SheGlam: Kosmetikartikel aus dem Hause Shein
Günstig, trendig, online allgegenwärtig: Kosmetik von SheGlam erobert auch den europäischen Markt. Wir haben fünf Produkte der Shein-Eigenmarke genauer geprüft – von Inhaltsstoffen über Verpackung bis zur Nachhaltigkeit – und zeigen, wie transparent, sicher und sinnvoll der Kauf wirklich ist.
Neue Kosmetikmarke erobert Europa
Der chinesische Online-Händler Shein ist vor allem für günstige Kleidung bekannt. Unter den Markennamen „SheGlam“ gibt es nun auch Kosmetikartikel aus dem Hause Shein.
In Österreich sind die Produkte bislang lediglich online erhältlich, es ist aber wohl nur eine Frage der Zeit, bis sie auch in den Regalen heimischer Drogeriemärkte Einzug nehmen. In Deutschland sind einige Produkte bereits beispielsweise bei DM online, aber auch im stationären Handel erhältlich.
Wir haben uns einige davon genauer angesehen.
Fünf Produkte unter der Lupe
Wir haben fünf Produkte aus der Palette von SheGlam gekauft, darunter ein Make up-Primer, ein Lipstain, eine Mascara, ein Highlighter und eine Lippenreinigungsmaske. Preislich sind die Produkte vergleichbar mit jenen heimischer Drogerie-Eigenmarken. Im Durchschnitt sind sie also etwas billiger als vergleichbare Markenprodukte.
Fehlende Inhaltsstoffliste
Während unserer Untersuchung im November 2025 konnten wir die Liste der Inhaltsstoffe, die sogenannte INCI-Liste, bei den Produkten von SheGlam online nicht einsehen, obwohl die Produkte bereits bestellt werden konnten. Es gibt keine Pflicht für Onlinehändler, INCI-Listen vor dem Kauf einsehbar zu machen, aus Sicht der Konsument:innen ist diese Intransparenz allerdings sehr bedenklich. Eine informierte Kaufentscheidung ist so nahezu unmöglich.
Mittlerweile hat SheGlam die INCI-Listen auf seiner Website einsehbar gemacht, eine Änderung, die wir begrüßen. Doch auch nach Erhalt der Produkte bleibt die Liste der Inhaltsstoffe weiterhin Thema. Alle fünf von uns gekauften Produkte sind in Überkartons und zusätzlich in Schrumpf- und Luftpolster-Folie verpackt. Nur bei zwei Produkten ließ sich die INCI-Liste ohne Auspacken erkennen, die drei anderen Produkte mussten wir erst auspacken, um diese Information zu erhalten. Eine Retournierung wäre dann nicht mehr möglich gewesen.
Verpackung (noch) korrekt, aber nicht verbraucherfreundlich
Die Verpackung selbst aber entspricht den derzeit gültigen gesetzlichen Anforderungen. Zwar verbietet eine neue Verordnung zu Verpackung und Verpackungsabfällen in der EU Verpackungsmaterial wie die in diesem Fall verwendete Schrumpffolie, allerdings befindet sich die vor ungefähr einem Jahr verabschiedete Verordnung noch in einer Übergangsfrist und ist noch nicht rechtskräftig.
Auch wichtige Informationen wie Haltbarkeit, Chargennummer, Produktbezeichnung und Anwendungsinformation befinden sich auf der Verpackung, zum Teil fehlen diese Informationen allerdings auf Deutsch und sind zum Teil sehr schlecht lesbar. Auch hier gibt es aber keine genauen Vorschriften in der Kosmetikverordnung.
Die Inhaltsstoffe werden bei allen fünf Produkten auf der Überverpackung abgedruckt, nicht aber direkt auf der Primärverpackung. Wer sich also weiterhin zum Beispiel über Allergene oder andere Stoffe informieren möchte, muss bis zum Aufbrauchen die Überverpackung aufbewahren.
Fragen zur Nachhaltigkeit
Die Produkte stellen kein oder nur ein begrenztes Risiko für die Gesundheit dar. Im Lipstain befindet sich eine hohe Anzahl umweltkritischer Stoffe und birgt ein begrenztes Risiko für die Gesundheit der Anwender:innen. Insgesamt aber schneiden die Produkte nicht schlechter, aber auch nicht besser ab als vergleichbare Produkte aus dem stationären Handel.
Die Bestellung aus China und der damit einhergehende lange Transportweg stellt aber den Aspekt der Nachhaltigkeit bei allen Produkten der Marke SheGlam in Frage. Da die Produkte auch nicht wesentlich günstiger sind, ergibt sich kein klar ersichtlicher Vorteil beim Kauf.
Gefährliche Schnäppchen
Nicht immer sind Produkte von Shein unbedenklich, im Gegenteil. Bei einem groß angelegten Test europäischer Verbraucherorganisationen wurden 162 Produkte aus den Gruppen Baby- und Kleinkindspielzeug, Halsketten und USB-Ladegeräte getestet, rund 70 Prozent der Produkte wiesen erhebliche Sicherheitsmängel auf.
Lesen Sie dazu unseren Artikel Temu und Shein: Gefährliche Schnäppchen

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