Videochat Videochat: Webkonferenz-Programme im Vergleich Bild: Fleur-de-papier/Shutterstock

Video-Chat-Programme - Webkonferenz-Tools im Vergleich

Die Corona-Maßnahmen haben dem Videochat im privaten wie im beruflichen Alltag zu einem nie dagewesenen Boom verholfen. Im Mittelpunkt stehen besonders jene, die mehr als zwei Personen gleichzeitig miteinander verbinden.

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Diese Webinarprogramme haben wir verglichen:

  • Bitrix24
  • Cisco - Webex
  • Discord
  • Google - Hangouts
  • Jitsi
  • LogMeIn - GoToMeeting
  • Microsoft - Teams
  • Microsoft - Skype
  • Slack
  • Snapview - Mikogo
  • TeamViewer - Blizz
  • Zoom

Im Produktfinder informieren wir über: Ausstattung & Funktionen (Stummschalten, Whiteboard, Reporting, Cloudservices, Kalender, Multifaktor etc.), unterstützte Betriebssysteme, Handhabung (Installation, Hilfefunktion, täglicher Gebrauch, Support), Übertragungsqualität (Hintergrundgeräusche, Audio- und Videoualität), Schutz der Privatsphäre (Datensicherheit, Datensparsamkeit und Datenminimierung, Datenschutzbestimmungen), Abo-Preis, uva.


Wir haben uns im Rahmen eines internationalen Gemeinschaftstests 13 Videokonferenz-Programme näher angesehen und unser Augenmerk auf die Handhabung und den Datenschutz gelegt.

Test: Videochat-Software

Viele Funktionen der getesteten Programme finden sich auch bei mobilen Messenger-Apps wie WhatsApp oder dem Facebook-Messenger. Wir haben uns im Test aber auf Software konzentriert, die in erster Linie für Videochats auf Computern gedacht ist. FaceTime von Apple haben wir nicht in den Test mit einbezogen, weil dieser Dienst nicht systemübergreifend verfügbar ist.


Lesen Sie alle unsere Artikel zur Corona-Krise in unserem Corona-Extra. Mehr zum Thema Datenschutz finden Sie in unserem Datenschutz EXTRA.

In unserer Rubrik Alle "Computertipps": kleine Hilfen, großer Nutzen finden Sie nützliche Hilfen für Ihren Computer-Alltag.

Baustelle Datenschutz

Microsoft in Führung

Auf Platz zwei landete mit Skype einer der Pioniere der (kostenlosen) Videotelefonie für die breite Masse der Computernutzer. 2003 gegründet, ist Skype seit 2011 im Eigentum von Microsoft. Offenbar hat man es dort verstanden, die jahrelange Erfahrung zu nutzen. Testsieger Microsoft Teams ist nämlich 2017 als Nachfolger von Skype for Business auf den Markt gekommen. Teams war im Testzeitraum grundsätzlich kostenpflichtig, inzwischen gibt es eine abgespeckte Gratis-Version.

Zurückhaltung bei der Datenübermittlung

Eine ebenfalls gute und kostenlose Alternative ist Jitsi, im Test an dritter Stelle gereiht. Als einziges Programm kann man es ohne Registrierung im vollen Umfang nutzen. Das gibt Pluspunkte beim Testkriterium "Datensparsamkeit der mobilen Apps", denn wer über seine Nutzer wenig weiß, kann keine Details an Dritte weitergeben. Aber auch dem Rest der Testkandidaten muss man zugute halten, dass sie diesbezüglich recht zurückhaltend sind.

Baustelle Datenschutz

Insgesamt ist der Bereich Datenschutz freilich eine Baustelle mit zahlreichen Defiziten. Dabei geht es einerseits um die Sicherheit gegenüber Angriffen von außen und andererseits um die rechtliche Korrektheit der Datenschutzerklärungen. Sie sollten keine Klauseln enthalten, welche für die Nutzer nachteilig wären. Am Ende mussten gleich 11 der 12 Testkandidaten aufgrund von Datenschutzmängeln abgewertet werden.

Keine Spur von der DSGVO

Blizz und Mikogo sind bis zu einem gewissen Grad Ausnahmen, die übrigen Anbieter patzen bei ihren Datenschutzerklärungen. Jene von Bitrix ist nur auf Englisch verfügbar, jene von Jitsi ebenso und obendrein online schwer zu finden. An den restlichen Texten ist die Existenz der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) praktisch spurlos vorübergegangen. Die Erklärungen von Google und Microsoft setzen mit ihrer kaum bewältigbaren Überlänge noch eins drauf.

Suchrätsel

Das Stichwort Länge führt uns zurück zu Blizz und Mikogo. Musterbeispiele sind ihre Datenschutzerklärungen ebenfalls nicht. Blizz bietet gleich sieben davon und überlässt es den Nutzern, die richtige zu finden. Die ist dann mit „Produkt“ betitelt. Bei Verwendung der mobilen App kommt die „Apps“-Erklärung noch dazu, was die Gesamtlänge der Dokumente fast auf Google-Niveau bringt. Und auch Mikogo spart nicht an Worten und bläst seine Erklärung auf eine ähnliche Länge auf.

Installation, Störgeräusche

Unverschlüsselt

Apropos Mikogo: Der letzte Platz kommt jedenfalls nicht von ungefähr. So werden bei Mikogo der Name und das Passwort von Chaträumen nicht immer verschlüsselt. Ein Angreifer könnte die Chatinhalte ausspionieren. Fahrlässig ist weiters, dass Mikogo Passwörter erlaubt, die lediglich aus einem einzigen Zeichen bestehen. Aber auch Bitrix, Discord und Slack wurden aufgrund zu kurzer Passwörter schlechter bewertet. Sechs Zeichen bieten noch lange keine ausreichende Sicherheit.

Lücken bei Zoom geschlossen

Die positive Nachricht: Der Dienst Zoom, der zu Beginn der Corona-Krise außerhalb der Geschäftswelt noch weitgehend unbekannt war und dann von seinem eigenen Erfolg überrumpelt wurde, hat die anfänglichen Sicherheitslücken geschlossen. Man muss nicht mehr besorgt sein, dass Fremde so mir nichts dir nichts in den eigenen Chatraum eindringen.

Einfache Installation

Gehen wir zur Praxis über. Der erste Schritt ist die Installation, und die gelingt in der Regel gut bis sehr gut. Die Webseiten der Anbieter sind mittels Suchmaschine leicht zu finden, ebenso ist es nicht schwierig, ein Benutzerkonto anzulegen. Die dazu passenden Apps für Smartphone oder Tablet gibt es bei Bedarf in den App-Stores von Google bzw. Apple.

Genügsam

Wie der Test zeigt, ist keine spezielle Internetverbindung notwendig, um eine hohe Bild- und Tonqualität zu erzielen. Dafür genügt schon eine geringe Datenrate von rund 2 Mbit/s. Eine Garantie, dass diese jederzeit und an allen Ecken und Enden unseres Landes zur Verfügung steht, gibt es freilich nicht. Ist die Verbindung tatsächlich zu langsam, dann erkennt man das zuerst an Bildstörungen, während der Ton oft noch weiterläuft. Bei andauernden Problemen kann es helfen, die Kamera abzuschalten und nur via Mikrofon und Lautsprecher dabei zu sein.

Störgeräusche

Ist der Internetanschluss grundsätzlich langsam und man hat die Wahl, dann sollte sie auf Jitsi fallen. Dieses Programm kommt mit schwachen Verbindungen am besten zurecht. Gänzlich abraten müssen wir in diesem Fall von Zoom. Blizz hingegen fiel mit anderen Problemen auf: Dem Programm gelang es nur in Maßen, Umgebungsgeräusche auszublenden. Das Klappern der Computertastatur oder das Rumpeln der Waschmaschine können so vom Hintergrundgeräusch zum Störfaktor mutieren.

Gruppenchat, per Festnetz erreichbar

Gruppenchat

Während ein Chat bei Blizz auf maximal fünf Personen beschränkt ist, erlauben die übrigen getesteten Programme eine Anzahl von zehn und (teils deutlich) mehr Teilnehmern. Neben dem Videochat kann man sich auch für reines Audio oder Textnachrichten entscheiden. Während eines Video- oder Audiochats kann man an einzelne Personen oder an die ganze Gruppe Nachrichten schreiben.

Bildschirm teilen

Eine beliebte Funktion der getesteten Programme ist das Teilen. Einerseits kann man den Gesprächspartnern während eines Chats Fotos oder andere Dateien zukommen lassen, andererseits kann man auch den eigenen Bildschirm teilen (Screensharing), um den anderen zu zeigen, woran man gerade arbeitet.

Zusatzfunktionen

Damit nicht genug: Bitrix, Slack und Teams bieten den Nutzern Cloud-Speicherplatz. Von Discord und Mikogo abgesehen, erlauben alle Testkandidaten die Integration externer Kalender, etwa von Outlook oder Google. Die meisten stellen außerdem auch eigene Kalender bereit, ausgenommen Discord, Mikogo und Slack. Skype kann, als Hilfe für Menschen mit Sinneseinschränkungen, gesprochene Sätze in Text umwandeln. Teams übersetzt zusätzlich Text in Sprache.

Per Festnetz erreichbar

Schließlich gibt es sogar Lösungen für den Fall, dass einer von mehreren Chatpartnern keinen Internetzugang hat, und zwar bei Blizz, Cisco, Jitsi, GotoMeeting, Mikogo, Zoom, Teams und Skype. Die Chaträume sind nämlich über eine Telefonnummer erreichbar bzw. kann man von Skype aus eine Telefonnummer anwählen. Das Ganze funktioniert dann natürlich ohne Video und es fallen für das Telefonat jeweils beim Anrufenden Gesprächsgebühren an.

Mikogo: Keine Videochats

Bei Mikogo gab es nicht nur die bereits geschilderten Sicherheitsbedenken. Das Programm ist überhaupt ein Sonderfall. Im Testzeitraum warb der Anbieter explizit mit "Videokonferenzen", tatsächlich sind Videochats aber gar nicht möglich, sondern lediglich Audiokonferenzen und das Teilen des Bildschirms.

Auf Anfrage der deutschen Stiftung Warentest hieß es seitens des Anbieters: "Mikogo ist eine Screensharing-Software und enthält keine Videofunktionalität." Telefonisch ergänzte der Geschäftsführer, dass es sich beim Werben mit der Videofunktion um ein Versehen handele: Mikogo habe in einer Beta-Version Videokonferenzen angeboten und nach dem Deaktivieren dieser Funktion vergessen, die Angabe von der Website zu entfernen. Dies geschah nun als Reaktion auf die Anfrage der Tester.

Weiterhin missverständlich

Dennoch spricht Mikogo an anderer Stelle der Website noch immer davon, dass man "im Rahmen einer Videokonferenz" beliebige Inhalte zeigen könne. Das ist missverständlich. Im schlimmsten Fall schließt ein Nutzer ein kostenpflichtiges Abo ab, nur um dann festzustellen, dass Videochats gar nicht möglich sind.

Fazit

Fazit

Skype von Microsoft ist für den Privatgebrauch sicher eine gute und vielseitige Lösung. Das kostenlose Programm landete auf Platz zwei, knapp hinter Microsoft Teams.

Mittlerweile gibt es von Teams nicht nur die getestete kostenpflichtige, sondern auch eine abgespeckte Gratis-Version. Was den Drittgereihten Jitsi besonders ansprechend macht, ist die Tatsache, dass einem die volle Funktionsvielfalt auch ohne Registrierung zur Verfügung steht.

Ein Vorteil ist, dass die meisten Programme kostenlos verwendet werden können. So ist es auch leicht möglich, verschiedene zu testen und den eigenen Favoriten zu finden. Abgesehen von der Vollversion von Teams kosten nur die geprüften Programme von Slack, GoToMeeting und Mikogo Geld.

Slack bietet zwar eine Gratis-Variante an, diese ermöglicht aber keine Gruppen-Videochats. Ein Monatsabo der kostenpflichtigen Programme lohnt sich allerdings kaum: Alle drei landeten im Test recht weit hinten. Allgemeiner Wermutstropfen: Beim Datenschutz ist reichlich Luft nach oben.

Alle Testergebnisse: Webmeetingtools, Videokonferenzen, Webinare

Klicken Sie auf den Link. Er führt Sie zur Tabelle.

Filtern, vergleichen, sortieren, ausdrucken: In unserem Produktfinder stellen wir Ihnen Testergebnisse und Ausstattungsmerkmale von 12 Diensten zur Verfügung (Stand 5/2020).

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Testkriterien

Im internationalen Gemeinschafts-Test unter Federführung der Stiftung Warentest waren 12 Videochat-Programme. Download der Prüfmuster: April 2020.

Bild und Ton (50 %)

Drei geschulte Fachleute bewerteten die Qualität von Bild und Ton bei optimaler Verbindung anhand von Gesprächen mit zwei und mit fünf Teilnehmern (drei via PC, einer via Smartphone mit WLAN, einer via Smartphone mit LTE). Sie prüften dabei unter anderem Verständlichkeit und Erkennbarkeit. Darüber hinaus wurden diese Merkmale bei schwacher Verbindung mit zunehmend gedrosselter Datenrate und kurzzeitigen Aussetzern der Datenübertragung bewertet. Ferner wurde die Unterdrückung von Nebengeräuschen beurteilt, die typischerweise während solcher Gespräche auftreten können.

Handhabung (30 %)

Drei geschulte Fachleute bewerteten bei Anleitungen und Hilfen die elektronisch und interaktiv verfügbaren Informationen. Besonderen Wert legten sie auf Übersichtlichkeit, Vollständigkeit und Verständlichkeit sowie den praktischen Nutzen. Bei der Ersteinrichtung prüften und beurteilten sie die Installation und Einrichtung der Hard- und Software sowie die Registrierung des Nutzerkontos. Beim täglichen Gebrauch wurde die Bedienung der verschiedenen Funktionen zur Kommunikation und die Menüführung bewertet.

Basisschutz persönlicher Daten (20 %)

Bei der Datensicherheit untersuchten die Tester die Methoden zur Anmeldung und zur Einbeziehung nicht registrierter Gäste sowie den Schutz vor Cyberangriffen. Die Datensparsamkeit der mobilen Apps prüften sie, indem sie den Datenstrom sichteten, die von den Apps gesendeten Daten auslasen, analysierten und, falls möglich, entschlüsselten. Ein Jurist prüfte die Datenschutzerklärungen der Anbieter auf unzulässige Klauseln, die Nutzer benachteiligen.

Abwertungen

Abwertungen bewirken, dass sich Produktmängel verstärkt auf das KONSUMENT-Testurteil auswirken. Sind die Urteile gleich oder nur geringfügig schlechter als die Note, ab der die jeweilige Abwertung gilt, ergeben sich nur geringe negative Auswirkungen. Je schlechter die Urteile desto stärker ist der jeweilige Abwertungseffekt. Bei nicht zufriedenstellender Bildqualität bei optimaler oder schwacher Verbindung – oder bei nicht zufriedenstellenden Anleitungen und Hilfen – wurde das jeweilige Gruppenurteil abgewertet. Der Basisschutz persönlicher Daten wurde abgewertet, wenn die Datensicherheit nur weniger zufriedenstellend war oder die Datenschutzerklärung sehr deutliche Mängel hatte. Das KONSUMENT-Testurteil wurde abgewertet, wenn das Gruppenurteil „Bild und Ton“ nicht zufriedenstellend oder der Basisschutz persönlicher Daten nur weniger zufriedenstellend war.

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