Trading-Apps - Die Börse in der Hand

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Aktienkurse checken, Orders platzieren, Depot analysieren, Marktinforma­tionen erhalten. Trading-Apps versprechen einfache Handhabung bei niedrigen Gebühren.

Die Corona-Krise mit Lockdowns und ­Homeoffice hat bei vielen Menschen das Interesse an Aktien, Fonds oder Kryptocoins geweckt. Trading-Apps, also Smartphone- Anwendungen, die es den Anlegern erlauben, jederzeit und von überall ihre Wert­papiere zu kaufen und zu verkaufen, erleben einen Boom. Der Handel erfolgt ­digital über die Broker und nicht wie bei ­einer Wert­papierorder bei Banken (wird erst an die Bank und dann weiter an die Börse geleitet).

Dennoch: Anleger sollten nicht Hals über Kopf die erstbeste Trading-App downloaden und mit dem Handel starten, sondern einige wesentliche Punkte prüfen.

Die am Markt angebotenen Apps unterscheiden sich hinsichtlich Gebühren, Anzahl der offerierten Wertpapiere, Transparenz, Schnelligkeit und Art der Marktinformation.

Spekulieren oder langfristig anlegen?

Die erste Frage, die sich ein Privatanleger stellen sollte, lautet: Was soll mir die App bringen? Alle, die ihr Geld in Wertpapiere investieren und diese dann längerfristig im Depot liegen lassen wollen, brauchen eigentlich keine Trading-App. Für das ­Nachlesen von Börseinformationen können sie sich einfacher Informationsdienste – von Marktkommentaren der Banken bis zu ­Facebook- und Twitter-Nachrichten von privaten Händlern – bedienen. Wer hin­gegen häufiger Wertpapiere, Fonds oder Kryptocoins kaufen und verkaufen will, sollte sich mit diesen Apps vertraut machen.

Die Erfahrung zeigt: Ist die Trading-App einmal am Smartphone, handeln die Anleger meist viel mehr als ohne App. Der Vermögensaufbau geht auf diese Weise allerdings nicht unbedingt rascher. Schenkt man einer alten Börsenweisheit Glauben, ist häufiges Traden sogar kontraproduktiv: "Hin und her macht Kassen leer", lautet sie.

Welche App ist die beste?

Die Beantwortung dieser Frage hängt ­davon ab, welche Wertpapiere gehandelt werden sollen und ob Sie Anfänger sind oder zu den Fortgeschrittenen gehören. So gibt es Apps, die im Grunde Handelsplattformen für Aktien sind, und andere, die vor allem ETF (Exchange Traded Funds), Kryptocoins oder CFD (Con­tracts for Difference; Erklärung ­siehe nächste Spalte) anbieten. ­Eine Suche im Internet bringt eine Reihe von Listen mit den angeblich besten Apps. Am bekanntesten sind eToro, TradeRepublic, Comdirect, flatex und XTB. Geworben wird von allem mit jederzeitiger Verfügbarkeit, langen ­Handelszeiten und niedrigen Kosten. Auch Einsteiger- und Bedienungsfreundlichkeit sind ein Punkt. Für die Trading-App-Betreiber ist es wichtig, dass möglichst viel gehandelt wird. Damit verdienen sie ihr Geld. 

Achtung! Manche Apps bieten auf Basis von Musterdepots und Algorithmen automatische Trades an. Hier kann der Anleger die Kontrolle verlieren. Anfänger sollten auf jeden Fall zuerst ein Probedepot an­legen und checken, wie einfach, verständlich, schnell und kostengünstig der Handel abläuft. Die beste App an sich gibt es wohl nicht. Die Auswahl ist individuell von den Wünschen der Anleger abhängig.

Hauptunterschiede, Funktionsweise

Was sind die Hauptunterschiede?

Grundsätzlich teilt man die Trading-Apps in zwei Kategorien ein:

CFD-Plattformen

Der Handel mit Contracts for Difference ist wohl der spekulativste und vor allem unter den jungen Anlegern ­zunehmend beliebt. Im Grunde sind CFD Wetten auf die Kursentwicklung von ­Aktien, Indizes, Währungen, Rohstoffen. Gehandelt wird die Kursdifferenz ­zwischen Ein- und Ausstiegszeitpunkt. Ist sie positiv, gewinnt der Anleger je nach Höhe der Kursdifferenz Geld; ist sie ­negativ, verliert er. Das ist die einfachste Form der CFD. Es gibt aber auch Abweichungen davon wie etwa binäre CFD, bei denen es nur darum geht, ob der Basiswert steigt oder fällt. Das Verlust­risiko ist dabei enorm, das Investment gleicht ­einer Wette.

Spreads zwischen Kauf- und Verkaufspreis der Wertpapiere und Gebühren spielen bei der CFD-Veranlagung eine große Rolle. Tipp: Lesen Sie das Kleingedruckte! Dort finden Sie eine Information darüber, wie viele Anleger mit dieser Art von Geschäft Geld verloren haben. Diese Information müssen die Trading-Apps verpflichtend angeben. Was dort steht, ist meist erschreckend: Zwischen zwei Drittel und drei Viertel der Privatinvestoren verlieren Geld. Flatex zum Beispiel weist einen Wert von 73,5 Prozent aus.
CDF-Plattformen sind nur etwas für Menschen, die den Nervenkitzel lieben und zocken möchten. Die Chance, zu gewinnen, ist sehr niedrig. Wer am Vermögensaufbau interessiert ist, sollte diese Plattformen meiden.

Aktien- und Anlage-Plattformen

Diese Plattformen sind zum Vermögensaufbau eher geeignet. Wichtig bei der Auswahl ist, zu schauen, welche Wertpapiere über die Plattform ange­boten werden. Zu beachten ist auch, ob das Geld direkt in Aktien fließt oder die Kurse über Derivate ­abgebildet ­werden. Letzteres kann ­nämlich zu ­höheren ­Kosten führen. In die Handelsplattformkategorie von ­Trading-Apps fallen auch sogenannte ­Internetbroker wie etwa ­flatex, bei ­denen angeschlossene Banken das ­Depotgeschäft übernehmen.

Wer steckt hinter der Trading-App?

Ein wichtiges Auswahlkriterium für Anleger muss die Frage sein, wer eigentlich der Anbieter der App ist. Denn danach richtet sich die Aufsicht und natürlich das Beschwerdemanagement. In der Regel haben die meisten Anbieter ihren Sitz auf Zypern. Die ­Erfahrung zeigt, dass das große Schwierigkeiten mit sich bringt. Einerseits sind viele junge Unternehmen am Werk, die im Pro­blemfall oft überfordert sind. Andererseits ist auch die zypriotische Finanzaufsicht ­CySec relativ jung. Unser VKI-Finanzexperte Bernd Lausecker bewertet das Schutz­niveau dieser Aufsicht als kritisch. Am einfachsten und sichersten ist es wohl, eine App zu verwenden, die von einer bekannten Bank betrieben wird.

Tipp für Anleger: Ins Impressum des Anbieters schauen. Dort findet sich der Hinweis auf den Sitz der Gesellschaft. Fehlt das ­Impressum: Finger weg! Ist die Bank ein bekanntes, größeres Institut, bringt das für die Anleger erhöhte Sicherheit.

Wie funktioniert die Trading-App?

Hat man im Internet eine interessante ­Trading-App gefunden, kann man sie über Google Play bzw. den Apple Store downloaden und installieren. Wer schon Erfahrung mit dem Onlinehandel von Wertpa­pieren am Computer hat, sollte sich mit Trading-Apps nicht schwertun. Sie funktionieren im Prinzip genauso. Für alle ratsam ist, zunächst ein Probedepot anzulegen (also nur virtuell, ohne echtes Geld zu veranlagen) und sich auf diese Weise mit den Funktionen der App vertraut zu machen.

Nur so erkennt man die Stärken und Schwächen der App und findet heraus, ob sie den eigenen Anforderungen entspricht. Für Anfänger ist es wichtig, wie einfach und sicher der Zugang zu Hilfsangeboten und Marktinformationen ist. Zu prüfen ist auch, ob die angegebenen Wertpapierkurse realtime (in Echtzeit) sind oder mit Zeitverzögerung angezeigt werden. Manche Anbieter stellen die Realtime-Kurse nur gegen Aufpreis zur Verfügung.

Social Trading

Manche Apps wie zum Beispiel eToro bieten Foren an, in denen die Anleger Know-how und Erfahrungen austauschen können. Das reicht von Infos über bestimmte Wertpapiere, Zertifikate oder Kryptocoins bis hin zu Vorschlägen für Anlagestrategien. Privatanleger sollten sich aber gut überlegen, welche Informationen aus diesem Social Trading sie nutzen oder wem sie folgen. Denn meist ist der Auskunftgeber nicht bekannt und zunächst ist unklar, ob er eine solide Strategie verfolgt, die für Altersvorsorge und Einkommensgenerierung nützlich sein kann, oder ob er riskant spekuliert. Neben diesem Social Trading finden sich in den meisten Trading-Apps Börsen- und Wirtschaftsnachrichten oder Chats.

Kosten, Steuer, AGB

Was kostet der Handel?

Der große Vorteil für Kleinanleger ist, dass die Trading-Apps generell sehr nied­rige ­Gebühren verlangen. Das macht den Einstieg auch mit geringen Beträgen sinnvoll. Doch die Preismodelle sind sehr ­unterschiedlich. Einige Anbieter setzen auf einen fixen, meist vom Handelsvolumen abhängigen Betrag. Andere werben damit, keine Fixkosten zu verlangen. Doch Vorsicht: Sie verdienen an der höheren Differenz zwischen angebotenem Kauf- und Verkaufspreis der Wertpapiere. Anleger sollten also auf diese "Spread" genannte Differenz achten. Darin verstecken sich Kosten. Auch monatliche Beiträge finden sich häufig. Aufpassen! Fremdgebühren können trotzdem anfallen. Auch auf die Depotgebühren empfiehlt sich ein genauer Blick. So wirbt eToro mit null Depotgebühren für Aktien – das gilt allerdings nur, wenn auch gehandelt wird. Findet kein Umsatz statt, werden doch Depotgebühren verrechnet. 

Muss der Anleger die AGB lesen?

Das Lesen der Allgemeinen Geschäfts­bedingungen (AGB) ist zwar mühsam, aber sehr empfehlenswert. Hier kann man ­interessante Entdeckungen machen. Ein Beispiel: eToro schreibt in den AGB, dass die Anleger das Unternehmen berec­htigen, Orders außerhalb geregelter Märkte oder organisierter Handelsplattformen ausführen zu lassen. Das muss nicht unbedingt ein Nachteil für die Kunden sein. Wenn aber etwas schiefgeht, laufen Beschwerden ins Leere. Und dann findet sich in den AGB die Haftungsfrage. Selbst etablierte Anbieter wie flatex stellen sich möglichst von jeder Haftung frei. Dabei haftet der Kunde auch für technische Probleme außerhalb der Bank. All das sollten die Nutzer der Apps beachten.

Wer ist für die Steuer zuständig?

Anders als bei Wertpapierdepots bei ­Banken, die die Kapitalertragsteuer für die Kunden direkt an die Finanz abführen, ­müssen sich die Nutzer der Trading-Apps fast immer selbst darum kümmern. Hier empfiehlt es sich unter Umständen, einen Steuerberater mit der Sache zu betrauen.

Fazit: Das Investieren in Wertpapiere und andere Finanzinstrumente ist angesichts der Mini-Zinsen am Sparbuch mehr als nur eine Erwägung wert. Trading-Apps können besonders für Einsteiger die richtige ­Lösung sein. Niedrige Kosten und Depotgebühren sowie das Angebot von Test-Depots machen diese Apps attraktiv. Doch vor dem Start einer solchen App sollten Privatanleger sich Basiskenntnisse über Wertpapiere, Börse und den Handel aneignen.

VKI-Tipps

Bernd Lausecker (Bild: A. Thörisch/VKI)- Überlegen, was man mit der App will – längerfristige Geldanlage, häufigeres Handeln oder spekulieren.

- Beim Aussuchen der App aufs Impressum schauen. Es gibt Auskunft über den Sitz des Anbieters und damit darüber, welche Finanzmarktaufsicht zuständig ist.

- Darauf achten, wer die Preise für die ­angebotenen Finanzinstrumente erstellt. eToro etwa macht die Preise selbst, die laut eigener Angabe Bestpreise sind.

- Das Angebot an Wertpapieren durchforsten. Manche Apps bieten nur Aktien aus bestimmten Regionen, andere vor allem ETFs (Exchange Traded Funds, eine Art börsennotierte Investmentfonds).

- Gebühren und Kosten beachten sowie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) lesen, um sich darüber klar zu werden, in welchen Fällen man selbst haftet.

- App downloaden, installieren und mit einer Übungs-Version starten.

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