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Mariendistel liegend auf weißem Hintergrund
Die Wissenschafter:innen von medizin-transparent beantworten Anfragen von Konsument:innen zur wissenschaftlichen Beweislage medizinischer Medienberichte, dieses Mal zum Thema Behandlung für die nicht-alkoholische Fettleber. Bild: osoznanie.jizni / Shutterstock.com

Mariendistel gegen Fettleber

Ist Mariendistelextrakt mit dem Wirkstoff Silymarin eine wirksame Behandlung für die nicht-alkoholische Fettleber?

Wissenschaftliche Belege fehlen. In einigen kleinen Studien wurde untersucht, ob Mariendistelextrakt die Leberwerte bei nicht-alkoholischer Fettleber verbessern kann. Diese Studien haben jedoch grobe Mängel und sind wenig aussagekräftig. Zudem fielen die beobachteten Verbesserungen so gering aus, dass ein Nutzen für die Gesundheit fraglich erscheint.

Nicht-alkoholischen Fettleber

Bei einer Fettleber enthält das Lebergewebe zu viel Fett. Sie verursacht keine Schmerzen und wird häufig nur durch Zufall diagnostiziert. Die wesentlichen Risikofaktoren sind Übergewicht und Erkrankungen, die damit im Zusammenhang stehen, wie Typ-2-Diabetes oder erhöhte Blutfette (Triglyceride). Man spricht deshalb von einer nicht-alkoholischen Fettleber. Schätzungen zufolge ist in westlichen Industrienationen etwa jede vierte erwachsene Person betroffen.

Die Leber arbeitet trotz der Fetteinlagerungen zunächst noch normal. Allerdings besteht die Gefahr, dass sich das Organ entzündet. Das passiert bei etwa 10 bis 30 Prozent der Betroffenen.

Bei einem Drittel dieser Personen mit Fettleber-Entzündung werden vermehrt Bindegewebsfasern in die Leber eingebaut - sie vernarbt. Dies ist die Vorstufe einer Zirrhose, bei der die Leber schließlich so vernarbt ist, dass sie ihre Funktion nicht mehr übernehmen kann. Im Gegensatz zur Fettleber ist eine Leberzirrhose nicht mehr heilbar.

Keine aussagekräftigen Studienergebnisse

Als Mittel gegen Fettleber sind Mariendistelpräparate im Handel. Die Wissenschafter:innen unseres Kooperationspartners medizin-transparent.at haben sich auf die Suche nach aussagekräftigen Studien gemacht, die eine Wirksamkeit von Mariendistel belegen können - leider ohne Erfolg.

Zwar wurde das in mehreren Studien untersucht, doch die Studien hatten grobe Mängel und nur sehr wenige Teilnehmende. Außerdem fielen die Verbesserungen der Leberwerte (AST und ALT) in den Studien nur sehr gering aus. Ob dies ausreicht, um das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten zu können, ist unklar. Aussagekräftige Ergebnisse aus Studien, die Gewebeproben (Leberbiopsien) untersucht haben, fehlen dazu.

Die Deutsche Fachgesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten empfiehlt Mariendistelpräparate deshalb nicht. Zudem kann die Einnahme unerwünschte Wirkungen wie Übelkeit, Sodbrennen und Magenbeschwerden auslösen.

Wirksame Maßnahmen

Wer eine nicht-alkoholische Fettleber hat, sollte anstatt auf Mariendistelmittel lieber auf Gewichtsreduktion und Bewegung setzen. Das sind, wie Studien zeigen, wirksame Maßnahmen gegen eine Fettleber.

Obwohl die nicht-alkoholische Fettleber, wie der Name schon sagt, nicht durch Alkoholkonsum verursacht wird, kann ein Verzicht auf Alkohol dennoch sinnvoll sein, denn dieser belastet die Leber zusätzlich.

Kooperation mit medizin-transparent.at

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Bild: Cochrane/medizin transparent

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Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt.

"Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. medizin-transparent ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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