Die Flaschen wurden einer praktischen Prüfung und einer chemischen Prüfung auf Schadstoffe unterzogen. Es wurde für alle Produkte das gleiche praktische Prüfprotokoll angewandt, die chemische Prüfung wurde jedoch an das Produkt angepasst. Des Weiteren wurde recherchiert, ob Ersatzteile erhältlich sind. Die Möglichkeit, Dichtungen, Deckel oder Trinkhalme zu tauschen, erhöht die Lebensdauer einer Trinkflasche und trägt somit weiter zur Nachhaltigkeit einer wiederverwendbaren Flasche bei. Zusätzlich wurde überprüft, ob essenzielle Informationen direkt am Produkt oder auf der Hersteller-Website zu finden sind.
1. Deklaration: 10 %
Es wurde überprüft, ob folgende wesentliche Informationen direkt auf dem Produkt oder auf der Hersteller-Website angegeben sind: Füllvolumen, Eignung für heiße Getränke, Eignung für kohlensäurehaltige Getränke, Eignung für Saft, Eignung für die Reinigung im Geschirrspüler.
Folgende Benotungen waren möglich:
- Alle wesentlichen Informationen direkt beim Produkt dabei (Aufdruck auf dem Produkt oder auf der Verpackung), Zusatz-Information auf dem Produkt oder auf der Website des Herstellers erhältlich
- Wesentliche Information nicht auf dem Produkt, aber auf der Hersteller-Website erhältlich
- Keine Information erhältlich
Abwertungen: Bei einem Produkt wurde in der Deklaration angegeben, dass es für heiße Getränke geeignet sei. Die Flasche wurde allerdings zu heiß, um sie mit bloßen Händen angreifen zu können. Dieses Produkt wurde daher in der Deklaration auf „weniger zufriedenstellend“ abgewertet.
2. Ersatzteile: 5 %
Es wurde recherchiert (Herstellerangaben beim Produkt, Hersteller-Website, Händler-Website und Amazon Marketplace), ob es Ersatzteile für mögliche Verschleißteile gibt.
Folgende Benotungen waren möglich:
- Verschiedene Einzelteile erhältlich (z.B. Trinkhalm, Mundstück, Dichtungsringe)
- Deckel mit allen Einzelteilen als Gesamt-Paket erhältlich
- Keine Ersatzteile erhältlich
Abwertungen: keine
3. Praktische Prüfung: 40 %
Folgende Parameter wurden überprüft:
a) Herstellerangaben (0 %)
- Marke, Modell, Type
- Füllvolumen: Herstellerangabe
- Eignung für verschiedene Flüssigkeiten (kohlensäurehaltige Flüssigkeiten, Säfte)
- Information zur Spülmaschineneignung
b) Allgemeine Messungen (0 %)
- Abmessungen: größter Außendurchmesser, Höhe, Durchmesser der Einfüllöffnung
- Füllvolumen
- Gewicht: leer und gefüllt bis Max.-Markierung
c) Handhabung (20 %)
- Öffnen/Schließen
- Befüllen
- Trinken
- Kippstabilität
- Reinigen
d) Haltbarkeit / Dichtigkeit (40 %)
- Dichtigkeitsprüfung nach DIN EN 12546-1, Abschnitt 3.6.1
- Es werden 2 Prüfungen durchgeführt, in Anlehnung an DIN EN 12546-1:2000, Isolierbehälter zum Gebrauch im Haushalt, Abschnitt 3.6.1
- 1. Prüfung: mit Wasser (ohne Kohlensäure). Basierend auf den Herstellerangaben zu Eignung/Ausschluss von heißen Flüssigkeiten wird die Temperatur des Wassers gegebenenfalls gegenüber der Norm abgeändert.
- 2. Prüfung: mit kohlensäurehaltigem Wasser (sprudelndes Mineralwasser), welches Raumtemperatur hat.
- Dauerhaltbarkeit des Verschlussmechanismus: Klappbare oder verschiebbare Verschlüsse werden 1.000 Mal manuell betätigt. Danach erneute Dichtigkeitsprüfung.
- Falltest (nach DIN EN 12546-1, Abschnitt 5.8) | Abwertung: Wenn der Falltest als „weniger zufriedenstellend“ oder „nicht zufriedenstellend“ bewertet wurde, konnte der Parameter „Haltbarkeit/Dichtigkeit“ maximal eine Note besser sein.
e) Geschmacks- und Geruchsänderungen (30 %)
- Geruch im Neuzustand: Der Geruch der neuen und leeren Flasche wird bewertet. Im Falle eines starken Neugeruchs wird eine kurze Geruchs-Beschreibung gegeben.
- Geschmack/Geruch: Geschmacksveränderung des eingefüllten Getränks. Zwei Laborexperten führen einen sensorischen Geschmackstest durch – bei unterschiedlichen Ergebnissen bewertet ein dritter Experte zusätzlich, ob es zu Geschmacksveränderungen kommt:
- Die Flaschen werden mit Leitungswasser gefüllt. Es wird eine sensorische Prüfung durchgeführt, bei der das Wasser in den Flaschen gelagert wird – 1 Stunde und 24 Stunden.
- Die Prüfung des Wassers im Vergleich zum in einer Glasflasche gespeicherten Referenzwasser wird ausgewertet. Falls Geschmacksveränderungen festgestellt werden, wird eine kurze Geschmacks-Beschreibung gegeben.
- Annahme von Fremdgerüchen: Die Flaschen werden mit einem isotonischen Sportgetränk gefüllt und 6 Stunden stehen gelassen. Nach dem Auswaschen mit Wasser und Spülmittel wird sensorisch bewertet, ob die Flaschen den Geruch des Getränks angenommen haben.
f) Spülmaschinenbeständigkeit (10 %)
- Es werden 25 Spülmaschinenzyklen durchgeführt, um zu prüfen, ob die Materialien einem Standard-Reinigungsvorgang in einer Geschirrspülmaschine standhalten.
- Änderungen an Materialoberflächen wie Legierungsbestandteilen, Dichtungen und Kunststoffen werden dokumentiert.
Angewandte Norm: DIN EN 12546-1:2000-09 – Materialien und Gegenstände in Kontakt mit Lebensmitteln – 3 Isolierbehälter zum Gebrauch im Haushalt – Teil 1: Spezifikation für Isoliergefäße, Isolierflaschen und -kannen; Deutsche Fassung EN 12546-1:2000.
4. Schadstoffe (chemische Prüfung): 45 %
Da die 11 Produkte aus unterschiedlichen Komponenten und diese wiederum aus unterschiedlichen Materialien bestehen, wurde für jedes Produkt ein eigenes Prüfprogramm erstellt. Dabei wurden die Expertise des Testlabors sowie bereits bekannte Ergebnisse anderer Testorganisationen herangezogen. Folgende Parameter standen zur Auswahl:
a) BPA
- Frei und freisetzbar: bestimmt mittels GC/MS nach Extraktion und Derivatisierung. Dieser Test bestimmt den Gesamtgehalt an BPA, der aus dem Material unter Extrembedingungen freigesetzt werden kann.
- Spezifische Migration: bestimmt in Anlehnung an die DIN EN 15136 mittels HPLC-FLD. Bei dieser Bestimmung wird das freigesetzte BPA unter realistischen Bedingungen bestimmt. Dieser Wert spiegelt den zu erwarteten BPA-Gehalt in Getränken, die in der Flasche gelagert werden, wider. Die Untersuchung wird in diesem Test nur bei beschichteten Metall-Produkten angewandt, da hier die Gehaltsbestimmung von BPA nicht möglich ist. Die Migration wird mit zwei unterschiedlichen Simulantien durchgeführt: 50 % Ethanol (simuliert fettige Getränke wie z.B. Milch) und 3 % Essigsäure (simuliert saure Getränke wie z.B. Fruchtsäfte).
b) BADGE und Hydrolyseprodukte
- Spezifische Migration: bestimmt in Anlehnung an die DIN EN 15136 mittels HPLC-FLD.
- Die Bestimmung erfolgt gleichzeitig mit der oben angeführten BPA-Bestimmung mittels spezifischer Migration.
c) Weichmacher: Bestimmt mittels GC/MS nach Extraktion und Derivatisierung.
d) Siloxane: Bestimmt mittels GC/MS nach Extraktion.
e) Metalle: gemäß DIN EN ISO 17294-2 mittels ICP-MS.
f) Polyaromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
Abwertungen: Das Urteil des Parameters Schadstoffe kann nicht besser sein als das schlechteste Urteil der Untergruppen BPA, BADGE und Hydrolyseprodukte, Weichmacher, Siloxane, Metalle, PAK.
Folgende Prüfungen wurden im Detail durchgeführt:
- Nalgene: Das Flaschenmaterial wurde auf BPA getestet, die weiche Dichtung auf Weichmacher und Siloxane und das Mundstück auf Weichmacher.
- Tupperware: Das Flaschenmaterial und das Mundstück wurden auf BPA und Weichmacher getestet.
- Tedi: Das Flaschenmaterial und das Mundstück wurden auf BPA getestet, der Trinkhalm und die Dichtungen im Deckel wurden auf BPA und Weichmacher getestet. Die Dichtungen um Deckel wurden zusätzlich auf Siloxane untersucht.
- Camelbak: Das Flaschenmaterial wurde auf BPA getestet, der Trinkhalm auf BPA und Weichmacher. Das Mundstück und die Dichtungen innen im Deckel wurden auf BPA, Weichmacher und Siloxane getestet.
- Dora’s: Das Flaschenmaterial wurde auf Migration unerwünschter Metalle getestet.
- Klean Kanteen: Das Flaschenmaterial wurde auf Migration unerwünschter Metalle getestet. Das Mundstück, die Dichtung zum Verschluss des Luftlochs und der harte Kunststoff des Verschlusses wurden auf BPA, Weichmacher und PAK getestet.
- McKinley: Das Flaschenmaterial wurde auf Migration unerwünschter Metalle getestet, der Verschluss auf PAK.
- Sigg: Beim Flaschenmaterial wurden die Migration von BPA, BADGE und den Hydrolyseprodukten davon geprüft. Dies geschah mit verschiedenen Lösungen die eine Befüllung mit sauren Getränken (wie Fruchtsäften) und fettigen Getränken (wie Milch) nachahmen. Der weiße und schwarze Kunststoff des Mundstücks wurden auf Weichmacher und PAK getestet.
- Oxybag: Flasche, Deckel und Mundstück wurden auf Weichmacher und BPA getestet.
- Emil: Das Flaschenmaterial wurde auf Migration unerwünschter Metalle getestet, der Verschluss auf PAK.
- Simpex: Das Flaschenmaterial wurde auf Migration unerwünschter Metalle getestet, der Deckel inklusive der Dichtung wurde auf Weichmacher und BPA getestet.