im Gegenteil, die ­Pandemie hat ihn sogar noch angeschoben.

Modellvielfalt

Nun ist Wohnmobil nicht gleich Wohn­mobil. Der Reigen fängt beim Campingbus an, die nächstgrößeren Fahrzeuge sind der Kastenwagen, das Alkovenmobil, das teil­integrierte und schließlich das vollinte­grierte Mobil. Im vollintegrierten Mobil steigt der Fahrer durch die Tür an der Seite, die einzige überhaupt, ein und passiert den Wohnraum (falls dieser Begriff für das ­Fahrzeuginnere zutrifft), um zum Fahrersitz zu gelangen – die Luxusvariante in dieser Fahrzeugklasse.

Das minimalistische Gegenteil dazu ist der kompakte Campingbus, der gleichwohl über 2 Tonnen Eigengewicht ­haben kann. In ihm lässt sich kochen und schlafen, er weist allerdings keine ­separate Nasszelle mit Toilette und Dusche auf, die in den anderen Reisemobilmodellen zum selbstverständlichen Inventar ­gehört.

Nach oben keine Grenze

Wir wollen hier nicht allzu sehr auf die einzelnen Unterschiede eingehen, nur so viel: Alle ­diese rollenden Mobile sind auf Nutzfahrzeugen aufgebaut, von denen der Fiat ­Ducato das am meisten nachgefragte ­Modell ist. Ihn gibt es in zwei unterschied­lichen Leistungsklassen, mit 120 und mit 180 PS. Je mehr Platz im Fahrzeuginneren, desto mehr Ausstattung ist möglich, bis hin zur Küchenzeile mit Geschirrspüler. Nach oben hin gibt es keine Grenze. Unter den rollenden Wohnungen finden sich auch wahre Schlösser, samt integrierter Garage für den mitgeführten Kleinwagen. Für ein solches Gefährt darf man etwa eine halbe Million Euro hinblättern.

Individuell

Bleiben wir am Boden. Es fällt auf, dass der Preisunterschied zwischen dem „kleinen“ Campingbus und seinen größeren Geschwistern gar nicht so gewaltig ist. Oder anders ausgedrückt: Billig ist der Spaß in keinem Fall. Preislich geht es bei einem Neukauf ab etwa 50.000 Euro los. Auch der Gebrauchtwagenmarkt imponiert mit stolzen Preisen, was damit zu erklären ist, dass die Nachfrage groß ist. Am günstigsten kommt, wer, mit Schraubenzieher und Säge nicht ungeschickt, seinen gebraucht erworbenen Kastenwagen selbst zum Campingmobil umbaut. Hilfe findet er in YouTube-­Tutorials.

Alltag entscheidend

Welche der unterschiedlichen Wohnmobiltypen ist nun zu empfehlen? Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Wenn Sie auf ­eine Sitzecke Wert legen, wo Sie am Abend im Fond Ihres Gefährts mit der ganzen ­Familie zusammenkommen können, dann sollten Sie sich für eine größere Ausführung entscheiden. Sagen Sie sich dagegen: Ich brauche keinen Schnickschnack, im Urlaub spielt sich das Leben ohnehin draußen ab, so kommt ein kompaktes Fahrzeug für Sie eher infrage.

Nicht zuletzt dann, wenn Sie es im Alltag als eine Art Zweitwagen nutzen wollen. Damit werden Sie ohne ­größere Probleme auf einem normalen Pkw-Parkplatz Unterschlupf finden.

Die Führerscheinfrage

Eine Grenze ist jedenfalls zu beachten, nämliche jene von 3,5 Tonnen. Bis zu diesem Gesamtgewicht kann ein Fahrzeug mit dem Führerschein der Klasse B gefahren werden. Für Wohnmobile, deren höchstzulässiges Gesamtgewicht über 3,5 Tonnen liegt, aber nicht mehr als 7,5 Tonnen beträgt (und die nicht unter die Klassen D1 oder D = Busse fallen), benötigt man zumindest die Führerscheinklasse C1. Werden auch die 7,5 Tonnen überschritten, dann ist es Klasse C. Achtung! Diese Lenkerberechtigung wird jeweils ​nur für fünf Jahre und ab dem vollendeten 60. Lebensjahr nur mehr für zwei Jahre erteilt. Für jede Verlängerung ist ein ärztliches Gutachten​ erforderlich. Und damit nicht genug: Für die Schwergewichte bestehen hierzulande Geschwindigkeitsbegrenzungen von 70 km/h auf Freilandstraßen und 80 km/h auf Autobahnen.

Mieten und ausprobieren

Ein Wohnmobil, insbesondere eines mit größeren Abmessungen, ist eine Art Tanker, den Sie auf Reisen auch durch engere Gäss­chen werden navigieren müssen. ­Können Sie das auch? Und: Sagt Ihnen diese Art des Reisens überhaupt zu? Entspricht sie Ihren Vorstellungen? Entscheidende Fragen, die sich nicht bei einer kurzen ­Testfahrt klären lassen. Erst die Probe aufs Exempel schafft Klarheit, die Tour unter ­realen Bedin­gungen, sprich: die mehrtägige Urlaubsfahrt. Es empfiehlt sich, ein ­Reisemobil ­zunächst einmal zu mieten und nicht gleich zu kaufen.

Die Miete kommt nicht unbedingt güns­tiger als eine Übernachtung im Hotel. ­Abhängig ist sie von mehreren Faktoren; davon etwa, ob Sie sich für ein großes oder ein kleineres Gefährt entscheiden, für Voll- oder Teilkaskoversicherung, für Haupt- oder Nebensaison; sie kann also sehr ­differieren. Mit rund 150 Euro pro Tag ­müssen Sie allerdings ­rechnen. Nicht selten werden dann noch ­Extrakosten für ­Geschirr, Klappstühle und Fahrradträger verrechnet.

Privat mieten

Billiger wird es, wenn Sie Ihr Reisemobil von einer Privatperson mieten. Zu finden sind entsprechende Angebote auf einschlägigen Internetplattformen:

  • paulcamper.at
  • shareacamper.com
  • yescapa.at
  • campanda.at

In dem Fall können Sie an ein liebevoll ausgebautes Unikat geraten, das Charme hat, aber auch schon etliche Kilometer auf dem Buckel, womit sich das Pannenrisiko naturgemäß erhöht. Kommerzielle Anbieter dagegen haben ­üblicherweise nur neue Fahrzeuge in ihrer Flotte.

Wo parken?

Im Reisemobil sitzen Sie hoch über der Straße und haben rundherum freien Blick. Nun können Sie, sofern Sie es nicht schon wissen, auch ausprobieren, wie es ist, auf einem Campingplatz zu übernachten. Oder auf ­einem Stellplatz, damit warten insbesondere größere Städte auf.

Neuerdings locken auch Bauern und Winzer Wohnmobilfahrer, auf ihrem Grund zu übernachten (schauaufsland.at, fefi.eu). Und das freie Parken, ­irgendwo, wo es einem gefällt? In Skandi­navien kein Problem, in Kroatien sehr wohl. Jedes Land hat diesbezüglich seine eigenen Bestimmungen. Hierzulande ist das Übernachten im Fahrzeug auf einem Parkplatz für eine Nacht erlaubt, solange es nicht durch anderslautende Schilder untersagt wird.

Haben Sie nach dem Probelauf Feuer gefangen? Sind Sie binnen Kurzem zum über­zeugten Camper geworden? Dann steht – die notwendigen finanziellen Mittel voraus­gesetzt – einem Kauf und somit einer Dauerlösung nichts mehr im Weg. Mit dem eigenen Mobil sind Sie flexibel. Spontan kann es übers Wochenende ins Grüne gehen.

Widersprüchlich

Bleibt nur dieser Widerspruch: Wohnmobi­listen suchen die Nähe zur Natur, doch ihr ­Gefährt ist, wie jedes Auto, im Grunde ein wahrer Naturzerstörer. Es macht Lärm, es verpestet die Luft, es verbraucht fossile Energie. Darüber hinaus lassen auf den ­Straßen der Welt jedes Jahr über eine Million Menschen ihr Leben, von den vielen Verletzten ganz zu schweigen.

Gewaltige Verwüstungen, die uns schon gar nicht mehr auffallen, da das Auto selbstverständlicher Teil unseres Alltags ist. Sie haben aber auch schon so manchen nachdenklichen Menschen dazu bewogen, von seinem Vorhaben, sich ein Reisemobil zuzulegen, wieder abzulassen. Mit dem Rad oder dem Zug ist man in jedem Fall umweltfreundlicher unterwegs.

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