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Mann und Frau über 70 joggen auf einem Feldweg
Fit bleiben, Sport betreiben - auch im Alter Bild: Kzenon Shutterstock

Sport im Alter: "Krafttaining steigert Zufriedenheit" - Interview mit Barbara Wessner

Wollen Sie im Alter fit bleiben? Machen Sie Sport. - Wir sprachen mit Prof. Barbara Wessner von der Forschungsplattform "Active Ageing".

Portrait von Frau Professor DI Dr Barbara Wessner von der Plattform Active Ageing

Krafttraining und eiweißreiche Ernährung helfen gegen den Abbau von Muskeln und Kraft - Prof. Barbara Wessner im Interview

 

KONSUMENT: Wir wissen, Bewegung tut gut. Aber gibt es auch Sportarten, die für ältere Menschen ein Gesundheitsrisiko darstellen?

Prof. Wessner:  Ältere Menschen sind sehr unterschiedlich, sodass man nicht pauschal sagen kann, die eine Sportart ist gut für sie, die andere schlecht. Es kommt jeweils auf den indi­viduellen Gesundheits- und Fitnesszustand der betreffenden Person an. Ein Mensch, der das ganze Leben über Sport betrieben hat, wird also weniger ein Problem mit eher risikoreicheren Sportarten haben als ein untrainierter. Trotzdem gilt: Je größer die Komponente des Krafttrainings bei einer Sportart ist, desto mehr Vorsicht ist ge- ­rade bei jenen geboten, die unter Lebens­stilerkrankungen wie Diabetes, Blut­hochdruck oder noch schwerwiegenderen Erkrankungen wie koro­naren Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden.

Sowohl der untrainierte als auch der kranke ältere Mensch sollte sich also vorab untersuchen lassen?

Es gibt Fragebögen, sogenannte Medical Clearance Forms, mit deren Hilfe man selbst erheben kann, wie gut man beieinander ist. Genauer – und vor allem bei älteren Personen wichtig – ist die Untersuchung beim Arzt, bei der Ärztin. Diese Untersuchung kann zudem einen Hinweis darauf geben, welche Sportart für einen geeignet wäre. Für die sportliche Aktivität gilt: langsam anfangen, sich mit den Bewegungsabläufen vertraut machen – sich dann aber auch steigern. Viele Ältere machen den Fehler, dass sie auf einem niedrigen Niveau ver­harren. Auch im Alter ist oft noch eine ­Leistungsverbesserung möglich, nur ist es ­dafür eben notwendig, die entsprechenden Systeme etwas zu reizen.

Ab welchem Alter setzt der Leistungsabfall beim Menschen ein?

Die Muskulatur beginnt schon ab etwa 30 abzubauen; zunächst langsam, dann, ab 60 oder 80, in deutlichem Ausmaß. Dagegen lassen unsere kognitiven Fähigkeiten, ­salopp gesagt: unsere Geisteskräfte, erst später nach. Sie sind für viele Sportarten essenziell, so etwa fürs Tanzen. Wir haben es hier mit einer Wechselbeziehung zu tun: Tanzen und körperliche Aktivität ganz allgemein hilft auch gegen den kognitiven Abbau.

Sind Mann und Frau vom Leistungs­abfall gleichermaßen betroffen?

Alter Mann und alte Frau in Joggingkleidung laufen an einem Sonnenblumenfeld vorbei (Foto:

Sind Mann und Frau vom Leistungs­abfall gleichermaßen betroffen oder bestehen Unterschiede zwischen den Geschlechtern?

Körperbau und hormonelle Situation sind bei den Geschlechtern verschieden. So hat etwa die Frau gegenüber dem Mann generell einen höheren Fettanteil und eine geringere Muskelmasse. Ein Ungleichgewicht, das sich allerdings zur Menopause bzw. zur Andropause hin zu verändern beginnt. Krafttraining ist dann gerade bei Frauen wichtig, um die Muskelmasse aufrechtzuerhalten.

Bewegung und eine ausgewogene Ernährung helfen, im Alter fit zu bleiben. Wo besteht überhaupt Forschungsbedarf für Ihre Forschungsplattform „Active Ageing“?

Wir befassen uns mit zwei großen Gebieten. Das eine Gebiet ist, dass Menschen zwar um die Bedeutung von körperlicher Akti­vität wissen, aber nicht aktiv werden. Wir wollen herausfinden, wie wir sie dazu motivieren können. Bei jüngeren Menschen können gute Ergebnisse mit Fitness-Trackern erzielt werden, also mit Schrittzählern und ähnlichen technischen Hilfsmitteln. Bei ­älteren sind eventuell weniger technolo­gische Lösungen gefragt, vor allem niederschwellige Angebote – Krafttraining darf nicht allein Fitness-Studio bedeuten.

Das andere Gebiet, mit dem ich mich vor allem beschäftige, betrifft die Frage, wie sport­liche Aktivität mit bestimmten Lebensmitteln kombiniert werden kann, um positive zelluläre Prozesse in Gang zu setzen. Und: Gibt es bestimmte Bewegungsformen, die sich besser auf die Muskulatur auswirken als andere? Inwieweit kann davon even­tuell auch das Immunsystem profitieren?

Krafttraining und Hülsenfrüchte

Zu welchen Ergebnissen sind Sie bisher gekommen?

Gegen den Rückgang der anabolen Kapazität, der Fähigkeit also, Muskeln aufzubauen, hilft Krafttraining. Und dieses Krafttraining kann wiederum durch eine proteinreiche ­Ernährung unterstützt werden, das heißt durch Fleischvarianten, Fisch, Milchprodukte oder auch Hülsenfrüchte. Letztere sind eine Alternative für Vegetarier und all jene, die aus Nachhaltigkeitsgründen vielleicht auf Fleischprodukte verzichten wollen.

Ich selbst gehe regelmäßig laufen, zähle mich also zu den Ausdauersportlern. Nicht zuletzt durch unsere Studien ist mir bewusst geworden, wie wichtig Krafttraining ist. Wir brauchen unsere Muskeln, sie sind wichtige Stützen für unsere Gelenke. Wer viel sitzt, sollte etwas für seine Rückenmuskeln tun. Bei unseren Studien erheben wir auch immer die Lebensqualität der Teilnehmer. Die Ergebnisse zeigen: Krafttraining steigert zuverlässig ihre Zufriedenheit.

Was sagen Sie Faulen?

Nun gibt es Menschen, die einfach faul sind und sich nicht bewegen wollen. Was sagen Sie diesen Menschen?

Das Faulsein ist zunächst zu akzeptieren, denn man kann niemandem vorschreiben, etwas zu tun. Doch möglicherweise hat dieser Mensch noch nicht alles ausprobiert. Der eine macht Sport, weil es gesund ist. Der zweite, weil es Spaß macht. Der dritte, weil er Menschen trifft. Der vierte, weil er gerne in der freien Natur ist. So viele Möglichkeiten. Den Faulen würde ich vielleicht bitten, einmal in sich hineinzuhören, ob er sich auf der Couch wirklich so wohlfühlt – ob es ihn nicht stört, dass da etwas zwickt und dort der Gürtel kneift. Ich weiß aus ­eigener Erfahrung, dass es manchmal schwerfällt, sich von der Couch zu erheben. Doch wenn man es tut und sich aufrafft, wird man mit einem schönen Gefühl ­belohnt, dem Gefühl, etwas geleistet zu ­haben. Aber da helfen Worte nicht , diese Erfahrung muss man selbst machen.

Im Alter kommt häufig der Einwand: Wenn ich mich jetzt mehr bewege, tun die Knie noch mehr weh. Das stimmt, jedenfalls am Anfang. Bewegung fordert. Sie soll nicht überfordern, aber sie soll fordern. Am Anfang kann es ein wenig zwicken, nicht schmerzen, wenn man aber etwas durchhält – man spricht von vier Wochen –, sollte schon eine Besserung eintreten.

Auf Sardinien werden die Menschen so alt wie nirgends sonst in Europa. Welche Erklärung haben Sie dafür?

Da streitet die Wissenschaft. Es kommen viele Faktoren zusammen: die mediterrane Küche, der Familienverbund, Alkohol mit Maß und Ziel, körperliche Aktivität. Und nicht zu vergessen: eine gewisse Zufriedenheit mit dem Leben.

Sie möchten also nicht einen der Faktoren hervorheben?

Nein, weil sich die Faktoren ja zum Teil ­untereinander bedingen. Wenn ich soziale Kontakte habe, bin ich automatisch aktiver, weil ich sozusagen vor die Tür gehe. Und umgekehrt: Wenn ich körperlich aktiver bin, habe ich mehr soziale Kontakte. Unumstritten ist inzwischen, dass Menschen weniger schnell altern, wenn sie soziale Kontakte pflegen.

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