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Zwei Milchflaschen vor grünem Hintergrund
Bild: NewAfrica/Shutterstock

Milch - Fast alles im grünen Bereich

, aktualisiert am

In Qualität und Geschmack sind alle 20 getesteten Produkte "sehr gut" oder "gut". Doch bei der Kennzeichnung gab es Mängel.

ESL-Kuhmilch​

  • ​Besser BIO - Bio-Vollmilch 3,5 % Fett
  • Billa - Bergbauern länger frisch Heumilch g.t.S. 3,6 % Fett
  • Clever -  Vollmilch länger frisch 3,5 % Fett
  • Fair Hof - Vollmilch länger frisch 3,5 % Fett
  • Ich bin Österreich - Vollmilch länger frisch 3,5 % Fett
  • Ja! Natürlich - Bio Vollmilch die gute tägliche Milch
  • Milfina - Vollmilch länger frisch genießen
  • Natürlich für uns - Bio Vollmilch 3,5 % Fett länger haltbar
  • Nöm - Original Waldviertler Bio Vollmilch
  • Nöm - Vollmilch 3,5 % länger frisch
  • Salzburg Milch - Reine Lungau Biosphären Bio-Milch naturbelassen
  • S-Budget - Österreichische Vollmilch pasteurisiert länger frisch
  • ​Schärdinger - Berghof Bergbauern Milch 3,5 % Fett länger frisch
  • Spar Natur Pur - Bergbauern Bio-Vollmilch mit natürlichem Fettgehalt
  • Tirol Milch - Bergbauern Vollmilch länger frisch
  • Zurück zum Ursprung - Original Kitzbüheler Bergbauern Heumilch länger frisch

Sonstige

  • Alpengut - Frische Vollmilch
  • A-zwei - A-zwei Vollmilch mit natürlichem Fettgehalt
  • Schärdinger - Hafer & Milch
  • Spar - Ziegen Heu-Milch mit natürlichem Fettgehalt

In der Testtabelle finden Sie Infos und Bewertungen zu: Mikrobiologie, Fett (Fettgehalt, Abweichungen ...), Chemie, Rückstände, Kennzeichnung, Expertenverkostung, Laienverkostung. Lesen Sie außerdem Aufgespießt - Fehlgriff im Milchregal 5/2019 zu diesem Thema.

Nachfolgend lesen Sie den Testbericht.


Video: Milch - Zahlen, Daten, Fakten

Milch: Zahlen, Daten, Fakten

Die Auswahl ist groß

Im Kühlregal reiht sich dicht an dicht Milch verschiedener Hersteller, Milch mit unterschiedlicher Haltbarkeit und unterschiedlichem Fettgehalt, neben Milch von der Kuh auch Milch von Schaf oder Ziege, Bio-Milch und Milch aus konventioneller Landwirtschaft … Und es kommen laufend neue Produkte hinzu. Die Nachfrage nach klassischer pasteurisierter Frischmilch ist in den letzten Jahren stark rückläufig, der Trend geht eindeutig zu ESL-Milch (ESL steht für extended shelf life und bedeutet längere Haltbarkeit im Regal). 

Test: Hafer, Ziege, ESL

Für unseren Test wählten wir daher in erster Linie ESL-Milch aus. Dazu kamen noch eine frische Vollmilch (Alpengut) und eine Ziegen-Heu-Milch (Spar). Unter den neueren Produkten im Kühlregal wählten wir ein Hafer & Milch Getränk (Schärdinger) und eine A-zwei-Milch (Familie Wallner) aus.

Das Hafer & Milch Getränk von Schärdinger hat eine ähnliche Haltbarkeit wie ESL-Milch. Das Produkt besteht zu 51 % aus laktosefreier Vollmilch und zu 49 % aus Haferdrink (Wasser, 6 % Vollkornhafer). Es wird als perfekte Frühstücks-Milch angepriesen. Und eben das ist ein Problem. Denn Milch ist laut Österreichischem Lebensmittelbuch das "durchmischte, unveränderte Gesamtgemelk eines oder mehrerer Milchtiere". Das Produkt wurde später im Test wegen eines Kennzeichnungsmangels abgewertet.

Kritische Auslobungen

Unter Milch ohne Artenbezeichnung wird Kuhmilch verstanden, die Milch anderer Tierarten wird nach der jeweiligen Tierart bezeichnet (z.B. Ziegenmilch). Die A-zwei-Milch der Familie Wallner ist eine ESL-Milch mit natürlichem Fettgehalt, die von sogenannten A2-Milchkühen stammt. Milcheiweiß besteht großteils aus Kaseinen, darunter auch Beta-Kasein, von dem es wiederum mehrere Varianten gibt; A1 und A2 sind die bekanntesten.

Je nach der genetischen Disposition der Kuh weist die Milch entweder nur die Variante A1 oder nur A2 oder beide Varianten auf. Von A-zwei-Milch spricht man, wenn sie ausschließlich die Variante A2 enthält. Die getestete A-zwei-Milch wird u.a. mit „Milch wie früher“ beworben und geriet wegen ihrer Auslobungen bei den Gutachtern heftig in die Kritik. Mehr dazu später.

Kennzeichnungsmängel und Produktangaben

Im Labor untersucht und begutachtet 

Sofort nach dem Kauf wurden die Proben mit dem Kühlwagen zur Untersuchung gebracht. Im Labor wurden die Proben am letzten Tag der Mindesthaltbarkeit von Experten organoleptisch (in Aussehen, Geruch und Geschmack) beurteilt und untersucht. Bei der organoleptischen Begutachtung erzielten alle Produkte Top-Resultate. Die Ergebnisse der mikrobiologischen Untersuchungen waren großteils ebenfalls tadellos. Lediglich bei der A-zwei-Milch wurde eine etwas erhöhte Keimzahl festgestellt. Auf Milchpackungen muss der Fettgehalt deklariert sein. Diese Vorgabe war bei sämtlichen Produkten erfüllt. 

Stimmt das, was auf der Packung steht? 

Die Analyse im Labor ergab: Bei den meisten Produkten kann man sich auf die Packungsangaben verlassen. Doch bei Ja! Natürlich Bio-Vollmilch, Schärdinger Hafer & Milch, Spar Ziegen Heu-Milch und A-zwei Vollmilch wichen deklarierter und gemessener Fettgehalt um 10 Prozent und mehr voneinander ab. Diese Produkte waren fetter als auf der Packung angegeben. Die Untersuchung auf Lösungsmittelrückstände (Perchlorat, Chlorat) ergab überwiegend sehr gute Resultate. Bei einigen Proben war zwar Perchlorat nachweisbar (Ja! Natürlich, Spar Natur Pur, Schärdinger, Zurück zum Ursprung, Tirol Milch), bei Hafer & Milch (Schärdinger) Chlorat. 

Doch der Rückstandsgehalt war bei fast allen Proben knapp an der Nachweisgrenze; der Chloratgehalt war leicht erhöht. Hemmstoffe sind Substanzen, die das Bakterienwachstum hemmen und zu Säuerungsstörungen führen können (z.B. bei der Käseerzeugung). Meistens stammen sie aus Tierarzneimitteln (Antibiotika). In den Molkereien wird angelieferte Milch regelmäßig auf Hemmstoffe getestet. Bei der Spar Ziegen Heu-Milch war der Nachweis schwach positiv. 

Abwertungen wegen Kennzeichnung

In puncto Kennzeichnung haperte es allerdings bei etlichen Produkten. Gleich sieben wurden wegen Kennzeichnungsmängeln im Testurteil abgewertet: Vorgegebene Kennzeichnungselemente waren nicht durchgängig auf den Packungen angeführt, Auslobungen nicht belegt und daher irreführend. Die A-zwei-Milch (Familie Wallner) wird beispielsweise u.a. mit „Besondere Kühe, einzigartige Milch!“, „… ein purer, vollkommener Milchgenuss wie damals …“, „Milch wie früher“ beworben. Laut Experten ist das Irreführung. „Es gibt keine wissenschaftlichen Nachweise, dass die ,A-zwei Milch‘ gegenüber den anderen am österreichischen Markt befindlichen Milchen einen Zusatznutzen für den Verbraucher aufweist“, hieß es im Gutachten.

Kundenwunsch Einwegflaschen?

Von uns verkostet 

Wir wollten natürlich auch wissen, wie die Milch schmeckt, und setzten sie unseren Laienverkostern vor. Auch sie fanden an den Proben kaum etwas auszusetzen. Am meisten überzeugte die Natürlich für uns Bio Vollmilch. In Supermärkten ist Milch üblicherweise im Tetrapak erhältlich. In kleinen Supermärkten und in Bio-Supermärkten ist Milch auch in Mehrwegglasgebinden erhältlich. Seit gut einem Jahr gibt es auch in großen Supermärkten Milch in der Glasflasche: Bei Spar eine von Natur pur, bei Rewe eine von Ja! Natürlich und bei Hofer eine von Zurück zum Ursprung. Alle drei sind bio, mit natürlichem Fettgehalt und von Berglandmilch, (Österreichs größter Molkerei) abgefüllt. 

Einwegflaschen im Einsatz

Berglandmilch bietet mit der Berghof Bergbauernmilch auch selbst Milch in der Glasflasche an. Bei allen vier Produkten handelt es sich um länger haltbare Vollmilch. Aber: Die verwendeten Glasflaschen sind Einwegflaschen. Das enttäuscht viele Kunden. Wir fragten bei den Anbietern nach. Als Grund für die Einführung von Glasflaschen und im Speziellen von durchsichtigen Glasflaschen (braunes Glas würde einen besseren Lichtschutz bieten) wurde in erster Linie „Kundenwunsch“ angeführt. 

Umstellung auf Mehrwergsystem

Dass es keine Mehrwegflaschen gibt, begründete Abfüller Berglandmilch damit, dass die hohen Investitionskosten, die mit einem Mehrwegsystem verbunden sind, zum Einführungszeitpunkt der Flaschenmilch noch nicht gerechtfertigt gewesen seien. Man prüfe aber intensiv die Einführung eines Mehrwegsystems, hieß es weiter. Überraschung: Bereits eine Woche später kündigte Berglandmilch per Pressemeldung an, in Kooperation mit Greenpeace bis zum Ende des Jahres bei Milch in der Glasflasche auf ein Mehrwegsystem umzustellen. Geht doch!

Testtabelle: ESL-Milch

Testtabelle: sonstige Milch

Blindverkostung: Glasflasche oder Tetrapak

Viele unserer Leser sind überzeugt, dass Milch aus der Glasflasche besser schmeckt. Milch in der Glasflasche gibt es derzeit nur mit natürlichem Fettgehalt. Wir ließen unsere Verkoster vier Produkte aus der Glasflasche und als jeweils ähnlichste Produkte Vollmilch derselben Hersteller aus dem Karton beurteilen. Milch aus der Glasflasche schnitt bei dieser Blindverkostung durchwegs etwas besser ab. Milch mit natürlichem Fettgehalt ist etwas fetter als normale Vollmilch. Möglicherweise war das ausschlaggebend für die besseren Verkostungsergebnisse.

Kleine Milchkunde

Was ist Rohmilch?
Das ist die unbehandelte Milch direkt von der Kuh. Selbst in gekühltem Zustand wird sie nach 2 bis 4 Tagen sauer. Rohmilch zum unmittelbaren menschlichen Verzehr darf nur mit dem Hinweis „Rohmilch, vor dem Verzehr abkochen“ verkauft werden. 

Was ist Frischmilch?
Das ist jene Milch, die im traditionellen Verfahren („Pasteurisierung“) hergestellt wird (Kurzzeiterhitzung 15 Sekunden auf 72 Grad). Bei Milch, die unter der Bezeichnung „Frischmilch“ oder „frisch“ in den Handel kommt, dürfen zwischen Gewinnung der Rohmilch und dem Pasteurisieren maximal 72 Stunden liegen. Das Datum der Mindesthaltbarkeit darf (mit kleinen Ausnahmen) maximal neun Tage ab dem Tag der Wärmebehandlung sein. 

Was bedeuten „länger frisch“ und „länger haltbar“?
Das ist Milch, die einem intensiveren Wärmebehandlungsverfahren ausgesetzt ist, auch als ESL-(extended shelf life-)Milch bezeichnet. Bei „Länger frisch“-Milch liegen zwischen der Gewinnung der Rohmilch und der Wärmebehandlung höchstens 72 Stunden; das Mindesthaltbarkeitsdatum darf maximal 25 Tage ab dem Tag der Wärmebehandlung betragen (bei Bearbeitung an einem Tag vor einem Wochenende oder einem Feiertag 27 Tage). Als „länger haltbar“ gekennzeichnete Milch hat bis zu 45 Tage Mindesthaltbarkeit ab der Wärmebehandlung. 

Was ist Vollmilch?
Milch wird auch nach dem Fettgehalt bezeichnet. „Vollmilch“ hat einen Fettgehalt von mindestens 3,5 %, die seltene „Vollmilch extra“ enthält mindestens 4,5 % Fett, „Magermilch“ hat maximal 0,5 %. 

Was ist Haltbarmilch?
„H-Milch“ ist ultrahocherhitzte Milch (nur wenige Sekunden bis 150 Grad). Dieses Verfahren führt zur Reduktion des Gehalts einiger Vitamine und typischem „Kochgeschmack“. H-Milch ist ungekühlt lagerbar und hält ungeöffnet mindestens 3 Monate. Heumilch ist Milch von Tieren, die keine Gärfuttermittel (z.B. Silofutter) bekommen.

Heumilch
Ob tatsächlich Heumilch drin ist, wo Heumilch draufsteht, lässt sich mit einem Authentizitätstest mit Isotopenbestimmung überprüfen. Damit kann die Milch von Tieren, die hauptsächlich mit Gras gefüttert wurden, sehr gut von anderer Milch unterschieden werden. Im Test waren einige Produkte als Heumilch ausgelobt – die Angabe stimmte bei allen. 

Was bedeutet eigentlich "Mindesthaltbarkeitsdatum"?
Das ist nicht das Datum, zu dem die Milch nicht mehr verwendet werden kann. Bei falscher Lagerung kann die Milch schon davor verdorben sein. Wurde die Kühlkette nicht unterbrochen, kann Milch auch Tage nach Ablauf noch genießbar sein.

Milch in Zahlen

Der tägliche Konsum pro Kopf liegt in Österreich bei etwa einem Glas reiner Milch.

  • Der durchschnittliche Milchbetrieb ist ein Bauernhof mit 18 Milchkühen.
  • Insgesamt werden in Österreich etwa 540.000, in der gesamten EU 24 Millionen Milchkühe gehalten.
  • Der Anteil an Bio-Milch ist von 2016 auf 2017 um knapp über 12 Prozent gestiegen.
  • 20 Prozent der österreichischen Milchbauern produzieren biologisch.
  • Fast ein Drittel der gesamten Milchproduktion stammt aus Oberösterreich.
  • Der Selbstversorgungsgrad liegt in Österreich bei zirka 160 Prozent.
  • Der durchschnittliche Erzeugermilchpreis lag im Jänner 2019 bei 38,25 Cent, Bio-Landwirte konnten 45,57 Cent erzielen.

Erhitzung/Wärmebehandlung

Folgende Formen der Wärmebehandlung sind üblich:

Bezeichnung Wärme-Behandlung Dauer und Temperatur
Pasteurisiert Dauerpasteurisation 30 Minuten bei mindestens 63 °C
Pasteurisiert Kurzzeiterhitzung 15 Sekunden bei mindestens 72 °C
Hocherhitzt Hocherhitzung einige Sekunden bei mindestens 85 °C
Ultrahocherhitzt Ultrahocherhitzung mindestens 135 °C

Zusätzlich zur Erhitzung können bei der Herstellung wärmebehandelter Konsummilch folgende physikalische Verfahren eingesetzt werden:

  • Zentrifugation und/oder Zentrifugalentkeimung
  • Filtrationsentkeimung oder
  • Homogenisierung

Interview: Eine Prüfung für die Verkoster

Interview mit Mag. Nina Siegenthaler, VKI-Ernährungswissenschaftlerin.

Mag. Nina Siegenthaler (Bild: VKI)Wie wird ein Milchtest durchgeführt?
Nina Siegenthaler: Direkt nach dem Kauf werden die Proben mit einem Kühlauto in ein akkreditiertes Labor gebracht. Dort werden sie genau nach den Lagerempfehlungen bis zum Ende der Mindesthaltbarkeitsfrist aufbewahrt. Dann startet die sogenannte organoleptische Untersuchung. 

Was wird dabei gemacht?
Gutachter bewerten nach einem standardisierten Punkteverfahren Aussehen, Geruch und Geschmack. Die Vorgaben dafür sind im Lebensmittelbuch, einer Verordnung oder einer produktspezifischen Richtlinie geregelt. Entspricht die Probe nicht diesen Vorgaben, können die Expertengutachter eine Probe unabhängig vom Ausgang weiterer Untersuchungen mit „nicht für den menschlichen Verzehr“ beurteilen. 

Was wird im Labor analysiert?
Danach folgen chemische und mikrobiologische Untersuchungen, u.a. auf Fettgehalt, Hinweise auf Lösungsmittelrückstände oder Verwendung von Antibiotika und Hygienemängel. 

Und wie erfolgt die Laienverkostung? Wie können Laien ein Produkt beurteilen?
Auch dafür gibt es ein standardisiertes Verfahren. Nur wer den „Triangeltest“ besteht, kann an der Verkostung teilnehmen. Dabei müssen die Kandidaten in 3 Durchgängen von jeweils 3 Proben jene erkennen können, die sich von den beiden anderen unterscheidet. Wer dieses Auswahlverfahren nicht besteht, wird zur Verkostung nicht zugelassen. 

Und wie wird die eigentliche Verkostung dann durchgeführt?
Im VKI-Verkostungslabor werden pro Durchgang je 4 bis 6 Proben hinsichtlich Aussehen, Geruch, Konsistenz und Geschmack verglichen und nach dem Schulnotensystem bewertet. Auffälligkeiten werden in Kommentaren dokumentiert. Dabei müssen die Laienverkoster auch angeben, ob sie das Produkt selbst kaufen würden. Die Verkostungskojen sind mit Tageslichtlampen ausgestattet. Sämtliche Proben werden anonymisiert dargereicht. Zur Geschmacksneutralisierung gibt es Wasser und Weißbrot. 

Warum werden manche Produkte trotz guten Geschmacks und tadelloser Analysewerte abgewertet?
Das machen wir dann, wenn es Beanstandungen bei der Kennzeichnung gibt. 

Ist das nicht kleinlich, wenn das Produkt sonst in Ordnung ist?
Nein! Die Angaben auf der Verpackung sind eine wichtige Information für die Konsumenten. Und deshalb müssen sie korrekt sein.

Nachgefragt: Milch in Glas- und Pfandflaschen?

Ende Februar haben wir die Anbieter von Milch in Glasflaschen angeschrieben und sie mit einigen Fragen konfrontiert, die wir bzw. Konsumenten uns immer wieder in der Vergangenheit gestellt haben. Hier ihre zum Teil ausführlichen Antworten. 

1. Warum haben Sie sich entschieden, Milch in der Glasflasche anzubieten?

BERGLANDMILCH: Die Glasflasche ist für viele KonsumentInnen ein noch vertrautes Verpackungskonzept. Wir haben uns daher entschlossen, Milch und Joghurt wieder in der Glasverpackung anzubieten.

HOFER: „Zurück zum Ursprung“ hat sich bei diesem besonderen Produkt für die Glasflasche entschieden, da Glas in Österreich eine Recyclingquote von 90 % erreicht, die gesamte Produktionskette der Flasche in Österreich liegt und es seitens der Konsumenten eine sehr hohe Nachfrage nach einer Glasverpackung gibt. Im Gegensatz zu anderen Verpackungsstoffen wird Glas fast zur Gänze wiederverwendet, wodurch Rohstoffe geschont werden. Glasrecycling stellt einen natürlich vollendeten Materialkreislauf dar, denn in jeder gebrauchten Glasverpackung steckt eine neue. HOFER hat damit dem Konsumenten die Entscheidungsfreiheit gegeben ein System zu wählen, in dem der Rohstoff zur Gänze wiederverwertet werden kann. Von der Glassammlung bis zur Produktion wird das Produkt in Österreich hergestellt. Glas ist ein geschlossener Kreislauf mit - theoretisch - unendlicher Wiederholung.

SPAR: Aufgrund vielfacher Nachfrage unserer Kundschaft haben wir in den letzten Jahren intensive Gespräche mit den österreichischen Molkereien geführt, um dem Wunsch unserer Kundinnen und Kunden von Milchprodukten in Glas erfüllen zu können.Wir sind sehr froh, dass die Firma Berglandmilch schließlich den Entschluss gefasst hat, eine entsprechende Glasabfüllanlage zu installieren um entsprechende Produkte anzubieten.

REWE: Seit Jahren wünschen sich unsere Kunden eine Milch-Glasflasche zurück – besonders Ja! Natürlich Konsumenten haben hier eine große Sehnsucht. Wir sehen die Einführung vor allem auch als Zeichen der Wertschätzung für das Lebensmittel Milch Wir wollen den Konsumenten die Wertigkeit auch durch die Verpackung vermitteln. Unsere neuen Milch-Glasflaschen sind die Kombination von hochwertigster Qualität, Ästhetik und Genuss. Wir möchten ein Produkt zur Verfügung stellen, das man auch gerne auf den Tisch stellt.


2. Die von Ihnen angebotene Milch in der Glasflasche unterscheidet sich hinsichtlich Fettgehalt und Haltbarmachungsmethode von der vergleichbaren Milch im Karton, was ist der Grund dafür? 

BERGLANDMILCH: Die Schärdinger Berghof Bergbauern Milch weist einen für Vollmilch typischen Fettgehalt von 3,5% Fett auf und wird in einem klassischen ESL-Verfahren, das wir u.a. auch in gleicher Weise für unsere Trinkmilchprodukte in Kartonverbundverpackung einsetzen, haltbar gemacht. 

HOFER: Bei der Bio-Heumilch in der Glasflasche handelt es sich um eine Milch mit natürlichem Fettgehalt, die aus der Almregion Wilder Kaiser stammt. Die Kühe weiden in den Sommermonaten auf ausgewählten Almen wodurch während der Almsaison diese hochwertige Milch als Alm-Milch bezeichnet werden kann. Die Bergbauern Bio-Heumilch für diese Abfüllung wird mittels eigener Sammlung in der Region Wilder Kaiser abgeholt, in Wörgl abgefüllt und in ihrem natürlichen Fettgehalt belassen. Wir möchten diese besondere Qualität und den hohen Aufwand der eigenen Sammlung bewusst durch eine hochwertige Verpackung unterstreichen.  

SPAR: Bei der Milch haben wir uns bewusst für einen natürlichen Fettgehalt entschieden, dieser liegt bei mind. 3,8%. Dieser etwas höhere, natürliche Fettgehalt verleiht der Milch einen angenehm-vollmundigeren Geschmack.
Wir haben uns ganz bewusst für diese Differenzierung entschieden und haben nicht einfach das gleiche Produkt in einer anderen Verpackung angeboten.

REWE: Der Fettgehalt der Ja! Natürlich Milch in der Glasflasche entspricht dem natürlichen Fettgehalt. Damit ist dieser gleich wie bei der frischen Ja! Natürlich Milch im Tetra Pak mit der Grünen-Kuh-Auslobung.  
Die Haltbarmachungsmethode ist durch die technischen Möglichkeiten des Lieferanten gegeben. Dieser kann derzeit noch kein anderes Verfahren bei der Glasabfüllung anwenden. Durch die angekündigte Übersiedelung der Produktion in ein anderes Werk (Aschbach), erwarten wir aber hier bald Veränderungen umsetzen zu können.     


3. Warum bieten Sie keine Frischmilch in der Glasflasche an?

BERGLANDMILCH: Frischmilch hat eine Haltbarkeit von maximal 9 Tagen. Erhöhter Manipulations- und Logistikaufwand des Glasgebindes und der –abfüllung erfordern eine längere Restlaufzeit der Milch, um den KonsumentInnen optimale Qualität anbieten zu können und um Entsorgung von abgelaufener Ware hintanhalten zu können. 

HOFER: Frischmilch verliert bei den Konsumenten zunehmend an Bedeutung. Die meisten bevorzugen Milch mit einer höheren Haltbarkeit, wodurch wir uns entschlossen haben auch unsere Heumilch in der Glasflasche als „länger frische“ Milch anzubieten.

SPAR: Natürlich ist es uns wichtig, auch diesen Wunsch unserer Kundschaft zu erfüllen. Es gibt in ganz Österreich nur einen einzigen Abfüller für derartige Produkte und dessen Kapazität ist derzeit völlig ausgelastet. Wir stehen hier aber immer im Gespräch für neue Produkte.

REWE: Die Milchflasche wurde vorerst in einem Test gestartet. Da uns „Frischmilch“ ein großes Anliegen ist, arbeiten wir gerade daran, zukünftig Frischmilch in der Glasflasche anbieten zu können. 

4. Woher stammt Ihre Milch in der Glasflasche?

BERGLANDMILCH: Die gentechnikfreie Premiummilch für die Schärdinger Berghof Bergbauern Milch stammt ausschließlich von österreichischen Bergbauernbetrieben. 

HOFER: Die „Zurück zum Ursprung“ Bergbauern Bio-Heumilch in der Glasflasche kommt aus der Almregion Wilder Kaiser. Die Milch stammt von Kühen, die die Zeit von Juni bis September auf den Bergweiden in einer Höhe bis 1.800 m genießen. Außerhalb der Almsaison fressen sie wertvolles Heu, das von den Ursprungs-Bauern sorgsam getrocknet wird. Die vielfältige Mischung aus Gräsern und Kräutern der Tiroler Bergweiden und Almen wirken sich dabei positiv auf den Geschmack unserer Heumilch aus. Die Abfüllung der Milch erfolgt in Wörgl. Mit diesem Produkt unterstützt der Kunde somit direkt den Erhalt der traditionellen Almwirtschaft in der Region Wilder Kaiser.

SPAR: Die Milch stammt ausschließlich von Bio-Bergbauern aus Tirol und Oberösterreich.

REWE: Von Milchkühen, die nach den höchsten Tierhaltungsstandards leben. Das heißt sie haben ganzjährig Bewegungsfreiheit, sowohl im Stall, als auch im Freien und sind mindestens 120 Tage auf der Weide. Diese Pionierleistung von Ja! Natürlich ist bis heute einzigartig in ganz Österreich und stellt auch im Bio-Bereich eine Ausnahme dar.


5. Welches Material verwenden Sie für den Deckel der Glasflasche? Kann ein Übergang von Schadstoffen aus dem Deckel in die Milch ausgeschlossen werden?

BERGLANDMILCH: Der Deckel besteht aus lackiertem Weißblech (Lack ohne BPA Zusatz) und einem Kunststoff Compound als Dichtungsmaterial. Sowohl Lack als auch Compound sind für den Kontakt mit fetthaltigen Lebensmitteln vorgesehen und entsprechen mit ihren Migrationswerten den geltenden rechtlichen Vorgaben. Das im umgangssprachlichen Gebrauch verwendete Wort “Weichmacher” bezieht sich i. d. R. auf Kunststoffzusätze auf Phthalat- und Adipatbasis, welche Kunststoff elastischer machen. Die in den Schraubdeckeln verwendeten Dichtungen, welche von der Berglandmilch eingesetzt werden, enthalten keine Phthalate und Adipate.

HOFER: Der Deckel besteht aus lackiertem Weißblech (Lack ohne BPA Zusatz) und einem Kunststoff Compound als Dichtungsmaterial. Sowohl Lack als auch Compound sind für den Kontakt mit fetthaltigen Lebensmitteln vorgesehen und entsprechen mit ihren Migrationswerten den geltenden rechtlichen Vorgaben. Bezüglich Ihrer Frage nach Schadstoffen gehen wir davon aus, dass sich diese Frage auf das im umgangssprachlichen Gebrauch verwendete Wort „Weichmacher“ bezieht. Damit sind in der Regel Kunststoffzusätze auf Phthalat- und Adipatbasis gemeint, die Kunststoff elastischer machen. Die in den Schraubdeckeln verwendeten Dichtungen, welche von der Berglandmilch eingesetzt werden, enthalten keine Phthalate und Adipate.

SPAR: Der Deckel besteht aus lackiertem Weißblech (Lack ohne BPA Zusatz) und einem Kunststoff Compound als Dichtungsmaterial. Sowohl Lack als auch Compound sind für den Kontakt mit fetthaltigen Lebensmitteln vorgesehen und entsprechen mit ihren Migrationswerten den geltenden rechtlichen Vorgaben. Die in den Schraubdeckeln verwendeten Dichtungen unserer SPAR Natur pur Bergbauern BIO Vollmilch enthalten keine Phthalate und Adipate.

REWE: Die Deckel sind geprüft und entsprechen allen Anforderungen an lebensmittelechte Materialien.


6. Was spricht gegen die Verwendung von braunen Glasflaschen bzw. warum haben Sie sich für die lichtempfindlichere durchsichtige Glasflasche entschieden?

BERGLANDMILCH: Die braune Glasflasche bietet mehr Lichtschutz. Im Rahmen der Produktentwicklung wurden sowohl braune als auch durchsichtige Glasflaschen getestet. Es hat sich gezeigt, dass KonsumentInnen die Milch in der durchsichtigen Flasche eindeutig präferieren.

HOFER: Die braune Glasflasche bietet mehr Lichtschutz für das Produkt, weshalb im Rahmen der Produktentwicklung sowohl braune als auch durchsichtige Glasflaschen getestet wurden. Es hat sich gezeigt, dass Konsumenten die Milch in der durchsichtigen Flasche eindeutig bevorzugen. 

SPAR: Auch hier wurde der Wunsch unserer Kundschaft berücksichtigt. Es hat sich gezeigt, dass unsere Kundinnen und Kunden die Milch in der durchsichtigen Flasche eindeutig präferieren.

REWE: Mit dieser Frage haben wir uns lang auseinandergesetzt. Schlussendlich haben uns die Rückmeldungen unserer Testpersonen überzeugt, die nicht nur den „Lichtgeschmack“, der durch klare Flasche entstehen kann, entweder neutral oder auch positiv wahrgenommen haben, sondern auch die Optik der klaren Flasche bevorzugten. Damit sind wir den bereits bestehenden internationalen Beispielen, z.B. in Großbritannien, gefolgt, die üblicherweise durchsichtige, nicht braune Flaschen für Milch verwenden. 

7. Warum gibt es immer noch keine Mehrwegglasflaschen in Ihrem Sortiment, einige kleinere Molkereien bieten (z.B. in Adeg Filialen) Milch in Pfandflaschen an?

BERGLANDMILCH: Da zum Einführungszeitpunkt die Absatzentwicklung der Glasflasche nicht absehbar war, konnten die hohen Investitionskosten, die mit einem Mehrwegsystem verbunden sind, nicht gerechtfertigt werden. Derzeit prüfen wir aber intensiv die Einführung eines Mehrwegsystems (Anmerkung: mittlerweile wurde angekündigt, dass bis zum Jahresende eine Umstellung auf Mehrwegflaschen erfolgen soll).

HOFER: Mehrwegüberlegungen sind für HOFER im Moment nicht umsetzbar. Das liegt mitunter daran, dass derzeit keine namhafte Molkerei in Österreich die notwendigen Anlagen hätte, um ein Mehrwegprodukt abzubilden. Die hierfür notwendigen Waschanlagen sind mit einem Investment in Millionenhöhe verbunden. Im Sinne einer fairen Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten können wir keine Molkerei verpflichten dieses Investment zu tätigen.

SPAR: Wir stehen einem Mehrwegsystem sehr positiv gegenüber, waren aber in diesen Entscheidungsprozess nicht involviert. Derzeit kann der Hersteller keine Mehrwegflaschen anbieten. Auch hier stehen wir immer wieder im Gespräch und haben unseren Wunsch nach einer nachhaltigen Mehrweg-Variante klar kommuniziert.  

Übrigens: Wir bieten schon jetzt Milch in Mehrweg-Glasflaschen in lokalen Gebieten an. In unseren  INTERSPAR-Märkten in Wels und Linz-Wegscheid führen wir seit Ende November 2018 frische Rohmilch „zum selber Zapfen“ in Milchautomaten. Unsere Kundinnen und Kunden können direkt am Milchautomat eine leere Glasflasche entnehmen und befüllen, oder die selbst mitgebrachte Glasflasche wieder auffüllen. 

REWE: Es gibt sehr viele Mehrwegglasflaschen in unserem Sortiment. Bei Bier und Mineralwasser forciert der LEH schon seit Jahren das Mehrwegsystem ganz im Gegensatz zu z.B. dem Diskont. Der LEH übernimmt hier durchaus Vorbildfunktion. Auch bei der angekündigten Umstellung der Milchflaschen auf Mehrweg – im größeren Maßstab möglichgemacht durch das zusätzliche Werk der Berglandmilch in Aschbach – ist Ja! Natürlich ganz vorn mit dabei. BILLA & MERKUR bereiten gerade österreichweit die Rückgabeautomaten für ein Rücknahmesystem in den Filialen dafür vor. 
Zudem bieten einige ADEG Kaufleute auch schon länger Milch in Mehrwegflaschen. Die angesprochenen kleinen Molkereien können weder die Mengen für eine nationale Belieferung all unserer Handelsfirmen zur Verfügung stellen, noch die geforderten Qualitätsansprüche (z.B. IFS-Zertifizierung) erfüllen.

Anmerkung der Redaktion: Die Antwort von Rewe haben wir am 12.3. erhalten, zu diesem Zeitpunkt war schon bekannt, dass es ein Mehrwegsystem Ende des Jahres geben soll.

VKI-Tipps

  • Ungeöffnet länger haltbar. ESL-Milch „länger frisch“ hält bei ungeöffneter Packung im Kühlschrank bis zu 27 Tage, ESL-Milch „länger haltbar“ bis zu 45 Tage. Einmal geöffnet, ist ESL-Milch so wie pasteurisierte Frischmilch binnen drei bis vier Tagen zu verbrauchen.
  • Hochwertige Qualität. Bei keinem Produkt gab es an Qualität oder Geschmack viel auszusetzen. Die besten im Test sind Fair Hof Vollmilch länger frisch (1,09 €/l), Nöm Vollmilch länger frisch (1,19 €/l) und Alpengut frische Vollmilch (0,99 €/l). Die Milch sämtlicher Produkte stammt aus Österreich, und sie wurde auch hier abgefüllt.

Testkriterien

Mikrobiologie. Die Mikrobiologie umfasst die Bestimmung von Lipopolysacchariden, Enterobakterien sowie die Aerobe Keimzahl. Das Ergebnis der Mikrobiologie ist unauffällig. Lediglich in der A-zwei Milch konnte eine Aerobe Keimzahl von 270.000 KbE/ml nachgewiesen werden.

Fettgehalt. Der Fettgehalt ist bei allen Produkten gekennzeichnet. Wir haben ihn ebenso im Labor bestimmen lassen und mit dem gekennzeichneten Werten verglichen. Bei 0% Abweichung gab es ein "sehr gut", bis zu <10% Abweichung bekommt hier ein "gut", ab 10% Abweichung wurde mit einem "durchschnittlich" bewertet

Chemie. Unter diesen Parameter fallen die Bestimmung der Peroxidaseaktiviät, der Phosphataseaktivität, des Gefrierpunkt und die Bestimmung von Beta Lactoglobulin.
Die Peroxidaseaktiviät und die Phosphataseaktivität sind sog. Hitzeparameter. 
Pasteurisierte Konsummilch ist phosphatasenegativ und peroxidasepositiv, als „hocherhitzte“ oder ähnlich gekennzeichnete Konsummilch ist peroxidasenegativ. Der Gefrierpunkt ist der Erstarrungspunkt der Milch bei Temperaturabsenkung. Unter einer Gefrierpunktüberschreitung oder Gefrierpunkterhöhung versteht man, dass der Wert sich mehr in Richtung 0 °C, dem Gefrierpunkt des Wassers, nähert. Die Gefrierpunktbestimmung dient in erster Linie der Erkennung von Fremdwasserbeimengung. Tatsächlich ist in den meisten Fällen auch Fremdwasser die Ursache für einen zu hohen Gefrierpunkt. 
Beta-Lactoglobulin ist das Hauptmolkenprotein der Milch. Es weist eine geringe Hitzestabilität auf und ist deshalb ein guter Indikator für die Hitzeeinwirkung bei der Herstellung. 

Rückstände. Es wurden Perchlorat, Chlorat und die Hemmstoffe bestimmt. Perchlorat und Chlorat deuten auf Lösungsmittelrückstände hin. Die Quelle kann einerseits der Behälter, in dem die Milch transportiert wird sein oder auch Materialien bei der Abfüllung. Somit kann die Ursache beim Bauern, in der Molkerei oder beim Abfüller liegen.
Kennzeichnung. Die Einhaltung der Kennzeichnungsvorschriften wurde von den Experten des akkreditierten Labors geprüft und dokumentiert. Die Nicht-Einhaltung von Kennzeichnungsvorschriften ist ein Abwertungskriterium. Sobald die Kennzeichnung bei einem Produkt nicht entspricht, kann es kein besseres KONSUMENT-Testurteil als „durchschnittlich“ bekommen.

Expertenverkostung. Basis der Expertenbegutachtung sind die Sensorik-Vorgaben der AMA.

Laienverkostung. Die Verkostung fand in den Verkostungsräumen des VKI statt. Nach Absolvierung eines Triangeltests beurteilten die Testpersonen die Milchproben in den Kriterien  Aussehen, Geruch, Konsistenz, Geschmack, anschließend wurde ein Gesamturteil vergeben. Zum Schluss wurden die Tester gefragt, ob sie das Produkt kaufen würden oder nicht. Die Milch wurde pur verkostet, zum Neutralisieren gab es Wasser und Weißbrot. Mindestens 20 Urteile wurden pro Produkt abgegeben. 
 

Kommentar: Was heißt hier frisch?

„Ganz schnell noch Milch kaufen!“ Kein Problem, oder? Doch ob in einer Packung frische oder ESL-Milch drin ist, ist im Geschäft nicht immer einfach zu erkennen. - Ein "Aufgespießt" von Konsument-Chefredakteur Gerhard Früholz.“ 

KONSUMENT-Chefredakteur Gerhard Früholz (Bild: U. Romstorfer/VKI)
E-Mail: Chefredakteur
Gerhard Früholz

Selbst kurz vor Ladenschluss ist das Regal im Supermarkt voll und die Auswahl groß. Aber wo sind jetzt die Halbliterpackungen? Fehlanzeige – wie so oft. Die gibt es nicht oder sie sind ausverkauft. Also gut, dann eben doch gleich einen Liter.

Glasflasche "Bio-Vollmilch"

Mein Blick fällt auf eine mir bis dato unbekannte Glasflasche: „Bio-Vollmilch“, „Die gute tägliche Milch“. Klingt gut, das gefällt mir! Ich habe das Gefühl, auch in der Eile einen guten Griff gemacht zu haben. Weil soeben unser Milch-Test fertiggestellt wurde, schau ich mir dann zu Hause das Etikett auf der Rückseite genauer an. Da steht´s, ganz klein: "länger frisch, hocherhitzt“. Ich hatte mir eigentlich etwas anderes erwartet.

"Hocherhitzt" und "länger frisch"

Gegenprobe bei einem Lebensmitteldiskonter: Dort gibt es neuerdings ebenfalls Milch in einer Glasflasche. „Bio“ und „Bergbauern-Milch“ stechen mir ins Auge. Doch auch hier entdecke ich bei genauerem Hinsehen: „hocherhitzt“ und „länger frisch“. Länger haltbare Milch sei eben der Wunsch der Konsumenten, versichern Handel und Produzenten unisono. Aha, warum wird dann die Erfüllung dieses Wunsches auf dem Etikett so versteckt? Auf der Vorderseite lese ich hingegen noch "pfandfrei". Das klingt immerhin besser als "keine Pfandflasche". Also aufgepasst beim Milchregal! Sonst geht es Ihnen wie mir und auch Sie sind dann – vielleicht etwas sauer.

Wie denken Sie darüber? Schreiben Sie eine Mail an leserbriefe@konsument.at

Leserreaktionen

Geschmack

Ich möchte zum Thema Geschmack der Milch meine Erfahrung einbringen, die sicher 20 Jahre zurückliegt. Die Milch war ja zur damaligen Zeit generell in Flaschen gefüllt, „Packerlmilch“ war aber auch schon im Lieferumfang des Handels. Ich kaufte also für meine Kinder, die täglich Milch tranken, bis auf wenige Ausnahmen immer Flaschenmilch. Meine Kinder kritisierten nämlich, dass die Milch aus dem Packerl nicht so gut schmeckt.

Ich habe das vehement bestritten und dachte, na euch werd ich es beweisen. Nahm also „Packerlmilch“ und füllte diese in eine Glasflasche, die ich auch demonstrativ auf den Tisch stellte. Die Reaktion meiner Kinder: Komisch, die ist zwar aus der Flasche, aber sie schmeckt wie Packerlmilch! Kurze Zeit später wurde Flaschenmilch komplett aus den Regalen gestrichen; auch mit dem Vermerk: Kundenwunsch – ich wurde nie gefragt …

Marianne Kastner
E-Mail
(aus KONSUMENT 6/2019)

Haltbarkeit nach dem Öffnen

Einen Vorteil für den Konsumenten kann ich in einer Milch, die länger lagerfähig ist, nicht erkennen. Milch einen Monat lang einzulagern, bringt einem Durchschnittshaushalt nichts, weil man ja wegen Brot, frischem Obst und Gemüse ohnehin öfter einkaufen gehen muss. Insofern ist dieser Test eher für Lebensmittelhändler relevant.

Als Konsument interessiert mich in erster Linie die Haltbarkeit nach dem Öffnen und die ist nach meiner Erfahrung vier bis fünfmal länger als die paar Tage, die der Handel empfiehlt, um sich abzusichern. Wenn es eine gestiegene Kundennachfrage nach länger frischer Milch gibt, dann wäre das für mich die plausibelste Erklärung. Singlehaushalte können so zu günstigen Literpackungen greifen, auch wenn ihr Tagesverbrauch gering ist. Vielleicht könnte man einmal Milch nach diesem Kriterium testen und dabei auch die zahlreichen fettreduzierten Varianten (1,5 %, 1,8 %, 2 %) berücksichtigen.

User "Mag. Zirnig"
(aus KONSUMENT 6/2019)

Danke für diese Anregung! Wir werden dieses Thema weiter verfolgen.

Die Redaktion

Heuchelei gegenüber dem Kunden

Ich finde mich wieder in Ihrer Kolumne „Aufgespießt: Fehlgriff im Milchregal“. Genau so hat es sich vor einigen Tagen zugetragen. Zuerst suchte ich vergeblich eine normale Vollmilch ohne das „länger frisch, hocherhitzt“ im Kleingedruckten und wurde nicht fündig. Dann durchsuchte ich die Regale nach Milch in Glasflaschen: zu meinem Erstaunen auch bei all denen das Gleiche, keine normale Vollmilch darunter.

Der Marktleiter erklärte mir, es gebe nur mehr Milch „länger frisch, hocherhitzt“, die Kunden wollten das so. Dabei fordere ich in den Geschäften schon seit geraumer Zeit normale Vollmilch, die in den Regalen immer mehr reduziert wurde und nun ganz verschwindet. Es ist umgekehrt. Die Kunden wissen oft nicht, was sie in ihren Einkaufswagen geben. Und jene, welche das Bewusstsein dafür haben, wollen keine Milch „länger frisch, hocherhitzt“!

Dem Großhandel geht es doch nur um Erleichterung bei Logistik und Lagerhaltung. Wenn anderes behauptet wird, ist das Heuchelei. Meinen täglichen Einkauf tätige ich zunehmend bei Hofer oder Lidl, die haben noch die normale Vollmilch im Sortiment.

Norbert Hüttel
St. Ulrich bei Steyr
(aus KONSUMENT 6/2019)

Immer weniger frische Milch

Ich kann Ihnen nur beipflichten! Ich ärgere mich seit dem Aufkommen der „Länger Frisch Milch”, dass es immer weniger frische Milch gibt – vor allem Bio-Milch – und wenn, dann hält sie (z.B. beim Merkur) meistens max. 1 bis 2 Tage!

Hofer stellt hier eine rühmliche Ausnahme dar: Hier wird Milch, die nur mehr 1 Tag bis zum Ablaufdatum hält, gesondert mit minus 20 % abverkauft. Bei Merkur muss ich regelmäßig reklamieren – oft gibt es dann eine Milch, die länger hält, aber oft auch nicht. Dann geh ich extra wegen der Milch noch zum Hofer. Das ist sehr ärgerlich.

Elfriede Klein
E-Mail
(aus KONSUMENT 6/2019)

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