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Clever Kokoskuppeln
Clever Kokoskuppeln enthalten jetzt statt Palmöl Kokosfett und Rapsöl, für die Umwelt ist Kokosfett aber nicht besser. Bild: VKI

Clever Kokoskuppeln: Nun kein Palmöl, aber Transfette

"Clever Kokoskuppeln" beinhalten jetzt Kokosfett und Rapsöl statt Palmöl. Diese sind zwecks cremigerer Konsistenz teilweise gehärtet und können deshalb ungesunde Transfette enthalten. Zudem: Aus Umweltsicht ist Kokosfett nicht besser als Palmöl.

Diesmal im Lebensmittel-Check: "Clever Kokoskuppeln" sind jetzt zwar palmölfrei, können aber bedenkliche Transfette enthalten. 

Das steht drauf: Clever Kokoskuppeln

Gekauft bei: Billa

Das war das Problem

Vor Kurzem haben wir im Lebensmittel-Check (7/2023) über die verwirrende Kennzeichnung der "Clever Kokoskuppeln", ein Produkt der Billa Eigenmarke, berichtet. Obwohl auf der Verpackungsvorderseite ein "palmölfrei"-Logo zu sehen war, hat die Zutatenliste auf der Rückseite Palmöl angeführt. Diese sich widersprechenden Kennzeichnungen empfanden Konsument:innen zu Recht als irreführend. Es handelte sich laut Stellungnahme von Billa um einen bedauerlichen Etikettierungsfehler. Dieser sollte alsbald behoben werden. Wir haben nun nachgeschaut.

Billa hat die Etiketten aktualisiert

Mittlerweile hat der Hersteller neue Etiketten an den "Clever Kokoskuppeln" angebracht. Diese führen nun auch kein Palmöl mehr in der Zutatenliste. Erfreulich, dass Billa, wie versprochen, diese Aktualisierung gleich nach unserer Beanstandung umgesetzt hat. Was findet sich nun stattdessen in der Liste der Zutaten?

Clever Kokoskuppeln Zutatenliste der neuen Rezeptur
Clever Kokoskuppeln: in der neuen Rezeptur steht nun beim Kokos- und Rapsöl der Zusatz "teilweise gehärtet“. Dies ist ein Hinweis auf problematische Transfette. Bild: VKI

Kokos- und Rapsöl statt Palmöl

Wir haben uns die neue Rezeptur der "Clever Kokoskuppeln" angeschaut. Der Hersteller hat das Produkt überarbeitet: Kokosöl ersetzt jetzt das Palmöl. Weiter unten in der Zutatenliste findet sich nun auch Rapsöl. 

Statt einer kakaohaltigen Fettglasur ist das überarbeitete Produkt nun mit Zartbitterschokolade überzogen. Der Anteil an Kokosflocken fällt dafür um ein Prozent geringer aus (20 % statt vorher 21 %). Auf den ersten Blick insgesamt ein Fortschritt, doch ist dem auch wirklich so? 

Kokosöl ist als Ersatz für das vielfach kritisierte Palmöl beliebt, doch der weltweit steigende Einsatz von Kokosöl ist aus ökologischer Sicht ebenso katastrophal wie die massive Palmölproduktion. Heimisches Rapsöl weist eine bessere ökologische Bilanz auf, außerdem ist es für eine gesunde Ernährung wertvoller. Doch Achtung, der Zusatz "teilweise gehärtet" beim Kokos- sowie Rapsöl macht einen Strich durch die Rechnung: Das ist ein Hinweis auf problematische Transfette.

Teilweise gehärtete Fette

Durch die sogenannte Fetthärtung, in der Lebensmitteltechnologie auch als Hydrierung bezeichnet, erhalten Öle eine feste Konsistenz. Dabei werden ungesättigte Fettsäuren in gesättigte Fettsäuren umgewandelt. Aus flüssigen Ölen werden dadurch feste oder streichfähige Produkte wie zum Beispiel Margarine.

Das Problem: Für eine cremige Konsistenz wird die Fetthärtung oft vorzeitig abgebrochen und das Fett so nur "teilweise gehärtet". Dadurch entstehen auch unerwünschte Trans-Fettsäuren. 

Schädliche Trans-Fettsäuren

Von Trans-Fettsäuren ist keine positive Funktion im Organismus bekannt. Der Verzehr von Transfetten kann sich nachteilig auf die Gesundheit auswirken. Eindeutig belegt ist der negative Einfluss auf den Stoffwechsel. Das Risiko für eine Fettstoffwechselstörung sowie für eine koronare Herzkrankheit (KHK) steigt mit einer übermäßigen Zufuhr von Trans-Fettsäuren. 

Auch bei der Raffination von pflanzlichen Ölen sowie in der eigenen Küche können Trans-Fettsäuren entstehen, wenn Fett zu hoch erhitzt wird. Von Natur aus enthalten auch Produkte von Wiederkäuern wie Milch, Käse und Fleisch Trans-Fettsäuren. 

Rezeptur verbesserungswürdig

Die teilweise gehärteten Fette in den "Clever Kokoskuppeln" lassen somit keine Freude über die veränderte palmölfreie Rezeptur aufkommen. Billa könnte hier noch nachbessern, argumentiert aber mit einer besseren Verarbeitbarkeit und Haltbarkeit durch teilweise gehärtete Fette. 

Clever Kokoskuppeln
Clever Kokoskuppeln: das süße Fertigprodukt hat den Nutri-Score E und eignet sich nicht als tägliches Dessert. Bild: VKI

Hersteller anderer Kokoskuppel-Produkte verwenden zum Teil ganz gehärtete Fette, oft auch aus Kokosöl. Ganz gehärtete Fette sind aus ernährungsphysiologischer Sicht zumindest besser als teilweise gehärtete, da sie eben keine Trans-Fettsäuren enthalten. 

Doch egal ob mit ganz gehärteten oder teilweise gehärteten Fetten, ein solches süßes Fertigprodukt eignet sich nicht als tägliches Dessert. Auch der Nutri-Score fällt mit dem Ergebnis E dementsprechend ungünstig aus.

Reaktion der REWE International AG

Der beauftragte Hersteller erachtet die verwendeten Fette als notwendig.

"Als Alternative für Palmöl wird für die Kokoskuppeln eine palmölfreie Margarine eingesetzt. Da Palmöl einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren und dadurch eine festere Konsistenz aufweist, welche im Zuge der Verarbeitung benötigt wird, sind die teilweise gehärteten Fette laut Hersteller notwendig, um eine ähnliche Verarbeitbarkeit und Haltbarkeit wie beim Palmöl gewährleisten zu können."

REWE International AG 
25.08.2023

Wir empfehlen

Achten Sie in der Zutatenliste bei der Kennzeichnung von Fetten und Ölen auf den Hinweis "zum Teil gehärtet" oder "teilweise gehärtet". Solche Produkte enthalten zumeist Transfette. 

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