Öko-Müllsackerl - Geeignet für die Biotonne?

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Dürfen die zertifizierten Bio-Plastiksackerl aus der Obst- und Gemüseabteilung in der Biotonne landen? Ja, aber Leider gibt es in Österreich keine einheitlichen Vorgaben.

 

Bananen, Äpfel im offenen Ökosackerl; (Bild: A. Konstantinoudi/Shutterstock.com)

Plastikmüll ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Die Natur und unsere Gewässer sind voll davon und selbst im menschlichen Körper ist Plastik in Form von Mikroplastik nachgewiesen. Wie Daniel Steinitz vom Kompost & Biogas Verband Österreich meint, sollte Plastik dennoch nicht per se verteufelt werden: „Kunststoff ist an sich ein wertvoller Werkstoff, der in vielen Anwendungsbereichen seine Berechtigung hat.“ Oft werde er jedoch falsch eingesetzt. „Für Einwegverpackungen braucht es kein solch langlebiges Material.“

Bio-Müll: nicht alle Bio-Kunststoffe dürfen hinein

Als Alternative zu herkömmlichem Plastik halten immer mehr Bio-Kunststoffe Einzug am Markt. Oft werden Verpackungen und Produkte nun mit der Kennzeichnung „kompostierbar“ oder „biologisch abbaubar“ versehen. Das sorgt bei den Konsumentinnen und Konsumenten für Verwirrung. Fälschlicherweise werden solche Produkte bisweilen in Bausch und Bogen im Bio-Müll entsorgt. Aber bei Weitem nicht alle Bio-Kunststoffe dürfen dort landen. „Die generelle Entsorgung von Produkten aus biologisch abbaubaren Kunststoffen in der Kompostierung wird in Österreich strikt ­abgelehnt“, sagt Steinitz.

Bio-Kreislauf-­Sackerl

Was also tun? Für Bioabfälle hat der Kompost- und Biogasverband Österreich das Bio-Kreislauf-­Sackerl (BKS) entwickelt, das nach der Norm EN 13432 zertifiziert ist. Dadurch wird sichergestellt, dass es frei von toxischen Inhaltstoffen ist und für die saubere Bio­abfallsammlung genutzt werden kann. Das bestätigt auch eine Studie der Universität für Bodenkultur. Der Knotenbeutel besteht aus Kartoffelstärke, die aus Abfällen gewonnen wird.

Beim Entsorger Nachfragen

Sammelquote erhöhenOK compost HOME-Logo

Das BKS kommt bei allen großen Lebensmittelketten (Spar, Rewe, Hofer, Lidl) in der Obst- und Gemüseabteilung zum Einsatz und ist am „OK compost HOME“-Logo erkennbar. „Die Sackerl können nach dem Einkauf aufgrund ihrer Atmungsaktivität zum Frischhalten von Lebensmitteln und danach für das Sammeln der Bioabfälle verwendet werden“, sagt Steinitz. Und bei der Entsorgung? An und für sich ist das BKS zu 100 Prozent abbaubar und kompostierbar. „De facto ist aber die Entsorgung der Bioabfälle mittels BKS nicht in allen Regionen Österreichs erwünscht“, erklärt Steinitz.

„Die von Kompost & Biogas vertretenen Anlagenbetreiber sehen jedoch den Mehrwert durch die Steigerung der Bioabfall-Sammelquote.“ Soll heißen: Je einfacher und alltags­tauglicher es möglich ist, Biomüll korrekt zu entsorgen, desto eher werden die Konsumentinnen und Konsumenten das auch ­machen. Faktum ist, dass noch immer viel organischer Abfall im Restmüll landet – bis zu 30 Prozent. Biomüll ist aber wertvoll; daraus wird Kompost hergestellt – ein ­natürlicher Dünger, der in der Bio-Landwirtschaft, aber auch bei Hobbygärtnern zum Einsatz kommt.

Mehraufwand in der Kompostanlage

Vor allem im urbanen Bereich bzw. für all jene, die ihren Biomüll zu einer Müllinsel bringen müssen, ist das BKS sicher eine große Hilfe. „Auch ich schaffe es im Berufsalltag mit zwei Kindern nicht immer, den Biomülleimer direkt bei einer Sammelinsel auszuleeren und danach in der Wohnung wieder auszuwaschen“, so Steinitz. Gern gesehen ist das z.B. in der Bundeshauptstadt allerdings nicht. Einerseits, weil auch das BKS das Endprodukt, also den Kompost, nicht verbessert. Eher im Gegenteil. Und andererseits, weil auch das BKS einen Mehr­aufwand in der Kompostanlage verursacht. Denn es ist beinahe unmöglich, zwischen abbaubaren und konventionellen Plastiksackerl zu unterscheiden. Mit dem Resultat, dass alle Sackerl händisch oder mechanisch aussortiert werden müssen.

Nachfragen beim Entsorger

Auch andere kompos­tierbare Biomüllsackerl ­können übrigens in der Biotonne entsorgt werden, wenn sie das Logo „kompostierbar“ mit der Darstellung eines Keimlings oder das „OK compost INDUSTRIAL“-Logo zeigen. Aber nur, so wie beim BKS, wenn es vom ­loka­len Entsorger akzeptiert wird.

Darstellung eines Keimlings schwarz weiß

Logo grün mit Hinweispfeilen auf OK composit

 

Uns allen bleibt also nichts anderes übrig, als nachzufragen, ob die beiden genannten Sackerl in der Biotonne mitentsorgt werden dürfen oder nicht. Wenn nicht, können sie natürlich trotzdem fürs Biomüll-Sammeln daheim verwendet werden. Bei der Müll­insel müssen dann aber Sackerl und Inhalt getrennt entsorgt werden: also Inhalt in die Biotonne, Sackerl in eine Restmülltonne.​

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